20-09-2025, 17:54 - Wörter:
Es war wie Öl, das man ins Feuer goss. Das Feuer nahm es mit offenen Armen entgegen und brannte nur noch umso heller, je mehr man hineingoss. Anders als Wasser, welches das Feuer unter sich begrub und verenden ließ. Und in diesem Moment waren ihre Freundinnen das Öl, das ihr Feuer heller brennen ließ, als in den letzten vergangenen Tagen. Und es war, als loderten die Flammen in ihren Augen, während sie von ihrer Heimat erzählte. Doch gleichzeitig war da auch ein Stich in ihrer Brust, der ihr zu sagen versuchte, dass es Heimweh war, was sie des nachts plagte. Dieses Gefühl, das sie oft nicht schlafen ließ. Doch jetzt in diesem Moment war da nur unbändige Liebe. Für sich selbst, für ihre Heimat, und für ihre Prinzessin, die alles symbolisierte, was sie an Matariyya so liebte. Sie war die zurückhaltende Leidenschaft, die sich dezent Bahn brach, wenn man nicht damit rechnete, sie war die liebende und heiße Wüste, die mit offenen Armen auf Besucher wartete, sie war die sengende Hitze, die kein Blatt vor den Mund nahm. Prinzessin Naila Castellanos war Alles, was Rajani an ihrem Land liebte. Und nun würde sie dieses Land zu einem Besseren machen. Und auch, wenn sie traurig darüber war, dass Matariyya von nun an auf seine Prinzessin verzichten musste, wusste sie, dass Castandor ein wundervolles Geschenk überreicht bekommen hat, als Naila und Orpheus den Bund der Ehe geschlossen haben. Auch heute noch dachte die Parikh gerne an diesen Tag zurück. Er war so voller Respekt und Freundlichkeit... Und der Abend, den sie mit dem Cousin des zweiten Erben der Castellanos verbracht hatte, war feurig und leidenschaftlich gewesen. So, wie sie es am liebsten mochte. So, wie sie war. Heiß, temperamentvoll, voller ungezügelter Wildheit.
"
Etwas entgeistert schlug sie sich dramatisch die Hand vor den geöffneten Mund. "
"
Ihr kennt keine Pfaue?
", fragte Rajani völlig perplex und war damit so schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen, dass sie sich beinahe wehgetan hätte. Sie starrte Aurora mit geöffnetem Mund an und blinzelte ein paar Mal überdeutlich. Ihr fiel es schwer zu verstehen, dass nicht jeder das kannte, was sie selbst kannte. Dabei war es anders herum ja genauso. Aber in ihrer eigenen kleinen Welt gab es eben nur Matariyya und nun ein Stückchen Castandor. Und somit musste jeder genau das kennen, was sie auch kannte. Dabei ergab das ja überhaupt gar keinen Sinn. Etwas entgeistert schlug sie sich dramatisch die Hand vor den geöffneten Mund. "
Entschuldig bitte meine Überraschung. Manchmal vergesse ich, dass die wenigstens Leute hier schon mal über die See gesegelt sind, um unsere ferne Heimat zu besuchen
", erklärte sie achselzuckend und konnte hören, wie Naila neben ihr anfing an einem kleinen Keks zu knabbern. Wenn das nicht mal das schönste Kompliment für die Gesellschafterin war: dass ihre Prinzessin losließ und sich zurücklehnte. "Also Pfaue...
", fing sie an und legte dann fragend den Kopf schief. Unsicher warf sie einen kurzen Blick zu Naila, ehe sie fortfuhr. Naila würde sie schon unterbrechen, wenn sie völligen Quatsch erzählte. "Das sind Vögel, denke ich. Sie haben Flügel, aber... ich habe sie ehrlich gesagt noch nie fliegen sehen
", murmelte sie und war nun doch deutlich verwirrt. Sie zog die Stirn kraus und strich sich unsicher durch die dunklen Locken. "Ähm... also wie auch immer. Das sind so große Tiere
", fuhr sie weiter fort und deutete mit den Armen an, wie groß in etwa ein Pfau war und hätte dabei Naila beinahe den Keks aus der Hand geschlagen. Sie lehnte sich ein bisschen zur Seite, um ihre Ausführung beenden zu können. "Und du kannst dir nicht vorstellen, was für wunderschöne Federn sie haben. Man nennt ihre Federn auch 'Pfauenaugen', weil da in der Spitze ein leuchtend blauer Kreis drin ist, der beinahe aussieht wie ein Auge. Und das auf. Jeder. Einzelnen. Feder. Kannst du dir das vorstellen?
", endete sie überschwänglich und wollte gar nicht unbedingt einen Antwort erhalten. "Falls ich irgendwann mal die nötige Geduld und vielleicht das nötige Können habe, dann male ich Euch mal einen Pfau auf
", versprach sie grinsend und nahm sich ebenfalls noch einen Keks. Sie hatte jetzt so viel geredet, dass sie erst einmal eine Stärkung brauchte. "Oh seht doch nur, die Sonne geht schon bald unter"
, stellte Rajani mit leuchtenden Augen fest und deutete mit dem Finger auf das goldene Licht, das von oben auf sie herunter schien.
