14-02-2026, 07:21 - Wörter:

Menschen waren leicht zu manipulieren mit ihren Träumen, die oft größer waren als sie selbst. Noch leichter fiel es Keeran mit Menschen, die ihren Traum bereits in den Händen gehalten hatten und jetzt wussten, was sie vermissten.
Freiheit war eine größere Droge, als Opium es je sein könnte.
Dennoch erwiderte der Händler nichts direkt auf die Aussage, sich der Präsenz der Wachen deutlich bewusst, die vielleicht nicht so aussehen mochten, als würden sie jedem Gesprächsfaden folgen; doch wer Ohren hatte, der würde zwangsläufig hören, und wer eine Zunge hatte, der würde zwangsläufig reden. Einzig das leichte Lächeln zeugte davon, dass er auf den trockenen Humor des Prinzen reagierte, in seinen Augen sogar der Glanz von etwas Tieferem. Mitgefühl vielleicht, allerdings nicht ausgesprochen. Die Frage auf der Zunge, die er sich für später aufhob.
Das Lächeln wurde breiter und erreichte seine Augen, als Nadir vom Armdrücken sprach.
“Einmal, und - soweit ich mich erinnere - zugunsten Eurer Hoheit.”
Natürlich machte er sich nichts vor. Die körperlichen Tage im Bauch eines Schiffes lagen hinter ihm, und selbst, wenn die alte Stärke und Geschwindigkeit noch irgendwo in ihm verankert war wie ein Schatten, den er nicht abschütteln konnte… Gegen Nadir, dessen Arme geschult waren durch gezieltes Kampftraining, hatte er keine Chance. “Das Ergebnis wird heute wohl kaum anders aussehen. Aber wir können es gern auf die Probe stellen?”
Wenn er seinem Freund etwas Ablenkung aus dem tristen Alltag bescheren konnte, dann störte er sich nicht daran, etwas von seiner eigenen Würde einzubüßen. Wenn überhaupt, dann war er sowieso der Meinung, dass richtiges Kräftemessen erst begann, wenn man neben Muskeln auch seinen Kopf aktivierte.Dass sie eine andere Definition von ’Freund’ hatten, quittierte Keeran mit einem Schmunzeln, auch wenn er Nadirs Worte nicht für voll nahm. Er war wie eine Katze, die aus Langeweile beim Spielen die Krallen ausfuhr und provozierte, um eine Reaktion aus ihrem Spielgefährten zu locken. Ein wenig die Wasser testen, doch im Grunde harmlos. Dennoch war er sich des Blickes bewusst, den er für einen Moment hielt, nachdem er sich Nadir gegenüber gesetzt hatte. Belustigt. Ein wenig mit dem Spiel mitziehend, das der Prinz dirigierte, nur um zu sehen, wohin es ihn führte.
Statt direkt auf die offensichtliche Herausforderung zu reagieren, lenkte er den Fokus allerdings um und fragte:
“Dann müsst Ihr sicher viele Freunde haben. Zählen Eure Ausbilder und Reisebegleiter auch dazu?”
Keeran legte seinen Stock neben sich auf den Teppich, lehnte sich nach vorne und stellte die Schatulle auf den kleinen, runden Ornamenttisch zwischen ihnen ab. In der gleichen Bewegung griff er nach der Wasserpfeife, die ohne Zweifel regelmäßig ausgetauscht wurde und trotzdem Gebrauchsspuren aufwies. Der Kopf war bereits aufgeraucht und trotzdem verströmte er den süßlichen Geruch von Tabak und Opium. “Direkt von der Quelle”
, antwortete er in dem natürlichen Selbstbewusstsein eines Händlers, dessen Produkte für sich sprachen. Sicher hatte er damals die Möglichkeit ergriffen, Nadir bei einer Pfeife im Bordell besser kennenzulernen; aber er hatte nicht gelogen, als er ihm damals gesagt hatte, er könnte besseres, reineres Opium besorgen. Schweig und genieße, drückte sein Handeln aus, während er in routinierten Griffen den alten Pfeifenkopf leerte, ihn trocknete und schließlich die Schatulle öffnete - genau so weit, dass Nadir einen Blick auf die dunkelgrüne Masse erhaschen konnte. Keeran rollte einen Teil der Masse zwischen seinen Fingern und drückte ihn schließlich in den Pfeifenkopf. Als er sich wieder zurücklehnte, war der Diener am Rande des Raumes bereits zur Stelle und legte ein paar heiße Kohlen auf die Pfeife. Dieses Mal war es Keeran, der den Prinzen mit einer ruhigen Handbewegung aufforderte, sich zu bedienen. Sein Blick, durch den Geruchschleier und Dunst fest und unbewegt, ruhte auf Nadir, dabei hatte er keine Zweifel daran, dass sein Freund der Versuchung auf Kurz oder Lang nachgeben würde. Warum auch Nein sagen zu etwas, das ihn für kurze Zeit vergessen lassen konnte, in welcher Lage er sich befand.
