04-07-2025, 10:44 - Wörter:
Es war, als würden alle Pflanzen und alle Blumen um sie herum eine Art Schutzwall nach außen bilden. Dieser Moment gehörte nur ihnen beiden. Und er würde so lange andauern, wie sie ihn brauchten. Sie konnte sich in diesem Augenblick so viel Zeit nehmen, wie sie brauchten, um danach wieder mit hoch erhobenem Haupt und gestreckten Rücken hinaus zu gehen und ihre Aufgaben zu erledigen. Denn ihr Leben bestand nur aus einer Aufgabe nach der anderen. Und manchmal war eine Aufgabe auch mit der Aufgabe von sich selbst verbunden. Manchmal musste man nicht nur über seinen eigenen Schatten springen, sondern einen Teil seiner selbst zurück lassen. Gehen lassen. Man darf trauern und weinen, aber danach muss man wieder nach vorne blicken und weiter machen. Ihr Moment zum innehalten war jetzt. Hier in Matariyya, unter der beständigen Hitze der Sonne, die schon längst untergegangen war. In einem Kokon aus Blüten und Gefühlen, gefangen in der eigenen Seele. Sobald sie diese Gärten verließen, sobald sie ihre eigenen Gemächer wieder betraten und sich für die Nacht betteten, wäre dieser Moment verstrichen. Morgen früh würde das Leben weiter gehen. Würden ihre Aufgaben auf sie warten. Ab dem morgigen Tage wird sich Alles ändern. Und trotzdem wird der Sonnenuntergang am Abend der gleiche sein, wie heute, wie gestern und wie vor einem Jahr. Diese Gedanken haben ihr als junge Frau manchmal Trost gespendet. Andererseits haben sie auch so manches Mal dafür gesorgt, dass sie sich einsam, verlassen und unendlich klein fühlte.
Sanft streichelte sie die Hände ihre Tochter, während sie aufmerksam ihren Worten lauschte. Ihre samtweiche Stimme, die sie so oft aufgrund ihrer Weichheit und Güte beneidet hatte. Und nun erklärte ihr ausgerechnet diese Stimme, dass sie so gerne wäre, wie Yasirah. Am liebsten hätte sie abgewunken und laut geschnaubt, war doch in ihren eigenen Augen das die einzig richtige Reaktion, wusste jedoch auch, dass Naila in diesem Moment etwas anderes brauchte. Sie brauchte nicht die Mutter, die Schwierigkeiten hatte über die eigenen Gefühle zu sprechen, weil genau diese Gefühle eigentlich noch nie eine Rolle gespielt haben. Sie brauchte jemanden, der sie führte. Der ihr den Weg leuchtete in einer Dunkelheit, die sie selbst würde bekämpfen müssen. Und Yasirah wusste, dass ihre Tochter das schaffen würde. Sie war stark, mutig, loyal und der wunderbarste Mensch, den sie jemals getroffen hat. Ihre Intelligenz übertraf beinahe jeden einzelnen Berater am königlichen Hof, ihre Anmut überstrahlte Yasirah schon seit Jahren und ihr großes Herz brachte alle in ihrer Nähe zum Strahlen. Niemals sollte ihre wunderbare Tochter so sein, wie sie! Und genau das musste sie jetzt hören.
"
"
Sanft streichelte sie die Hände ihre Tochter, während sie aufmerksam ihren Worten lauschte. Ihre samtweiche Stimme, die sie so oft aufgrund ihrer Weichheit und Güte beneidet hatte. Und nun erklärte ihr ausgerechnet diese Stimme, dass sie so gerne wäre, wie Yasirah. Am liebsten hätte sie abgewunken und laut geschnaubt, war doch in ihren eigenen Augen das die einzig richtige Reaktion, wusste jedoch auch, dass Naila in diesem Moment etwas anderes brauchte. Sie brauchte nicht die Mutter, die Schwierigkeiten hatte über die eigenen Gefühle zu sprechen, weil genau diese Gefühle eigentlich noch nie eine Rolle gespielt haben. Sie brauchte jemanden, der sie führte. Der ihr den Weg leuchtete in einer Dunkelheit, die sie selbst würde bekämpfen müssen. Und Yasirah wusste, dass ihre Tochter das schaffen würde. Sie war stark, mutig, loyal und der wunderbarste Mensch, den sie jemals getroffen hat. Ihre Intelligenz übertraf beinahe jeden einzelnen Berater am königlichen Hof, ihre Anmut überstrahlte Yasirah schon seit Jahren und ihr großes Herz brachte alle in ihrer Nähe zum Strahlen. Niemals sollte ihre wunderbare Tochter so sein, wie sie! Und genau das musste sie jetzt hören.
"
Du bist jemand viel Besseres, als Ich. Du bist nämlich Du. Eine wunderbare Prinzessin in einem Land, das es dir nicht immer einfach gemacht hat. Ich hätte dir gerne die Möglichkeiten geschenkt, die du verdient gehabt hättest, aber leider waren mir auch immer die Hände gebunden
", sprach sie leise das aus, was ihre seit vielen Jahren auf der Seele lag. Nach heute und nach diesem Gespräch würde sie nie wieder darüber reden, denn es änderte nichts. Naila ben Sahid war die Erstgeborene eines Königs und damit war ihr Leben vorherbestimmt. Ihre Aufgabe war die Selbstaufgabe in höchstem Maße. "Mein Kind, du bist Alles, was du sein sollst. Und noch so viel mehr. Du bist gütig, intelligent, wachsam und wunderschön. Es gibt Nichts an dir, was du verändern solltest
", sprach sie weiter und sah ihr tief in die Augen. Auch in ihren Iriden schimmerten nun die Tränen. Es war ein Abschied. Nicht nur von diesem Land, sondern von ihrer Tochter und allem, wofür sie stand. Ihre wunderbaren Eigenschaften würden nun einem anderen Land, einer anderen Familie zugute kommen. "Und weißt du was? Ich bin mir sicher, dass die Castellanos deine Eigenschaften so schnell zu schätzen lernen werden, wie du brauchst, um deren Gebäck lieben zu lernen
", erklärte sie lächelnd und versuchte sich an aufmunternden Worten. "
Du bist so viel mehr, als eine Wüstenblume. Ich bin mir ganz sicher, dass du das finden wirst, was für dich bestimmt ist. Und denk daran: du hast deine Gesellschafterinnen, die dir immer zur Seite stehen. Du hast Ranya, die dich daran erinnern wird alle so anzunehmen, wie es dir serviert wird. Und du hast mich, die in Gedanken immer bei dir sein wird. Du wirst deinen Weg finden und gehen, du wirst irgendwann eine Königin werden, wie sie diese Welt noch nie gesehen hat. Dein wacher Geist wird den Unterschied machen. Du brauchtest nie so zu werden, wie ich es war, denn genauso wie du bist, bist du perfekt
", endete sie nun und führte ihre Hand an ihre Lippen, um einen sanften Kuss darauf zu hauchen.
