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Im Auge des Sturms

FACING
THE
STORM

Tritt ein in eine düstere Welt aus Macht, Verrat und alten Schwüren.

Thema

The Door between Worlds

Linearer Modus
Szeneninformationen
Szeneneinstellung
feste Postreihenfolge
Datum
02. November 1016
Ort
Rabias Haus im Labyrinth der Hauptstadt
Tageszeit
18:00
#9
Als Devan die Frage an seine Schülerin stellte, hegte er keine Erwartungen. Er tat es auch nicht aus Hilfsbereitschaft heraus, als ginge er davon aus, er würde sie damit zurück in ihre Mitte lenken, wo sie seine Lehren hatten hin begleiten sollen. Eine einfache Frage, ohne Vergangenheit oder Zukunft damit zu ändern - sie flirrte zwischen ihnen wie ein Staubpartikel, den man greifen und zerdrücken oder einfach sein lassen konnte.
Erst griff Zariyah die Frage nicht auf, nicht verbal zumindest. Devan merkte, wie sich etwas in ihr bewegte. Auch wenn er sie nicht direkt bedachte, registrierte er, wie seine Schülerin sich zurückzog. Sie war reglos, aber sie regte sich. Von dunklem Treibsand ließ sie sich verschlucken und in Gefilde ziehen, in die der Assassine ihr nicht folgen konnte.
Vielleicht hätte er nicht fragen sollen, sein Angebot nur ein Stück von der Leere, das ihre Zukunft ausmachen würde. Denn egal, wie sie entschied, zu antworten, es würde nichts an der Zukunft ändern und den Schicksalen, die andere Mächte in den Händen hielten. Ihre Antwort würde versiegen zwischen ihnen und sich einreihen in das Schweigen zwischen Meister und Schülerin. Und doch zog er sich nicht zurück, sondern blieb. Vielleicht, weil ein kleiner Teil sich damals gewünscht hätte, mit der Frage konfrontiert zu werden. Vielleicht, weil er selbst allein vor seinem Schatten gestanden hatte, dessen Fratze ihn zwei Leben lang begleitet hatte, die scharfe Verlängerung seines Armes auf einmal unsicher, geführt zu werden. Vielleicht, weil er sich die Frage selbst nie gestellt hatte, bis es zu spät war; die Augen eines toten Jungen wild und lebendig auf Qaid, dem Mörder seiner Familie, dem Bettler in den Gassen, der leeren Hülle, in die sich ein kranker Geist eingenistet hatte. Was sich der Junge für ein Schicksal für diesen Mann gewünscht hatte? Er hatte es nie laut ausgesprochen und nur mit sich herumgetragen wie einen schweren Sack voll Sand auf seiner Schulter. Wenn ihn seine Meisterin damals gefragt hätte, was er dem Mörder seiner Familie für eine Zukunft wünschte, hätte er das Schicksal dieses Mannes überhaupt erst angerührt?

Devan und Zariyah hatten sich in ihrem Schweigen schon immer mehr angenähert als mit Worten, in der Stille zwischen ihnen ein Band, das sie knüpften, ohne über eine Grenze zu treten. Für Devan war es eine angenehme Art, zu kommunizieren, weil er sich dann nicht entscheiden musste, ob er streng sein, Entscheidungen treffen oder Verständnis zeigen musste. Denn dann war er wieder ganz in seiner Rolle als Beobachter, der seine Umgebung wahrnahm und ungefiltert auf sich wirken ließ. Emotionen, die er nicht fühlen konnte, ließen sich ertasten und nachleben, als würde er seinen Kopf in Wasser tauchen und für einen Moment nachvollziehen, was Zariyah ausmachte. Was sie bewegte. Dass ein dunkles Gefühl von ihr Besitz ergriffen hatte und in ihr schwelte, bis sich leise Worte zwischen sie drängte. Statt dem Inhalt Beachtung zu schenken, war Devan in den Wortlaut vertieft und das schwarze Gift, das sich durch die Pausen schlängelte. Er hörte zu. Hörte den rasselnden Atem einer Schlange und den spitzen Stachel des Skorpions. Er fühlte. Fühlte den heißen Sand, der durch ihre Finger rann und ihre Nerven entfachte. Er sah. Sah den Schmerz eines Volkes, der sich zu einem Pfeil formte und auf eine Person richtete. Und er fragte sich: War das Hass?
Obwohl er entspannt auf dem Teppich saß, das verletzte Bein ausgestreckt und seinen Oberkörper hinten auf due Hände gestützt, spürte er, wie sich seine Muskelfasern anspannten. Den Kopf leicht in den Nacken gelegt, schlichen schwarze Ränder in seinen Blick und verdunkelten die Sicht auf die immer deutlicheren Sterne, während ein letzter Rest Sonnenlicht hinter dem Horizont verschwand.
Er wusste nicht, wie lange er hier oben saß, das Gefühl in sich aufsaugend, auch wenn die Worte längst verklungen waren. Es war keine bewusste Entscheidung von ihm, sich loszureißen, auch wenn ein Teil von ihm wusste, dass es sich nicht um seine eigenen Gefühle handelte. Zähflüssig sickerte das Schwarz zurück in den Boden und hinterließ ein dumpfes Kribbeln in seinem Kopf. Den ersten tiefen Atemzug nahm er, als sich sein Blick so weit geklärt hatte, dass keine dunklen Bilder mehr seine Sicht verklärten, aber statt sich Zariyah zuzuwenden, starrte er nur auf seine Hand. Sie zitterte.

Zwischen ihnen fiel kein weiteres Wort mehr, kein gesprochenes zumindest. Devan blieb solange sitzen, bis das Himmelszelt über ihnen sich vollständig dunkel gefärbt hatte, dann verlagerte er sein Gewicht und stand mit der Geschmeidigkeit einer schwanzlosen Katze auf; das Gleichgewicht nur für diejenigen offensichtlich gestört, die wussten, auf welche Zeichen sie achten mussten.
Cleo, die getigerte Katze, erhob sich von ihrem Platz und folgte ihm mit einem Miauen, ihren Kopf gegen sein Bein stoßend, während er sich langsam und gemächlich zu der Dachöffnung bewegte. Wenige Momente später war es, als wäre er nie hier oben gewesen - seine Präsenz nur eine flüchtige Fata Morgana, ein Trugbild von einem Mann mit einer eigenen Existenz. Doch die, die ihn kannten, wussten es besser. Devan war genauso Mensch, wie Zariyah die schwarze Klinge ihres Volkes.
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Nachrichten in diesem Thema
The Door between Worlds - von Devan Naharis - 31-01-2026, 07:28
RE: The Door between Worlds - von Zariyah Silk - 07-02-2026, 22:01
RE: The Door between Worlds - von Devan Naharis - 16-02-2026, 07:35
RE: The Door between Worlds - von Zariyah Silk - 06-04-2026, 14:05
RE: The Door between Worlds - von Devan Naharis - 01-05-2026, 12:33
RE: The Door between Worlds - von Zariyah Silk - 06-06-2026, 21:50
RE: The Door between Worlds - von Devan Naharis - 14-06-2026, 10:57
RE: The Door between Worlds - von Zariyah Silk - 21-07-2026, 15:29
RE: The Door between Worlds - von Devan Naharis - 24-07-2026, 09:26