24-03-2024, 17:56 - Wörter:
Nett hier
Aber warst du schonmal im Lager unten?

"Für heute bedien' ich keinen mehr!", sagte sie schon in ihrer vollen, berauschend wirkenden Stimme, mit sanfter Strenge, bis sie bemerkte, wer da gerade ihr Zelt betreten hatte. Wie immer brachte sein Anblick sie vollkommen durcheinander. Wie schwer konnte es sein, Zehnerstapel von Münzen zu bilden und diese dann durchzuzählen? Gereizt stieß sie mit dem Handrücken drei Türmchen von gestapelten Münzen um und schlug dann mit der flachen Hand darauf, damit sie nicht von ihrem Schminktischchen auf die Erde kullerten.
"Natürlich nicht! Was soll ich auch da unten bei den armen Schluckern?", blaffte sie sofort wie ein räudiger Köter zurück. Sie beobachtete ihn dabei, wie er ihre Einrichtung mit den Augen besudelte. Die bunten Kissen mit schönen Quasten, die breite Liege, die Messingtiegel mit Sälbchen und Ölen und Schminkzeug. Ein paar leichte Tücher, die geschickt von der Decke hingen und sogar ein alter, ausgelatschter Teppich. Nichts davon war wirklich von schöner Qualität, aber alles zusammen ergab ein angenehmes Bild - jedenfalls, wenn man nicht zu genau hinsah.
"Als ob ich Kupfer nehmen würde", ließ sie ihn schnippisch wissen, reckte das Kinn in die Höhe, stand auf und drehte sich mit vor der Brust verschränkten Armen herum um ihre Kupfermünzenstapel zu verdecken. Ihr Blick fiel dann auf seinen Beutel, in dem die Münzen klimperten - ein Geräusch, mit dem man Rana immer zufriedenstellen und verlocken konnte. Ihr Blick wurde auch sogleich ein bisschen weicher und wohlwollender.
Er ließ sich ungefragt auf ihrer schmucken (aber etwas in die Jahre gekommenen, gebrauchten) Truhe nieder und streckte die Beine aus. "Und...?", fragte sie und ihre Stimme nahm etwas sirupsüßes an. "Du bist doch nicht etwa meinetwegen hier, hm...?", säuselte sie, kam näher und setzte sich breitbeinig auf seinen Schoß, wobei sie ihren Rock ein wenig in die Höhe zog, damit auf einer Seite sogar ihr braungebrannter, eingeölter Oberschenkel sichtbar wurde. Mit einer Hand streichelte sie über Ivars raue Wange und mit der anderen zupfte sie an seinem Ohrläppchen. "Hast Du was von unserem gemeinsamen Freund, dem Schatten, gehört?", flüsterte sie, wobei sie seinem Gesicht schon recht nahe kam.
