04-03-2024, 16:27 - Wörter:
Curious Hearts
Sometimes, the greatest love story begins with a stranger.

Es schickte sich nicht für eine Prinzessin, sich auf die Lippe zu beißen und prompt wurde Naila daran erinnert, als sie ein schwaches Stupsen gegen ihre Seite spürte. Braune, hellwache Augen flatterten über ihre Schulter, wo Rajani stand und sie mit einem besorgten Blick bedachte. Ihr eigener Blick erweichte sich, ging nicht mehr so rigoros mit sich selbst ins Gericht, während sie sich besann, wo sie hier eigentlich stand. Egal, ob sie hier auf den Mann wartete, der ihr so ein Kopfzerbrechen bereitete, egal, wie sehr sie sich dafür schelten wollte, ihre Aufgabe nicht besser hinzubekommen, all diese Sorgen gehörten in ihre privaten Gemächer, nicht in das geschäftige Treiben eines Saales, der gefüllt war mit Menschen, die ihr fremd waren. Wieder richtete sich ihr Blick nach vorne auf die Stoffe, die man für sie ausgebreitet hatte, doch sie schwieg. Unauffällig rieb sie mit dem Daumen über die nackte Haut ihres Ringfingers und wartete.
Erst, als die Tür in ihrem Rücken aufschwang, drehte sie ihren Kopf in die Richtung der Ankommenden, dabei hätte sie auch ohne Hinschauen erraten können, wer sich ihr näherte. So wenig schlau sie aus Orpheus innerem Vorgehen wurde, so detailliert hatte sie sich doch das eingeprägt, was er ihr zu sehen erlaubte. Den leichtfüßigen, fast vorsichtigen Gang, der Körper immer ein wenig so ausgerichtet, als wolle er der Luft möglichst wenig Widerstand bieten. Seine Gesichtszüge wirkten verträumt, fast abwesend, aber seine Augen waren genauso wach wie die ihren. Naila wagte es für eine Sekunde, sich seinem Blick hinzugeben, dann senkte sie ihre Lider und neigte ihren Kopf in einer höflichen Begrüßung. „Mein Prinz.“ Obwohl um sie herum reges Treiben herrschte, wohnte ihrer Stimme eine sanfte Ruhe bei, die sie sich auch noch zu behalten gedachte, wenn um sie herum ein Sturm tobte. „Ich hoffe, wir reißen Euch nicht aus Eurer Geschäftigkeit. Es wurde nach mir verlangt, um über die Dekoration unserer Hochzeit zu entscheiden, aber ich dachte mir, Ihr möchtet vielleicht auch Teil der Entscheidung sein.“ War es dumm von ihr, ihn aus so einem banalen Grund herzubestellen? Hätte sie sich eine bessere Ausrede einfallen lassen sollen, um ihn überhaupt noch einmal zu Gesicht bekommen, bevor sie gemeinsam vor dem Altar standen? Naila war willig genug, die kleinste Gelegenheit beim Schopf zu packen und ihn in den Umgang mit ihr zu zwingen – auf die indirekte Art. Auf ihre Art.
Mit einem Nicken wandte sie sich den Stoffen zu, die vor ihnen ausgebreitet auf dem Tisch lagen. Der eine war in ein sattes Rot getaucht mit goldenen, geschwungenen Akzenten. Der zweite hielt sich an die blauen Akzente, die an das Meer an der Küste erinnerten, wie es gegen die Wellen brach. Die dritte Auswahl wechselte ab zwischen kräftigem Purpur und sanftem Flieder – Nailas persönlicher Favorit, den sie allerdings noch nicht preisgeben wollte. „Ich habe die Auswahl bereits auf drei Themen runterbrechen können, vermochte mich aber nicht weiter zu entscheiden. Ganz besonders in Hinsicht darauf, welche Blumen in Frage kommen könnten.“ Diese Entscheidung wartete nämlich schon am nächsten Tisch darauf, getroffen zu werden.
