28-03-2024, 22:39 - Wörter:
Das Gefängnis der Ambition lag in der verfluchten Handlung. Belisarius war Gefangener seiner selbst, konnte nur jenen Pfaden folgen, die ihm sein verfluchtes Schicksal vorgab. Ein Befehl führte ihn mit 12 bewaffneten Reitern über eine schlecht befestigte Straße. Die Reiter trugen silberne Harnische, die aufwendig poliert waren und schwere Lanzen. Der erste Reiter, welcher neben Belisarius ritt, trug ein Banner des Hauses Caderitor. Es war das Heereszeichen der Söldner unter seinem Kommando und nur seine ausgewählte Elite führte das Falkenbanner, welches stolz auf einem Stab aus Ebenholz thronte. Belisarius trug ebenfalls einen silbernen Harnisch, welcher ebenso poliert war und noch dazu trug er als einziger der Soldaten, einen Helm mit einem Federbusch, der über seinen Nacken hinausreichte. Die Reiter trugen das gleiche Modell eines vollgefassten Helmes, jedoch ohne den Federbusch. Der rote Federbusch wehte im Wind des Galopps auf und ab. Sie alle hatten es eilig, nicht nur, weil der Befehl drängte, sondern auch eine Information, die Belisarius erhalten hatte. Es bestand akute Gefahr für das Missionsziel, so dass schlicht Eile geboten war. Belisarius war sich unsicher, was ihn erwarten würde, da wenig bekannt über den Zustand der Familie Trakas war. Es hieß, dass sie noch lebten aber das sagte wenig aus, über welchen Gemütszustand sie verfügten, inwieweit sie transportfähig waren und inwiefern er mit ihnen arbeiten konnte. Diese Zeiten verlangten viel von ihm, so dass er mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen musste und insofern war die eigene Handlungsfähigkeit auch daran geknüpft, wie diese Mission verlief. Sofern die Familie Trakas gut mitarbeiten konnte, sich keine weiteren Zwischenfälle ergaben, würde er schnell zu weiteren Aufgaben wechseln können, um diesen Krieg in geeigneter Sache zu nutzen. Der Staub schlug ihm unfreundlich ins Gesicht, schmeckte zuweilen salzig, so dass er gelegentlich spuckte. Seine Männer taten es ihm gleich und spuckten gegen den Wind ihres rasanten Weges; dennoch war das Spucken vergebens und der erneut aufgewirbelte Staub schmeckte immer wieder salzig und bitter. Reisen in dieser Geschwindigkeit waren nicht angenehm und Belisarius tat dies nicht gerne, auch weil es die Pferde übermäßig beanspruchte. Pferde, die derart geritten wurden, waren nicht mehr kampffähig und für den weiteren Tag unbrauchbar. Zumal dies reine Reisepferde waren, die ohnehin keinerlei Ausbildung unter Waffen erhalten hatten und für ein großes Gefecht ungeeignet waren.
Doch den wertvollen Kriegspferden konnte er diese Strapazen nicht zumuten, diesen langen Galopp zu erhalten und durchzustehen. In dieser Hinsicht waren diese günstigen Reisepferde ein Verschleißmaterial, was gebraucht wurde, denn die Zeit drängte. Die Sonne stand tief am morgen, da sie noch in der Nacht aufgebrochen waren, um zeitnah ihr Ziel zu erreichen. Die gegebene Information einer seiner Tauben über einen möglichen neuen Verrat und einen Spion in den Reihen der Trakas hatte Belisarius derart beunruhigt, dass er bei der schwachen Erkenntnislage, sofort handeln musste, um ein weiteres Fiasko für Castandor zu verhindern. Er wusste um das politische Spiel, welches derart hektisch gespielt werden musste, - und sofern noch ein weiteres Familienmitglied starb oder auch nur ein aktiver Spion weiter reisen konnte, würde dies einen erheblichen Schaden der gemeinsamen Sache zufügen. Ein großer Fehler und Castandor würde sich nicht mehr erholen und wenn Castandor verlor, verloren auch die Caderitors, die ihre Schuldgeschäfte vorher beglichen sehen wollten. Dort lag es bereits: Bardon Pass. Dieser schöne Ort, noch fern der Kämpfe aber auch in Gefahr, so dass auch hier vieles ungewiss war. Krieg kündigte sich an, so dass bereits halbherzig sowie schlecht ausgestattete Wachen auf den rudimentär und verwahrlosten Mauern patrouillierten. Die Jahrhunderte des Friedens hatten nicht dazu geführt, dass die Verteidigungswerke dieser Stadt modernisiert waren, sondern eher das Gegenteil, so konnten sie maximal Räuber abschrecken aber kein stehendes Heer, so viele Brüche und Fehlstellen wiesen sie auf. Belisarius bemerkte dies mit einem geschulten Auge für derartige Dinge und räusperte sich. Dieser Anblick versinnbildlichte ihm die Lage, dass Castandor noch nicht kriegsfähig war und vieles getan werden musste, um die kommenden Kriege vorzubereiten. Auch Krieg war nur ein Geschäft, mitunter eine Wissenschaft und oft regelrecht Handwerk, so dass Belisarius wusste, was er beschaffen musste.
Doch sein Auftrag galt nicht der Sicherheit von Bardon Pass, sondern dem Schutz und Geleit der Familie Trakas, die noch immer in Lebensgefahr schwebten. Sein Nebenreiter hob das Banner, so dass die beiden müden Wachen mit ihren alten Speeren am Tor bei Seite traten und ebenso müde grüßten. Das Banner war immerhin bekannt, so denn Belisarius nichts weiter erklären musste. Mit einem huschenden Zug ritten sie in die Stadt ein, die voller Menschen war, die sich dicht drängten. Flüchtlinge, Handelsvolk und auch Bürger gingen ihrem zusammengewürfelten Tagwerk nach. Es war kein Durchkommen mehr. Die Pferde waren jetzt ein Hindernis."Absitzen," befahl er und gab ein Handzeichen mit seiner Faust. Die Soldaten hielten ihre Pferde ebenso robust an, wie sie auch geritten waren. Die Hufe der Tiere stampften noch einmal wild auf, wirbelten staub auf und die Menschen der Stadt wichen einen Schritt zurück, bevor sie kurz schauten aber dann ihrem eigenen Schicksal weiter folgten. Doch sie ließen dem kleinen Trupp platz, so dass Belisarius schwungvoll von seinem Sattel stieg. Dabei musste er auch sein Schwert achten, was zwar hochgebunden war aber sich noch im Sattel hätte verfangen können. "Iulius," deutete er auf einen Söldner. "Du kümmerst dich mit Ignatios um die Pferde. Ihr haltet hier die Stellung. Wachsamkeit ist befohlen," befahl er mit nüchterner Stimme. Iulius nickte, da er bereits abgesessen war und sein Pferd am Zügel hielt. "Jawohl, Heerführer," war seine Antwort. "Die anderen folgen in wachsamer Folge," sagte Belisarius und zählte mit einem ebenso geübten Auge die Männer ab, so dann er sich aufmachte. Die kleine Heerzug von Bewaffnete schob sich über die Hauptstraße von Bardon Pass und Belisarius hatte Mühe die Aufmerksamkeit auf mögliche Gefahren zu richten, da hier einfach zu viele Menschen lebten und arbeiteten. Es war unübersichtlich und dies besorgte ihn sehr, da er diese Menschenmassen nicht mochte und noch viel schlimmer, so nicht zu kontrollieren waren. Mit unsanften Bewegungen seiner Hände schob er Passanten zur Seite, immer wieder, bis er mit seinen Männer genügend Platz hatte, um zielgerichtet agieren zu können. Das Banner seines Hauses ragte als einziges aus der Masse hervor und gab auch den Soldaten unter seinem Befehl genügend Anhaltspunkt, um nicht verloren zu gehen und die Reihen geschlossen zu halten. Die Passanten schienen sich nicht um die gepanzerten Soldaten zu kümmern, als ob sie vollkommen bedeutungslos waren. Belisarius versuchte seinen Weg zu finden, sich zu orientieren und sich die Karte mit dem Anwesen, wo das Missionsziel untergekommen war, zu vergegenwärtigen. Doch eine klare Orientierung fiel in dieser wirren Stadt schwer und aus militärischem Gesichtspunkten war dies bereits ein Fiasko, da er so für keine aktive Sicherheit sorgen konnte. Für den Rückweg nahm er sich vor, dass seine Soldaten mit Knüppeln den Weg bereiten sollten, damit sie einen sicheren Perimeter vorfanden und sich freier bewegen konnten. Doch in diesem Augenblick war auch dies nur ein kalter Wunsch eines Mannes, der sich in einer unkontrollierbaren Situation wiedergefunden hatte. Ein Soldat mochte das nicht und ein Soldat, der gekämpft hatte, umso weniger. Situationen sollten - soweit wie möglich - beherrschbar sein. Man musste wissen, was man tat und was einen erwartete aber in diesem Gemenge, Gewühle und Geschwärme von Menschen war dies nicht möglich. Belisarius brüllte einen Händler aus seinem Weg, der gerade seinen Handkarren in den Weg ziehen wollte.
Das erbärmliche Gebrüll hielt den Händler an, der frech gestikulierte und Belisarius eine obszöne Geste zeigte. Belisarius grummelte aber der Weg war noch frei, so dass er sich entschied, weiter zu gehen. Sie waren ja fast am Ziel. Hoffentlich achtete Iulius gut auf die Pferde, da sie sie noch brauchen würden. Belisarius schwitzte unter seinem Helm, da ihn diese Situation dezent überforderte und eine uralte Angst aufkam. Er versuchte sich zu beruhigen, indem er beharrlich atmete. Es gelang. Endlich waren sie am kleinen Gittertor des Anwesens, welches auch hiesigen Fürsten gehörte. Das Gittertor war verschlossen und zwei Diener standen dahinter, um es zu bewachen. Sie trugen nicht einmal einen Speer oder einen Dolch. Sie waren unbewaffnet und das in diesen Zeiten. Wenigstens war das Tor verschlossen. "Aufmachen," befahl Belisarius und die beiden Diener traten in ihrer feinen Dienstkleidung herbei. "Nein, Sire," antwortete einer der beiden. "Wir haben strikte Order niemanden hindurch zu lassen," schnöselte der andere und machte eine abweisende Geste mit beiden Händen. Belisarius zog aus seiner Gürteltasche ein Dokument auf Pergament geschrieben. Mit einer hektischen Bewegung entrollte er es und deutete darauf. "Die Hand des Großkönigs schickt uns. Ich bin Heerführer Caderitor und wir haben Befehl die Familie Trakas zu geleiten. Sie steht absofort unter unserem Schutz," blaffte Belisarius ungehalten, da die Menschenmassen hinter ihm drückten und sich weiterhin vorbeischoben. Er wollte schnell innerhalb des Anwesens sein, um wenigstens einen Moment durchzuatmen. Zumal immer noch Gefahr bestand, dass der Spion zuschlug und der angekündigte Verrat geschah. Die beiden Diener blickten sich an, um dann schnell an den drei großen Riegeln des Tores zu ziehen. Mit einem Ruck drückte es Belisarius auf, so dass die beiden Diener fast stolperten. Der Kriegsherr stürmte mit seinen Männer hinein. "Zwei Mann sichern das Tor," befahl er noch und zwei Soldaten traten aus dem Sturm zurück zum Tor, wo sie die beiden Diener als Wachen verdrängten. Sie schlossen das Tor mitsamt Riegeln und nahmen ihre Aufgabe sehr ernst. Belisarius riss das untere Portal auf und suchte mit seinen Augen nach Gefahrenstellen, Fluchtpunkten und versucht im Allgemeinen einen Überblick zu finden. "Die Hausdamen sollen alle antreten," brüllte er und eine Hausdame lugte vorsichtig um eine Säule hervor. Ihr war sichtlich unwohl.
"Was soll dieser Lärm, Sire," trat die Hausverwalterin vor und hielt Belisarius für einen Ritter. Doch Belisarius war kein Ritter. "Ich werde dies nicht tun, da ihr hier keine...", wollte sie sagen aber auch ihr wurde das Pergament vorgehalten, so dass sie mit geweiteten Augen laut in die Hände klatschte. "Alle Hausdamen versammeln," rief sie und reihte sich dann in beigetretenen Damen ein, die sich nun in einer Reihe aufgestellt hatten. Belisarius beruhigte sich nicht, sondern stürmte in der Halle auf und ab. Seine Soldaten sicherten die Zugänge und die Treppe hinauf. Es musste gehandelt werden. "Ich suche Larana ...," schimpfte er, wobei Speicheltropfen aus seinem Mund flogen und zwei der Damen ins Gesicht gerieten. Angst machte sich breit, da offensichtlich war, dass Bewaffnete nichts Gutes bedeuten konnten. Insbesondere nicht, wenn sie mit Forderungen kamen. Nervös verstaute er das Pergament wieder in seiner Gürteltasche und nahm seinen Helm ab, um diesen auf einen kleinen Beistelltisch um Raum abzustellen. "Larana!" - seine Stimme erhob sich immer finsterer, da sich keine Dame als Larana zu erkennen gab. Er trat zur Verwalterin. Diese zeigte mit einem Kopfzeig in die Reihe neben sich und Belisarius blickte jeder Frau eiskalt in die Augen, wobei eine der Frauen ängstlich zu zittern begann und erheblich unruhig wirkte. Belisarius griff sie an den Haaren und schleuderte sie mit einem Rück vor die Reihe, so dass diese im Sturz eine Vase umwarf, die zerbarst. "Bist du es?" - fragte er herablassend, als er ihre Haare losließ und ihr Gesicht in Richtung Boden sank. Ein fürchterliches Raunen zog durch die Halle. Sie waren diese Gewalt nicht gewohnt und erschreckt. Belisarius war leider in Gewalt geübt und wusste um die Abschreckungswirkung öffentlich vollzogener Obrigkeit, so dass er dies zwar nicht gerne tat aber er keinerlei Wahl besaß. Ihm war der Name genannt worden. Larana war eine Gefahr und eine Gefahr musste beseitigt werden. "Ich bin es," jappste die am Boden liegende Frau, so dass Belisarius erleichtert ausatmete. "Hast du ein Brandzeichen an der Schulter?" Die Hausdame, die inzwischen Tränen verlor, nickte in kaltem Terror erstarrt. Mit einem Ruck packte er sie erneut an den Haaren und am Hals, um sie durch das Portal in den Innenhof beim Gittertor zu ziehen. Sie wehrte sich kaum, da Belisarius sehr zielgerichtet und brutal agierte. "Der Rest bleibt," schimpfte er und die angetretenen Hausdamen verweilten ebenfalls erstarrt in jenem Terror in der Halle. Belisarius schleuderte die zierliche Frau an den Brunnen im Innenhof, wobei sie sich ihr Gesicht aufschlug.
"Wer hat dich geschickt?" Belisarius war nervös und musste schnell handeln. Er musste Informationen vergleichen und Erkenntnisse erzielen. Solange er nur Informationen seiner Tauben hatte, hatte er kein klares Bild. Erst die Überprüfung sowie der Vergleich gaben Sicherheiten. "Das kannst du Castandor-Hund ja denken... Ich verfluche euch alle...," geiferte die junge Frau, deren Gesicht ein böses Grinsen zeigte. Ihre Tränen rannen über die Fratze, die inzwischen Blut verziert war. War sie wahnsinnig oder nur todesgewiss? Belisarius konnte damit nicht gut umgehen, so dass er sich entschied, dieses Schauspiel und damit die Gefahr zu beenden. Immerhin hatte sie sich als Verräterin offenbart und ihre Worte belegten ihre Handlungen, die bisher nur Gerücht gewesen waren. Mit einem Satz presste er ihren Kopf auf die Kante des Brunnens, zog seinen schweren Kriegsdolch vom Gürtel und setzte mit zielender Klinge über ihrem Genick an, so dass er mit einem kräftigen Stoß ihr Leben beenden konnte. Er hielt kurz inne, da es auch ihm nicht leicht fiel aber es musste getan werden. Belisarius stieß mit einem ausholenden Stoß zu, so dass die spitze Klinge in das Genick eindrang und das Leben der Verräterin beendete, indem er den Dolch zur Seite hinauszog und Blut in geringer Menge hinausquoll. Im Anschluss riss er noch einmal am Schädel, so dass mehr Blut herausbrach und das Genick endgültig brach. Danach ließ er die Tote in den Staub gleiten, wo sie leblos lag. Er hatte bei seinen Bewegungen darauf geachtet, selber nicht mit dem Blut benetzt zu werden, doch seine Stiefel waren mit ihrem Blut beschmutzt worden, so dass er diese kurz angewidert betrachtete. Der erfahrene Meuchelmörder versicherte sich noch ihres Todes und blickte in die weit aufgerissenen Augen des Todes der jungen Frau, die dämonisch entrückt ins Leere starrte. Ja, sie war tot. Das brutale Schauspiel war beendet. Belisarius keuchte kurz auf. Immerhin konnte er so Obrigkeit signalisieren und weitere Verräter vorerst abschrecken, so dass etwas Zeit für Planungen blieb. Doch er war sich sicher, dass der Schrecken nicht lange vorhalten würde. Das tat er nie, so denn er ständig wiederholt werden musste, bis es endlich getan war. Mit eleganten, jetzt ruhigeren, Schritten trat er wieder in die Halle.
"Jedwede verdächtige Aktivität wird mir gemeldet, Verwalterin," drohte er mit dem blutigen Dolch in seinen Händen. "Verrat kennt nur den Tod," ergänzte er und nahm sich ein Stück Leinen aus einem Behältnis neben der Treppe, welche als Taschentücher gedacht waren, um seine Klinge abzuwischen. Dies tat er sehr akribisch, bevor er das Tuch wieder ablegte und zwar direkt neben die Schatulle mit Rosenblättern, die neben den Tüchern stand. "Ihr seid entlassen," sagte er nun freundlicher im Ton, während er seinen Dolch in der Halterung am Gürtel befestigte. Die anwesenden und noch immer schockierten Hausdamen verschwanden zitternden Schrittes in ihre Aufgaben, wobei die Verwalterin verweilte. "Verstanden, " hauchte sie übervorsichtig. "Holt mir eine sprechfähige Person aus dem Hause Trakas. Ich muss eine Nachricht überbringen," befahl er er noch und die Verwalterin nickte, so dass sie sich nun auch sicher entfernen konnte. Die Verwalterin trat die Treppe hinauf und fand Elithea vor. Die Verwalterin war sich unsicher aber Elithea war derzeit die einzig gefestigte Person aus dem Hause Trakas. Die Mutter war in Trauer versunken und nicht wirklich handlungsfähig und Endymion noch ein Kind, welches mit diesem Scheusal da unten nicht verhandeln konnte. Es blieb also nur noch Elithea, so dass die Verwalterin auf diese zutrat, sich höflich verbeugte. "Meine Herrin," grüßte sie und sagte dann folgende Worte: "Ein Abgesandter des hohen Königs von Castandor ist eingetroffen und möchte eine sprechfähige Person eurer Familie sehen. Ich denke, dass ihr derzeit die einzige Person seid, die genug Stabilität aufweist. Ich warne euch nur, dass dieser Mann brutal ist und sicherlich nicht euer Freund ist." Danach verneigte sie sich und deutete mit einen sanftmütigen Bewegung zur Tür und zur Treppe hinab zur Halle. Belisarius hingegen wartete ungeduldig, indem er in kleinen Kreisen in der Halle auf und ab ging. Seine Männer verzogen kein Gesicht, verweilten still aber wachsam auf ihren Posten. Dieses Anwesen war nun unter ihrer Kontrolle.
Doch den wertvollen Kriegspferden konnte er diese Strapazen nicht zumuten, diesen langen Galopp zu erhalten und durchzustehen. In dieser Hinsicht waren diese günstigen Reisepferde ein Verschleißmaterial, was gebraucht wurde, denn die Zeit drängte. Die Sonne stand tief am morgen, da sie noch in der Nacht aufgebrochen waren, um zeitnah ihr Ziel zu erreichen. Die gegebene Information einer seiner Tauben über einen möglichen neuen Verrat und einen Spion in den Reihen der Trakas hatte Belisarius derart beunruhigt, dass er bei der schwachen Erkenntnislage, sofort handeln musste, um ein weiteres Fiasko für Castandor zu verhindern. Er wusste um das politische Spiel, welches derart hektisch gespielt werden musste, - und sofern noch ein weiteres Familienmitglied starb oder auch nur ein aktiver Spion weiter reisen konnte, würde dies einen erheblichen Schaden der gemeinsamen Sache zufügen. Ein großer Fehler und Castandor würde sich nicht mehr erholen und wenn Castandor verlor, verloren auch die Caderitors, die ihre Schuldgeschäfte vorher beglichen sehen wollten. Dort lag es bereits: Bardon Pass. Dieser schöne Ort, noch fern der Kämpfe aber auch in Gefahr, so dass auch hier vieles ungewiss war. Krieg kündigte sich an, so dass bereits halbherzig sowie schlecht ausgestattete Wachen auf den rudimentär und verwahrlosten Mauern patrouillierten. Die Jahrhunderte des Friedens hatten nicht dazu geführt, dass die Verteidigungswerke dieser Stadt modernisiert waren, sondern eher das Gegenteil, so konnten sie maximal Räuber abschrecken aber kein stehendes Heer, so viele Brüche und Fehlstellen wiesen sie auf. Belisarius bemerkte dies mit einem geschulten Auge für derartige Dinge und räusperte sich. Dieser Anblick versinnbildlichte ihm die Lage, dass Castandor noch nicht kriegsfähig war und vieles getan werden musste, um die kommenden Kriege vorzubereiten. Auch Krieg war nur ein Geschäft, mitunter eine Wissenschaft und oft regelrecht Handwerk, so dass Belisarius wusste, was er beschaffen musste.
Doch sein Auftrag galt nicht der Sicherheit von Bardon Pass, sondern dem Schutz und Geleit der Familie Trakas, die noch immer in Lebensgefahr schwebten. Sein Nebenreiter hob das Banner, so dass die beiden müden Wachen mit ihren alten Speeren am Tor bei Seite traten und ebenso müde grüßten. Das Banner war immerhin bekannt, so denn Belisarius nichts weiter erklären musste. Mit einem huschenden Zug ritten sie in die Stadt ein, die voller Menschen war, die sich dicht drängten. Flüchtlinge, Handelsvolk und auch Bürger gingen ihrem zusammengewürfelten Tagwerk nach. Es war kein Durchkommen mehr. Die Pferde waren jetzt ein Hindernis."Absitzen," befahl er und gab ein Handzeichen mit seiner Faust. Die Soldaten hielten ihre Pferde ebenso robust an, wie sie auch geritten waren. Die Hufe der Tiere stampften noch einmal wild auf, wirbelten staub auf und die Menschen der Stadt wichen einen Schritt zurück, bevor sie kurz schauten aber dann ihrem eigenen Schicksal weiter folgten. Doch sie ließen dem kleinen Trupp platz, so dass Belisarius schwungvoll von seinem Sattel stieg. Dabei musste er auch sein Schwert achten, was zwar hochgebunden war aber sich noch im Sattel hätte verfangen können. "Iulius," deutete er auf einen Söldner. "Du kümmerst dich mit Ignatios um die Pferde. Ihr haltet hier die Stellung. Wachsamkeit ist befohlen," befahl er mit nüchterner Stimme. Iulius nickte, da er bereits abgesessen war und sein Pferd am Zügel hielt. "Jawohl, Heerführer," war seine Antwort. "Die anderen folgen in wachsamer Folge," sagte Belisarius und zählte mit einem ebenso geübten Auge die Männer ab, so dann er sich aufmachte. Die kleine Heerzug von Bewaffnete schob sich über die Hauptstraße von Bardon Pass und Belisarius hatte Mühe die Aufmerksamkeit auf mögliche Gefahren zu richten, da hier einfach zu viele Menschen lebten und arbeiteten. Es war unübersichtlich und dies besorgte ihn sehr, da er diese Menschenmassen nicht mochte und noch viel schlimmer, so nicht zu kontrollieren waren. Mit unsanften Bewegungen seiner Hände schob er Passanten zur Seite, immer wieder, bis er mit seinen Männer genügend Platz hatte, um zielgerichtet agieren zu können. Das Banner seines Hauses ragte als einziges aus der Masse hervor und gab auch den Soldaten unter seinem Befehl genügend Anhaltspunkt, um nicht verloren zu gehen und die Reihen geschlossen zu halten. Die Passanten schienen sich nicht um die gepanzerten Soldaten zu kümmern, als ob sie vollkommen bedeutungslos waren. Belisarius versuchte seinen Weg zu finden, sich zu orientieren und sich die Karte mit dem Anwesen, wo das Missionsziel untergekommen war, zu vergegenwärtigen. Doch eine klare Orientierung fiel in dieser wirren Stadt schwer und aus militärischem Gesichtspunkten war dies bereits ein Fiasko, da er so für keine aktive Sicherheit sorgen konnte. Für den Rückweg nahm er sich vor, dass seine Soldaten mit Knüppeln den Weg bereiten sollten, damit sie einen sicheren Perimeter vorfanden und sich freier bewegen konnten. Doch in diesem Augenblick war auch dies nur ein kalter Wunsch eines Mannes, der sich in einer unkontrollierbaren Situation wiedergefunden hatte. Ein Soldat mochte das nicht und ein Soldat, der gekämpft hatte, umso weniger. Situationen sollten - soweit wie möglich - beherrschbar sein. Man musste wissen, was man tat und was einen erwartete aber in diesem Gemenge, Gewühle und Geschwärme von Menschen war dies nicht möglich. Belisarius brüllte einen Händler aus seinem Weg, der gerade seinen Handkarren in den Weg ziehen wollte.
Das erbärmliche Gebrüll hielt den Händler an, der frech gestikulierte und Belisarius eine obszöne Geste zeigte. Belisarius grummelte aber der Weg war noch frei, so dass er sich entschied, weiter zu gehen. Sie waren ja fast am Ziel. Hoffentlich achtete Iulius gut auf die Pferde, da sie sie noch brauchen würden. Belisarius schwitzte unter seinem Helm, da ihn diese Situation dezent überforderte und eine uralte Angst aufkam. Er versuchte sich zu beruhigen, indem er beharrlich atmete. Es gelang. Endlich waren sie am kleinen Gittertor des Anwesens, welches auch hiesigen Fürsten gehörte. Das Gittertor war verschlossen und zwei Diener standen dahinter, um es zu bewachen. Sie trugen nicht einmal einen Speer oder einen Dolch. Sie waren unbewaffnet und das in diesen Zeiten. Wenigstens war das Tor verschlossen. "Aufmachen," befahl Belisarius und die beiden Diener traten in ihrer feinen Dienstkleidung herbei. "Nein, Sire," antwortete einer der beiden. "Wir haben strikte Order niemanden hindurch zu lassen," schnöselte der andere und machte eine abweisende Geste mit beiden Händen. Belisarius zog aus seiner Gürteltasche ein Dokument auf Pergament geschrieben. Mit einer hektischen Bewegung entrollte er es und deutete darauf. "Die Hand des Großkönigs schickt uns. Ich bin Heerführer Caderitor und wir haben Befehl die Familie Trakas zu geleiten. Sie steht absofort unter unserem Schutz," blaffte Belisarius ungehalten, da die Menschenmassen hinter ihm drückten und sich weiterhin vorbeischoben. Er wollte schnell innerhalb des Anwesens sein, um wenigstens einen Moment durchzuatmen. Zumal immer noch Gefahr bestand, dass der Spion zuschlug und der angekündigte Verrat geschah. Die beiden Diener blickten sich an, um dann schnell an den drei großen Riegeln des Tores zu ziehen. Mit einem Ruck drückte es Belisarius auf, so dass die beiden Diener fast stolperten. Der Kriegsherr stürmte mit seinen Männer hinein. "Zwei Mann sichern das Tor," befahl er noch und zwei Soldaten traten aus dem Sturm zurück zum Tor, wo sie die beiden Diener als Wachen verdrängten. Sie schlossen das Tor mitsamt Riegeln und nahmen ihre Aufgabe sehr ernst. Belisarius riss das untere Portal auf und suchte mit seinen Augen nach Gefahrenstellen, Fluchtpunkten und versucht im Allgemeinen einen Überblick zu finden. "Die Hausdamen sollen alle antreten," brüllte er und eine Hausdame lugte vorsichtig um eine Säule hervor. Ihr war sichtlich unwohl.
"Was soll dieser Lärm, Sire," trat die Hausverwalterin vor und hielt Belisarius für einen Ritter. Doch Belisarius war kein Ritter. "Ich werde dies nicht tun, da ihr hier keine...", wollte sie sagen aber auch ihr wurde das Pergament vorgehalten, so dass sie mit geweiteten Augen laut in die Hände klatschte. "Alle Hausdamen versammeln," rief sie und reihte sich dann in beigetretenen Damen ein, die sich nun in einer Reihe aufgestellt hatten. Belisarius beruhigte sich nicht, sondern stürmte in der Halle auf und ab. Seine Soldaten sicherten die Zugänge und die Treppe hinauf. Es musste gehandelt werden. "Ich suche Larana ...," schimpfte er, wobei Speicheltropfen aus seinem Mund flogen und zwei der Damen ins Gesicht gerieten. Angst machte sich breit, da offensichtlich war, dass Bewaffnete nichts Gutes bedeuten konnten. Insbesondere nicht, wenn sie mit Forderungen kamen. Nervös verstaute er das Pergament wieder in seiner Gürteltasche und nahm seinen Helm ab, um diesen auf einen kleinen Beistelltisch um Raum abzustellen. "Larana!" - seine Stimme erhob sich immer finsterer, da sich keine Dame als Larana zu erkennen gab. Er trat zur Verwalterin. Diese zeigte mit einem Kopfzeig in die Reihe neben sich und Belisarius blickte jeder Frau eiskalt in die Augen, wobei eine der Frauen ängstlich zu zittern begann und erheblich unruhig wirkte. Belisarius griff sie an den Haaren und schleuderte sie mit einem Rück vor die Reihe, so dass diese im Sturz eine Vase umwarf, die zerbarst. "Bist du es?" - fragte er herablassend, als er ihre Haare losließ und ihr Gesicht in Richtung Boden sank. Ein fürchterliches Raunen zog durch die Halle. Sie waren diese Gewalt nicht gewohnt und erschreckt. Belisarius war leider in Gewalt geübt und wusste um die Abschreckungswirkung öffentlich vollzogener Obrigkeit, so dass er dies zwar nicht gerne tat aber er keinerlei Wahl besaß. Ihm war der Name genannt worden. Larana war eine Gefahr und eine Gefahr musste beseitigt werden. "Ich bin es," jappste die am Boden liegende Frau, so dass Belisarius erleichtert ausatmete. "Hast du ein Brandzeichen an der Schulter?" Die Hausdame, die inzwischen Tränen verlor, nickte in kaltem Terror erstarrt. Mit einem Ruck packte er sie erneut an den Haaren und am Hals, um sie durch das Portal in den Innenhof beim Gittertor zu ziehen. Sie wehrte sich kaum, da Belisarius sehr zielgerichtet und brutal agierte. "Der Rest bleibt," schimpfte er und die angetretenen Hausdamen verweilten ebenfalls erstarrt in jenem Terror in der Halle. Belisarius schleuderte die zierliche Frau an den Brunnen im Innenhof, wobei sie sich ihr Gesicht aufschlug.
"Wer hat dich geschickt?" Belisarius war nervös und musste schnell handeln. Er musste Informationen vergleichen und Erkenntnisse erzielen. Solange er nur Informationen seiner Tauben hatte, hatte er kein klares Bild. Erst die Überprüfung sowie der Vergleich gaben Sicherheiten. "Das kannst du Castandor-Hund ja denken... Ich verfluche euch alle...," geiferte die junge Frau, deren Gesicht ein böses Grinsen zeigte. Ihre Tränen rannen über die Fratze, die inzwischen Blut verziert war. War sie wahnsinnig oder nur todesgewiss? Belisarius konnte damit nicht gut umgehen, so dass er sich entschied, dieses Schauspiel und damit die Gefahr zu beenden. Immerhin hatte sie sich als Verräterin offenbart und ihre Worte belegten ihre Handlungen, die bisher nur Gerücht gewesen waren. Mit einem Satz presste er ihren Kopf auf die Kante des Brunnens, zog seinen schweren Kriegsdolch vom Gürtel und setzte mit zielender Klinge über ihrem Genick an, so dass er mit einem kräftigen Stoß ihr Leben beenden konnte. Er hielt kurz inne, da es auch ihm nicht leicht fiel aber es musste getan werden. Belisarius stieß mit einem ausholenden Stoß zu, so dass die spitze Klinge in das Genick eindrang und das Leben der Verräterin beendete, indem er den Dolch zur Seite hinauszog und Blut in geringer Menge hinausquoll. Im Anschluss riss er noch einmal am Schädel, so dass mehr Blut herausbrach und das Genick endgültig brach. Danach ließ er die Tote in den Staub gleiten, wo sie leblos lag. Er hatte bei seinen Bewegungen darauf geachtet, selber nicht mit dem Blut benetzt zu werden, doch seine Stiefel waren mit ihrem Blut beschmutzt worden, so dass er diese kurz angewidert betrachtete. Der erfahrene Meuchelmörder versicherte sich noch ihres Todes und blickte in die weit aufgerissenen Augen des Todes der jungen Frau, die dämonisch entrückt ins Leere starrte. Ja, sie war tot. Das brutale Schauspiel war beendet. Belisarius keuchte kurz auf. Immerhin konnte er so Obrigkeit signalisieren und weitere Verräter vorerst abschrecken, so dass etwas Zeit für Planungen blieb. Doch er war sich sicher, dass der Schrecken nicht lange vorhalten würde. Das tat er nie, so denn er ständig wiederholt werden musste, bis es endlich getan war. Mit eleganten, jetzt ruhigeren, Schritten trat er wieder in die Halle.
"Jedwede verdächtige Aktivität wird mir gemeldet, Verwalterin," drohte er mit dem blutigen Dolch in seinen Händen. "Verrat kennt nur den Tod," ergänzte er und nahm sich ein Stück Leinen aus einem Behältnis neben der Treppe, welche als Taschentücher gedacht waren, um seine Klinge abzuwischen. Dies tat er sehr akribisch, bevor er das Tuch wieder ablegte und zwar direkt neben die Schatulle mit Rosenblättern, die neben den Tüchern stand. "Ihr seid entlassen," sagte er nun freundlicher im Ton, während er seinen Dolch in der Halterung am Gürtel befestigte. Die anwesenden und noch immer schockierten Hausdamen verschwanden zitternden Schrittes in ihre Aufgaben, wobei die Verwalterin verweilte. "Verstanden, " hauchte sie übervorsichtig. "Holt mir eine sprechfähige Person aus dem Hause Trakas. Ich muss eine Nachricht überbringen," befahl er er noch und die Verwalterin nickte, so dass sie sich nun auch sicher entfernen konnte. Die Verwalterin trat die Treppe hinauf und fand Elithea vor. Die Verwalterin war sich unsicher aber Elithea war derzeit die einzig gefestigte Person aus dem Hause Trakas. Die Mutter war in Trauer versunken und nicht wirklich handlungsfähig und Endymion noch ein Kind, welches mit diesem Scheusal da unten nicht verhandeln konnte. Es blieb also nur noch Elithea, so dass die Verwalterin auf diese zutrat, sich höflich verbeugte. "Meine Herrin," grüßte sie und sagte dann folgende Worte: "Ein Abgesandter des hohen Königs von Castandor ist eingetroffen und möchte eine sprechfähige Person eurer Familie sehen. Ich denke, dass ihr derzeit die einzige Person seid, die genug Stabilität aufweist. Ich warne euch nur, dass dieser Mann brutal ist und sicherlich nicht euer Freund ist." Danach verneigte sie sich und deutete mit einen sanftmütigen Bewegung zur Tür und zur Treppe hinab zur Halle. Belisarius hingegen wartete ungeduldig, indem er in kleinen Kreisen in der Halle auf und ab ging. Seine Männer verzogen kein Gesicht, verweilten still aber wachsam auf ihren Posten. Dieses Anwesen war nun unter ihrer Kontrolle.
