03-12-2025, 18:22 - Wörter:
Abwechselnd glitt ihr Blick zwischen dem Söldner und dem flackernden Lagerfeuer hin und her. Ab und zu knackte das Holz, was ein sichtbares Zucken der jungen Frau nach sich zog. Das Leben unter dem offenen Sternenhimmel war ihr neu, es würden ihre ersten Nächte unter freiem Himmel sein und sie spürte die nagende Sehnsucht nach einer weichen Matratze und einem Dach über dem Kopf. Der Wunsch nach diesem Abenteuer war so übermächtig gewesen, dass sie genau wusste, was ihre Antworten, auf seine Fragen gewesen wären. Sie wusste, dass er Recht hatte. Sie hätte das Gefühl gehabt, etwas zu verpassen. Die verzweifelte Angst, vielleicht sogar die Chance ihres Lebens verpasst zu haben. Und wenn die Truppe am Ende wirklich mit einem Drachen gekämpft hätte, dann hätte Freyja vermutlich nicht gewusst, wie sie ihr Leben weiter machen sollte, nach einer solchen Enttäuschung. Und trotzdem - obwohl sie wusste, dass es ihr in Farynn nicht besser ergangen wäre (vor allem nicht, wenn sie immer noch für die alte Schrulle in der Taverne gearbeitet hätte!) - tat sie sich schwer mit dem Abenteuer, was nun vor ihr lag. Sie war zerrissen und ungeduldig, ängstlich und voller Vorfreude. Es waren immer Licht und Schatten, die miteinander kämpften. So, wie es das Lagerfeuer gerade tat. Mal gewann das Feuer, mal die Dunkelheit.
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Diebstahl, Mord und Totschlag?
", wiederholte sie die drei Worte, die ihr am Ende am prägnantesten im Kopf geblieben sind. Sie richtete nun ihre volle Aufmerksamkeit auf den jungen Mann und legte neugierig den Kopf schief. Plötzlich waren alle die Unsicherheiten vergessen und die Geschichten von einem Leben voller Entbehrungen, aber dafür jede Menge Abenteuer, ließen sie an seinen Lippen hängen. "Aber... das bezieht sich nicht auf Euch, oder?
", fragte sie leicht verunsichert und gleichermaßen fasziniert. Ihr kam zwar der Gedanke, dass Rowan gefährlich sein könnte, aber nachdem sie nun aktuell auch beide auf der gleichen Mission waren, hoffte sie, dass ihr das so oder so ein paar Pluspunkte einbringen würde. Sie glaubte nicht, dass er ihr etwas tun würde. Allerdings würde es vielleicht bedeuten, dass sie aufmerksamer war. Sie hoffte für den Moment, dass seine Antwort insofern zufriedenstellend ausfallen würde, als dass er ihr versichern würde, dass er immer der Gute in seinen Geschichten war. Und nicht der, der aus Spaß an Tod und Leid mordete. Letzteres würde sie zugegebenermaßen sehr verunsichern... und sie versuchte sich jetzt schon einen Plan zurecht zu legen, wie sie bei einer solchen Antwort nun weiter machen würde."
Bis gerade eben wusste ich gar nicht, dass es überhaupt besonders redselige Söldner mit Weisheiten gibt. In Farynn habe ich mehr eine andere Sorte von Söldnern kennen gelernt
", antwortete sie grinsend und zuckte beinahe resigniert mit den Schultern. "Ihr habt ja sowas von Recht. Ich wäre am Boden zerstört, wenn ich nicht mitgekommen wäre
", antwortete sie beinahe ein bisschen quengelnd, weil sie selbst wusste, wie unpassend ihre Gefühle eigentlich waren. Sie waren ambivalent und irgendwie so gar nicht erwachsen. Dabei war sie doch extra aufgebrochen, um endlich aus ihren Kinderschuhen zu schlüpfen, um endlich herauszufinden, wer sie wirklich war. Nicht nur das Findelkind, das eine Familie im Winterland aufgenommen hatte, sondern eine eigenständige Person mit Gedanken, Emotionen, Wünschen und Sorgen. Doch aktuell fühlte sich diese ganz und gar nicht nach eigenem Wachstum an. "Wo habt Ihr Eure ganzen Weisheiten überhaupt her? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Verbrecher mit dem auf sie ausgesetzten Kopfgeld so philosophisch sind?!
", überlegte sie laut und schenkte ihm ein beinahe herausforderndes Lächeln.

