18-04-2026, 19:00 - Wörter:

Deswegen brachte einen königliches Blut nicht eine göttliche Stufe höher, und Kardinäle standen nicht näher an Heofader, wie sie der Bevölkerung doch versuchten, einzutrichtern. Es war ein einfaches Machtkonstrukt, verstanden von einem einfachen Händler, der ebenfalls von der Macht gekostet hatte. Wie klein und unbedeutend ein einfaches Leben doch wurde, wenn man auf einmal Entscheidungsgewalt über dieses Leben verfügte und merkte, dass man es beliebig lenken konnte - man musste nur die richtigen Knöpfe finden.
Mit der Gier nach Opium war es so einfach. Man gab es Menschen, um ihnen die Schmerzen zu nehmen, körperlicher oder geistiger Natur, und schnell war Opium das Einzige, was ihnen den angestrebten Zustand wunderbarer Gleichgültigkeit schenkte, in dem sie ihre Schmerzen vergessen konnten. Alkohol hatte eine ganz ähnliche Wirkung; und Nadir schien in seinem aktuellen Zustand empfänglich für beides zu sein.
Keeran lehnte sich zurück, nachdem er dem Prinzen die Pfeife gereicht hatte, ein Arm über das Polster hinter sich ausgestreckt. Es war mehr Gewohnheit, dass er Nadir aus hellen Augen beobachtete, wie er einen Zug nahm und dann den dicken Rauchschwaden folgte. Ein süßlicher Geruch lag in der Luft, der auch seine Muskeln entspannte — wie jeder andere benutzte der Händler Opium regelmäßig, um seine Schmerzen zu betäuben. Aber ob er es heute brauchte? Sein Knie hatte sich den ganzen Tag schon nicht zu Wort gemeldet. Ihm ging es ja eigentlich gut; ein paar durchgezecht Nächte vielleicht, die eine Begleiterscheinung seines neuen Titels waren. Berater des Königs, hm. Niemand hatte gesagt, dass es einfach war, seinen König nach Wahl auf den Thron zu bekommen.
Es war mehr ein Akt der Geselligkeit, die Keerans Gesicht mit einem Lächeln speiste, ehe er sich nach vorne reckte,
„Es ist mir eine Freude“
, und die Pfeife entgegen nahm. Beiläufig wischte er mit seinem Lederhandschuh über das Mundstück, bevor er es sich zwischen die Lippen steckte und zog. Für einen Moment hielt er Blickkontakt mit Nadir, dann lehnte er sich zurück und schlug sein kaputtes Bein über das andere. Der süßliche Opiumgeruch füllte seine Sinne und löste die Knoten von üblicher Angespanntheit in seinen Muskeln. Als er wieder das Wort ergriff, hatten die Rauchschwaden einen Teil seiner Sicht verdeckt und seine Stimme bedeckt.
„Meine Frau“
, begann er. „Hat magische Hände. Sie weiß genau, welche Stellen sie massieren muss, die nach einem langen Tag am Schreibtisch besonders angespannt sind.“
Keeran rieb sich über den Nacken, mit das einzige Stück Haut, das in dem Festgewand frei lag. „Als wir uns das erste Mal begegnet sind, hat sich ein Bordellmädchen auch an Euren Schultern zu schaffen gemacht, nicht?“
Er nahm sich Zeit mit dem nächsten Zug, ließ den Rauch langsam seine Lungen füllen und behielt ihn eine Weile im Körper, bis sich sein Kopf leichter anfühlte. Sein Blick hingegen lag fest auf Nadir, aufmerksam. „Weiß Eure Frau eigentlich, welche Bordelle Ihr aufsucht?“
, fragte er schließlich frei heraus, denn es interessierte ihn wirklich. Auf eine ganz unvergängliche Art und Weise; schließlich steckten sie beide im selben Boot, wenn es darum ging, außereheliche Aktivitäten offen zu halten. Nicht umsonst hatten sie sich überhaupt erst im besten Bordell der Stadt kennen gelernt.