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Winter wakes the Wolf
15.09.1016 - 15:00
Burg der Stelhammer, Reinkas Gemach
Trigger: Erwähnung von Ehebruch
Leif Stelhammer Reinka Norrholm

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Reinka Norrholm
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#8
Reinka ließ den Atem langsam durch die Nase entweichen, kaum hörbar, ein leiser, nachsichtiger Laut, einer , den man einem widerspenstigen Bruder schenkte, wenn man ihn durchschaute und ihm dennoch nicht böse sein konnte. Denn so sah ein gebrochener Mann aus. Gerade war Leif nicht der unbesiegbare Thronfolger, nicht der spindeldürre Junge, der sie einst über den Burghof gejagt hatte, um sich sein Lieblingsholzschwert zurückzuholen. Er war jemand, den die Welt zu früh, zu hart gepackt hatte. Verantwortung machte selbst junge Männer alt; bei Leif hatte sie es in einem einzigen Nachmittag geschafft. Und so überließ sie ihn seinen Gedanken, wie man einem Verwundeten die Hand hält, wenn dieser das Messer aus seinem Fleisch ziehen will: voller Ruhe und Vorsicht, ohne an der Klinge zu reißen.

Reinka sah, wie Leif den Kopf senkte, wie er sich in seine Hände vergrub, als könnte er darin verschwinden. Sie verspürte wieder diesen Drang, aufzustehen, den Abstand zu überbrücken, ihre Hand auf seinen Nacken zu legen, um ihn an sich zu ziehen. Nicht als Prinzessin oder als Schwester eines Thronfolgers, sondern einfach als Mensch. Doch sie blieb sitzen, hielt sich zurück. Er brauchte Raum, um nicht zu zerbrechen. Und sie brauchte Geduld, um ihn nicht zu drängen, bevor er bereit dazu war, sich ihr vollkommen zu öffnen. Sie ließ ihn atmen. Ließ die Stille zwischen ihnen sich ausbreiten, ohne sie zu verteufeln. Das Zimmer war kalt; der Kamin dunkel. Nur das Licht des späten Nachmittags fiel schräg über den Boden, streifte den zersplitterten Stuhl, glitt über die gefallene Axt und blieb schließlich auf Leifs gesenktem Kopf liegen.

Als er schließlich sprach – leise, rau, beinahe hohl –, hörte sie mehr als nur Worte. Sie hörte Angst. Sie hörte Schuld. Sie hörte ein Versprechen, das er sich selbst gegeben hatte und nun fürchtete, es nicht halten zu können. Reinka nickte kaum merklich. Sie antwortete nicht sofort. Sie ließ seine Bitte im Raum stehen, ließ sie schwer werden, bis sie beinahe greifbar war. Dann hob sie den Blick, fest und klar. »Sie wird es nicht von mir erfahren.« Keine Beschwörung, das hatte Reinkas Wort noch nie nötig gehabt. Es war lediglich eine einfache Tatsache, so hart wie das ewige Eis in der Einöde. Als er weiter sprach, spürte sie den Druck seiner Verzweiflung wie eine Welle. Sie sah, wie sein Kopf sich noch tiefer senkte, wie seine Hände sich in seinen Nacken gruben, als könnte er darin verschwinden.

Und dann kam das Schweigen. Das Schweigen auf ihre Frage. Ein Stelhammer antwortete selten mit Worten, wenn die Wahrheit zu groß war. Reinka sah ihn an. Lange, aufmerksam, ohne Urteil. Und sie verstand. Mehr als jede Erklärung es je vermocht hätte. Er formulierte kein lautes Bekenntnis, verlor sich nicht im unnötigen Pathos. Nur dieses leere, erschöpfte Schweigen, das ihr alles sagte, was sie wissen musste. Ihr Herz zog sich zusammen, und diesmal ließ sie es zu. Ein wenig mehr Gefühl als sonst schlich sich in ihre Brust, weich, ungeschützt – die Wirkung ihrer Schwangerschaft, die sie dünnhäutiger machte, als es ihr zuträglich war. Sie schluckte trocken, fast unmerklich. Nicht aus Eifersucht oder Zorn, sondern aus dem schlichten Wissen, dass ihr Bruder gerade etwas verlor, das er vielleicht nie ganz besitzen durfte. Reinka blieb sitzen. Sie beugte sich nicht vor, legte ihm nicht die Hand auf. 

Stattdessen sprach sie ruhig, bedacht, mit jener leisen Wärme, die sie gelegentlich, aber ausschließlich für ihre Geschwister und ihren Ehemann reservierte. »Ich habe nicht gefragt, um dich zu richten, Bruder.« Eine kleine Pause. Ihr Blick blieb auf ihm. »Ich habe gefragt, weil ich wissen muss, wie weit du gehen würdest.« Sie ließ den Satz wirken. Dann, leiser: »Dein Schweigen hat mir bereits geantwortet.« Ein kaum sichtbares, nachsichtiges Lächeln huschte über ihre Züge. Nicht spöttisch, sondern verständnisvoll, beinahe traurig. In ihrem Kopf ordneten sie ihre Gedanken wie einst die Verteidigungslinien auf dem Planungstisch ihres Vaters. Wenn er sie liebte – wirklich liebte –, dann war diese Frau keine flüchtige Schwäche. Dann war Valda kein Fehltritt, sondern ein Band. Ein Band, das man nicht einfach durchtrennen konnte, ohne Blut zu vergießen.

Und Blut würde fließen, wenn ihre Mutter es herausfand. Reinka spürte das Gewicht dieser Erkenntnis in ihren Knochen. Sie ließ ihren Blick kurz über Leif wandern, wie er dort saß, zusammengesunken, und etwas in ihr entschied sich endgültig. Sie würde ihn nicht fallen lassen, aber sie würde auch nicht zulassen, dass er sich selbst ins Verderben stürzte. Langsam hob sie die Hand von der Sessellehne und legte sie – zum ersten Mal – auf ihren Bauch. Eine stille Erinnerung an das Leben, das sie selbst trug. »Atme«, sagte sie schließlich, ruhig. »Nur für einen Moment.« Kein Befehl, eher eine Bitte.
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