21-02-2026, 21:30 - Wörter:
Mira hielt seinem Blick stand, auch wenn sie das Gewicht seiner Frage deutlich spürte. Sie wusste, dass er keine Liste hören wollte. Keine Rechtfertigung. Er wollte Unsicherheit sehen. Vielleicht ein Zögern.
„Vieles“, antwortete sie ruhig.
Nicht mehr. Kein Beweis, keine Erklärung. Das Wort blieb zwischen ihnen hängen, weder groß noch klein genug, um greifbar zu sein. Sie ließ es bewusst so stehen.
Als er sich abwandte und in die Hocke ging, verschob sich ihr Fokus sofort. Jetzt ging es nicht mehr um Worte, sondern um Hände, Haltung, Rhythmus. Sie trat näher, gerade so weit, dass sie sehen konnte, was er tat, ohne ihm im Weg zu stehen. Ihr Blick folgte der Bewegung seiner Finger, wie er das nasse Laub beiseiteschob, wie er nicht nur nach einem Abdruck suchte, sondern nach einer Geschichte im Boden.
Mehrere Tiere. Nicht eins. Die Richtung. Das Gewicht. Wie tief die Erde eingedrückt war.
Sie prägte sich ein, wo genau er hinsah. Nicht nur auf den Abdruck selbst, sondern auf die zertretenen Zweige daneben, das flach gedrückte Moos, die kleinen Verschiebungen im Untergrund. Der Wald war kein Chaos. Er war ein Text. Und sie hatte bisher nur einzelne Buchstaben erkannt.
Bei seinen Worten über Keiler, Höhenvorteil und Zielpunkte nickte sie kaum merklich. Sie zwang sich, nicht nur zuzuhören, sondern zu verstehen. Keinen Höhenvorteil bedeutete Gefahr. Nicht wissen, wohin man zielte, bedeutete Tod. Das waren keine Metaphern. Das war schlicht.
Als er seinen Bogen spannte, veränderte sich seine gesamte Haltung. Sein Rücken wurde gerader, die Schritte leiser, kontrollierter. Mira beobachtete genau, wie er das Gewicht verlagerte, wie er den Fuß zuerst mit der Außenkante aufsetzte, bevor er den Rest nachführte. Sie versuchte es ihm gleichzutun, setzte ihren Stiefel vorsichtiger auf als zuvor. Der Matsch schmatzte trotzdem, aber leiser.
„So?“, fragte sie leise, kaum mehr als ein Hauch, während sie den nächsten Schritt setzte.
Sie achtete auf den Wind, erinnerte sich daran, wie er das Gesicht minimal gehoben hatte, um ihn zu prüfen. Also tat sie es ihm nach. Die Brise kam ihnen entgegen. Gut. Sie wiederholte es in Gedanken, als wäre es eine Regel, die man nicht brechen durfte.
Tritt in meine Fußspuren.
Das tat sie. Exakt. Jeder Schritt dort, wo seiner gewesen war. Nicht aus Unterordnung, sondern weil der Boden dort geprüft war. Sicherer. Ihr Blick sprang zwischen seinen Schultern und dem Untergrund hin und her, versuchte, alles aufzunehmen. Abstand halten. Nicht reden. Nicht hasten.
Ihre Dolche fühlten sich plötzlich fehl am Platz an. Zu nah. Zu kurz. Sie widerstand dem Impuls, sie zu berühren. Stattdessen konzentrierte sie sich auf das, was sie beeinflussen konnte. Ihre Atmung. Ihre Schritte. Ihre Geräusche.
Wenn sie schon keine Jägerin war, dann konnte sie zumindest eine gute Schülerin sein.
Und vielleicht war das für heute genug.
„Vieles“, antwortete sie ruhig.
Nicht mehr. Kein Beweis, keine Erklärung. Das Wort blieb zwischen ihnen hängen, weder groß noch klein genug, um greifbar zu sein. Sie ließ es bewusst so stehen.
Als er sich abwandte und in die Hocke ging, verschob sich ihr Fokus sofort. Jetzt ging es nicht mehr um Worte, sondern um Hände, Haltung, Rhythmus. Sie trat näher, gerade so weit, dass sie sehen konnte, was er tat, ohne ihm im Weg zu stehen. Ihr Blick folgte der Bewegung seiner Finger, wie er das nasse Laub beiseiteschob, wie er nicht nur nach einem Abdruck suchte, sondern nach einer Geschichte im Boden.
Mehrere Tiere. Nicht eins. Die Richtung. Das Gewicht. Wie tief die Erde eingedrückt war.
Sie prägte sich ein, wo genau er hinsah. Nicht nur auf den Abdruck selbst, sondern auf die zertretenen Zweige daneben, das flach gedrückte Moos, die kleinen Verschiebungen im Untergrund. Der Wald war kein Chaos. Er war ein Text. Und sie hatte bisher nur einzelne Buchstaben erkannt.
Bei seinen Worten über Keiler, Höhenvorteil und Zielpunkte nickte sie kaum merklich. Sie zwang sich, nicht nur zuzuhören, sondern zu verstehen. Keinen Höhenvorteil bedeutete Gefahr. Nicht wissen, wohin man zielte, bedeutete Tod. Das waren keine Metaphern. Das war schlicht.
Als er seinen Bogen spannte, veränderte sich seine gesamte Haltung. Sein Rücken wurde gerader, die Schritte leiser, kontrollierter. Mira beobachtete genau, wie er das Gewicht verlagerte, wie er den Fuß zuerst mit der Außenkante aufsetzte, bevor er den Rest nachführte. Sie versuchte es ihm gleichzutun, setzte ihren Stiefel vorsichtiger auf als zuvor. Der Matsch schmatzte trotzdem, aber leiser.
„So?“, fragte sie leise, kaum mehr als ein Hauch, während sie den nächsten Schritt setzte.
Sie achtete auf den Wind, erinnerte sich daran, wie er das Gesicht minimal gehoben hatte, um ihn zu prüfen. Also tat sie es ihm nach. Die Brise kam ihnen entgegen. Gut. Sie wiederholte es in Gedanken, als wäre es eine Regel, die man nicht brechen durfte.
Tritt in meine Fußspuren.
Das tat sie. Exakt. Jeder Schritt dort, wo seiner gewesen war. Nicht aus Unterordnung, sondern weil der Boden dort geprüft war. Sicherer. Ihr Blick sprang zwischen seinen Schultern und dem Untergrund hin und her, versuchte, alles aufzunehmen. Abstand halten. Nicht reden. Nicht hasten.
Ihre Dolche fühlten sich plötzlich fehl am Platz an. Zu nah. Zu kurz. Sie widerstand dem Impuls, sie zu berühren. Stattdessen konzentrierte sie sich auf das, was sie beeinflussen konnte. Ihre Atmung. Ihre Schritte. Ihre Geräusche.
Wenn sie schon keine Jägerin war, dann konnte sie zumindest eine gute Schülerin sein.
Und vielleicht war das für heute genug.

