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rest in our garden - find solace and peace
09.08.1016 - 21:00
Gärten um die Fürstenburg zu Bardon Pass
Zephyr Athanas Elithea Trakas

Unregistered
Elithea Trakas
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#2
Wunderte es wirklich irgendjemanden, dass Elithea nicht schlafen konnte? Am wenigsten wohl sie selbst. Dabei mochte man fast glauben, dass wieder so etwas wie Normalität eingekehrt war im Leben der geflohenen Fürstenfamilie. Wie jeden Abend traf man sich zum gemeinsamen Mahl im Saal der Burg, in dem selbst zu dieser Jahreszeit noch ein beschauliches Feuer in den Kaminen der Raumschmalseiten knisterte. Der Wärme wegen würde es nicht unbedingt gebraucht werden, aber es gab ein Gefühl von Heimeligkeit und Geborgenheit, auch wenn es trügerisch sein mag. Fast wie choreografiert betraten die vier Familienmitglieder durch unterschiedliche Türen den Saal: die Fürstin kam aus der Richtung der Kapelle geschwebt gleich einer Heiligenfigur; die Schwester stapfte stolz und trotzig mit ihrer Dienstbotin und der Tochter des Hauptmanns von Eastergold Meadow aus den eigenen Räumlichkeiten heran, die sie kaum verließ um sich nicht doch der Versuchung auszuliefern an irgendetwas Gefallen zu finden und nicht mehr leiden zu dürfen; der Bruder betrat den Raum beherzt und stolz, als würde ihm die Burg selbst gehören, der kleine Sohn des Hauptmanns folgte ihm dabei auf Schritt und tritt. Nur Elithea wusste nie so recht, wo sie hingehörte. Überall und nirgendwo. Sie versuchte die Familie zusammen zu halten und zu organisieren, wofür die anderen keine Gedanken aufbringen konnten oder wollten. Aber die Trauer der Mutter, das Selbstmitleid der Schwester oder die Verbissenheit des Bruders waren auf Dauer nie lange zu ertragen. Also bewegte sie sich meist allein durch die Gänge, gerade sie, die doch Einsamkeit nicht ausstehen konnte.

Nach einem schier endlosen Dankesgebet der Mutter wurde meist in Stille das Mahl zu sich genommen. Kleine Gespräche entstanden und zerbrachen doch an dem gegenseitigen Unverständnis und dem Unwillen aufeinander zuzugehen. Wie wichtig wäre es doch, einfach zuzuhören und zu reden, was auf der Seele brennt wie Feuer. Im Grunde beschäftigte doch jeden dasselbe, nur drückten es alle anders aus. Doch keiner war gewillt von seiner Position abzurücken. Also beließ man es bei Belanglosigkeiten bis dann die Tafel aufgehoben wurde und sich jeder wieder seinen eigenen Aktivitäten widmete. Manchmal, so wie heute Abend, saßen dann zumindest die Frauen der Familie in ihrem Zimmer beieinander und versuchten sich mit Stickereien abzulenken. Die geborgen Gewänder mussten vielleicht angepasst, ausgebessert oder aufgehübscht werden, wenn man sich damit in Kings Portal nicht völlig blamieren wollte. Aber irgendwann war es draußen dunkel und die Kerzen erloschen. Dann wechselten sie in ihr Nachtgewand, lösten die Haare und legten sich zu Bett. Wann war das letzte Mal, dass sie in ihrer Burg in Eastergold Meadow alle gemeinsam in einem Raum geschlafen hatten? Mit ihrer Schwester teilte sie sich heute noch ein Zimmer, aber Bruder und Eltern hatten eigene Kammern. Die Nähe zur Familie beruhigte Elithea, zu wissen, dass es ihnen allen gut ging, ließ sie öfter als nicht einschlafen. Nur mit dem Durchschlafen hatte sie so ihre Probleme.

Denn mit dem Schlaf kamen die Träume. Und die Träume waren seit der Nachricht von der Hinrichtung ihres Vaters nur schlimmer geworden. Man hatte ihnen Einzelheiten erspart, wohl in dem Glauben, dass man ihren ohnedies geplagten Seelen die Grausamkeiten nicht zumuten konnte. Elithea aber wäre es wohl lieber gewesen Genaueres zu wissen, denn nun waren es ihre Gedanken, die diese Lücken mit allerhand Schreckensbilder füllten, von denen sie nicht einmal wusste, woher sie kamen. So schreckte sie auch in dieser Nacht hoch, verfolgt von Blut und Elend. Lautlos schlüpfte Elithea unter der Decke hervor, bedacht darauf die Schwester nicht zu wecken, und ließ ihre Füße in die leichten Stoffschuhe neben dem Bett gleiten. Kaum von der Matratze gerutscht, richtete sie die Decke wieder zurecht. An die Dunkelheit mussten sich die Augen einen Moment lang gewöhnen, ehe sie das große Wolltuch auf dem Stuhl erkannte und sich um die Schulter legte. Mittlerweile hatte sie Übung darin die Türe ohne zu Knarzen oder Quietschen zu öffnen. Und auch der Weg in den Garten war ihr schon recht geläufig, selbst ohne den Schein der Kerzen oder Fackeln. Vereinzelt begegnete sie einer Wache, die ihre nächtlichen Ausflüge kaum noch wahrnahmen. Die letzten Schritte, wenn sie den Garten schon riechen konnte und meinte, das zarte Rascheln der Grashalme im Nachtwind hören zu können, eilte sie hinaus in die Natur, getrieben von einer Enge in ihrer Brust, die die steinernen Mauern nur noch pressten. Erst unter den Sternen fühlte sie sich frei und irgendwie... befreit von allen Sorgen, als würden die funkelnden Punkte am Himmel ihre Sorgen zu sich in die schwindelerregenden Höhen heben, weit weg von dem weltlichen Wahnsinn.

Dann stand sie einfach nur da, die Arme mitsamt dem Tuch fest um ihre Schulter geschlungen und starrte hinauf. Oder schloss die Augen und lauschte der Stille der Nacht. Einmal war sie sogar schon auf einer Bank zwischen Oleandern und Lavendelsträuchern eingeschlafen. Aber heute war da etwas anderes noch. Da war etwas Störendes in der Heiligkeit des Gartens. Sie war nicht allein. Sie fühlte es mehr als sie es erst wusste. Die Härchen in ihrem Nacken verrieten die fremde Gestalt und mit einem Mal ergriff eine Unruhe ihr Herz. Sie versteifte sich unmerklich, wollte das Herannahen nicht als drohende Gefahr akzeptieren. Bei den ersten lauten Schritten zuckte sie zusammen, drehte sich aufgeschreckt um, als wolle sie neuerlich fliehen und wüsste doch nicht wohin. Hier war sie hilflos und wehrlos ausgeliefert. Die Anspannung hatte mittlerweile ihren ganzen Körper erfasst, ließ sie schaudern wie Espenlaub. Es dauerte, bis die Gestalt ins Mondlicht kam und sich so zu erkennen gab. Und die Stimme half dabei. "Mein Fürst" wisperte sie voller Erleichterung, während die Finger möglichst unauffällig die aufkeimenden Tränen wegwischte. Es war nur der Fürst. Nur der Fürst. Ein hochgewachsener, edler Mann mit einem kantigen Gesicht, dem man die Schwere der politischen Verantwortung anmerkte, das aber ebenso von Güte wusste. Elithea lächelte, auch wenn das Lächeln ihre Augen noch nicht erreichte. "Danke, Eure Gnaden." Auch wenn sie es schon einmal gehört hatte, tat es dennoch gut zu wissen, dass der Tod des Vaters auch für andere eine Bedeutung hatte. Seine nächste Frage allerdings brachte die junge Fürstentochter doch ein wenig aus dem Konzept.

Verwirrt runzelte sie kurz die Augenbrauen, unsicher darüber, wie ernst er es meinte, dass sie ihn über ihre Seelenwelt aufklären sollte. Seit Tagen hatte sie niemand danach gefragt, nicht einmal ihre Geschwister oder Mutter. Und ein völlig Fremder wollte es nun wissen? Aber wie genau sollte sie denn antworten? Sie wollte ihn doch nicht belasten mit den tristen Gedanken eines unwichtigen Mädchens? wollen wir uns setzen? Ja, das klang gut, dann hatte sie noch ein wenig Zeit sich zu sammeln. Sie musste wohl mit Bedacht wählen, was sie einem Fremden erzählte. Nur ein paar Schritte entfernt schmückte ein viel geschwungenes Wasserbecken den Garten, kaum hüfthoch aus weißem, glattem Stein gehauen, gefüllt mit klarem Naß, dass im Licht der Himmelsgestirne funkelte. Elithea lenkte die Schritte beider dorthin und setzte sich auf den Brunnenrand. "Wir sind am Leben." eine Antwort fiel ihr immer noch schwer. Wie oft schon hatte sie sich im Kopf ausgemalt, was sie ihrer Familie gerne an den Kopf werfen würde, aber das alles passte doch nicht hierher, oder? "Ich würde gerne sagen, dass wir es überleben werden, aber da bin ich mir nicht sicher. Jeder Einzelne von uns findet wohl einen Weg damit umzugehen, doch als Familie..." zuckte sie mit den Schultern. "Gerade die Familie sollte doch zusammen halten und sich gegenseitig aufbauen." Zum Glück konnte der Fürst nicht sehen, wie sie unbeholfen und von Unsicherheit gebeutelt unter dem Tuch an der Haut ihrer Fingernägel zu zupfen begann. Nach der Familie hatte er doch gar nicht gefragt, hatte sie zuviel verraten? "Ich selbst versuche den Mut nicht zu verlieren, dass all dieses Übel nicht auch irgendwie etwas Gutes hat, einen Sinn, verstehen Sie? Aber manchmal weiß ich nicht wie. Heofader muss doch einen Plan haben für uns, oder nicht?" Oder nicht?
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