02-03-2026, 13:19 - Wörter:
Als das Strahlen plötzlich das Gesicht der anderen Frau erhellte und sich eine gewisse Ruhe in ihre Züge legte, wo vorher Rastlosigkeit herrschte, wusste sie, dass sie alles richtig gemacht hatte. Manchmal musste man offenbar auf den richtigen Zeitpunkt warten, ehe man ein solches Gespräch führte. In diesem Fall kam es offenbar gerade richtig. Freyja strahlte ebenfalls zurück und spürte, wie tief ihre Worte trafen. Ja, weibliche Gesellschaft hier war Gold wert. Sie wusste selbst nicht, ob sie sich sonderlich wohl bei der Gruppe gefühlt hätte, wenn sie die einzige Frau hier gewesen wäre. Allerdings waren die Männer bislang überraschend uninteressiert an ihrem Geschlecht und den dazugehörigen Möglichkeiten, weshalb sie beinahe schon wieder vergessen hatte, dass sie ihr alle fremd waren. Es fühlte sich mehr so an, als würde sie mit irgendwelchen entfernten Cousins reisen, als mit völlig Fremden. Vielleicht lag es aber auch an ihren Erfahrungen aus der Taverne, in der jeder Mensch gleich behandelt wurde, unabhängig von der Herkunft, der Größe, des Geschlechts oder des Standes. Es zählte nicht das, was man von außen sehen konnte. Es zählten die Worte und Taten der Menschen, das hat Freyja auch schon in ihren jungen Jahren gelernt. Sie ließ sich, anders als viele andere, nicht von Oberflächlichkeiten blenden.
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Ich freue mich auch, Dich kennen zu lernen, Mira
", erwiderte sie lächelnd und nickte zustimmend. "Mir sind die ganze Zeit schon deine leuchtend roten Haare aufgefallen. Je nach Lichteinfall siehst du einfach aus wie eine Waldelfe
", sinnierte sie grinsend und dachte daran, wie sie hinter der jungen Frau durchs Dickicht gelaufen war und sich das Sonnenlicht in dem hellen Kupferton ihrer Haare gebrochen hat. "Ich bin auch nur ein ganz kleines bisschen neidisch
", gab sie lachend zu und deutete im Anschluss mit einem Kopfnicken auf die freie Stelle neben der jungen Frau. "Darf ich mich ein wenig setzen? Vor allem abends finde ich es hier oft etwas... einsam
", gab sie zu und verzog peinlich berührt das Gesicht. Sie hatte nicht das Gefühl, dass es den anderen Männern ähnlich erging. Sie zogen sich gerne zurück, schliffen und putzten ihre Waffen, als würden sie hoffen, doch noch am nächsten Tag einem wilden Drachen zu begegnen. Oder aber sie schliefen schnarchend, nachdem sie sich den Bauch mit Fleisch und Brot vollgeschlagen haben. "
Von wo kommst du?
", fragte sie neugierig und versuchte die Antwort schon vorher zu erraten, doch ihre äußerlichen Merkmale waren keinem Land so richtig perfekt zuzuordnen. Am ehesten würde Freyja sie noch nach Farynn stecken, das bezog sich aber lediglich auf ihre roten Haare. Hoffend, dass die junge Frau ein wenig den Abend mit ihr verbringen wollte, trat sie von einem Fuß auf den anderen.

