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We will always carry our chains.
12.10.1016 - 08:00
Festung Kenmaras

Herbstland
Cathal Fraser
Herbstland
Alter 25
Beruf Prinz von Kenmara
Wohnort Kenmara
Stand Verlobt
User Natsch
#5
Cathal hörte den kleinen Atemzug, dieses winzige Geräusch, das sich durch seinen Gehörgang fraß, in seinen Verstand drang und ihm deutlich machte, dass er sie völlig unvorbereitet getroffen hatte. Und da hätte Genugtuung sein sollen – unverhohlen und verbittert ehrlich. Doch es war keine Genugtuung da. Stattdessen regte sich etwas anderes in ihm, etwas, das er nicht benennen wollte. Nicht jetzt. Vielleicht nie.

Ihre Worte veränderten diesen Zustand nicht; auch wenn sie an seinen gesunden Verstand appellierten – den er stets für makellos gehalten hatte – und an die Tatsache, dass Maebh seinen Zorn weder jetzt noch je in irgendeiner Form verdient hatte. Es störte ihn, dass ihm das bewusst war, denn es bewies, wie fehlbar sein Handeln war – und dass es noch immer Bereiche seines Wesens gab, die er vor ihr nicht abgeschottet hatte.

Und es wäre sicher leicht gewesen, sich zu entschuldigen – zuzugeben, dass der Stress über diese Veränderung sein Urteilsvermögen getrübt hatte, dass seine Launen unberechenbar waren. Doch Cathal weigerte sich. Er brauchte einen Schuldigen. Jetzt. Irgendeine Projektion für all das, was in seinem Leben schiefgelaufen war, einen Sündenbock, der seine eigene Unzulänglichkeit kaschierte. Dass Maebh nun dieser Sündenbock wurde, war ungerecht – und doch erschien es ihm die einzig logische Schlussfolgerung. Ein Teil von ihm klammerte sich verzweifelt an den Gedanken, dass sie schuld sei, weil er sich selbst nicht die Schuld eingestehen konnte, nicht für seine Schwäche, nicht für die Einsamkeit, die er in seinem Innern kultiviert hatte.

Ihre Antwort auf seine Worte ließ ihn erkennen, dass es – zumindest offenkundig – nicht ihre Absicht war, ihn zu bevormunden oder an seinen Fähigkeiten zu zweifeln. Doch es widersprach dem Bild, das sich in seinem Kopf von ihren Motiven geformt hatte, und den Gedanken, von denen er glaubte, dass sie sie seinem Vater in den Kopf gesetzt hatte. Dass sein Vater diese Entscheidung womöglich für sich selbst getroffen haben könnte, war Cathal nie in den Sinn gekommen – und er wusste nicht, was diese Erkenntnis mit ihm anstellen würde.

Gerade wollte Cathal ansetzen, zurückzufeuern und seinem Zorn freien Lauf lassen, da erhob Maebh plötzlich strenger ihre Stimme – und etwas ließ den 25-Jährigen unwillkürlich zurückzucken. Ihr Griff war überraschend fest, ein Druck, der mehr forderte, als er gewohnt war, und obwohl es ihm widerstrebte, ihrer Aufforderung zu folgen, ließ er sich auf einen der Stühle in seinem Gemach ziehen.
Der Kontakt mit ihr war ungewohnt, irritierend – ein Erinnern daran, dass Nähe für ihn nie leicht war. Seine Hände ballten sich zu Fäusten, während sie auf seinen Oberschenkeln ruhten, sein Kiefer mahlte, und das Gold seiner Augen funkelte widersetzlich, halb wütend, halb unwillig beeindruckt. Jeder Muskel seines Körpers spannte sich gegen die Nähe, die er instinktiv abwehrte, doch gleichzeitig wusste er, dass er sich dem nicht völlig entziehen konnte.

Er ließ sie aussprechen – zum einen, weil er nicht sofort wusste, was er antworten sollte, zum anderen, um ihre Worte zu prüfen, jede Nuance zu erspüren, jede kleine Veränderung in Tonfall oder Atem, die eine Lüge hätte verraten können. Ihre Ansicht lag so weit entfernt von seiner eigenen Wahrnehmung der Realität, dass ihm ein leises, zynisches Schnauben entfuhr.
„Und glaubst du, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat?“
Seine Stimme war kontrolliert, doch unter der Oberfläche grollte es in seiner Brust wie ferne Donner. Es war ein Prüfstein, den er ihr in den Weg warf.
Cathal lehnte sich leicht zurück, die Beine angespannt, als wolle er Raum zwischen sich und Maebh schaffen. Jeder Muskel in seinem Körper war auf Alarm: die Schultern gespannt, die Hände halb geballt, die Finger krallten sich leicht in den Stoff seiner Hose. Gleichzeitig konnte er sich nicht vollständig entziehen – der Kontakt, ihre Nähe, ließ ihn widerwillig aufmerken, wachsam und unruhig, wie ein Tier, das sich verteidigen will, obwohl es gefesselt ist.
„Nur weil dir das Recht nicht verliehen wurde, heißt das nicht, dass du keine Entscheidung treffen kannst. Es ist allgemein bekannt, dass Frauen unterschwellig mehr Macht besitzen, als ihre Männer ihnen zugestehen wollen – und manchmal sogar mehr, als sie selbst zu erkennen wagen.“
In diesem Moment musste er an Moira denken – an ihren scharfen Verstand, den er über Jahre hinweg geformt hatte, nicht, um sie zu einer bloßen Begleiterin irgendeines Fürsten zu machen, sondern damit sie niemals nur eine willenlose Figur neben der Macht eines Mannes sein würde. Er spürte den Stolz, der wie ein leises, warmes Feuer in seiner Brust brannte, gemischt mit dem Wissen, dass diese leise Macht – unterschwellig, unsichtbar und doch unerschütterlich – mehr bewirken konnte, als rohe Stärke jemals vermöchte. Er unterschätzte Frauen nicht.

Maebhs Geständnis über die Hochzeit ließ ihn kurz innehalten – mehr noch die Tatsache, dass sie ihn quasi in den Kreis ihrer Kinder einschloss. Für Cathal hatte sich das immer falsch angefühlt, weil sie nur wenige Jahre trennten.
„Diese Welt ist nicht dafür gemacht, dass wir glücklich sind, Maebh.“
Seine Stimme klang rau, doch nicht so scharf wie zuvor. Damit wollte er weder ihr Unglück relativieren, noch sein eigenes. Er wollte es nüchtern betrachten, so wie er alles betrachtete.
Dass sie, ebenso wie er, keine Wahl gehabt hatte, war ihm nicht in den Sinn gekommen – auch wenn es offensichtlich war. Er sah nur den Vorteil, den diese Hochzeit ihr gebracht hatte – und den Nachteil, den sie ihm bescherte. Vielleicht war genau das das Kaputte an seiner Denkweise: Für ihn musste alles eine Optimierung seines Selbst sein. Einfach zu leben, ohne zu kalkulieren, war ihm unmöglich.

Und da war es wieder: dieses Verständnis. Ihr unerträglicher Wunsch, sein Leben nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten. Er wollte nicht, dass sie so etwas aussprach, denn Maebh war einer der wenigen Menschen, deren wahre Absichten er nicht aus ihrer Stimme herauslesen konnte – oder vielmehr: deren Absichten er nicht von den eigenen Projektionen unterscheiden konnte.
Ihre Frage war berechtigt, doch die Antwort schmeckte ihm bitter, denn sie spiegelte seine eigene Angst.
„Seit du da bist, zweifelt mein Vater an mir.“
Es war ein reines Empfinden, das ihn zugleich erschütterte und noch härter zu sich selbst werden ließ. Ein Gedanke, der seinen Verstand um das Urteilsvermögen beraubte, ihn wie ein kalter Wind von innen durchzog. Ein Vorwurf, der ungerechtfertigt war – und zugleich eine Lüge, die nur er sich selbst erzählte, denn die Zweifel stammten nicht von ihr, sondern aus seinem eigenen Herzen, genährt von Stolz, Einsamkeit und der steten Angst, nie genug zu sein.
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RE: We will always carry our chains. - von Cathal Fraser - 09-02-2026, 14:35

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