07-02-2026, 13:42 - Wörter:
Der Wind zerrte an den kahlen Zweigen, als wollte er jede einzelne Regung in seinem Reich hörbar machen, doch Lindgard verharrte, äußerlich ruhig, innerlich aufgewühlt. Sie sah, wie Aleena ihre Haltung veränderte, wie sich etwas in ihrem Blick verschloss. Sie spürte, wie Höflichkeit an die Stelle von Offenheit trat. Und es traf sie unerwartet tief. Nicht, weil es sie verletzte, sondern weil sie begriff, dass ihre Worte, ihre Distanz diesen Rückzug ausgelöst hatten.
Einen Herzschlag lang hielt Lindgard den Atem an. Sie hatte nicht beabsichtigt, Aleena derart zurückzuweisen. Es war weder offen, noch hart gewesen, und doch hatte sie es getan. Nicht mit Worten, sondern mit ebenjener Distanz, die sie wie eine Rüstung trug. Und jetzt sah sie, was diese anrichtete. Ihr Blick glitt über die feinen Züge der Kronprinzessin, über die sorgfältig bewahrte Haltung, hinter der Lindgard plötzlich etwas sehr Vertrautes erkannte: Einsamkeit. Nicht die laute, verzweifelte Einsamkeit, sondern jene leise, höfische Variante, umgeben von Menschen, und doch innerlich allein. Lindgard spürte ein Ziehen in der Brust. Denn sie selbst erging es nicht viel anders. Während jedoch Aleena zu viel wollte, zu viel Nähe, zu viel Wahrheit, zu viel Verbundenheit, wollte Lindgard zu wenig: Schutz, Abstand, Kontrolle.
Und genau darin, das erkannte sie plötzlich, ähnelten sie sich auf eine schmerzhafte Weise. Die Prinzessin senkte den Blick zur nahezu makellosen Schneedecke, atmete einmal tief ein und ließ die Kälte in ihre Lungen ziehen, als könnte sie damit auch ihre eigenen Gedanken klären. Der Drang, sich erneut hinter höflichen Floskeln zu verschanzen, war stark. Doch widerstand sie ihm dieses Mal, hob stattdessen langsam den Blick wieder. Aleenas Worte – ihr Angebot, ihr Raumlassen, ihr vorsichtiges Lächeln – berührten sie mehr, als sie zeigen wollte. Es war keine Forderung, kein Druck, eher eine offene Tür, die Lindgard nicht gewohnt war.
»Ich weiß Euer Angebot zu schätzen«, sagte sie leise, sorgfältig, ohne Eile. Ihre Stimme war ruhiger als zuvor, doch ein Hauch von Wärme schwang mit. »Mehr, als Ihr vielleicht ahnt.« Nun, kein großes Geständnis, aber zumindest ehrlich gemeint. Sie ließ den Satz einen Moment zwischen ihnen wirken, bevor sie fortfuhr. »Schweigen kann tatsächlich heilsamer sein als viele Worte.« Ein kaum wahrnehmbares Lächeln huschte über ihre Lippen, kurz, viel zu vorsichtig, aber diesmal zumindest nicht ganz so leer wie sonst.
Als Aleena den Spaziergang ansprach, zögerte Lindgard kurz. Es war jener alte Reflex, Rückzug statt Bewegung, Alleinsein statt Nähe. Doch diesmal hielt sie inne. Spürte den stillen Wunsch ihrer Schwägerin, nicht zurückgewiesen zu werden, und erkannte, dass auch sie selbst dieses Gefühl nur zu gut kannte. »Ich habe nichts, was mich drängt.« Sie machte einen kleinen Schritt vorwärts, sodass ihre Stiefel den Schnee leise knirschen ließen, und stellte sich an Aleenas Seite. Nicht zu nah, aber nah genug, um gemeinsam zu gehen. »Wenn Ihr mögt, können wir den Weg entlang der alten Hecken nehmen. Der Wind ist dort weniger scharf.« Als Tochter Norsteadings störte sie sich nichtmal an den eisigsten Böen, doch sie wusste, dass die Kronprinzessin dies vermutlich nicht nachvollziehen konnte, deswegen diese schlichte Einladung in den Schutz des Kirschlorbeers, doch für Lindgard war sie mehr als das. Während sie sich in Bewegung setzten, ließ Lindgard ihren Blick über die ihr so heimelige Landschaft schweifen. Still. Weit. Unveränderlich. Und doch fühlte sich etwas anders an als zuvor.
Einen Herzschlag lang hielt Lindgard den Atem an. Sie hatte nicht beabsichtigt, Aleena derart zurückzuweisen. Es war weder offen, noch hart gewesen, und doch hatte sie es getan. Nicht mit Worten, sondern mit ebenjener Distanz, die sie wie eine Rüstung trug. Und jetzt sah sie, was diese anrichtete. Ihr Blick glitt über die feinen Züge der Kronprinzessin, über die sorgfältig bewahrte Haltung, hinter der Lindgard plötzlich etwas sehr Vertrautes erkannte: Einsamkeit. Nicht die laute, verzweifelte Einsamkeit, sondern jene leise, höfische Variante, umgeben von Menschen, und doch innerlich allein. Lindgard spürte ein Ziehen in der Brust. Denn sie selbst erging es nicht viel anders. Während jedoch Aleena zu viel wollte, zu viel Nähe, zu viel Wahrheit, zu viel Verbundenheit, wollte Lindgard zu wenig: Schutz, Abstand, Kontrolle.
Und genau darin, das erkannte sie plötzlich, ähnelten sie sich auf eine schmerzhafte Weise. Die Prinzessin senkte den Blick zur nahezu makellosen Schneedecke, atmete einmal tief ein und ließ die Kälte in ihre Lungen ziehen, als könnte sie damit auch ihre eigenen Gedanken klären. Der Drang, sich erneut hinter höflichen Floskeln zu verschanzen, war stark. Doch widerstand sie ihm dieses Mal, hob stattdessen langsam den Blick wieder. Aleenas Worte – ihr Angebot, ihr Raumlassen, ihr vorsichtiges Lächeln – berührten sie mehr, als sie zeigen wollte. Es war keine Forderung, kein Druck, eher eine offene Tür, die Lindgard nicht gewohnt war.
»Ich weiß Euer Angebot zu schätzen«, sagte sie leise, sorgfältig, ohne Eile. Ihre Stimme war ruhiger als zuvor, doch ein Hauch von Wärme schwang mit. »Mehr, als Ihr vielleicht ahnt.« Nun, kein großes Geständnis, aber zumindest ehrlich gemeint. Sie ließ den Satz einen Moment zwischen ihnen wirken, bevor sie fortfuhr. »Schweigen kann tatsächlich heilsamer sein als viele Worte.« Ein kaum wahrnehmbares Lächeln huschte über ihre Lippen, kurz, viel zu vorsichtig, aber diesmal zumindest nicht ganz so leer wie sonst.
Als Aleena den Spaziergang ansprach, zögerte Lindgard kurz. Es war jener alte Reflex, Rückzug statt Bewegung, Alleinsein statt Nähe. Doch diesmal hielt sie inne. Spürte den stillen Wunsch ihrer Schwägerin, nicht zurückgewiesen zu werden, und erkannte, dass auch sie selbst dieses Gefühl nur zu gut kannte. »Ich habe nichts, was mich drängt.« Sie machte einen kleinen Schritt vorwärts, sodass ihre Stiefel den Schnee leise knirschen ließen, und stellte sich an Aleenas Seite. Nicht zu nah, aber nah genug, um gemeinsam zu gehen. »Wenn Ihr mögt, können wir den Weg entlang der alten Hecken nehmen. Der Wind ist dort weniger scharf.« Als Tochter Norsteadings störte sie sich nichtmal an den eisigsten Böen, doch sie wusste, dass die Kronprinzessin dies vermutlich nicht nachvollziehen konnte, deswegen diese schlichte Einladung in den Schutz des Kirschlorbeers, doch für Lindgard war sie mehr als das. Während sie sich in Bewegung setzten, ließ Lindgard ihren Blick über die ihr so heimelige Landschaft schweifen. Still. Weit. Unveränderlich. Und doch fühlte sich etwas anders an als zuvor.

