01-04-2024, 18:34 - Wörter:
“Prinzessin, ich habe alles noch einmal kontrolliert. Die Zimmer sind sauber und alles ist verpackt.“ knickste Iulia artig, als sie nach einer Weile wieder zurückgekommen war. Nun, das war auch nicht schwierig schließlich waren es nur ein paar Habseligkeiten, die die Familie Trakas ihr Eigentum nennen durfte und Iulia hatte höchst selbst darauf geachtet, dass alles davon auch einen Platz in den Truhen und Kisten finden würde. Es tat ihr gut sich nützlich zu machen und durch Arbeit abzulenken, wo es nur ging. Außerdem bevorzugte sie die Gesellschaft von Ihresgleichen, Dienerinnen und Hausmädchen waren ihr immer lieber als das hochnäsige Geschnatter des Adels. Einzige Ausnahme war schon in Eastergold Meadow immer Elithea gewesen. Mit ihrer ruhigen und herzlichen Art, die nie aufgesetzt wirkte, hatte die Fürstentochter schnell die Herzen der Dienerschaft sowohl da als dort für sich gewonnen. “Und ich habe eure Schwester angetroffen. Sie lässt ausrichten, dass sie vom Koch noch mehr Honigkuchen und Rosinenbrötchen für die Reise verlangt.“ Der Dienerin war anzuhören, dass sie die Handlungen der Schwester für unverschämt und maßlos hielt, auch wenn sie das nie so ausdrücken würde. Elithea seufzte nur. Einen Sack Flöhe hüten wäre einfacher, dabei war das nicht einmal ihre Aufgabe! Aber nachdem sich die Mutter aus allem rauszuhalten schien und wohl in der Kapelle auf die Nachricht der imminenten Abreise wartete, und die Geschwister offensichtlich unfähig oder unwillens waren, blieb ihr nichts anderes übrig. “Danke Iulia“ Auf was warteten sie eigentlich noch? Irgendwie war von einer Eskorte die Rede, aber im Hof hatten sich doch schon Soldaten versammelt, also könnte es doch los gehen, oder?
“Dann wollen wir….“ Aber weiter kam die Prinzessin nicht. Sie spürte mehr, als dass sie es erst erkannte, dass eine undefinierbare Unruhe sich der Burg näherte. Unsicher verharrte die junge Frau nahe einem Fenster, das ihr ein wenig Ausblick auf ein Stückchen Himmel und die Stadt darunter bot. Schon fanden die Finger der rechten Hand lose Hautfetzen an den Nägeln der linken, die sie unbewusst zu zupfen begann. ““Prinzessin?“ Iulia genügte nur ein Blick, um zu erkennen, dass irgendetwas nicht stimmte. Die kleinen Bewegungen der Hände verrieten mehr, als es Elithea jemals würde. Mit wenigen Schritten war die Dienerin an Elitheas Seite und nahm beruhigend ihre Hand. “Was ist los?“ Nun waren es vier Augen, die durch die Öffnung in der Wand nach etwas suchten und doch nicht wussten, ob sie denn finden wollten, was sich da näherte. Erst merkte man nur ein allgemeines Rumoren, das sich fast wie kleine Wellen auf die Burg zu bewegte. Aber weder der Prinzessin noch der Dienerin wollte auffallen, was die Ursache des Tumults war. Man erkannte die Bewegungen der Menschenmassen, ein Schieben und Drängeln. Der Druck um Elitheas Hand wurde fester, als die seltsame Unruhe auch die Dienerin ergriff. “Sind das…“ wisperte sie, als sich über den Köpfen der Menschen Banner erhoben. Elithea schwieg Als wäre es ein echter Vogel, so lebhaft flatterte das Tuch hoch auf einem Ebenholzstab. Sie kannte das Banner nicht, so sehr sie es auch anstarrte. Doch die Erinnerungen an ihre Heimat brachen sich immer mehr Bahn in ihrem Gemüt. So hatte es auch dort angefangen. Ein Haufen von geharnischten Körpern, die sich gegen die Tore stemmten, bis sie unter Bersten und Stöhnen nachgeben mussten. Das Klirren der Rüstungen war sicherlich nur ein leises Wispern, doch für Elithea hörte es sich an wie das höllische Kettenrasseln der Unterwelt. “Das kann doch nicht sein, Iulia.“ nicht schon wieder. Fürst Athanas hatte etwas angedeutet, das Elithea damals im Garten nicht wirklich eine Bedeutung beigemessen hatte. “Meint ihr?“ auch Iulia wollte den Gedanken nicht aussprechen. Einmal in Worte gefasst, bekamen Gedanken eine Festigkeit, die der Realität nahekamen. Und das wollten beide Mädchen vermeiden.
Nein. Walleydor konnte doch nicht schon bis Bardon Pass vorgedrungen sein. Davon hätten sie etwas mitbekommen. Man hätte Vorkehrungen getroffen. Man hätte sie weggeschafft. Man hätte Nachricht erhalten zumindest. Dennoch die Angst vor einem neuerlichen Überfall setzte den jungen Körpern schwer zu. Trotz des festen Händedrucks, der eine beruhigende Versicherung hätte sein sollen, durchfuhr Elithea ein Schauder, der nicht von Kälte herrührte, sondern von einer lebensbedrohenden Angst. Und auch die Dienerin neben ihr zitterte am ganzen Leib. Sie mussten fort. Doch keiner von beiden konnte sich auch nur eine Haaresbreite bewegen. Wie festgefroren und das in der schönsten Sommerwärme. Nun hatten die Gerüsteten das Tor zur Burg erreicht, das ihnen kaum ein Hindernis darstellte. Das Gebrüll des Anführers füllte dröhnend den Innenhof, hallte von den steinernen Wänden wider und verschwamm zu einem undefinierbaren Buchstabenwirrwarr. Das wohlpolierte Metall der Rüstungen blendete im Sonnenschein so gleißend, dass es fast in den Augen weh tat. Und doch konnten sie den Blick nicht von der Truppe nehmen. Erst al der Redelsführer, jener mit dem auffällig roten Federbusch am Helm, seinen prüfenden Blick über die Gemäuer schweifen ließ, zuckten sowohl die Prinzessin als auch ihre Dienerin zusammen und drückten sich an die gegensätzlichen Flanken der Fenster. Die plötzliche Kälte dort, wo vorher die Hand der Dienerin die ihre gehalten hatte, erschreckte Elithea nur noch mehr. Wo waren nur die anderen, wenn man sie am dringlichsten brauchte? Ob sie die Aufregung hier überhaupt bemerkten? Elithea lugte vorsichtig wieder ums Eck und hinaus in den Hof. “Passt auf, Prinzessin.“ Vielleicht war es besser, wenn man nicht wusste, dass die Fürstenfamilie Trakas noch hier war.
Die Unruhe erreichte nun eine gefährliche Nähe. Scharniere quietschten protestierend auf, Holz ächzte unter der ungewohnt brutalen Behandlung und dann waren die hastigen, festen Schritte auf einmal in der Halle unter ihnen. Die Befehle der dröhnenden Stimme waren nun gut zu vernehmen, doch das erklärte nicht unbedingt, was dieser Haufen an Kriegern hier wollte. Elitheas Neugier gewann. Oder sagen wir lieber, ihr Selbsterhaltungstrieb. Je mehr sie über diesen Trupp in Erfahrung bringen könnte, desto besser würde sie einschätzen können, welche Reaktion notwendig war. “Ich hole eure Mutter.“ schaltete sich Iulias Fluchtgedanke ein. “Nein. Bleib hier.“ bat Elithea leise. Ihr Mut war nur in Gesellschaft ausdauernd. Allein würde sie es hier keine Minute aushalten. Hinter den kunstvoll geschnitzten Steinsäulen der Balustrade, die sie im ersten Stock vor den Blicken aus der Halle schützte, konnten sie das Geschehen unbemerkt verfolgen, das sich nun vor ihnen wie ein schreckliches Schauspiel ausbreitete. Mit einer schier unersättlichen Gewissheit brüllte der Kopf der Truppe Befehle, denen die Dienerschaft des Fürstens nur mit sehr schmählichem Widerstand begegneten. Elithea versuchte sich den Fremden einzuprägen. War er ein Adeliger, dass hier sein Wort scheinbar soviel galt wie das des Hausherren? Nein, so selbstbewusst er auch auftrat, ihm fehlte die edle Aura. Nein, das war es nicht. Wer aber war er dann? Das weibliche Personal huschte zusammen wie aufgescheuchte Hühner und schon verlangte er eine Person zu einem Namen, der Elithea nur zu geläufig war. Warum Larana, das Hausmädchen, das ihr täglich das Bett gemacht hatte und abends für eine Tasse heißen Aufguss für alle gesorgt hatte? Verbissen vergruben sich ihre Finger in der aufgebrochenen Nagelhaut der linken Hand, die sie bis zum Wundsein malträdierte. Jedes kleine Fetzchen erschuf nur ein neues, an dem es zu ziepen und zupfen galt, bis es schmerzte. Sonst allerdings schienen ihre Glieder taub vor Angst, mehr noch, da sie nicht verstand, was die Ursache dieser Boshaftigkeit war. Die grobe Behandlung des Hausmädchens artete vollkommen aus, Scherben barsten, Tränen flossen. Elithea drückte sich an den kalten Stein der Säule, dessen gräuliche Farbe allmählich mit der Blässe ihrer Wangen verschmolz. Soviel Gewalt war sie nicht gewohnt. Nicht einmal in Eastergold Meadow während des Überfalls war sie mit derartiger Brutalität in unmittelbarer Nähe konfrontiert gewesen.
Sie hörte nur das Rascheln von Stoff und das leise Tappen von Ledersohlen über glatte Steinplatten, als die Dienerin wieder ans Fenster huschte. Und dann ein entsetzter Aufschrei, der hinter vorgehaltener Hand versteckt wurde. “Er hat sie einfach…“ mehr konnte die Dienerin nicht aus ihrer Kehle hervorpressen, doch Elithea konnte sich denken, wie der Satz zu ende gehen sollte. Sämtliche Kraft floh aus ihren Gliedern, wo vorher noch zumindest ein Rest an Durchhaltevermögen war, blieb nur noch ein schales, schwammiges Kribbeln, als sie merkte, wie sie jeglichen Halt verlor. Selbst in dem rauhen Stein der Brüstung fanden ihre Nägel kaum Halt, doch sie durfte nicht wanken, durfte sich nichts anmerken lassen, auch wenn hier niemand war, der ihre Schwäche hätte sehen können. Hinter geschlossenen Lidern dröhnte ihr Kopf begleitet vom leisen Schluchzen der Dienerin. Denk an etwas Schönes versuchte sie sich selbst zu beruhigen. In der aktuellen Situation allerdings fiel der Prinzessin es nicht leicht, noch etwas Schönes zu sehen. Noch während sie es versuchte, trat die Verwalterin die Stufen hoch und auf die Prinzessin zu. Elithea atmete tief durch, richtete sich auf, versuchte wieder an Haltung zu gewinnen. “Ein Abgesandter des hohen Königs von Castandor ist eingetroffen“ Das konnte doch nur ein Scherz sein, oder? DAS war ein Abgesandter des Königs? Elithea wusste nicht recht, ob sie die Augen vor Verwunderung aufreissen oder zusammen runzeln sollte. So sollte sich kein Abgesandter verhalten. Eifrig zupfte die Verwalterin an ihr herum, richtete das Kleid und die leicht zerzausten Haare. Und warum sollte gerade sie diesem Wüstling gegenüber treten? Ihre Mutter war die Witwe des alten Fürsten und weit gewandter in politischen Gesprächen. Selbst ihr Bruder, als nun de facto Fürst von Eastergold Meadow wäre geeigneter für diese Konfrontation. Herrje selbst ihre hochnäsige Schwester hätte mehr Schneid und Schlagfertigkeit diese Situation zu meistern! Warum sie? Aber sie konnte nichts anders als nicken. Was blieb ihr denn übrig? . [color=# FF857A] “Iulia.“[/color] befahl sie ihre Dienerin an ihre Seite, die immer noch schluchzend am Fenster stand, sich aber nun ebenfalls zusammenriss und zu ihr huschte. Tief durchatmen. Schultern straffen. Und bloß nicht die Treppen runterfallen. Bevor sie ums Ecke auf die oberste Stufe trat, zwickte sich Elithea noch kräftig in die Wange, damit sie etwas rosiger wurden, als ihr gerade zumute war.
Möglichst ihrem Stand als Prinzessin von Eastergold Meadow entsprechend versuchte sie erhaben und elegant die Treppen hinabzugleiten, die Hände anmutig vor dem Bauch verschränkt, so wie sie es schon sooft bei ihrer Mutter beobachtet hatte. In der Halle angekommen hielt sie in gebührlichem Abstand inne, das Kinn so gut es ging erhoben. Er sollte nicht merken, dass sie innerlich weit weniger selbstbewusst war, als sie nach Außen den Anschein geben wollte. Selbst seinem Blick stand zu halten kostete ihr einiges an Überwindung, aber die Augen zu senken würde nur Schwäche bedeuten. “Mit wurde mittgeteilt, dass der Abgesandte des hohen Königs eine Nachricht an den Fürsten von Eastergold Meadow zu überbringen hat.“ gut, das war ihr Bruder ja eigentlich. “Ich bin seine Schwester, Elithea Trakas, Prinzessin von Eastergold Meadow. Wenn man hier schon eine derartige Aufruhr veranstaltet, die Dienerschaft verängstigt und mich rufen lässt wie einen räudigen Hund, verlange ich den Namen des Abgesandten zu erfahren und einen Nachweis seiner Beauftragung durch den hohen König.“ sie hatte es geschafft ihre Stimme zumindest für die Dauer dieser paar Sätze so sicher und stark wie möglich klingen zu lassen.
“Dann wollen wir….“ Aber weiter kam die Prinzessin nicht. Sie spürte mehr, als dass sie es erst erkannte, dass eine undefinierbare Unruhe sich der Burg näherte. Unsicher verharrte die junge Frau nahe einem Fenster, das ihr ein wenig Ausblick auf ein Stückchen Himmel und die Stadt darunter bot. Schon fanden die Finger der rechten Hand lose Hautfetzen an den Nägeln der linken, die sie unbewusst zu zupfen begann. ““Prinzessin?“ Iulia genügte nur ein Blick, um zu erkennen, dass irgendetwas nicht stimmte. Die kleinen Bewegungen der Hände verrieten mehr, als es Elithea jemals würde. Mit wenigen Schritten war die Dienerin an Elitheas Seite und nahm beruhigend ihre Hand. “Was ist los?“ Nun waren es vier Augen, die durch die Öffnung in der Wand nach etwas suchten und doch nicht wussten, ob sie denn finden wollten, was sich da näherte. Erst merkte man nur ein allgemeines Rumoren, das sich fast wie kleine Wellen auf die Burg zu bewegte. Aber weder der Prinzessin noch der Dienerin wollte auffallen, was die Ursache des Tumults war. Man erkannte die Bewegungen der Menschenmassen, ein Schieben und Drängeln. Der Druck um Elitheas Hand wurde fester, als die seltsame Unruhe auch die Dienerin ergriff. “Sind das…“ wisperte sie, als sich über den Köpfen der Menschen Banner erhoben. Elithea schwieg Als wäre es ein echter Vogel, so lebhaft flatterte das Tuch hoch auf einem Ebenholzstab. Sie kannte das Banner nicht, so sehr sie es auch anstarrte. Doch die Erinnerungen an ihre Heimat brachen sich immer mehr Bahn in ihrem Gemüt. So hatte es auch dort angefangen. Ein Haufen von geharnischten Körpern, die sich gegen die Tore stemmten, bis sie unter Bersten und Stöhnen nachgeben mussten. Das Klirren der Rüstungen war sicherlich nur ein leises Wispern, doch für Elithea hörte es sich an wie das höllische Kettenrasseln der Unterwelt. “Das kann doch nicht sein, Iulia.“ nicht schon wieder. Fürst Athanas hatte etwas angedeutet, das Elithea damals im Garten nicht wirklich eine Bedeutung beigemessen hatte. “Meint ihr?“ auch Iulia wollte den Gedanken nicht aussprechen. Einmal in Worte gefasst, bekamen Gedanken eine Festigkeit, die der Realität nahekamen. Und das wollten beide Mädchen vermeiden.
Nein. Walleydor konnte doch nicht schon bis Bardon Pass vorgedrungen sein. Davon hätten sie etwas mitbekommen. Man hätte Vorkehrungen getroffen. Man hätte sie weggeschafft. Man hätte Nachricht erhalten zumindest. Dennoch die Angst vor einem neuerlichen Überfall setzte den jungen Körpern schwer zu. Trotz des festen Händedrucks, der eine beruhigende Versicherung hätte sein sollen, durchfuhr Elithea ein Schauder, der nicht von Kälte herrührte, sondern von einer lebensbedrohenden Angst. Und auch die Dienerin neben ihr zitterte am ganzen Leib. Sie mussten fort. Doch keiner von beiden konnte sich auch nur eine Haaresbreite bewegen. Wie festgefroren und das in der schönsten Sommerwärme. Nun hatten die Gerüsteten das Tor zur Burg erreicht, das ihnen kaum ein Hindernis darstellte. Das Gebrüll des Anführers füllte dröhnend den Innenhof, hallte von den steinernen Wänden wider und verschwamm zu einem undefinierbaren Buchstabenwirrwarr. Das wohlpolierte Metall der Rüstungen blendete im Sonnenschein so gleißend, dass es fast in den Augen weh tat. Und doch konnten sie den Blick nicht von der Truppe nehmen. Erst al der Redelsführer, jener mit dem auffällig roten Federbusch am Helm, seinen prüfenden Blick über die Gemäuer schweifen ließ, zuckten sowohl die Prinzessin als auch ihre Dienerin zusammen und drückten sich an die gegensätzlichen Flanken der Fenster. Die plötzliche Kälte dort, wo vorher die Hand der Dienerin die ihre gehalten hatte, erschreckte Elithea nur noch mehr. Wo waren nur die anderen, wenn man sie am dringlichsten brauchte? Ob sie die Aufregung hier überhaupt bemerkten? Elithea lugte vorsichtig wieder ums Eck und hinaus in den Hof. “Passt auf, Prinzessin.“ Vielleicht war es besser, wenn man nicht wusste, dass die Fürstenfamilie Trakas noch hier war.
Die Unruhe erreichte nun eine gefährliche Nähe. Scharniere quietschten protestierend auf, Holz ächzte unter der ungewohnt brutalen Behandlung und dann waren die hastigen, festen Schritte auf einmal in der Halle unter ihnen. Die Befehle der dröhnenden Stimme waren nun gut zu vernehmen, doch das erklärte nicht unbedingt, was dieser Haufen an Kriegern hier wollte. Elitheas Neugier gewann. Oder sagen wir lieber, ihr Selbsterhaltungstrieb. Je mehr sie über diesen Trupp in Erfahrung bringen könnte, desto besser würde sie einschätzen können, welche Reaktion notwendig war. “Ich hole eure Mutter.“ schaltete sich Iulias Fluchtgedanke ein. “Nein. Bleib hier.“ bat Elithea leise. Ihr Mut war nur in Gesellschaft ausdauernd. Allein würde sie es hier keine Minute aushalten. Hinter den kunstvoll geschnitzten Steinsäulen der Balustrade, die sie im ersten Stock vor den Blicken aus der Halle schützte, konnten sie das Geschehen unbemerkt verfolgen, das sich nun vor ihnen wie ein schreckliches Schauspiel ausbreitete. Mit einer schier unersättlichen Gewissheit brüllte der Kopf der Truppe Befehle, denen die Dienerschaft des Fürstens nur mit sehr schmählichem Widerstand begegneten. Elithea versuchte sich den Fremden einzuprägen. War er ein Adeliger, dass hier sein Wort scheinbar soviel galt wie das des Hausherren? Nein, so selbstbewusst er auch auftrat, ihm fehlte die edle Aura. Nein, das war es nicht. Wer aber war er dann? Das weibliche Personal huschte zusammen wie aufgescheuchte Hühner und schon verlangte er eine Person zu einem Namen, der Elithea nur zu geläufig war. Warum Larana, das Hausmädchen, das ihr täglich das Bett gemacht hatte und abends für eine Tasse heißen Aufguss für alle gesorgt hatte? Verbissen vergruben sich ihre Finger in der aufgebrochenen Nagelhaut der linken Hand, die sie bis zum Wundsein malträdierte. Jedes kleine Fetzchen erschuf nur ein neues, an dem es zu ziepen und zupfen galt, bis es schmerzte. Sonst allerdings schienen ihre Glieder taub vor Angst, mehr noch, da sie nicht verstand, was die Ursache dieser Boshaftigkeit war. Die grobe Behandlung des Hausmädchens artete vollkommen aus, Scherben barsten, Tränen flossen. Elithea drückte sich an den kalten Stein der Säule, dessen gräuliche Farbe allmählich mit der Blässe ihrer Wangen verschmolz. Soviel Gewalt war sie nicht gewohnt. Nicht einmal in Eastergold Meadow während des Überfalls war sie mit derartiger Brutalität in unmittelbarer Nähe konfrontiert gewesen.
Sie hörte nur das Rascheln von Stoff und das leise Tappen von Ledersohlen über glatte Steinplatten, als die Dienerin wieder ans Fenster huschte. Und dann ein entsetzter Aufschrei, der hinter vorgehaltener Hand versteckt wurde. “Er hat sie einfach…“ mehr konnte die Dienerin nicht aus ihrer Kehle hervorpressen, doch Elithea konnte sich denken, wie der Satz zu ende gehen sollte. Sämtliche Kraft floh aus ihren Gliedern, wo vorher noch zumindest ein Rest an Durchhaltevermögen war, blieb nur noch ein schales, schwammiges Kribbeln, als sie merkte, wie sie jeglichen Halt verlor. Selbst in dem rauhen Stein der Brüstung fanden ihre Nägel kaum Halt, doch sie durfte nicht wanken, durfte sich nichts anmerken lassen, auch wenn hier niemand war, der ihre Schwäche hätte sehen können. Hinter geschlossenen Lidern dröhnte ihr Kopf begleitet vom leisen Schluchzen der Dienerin. Denk an etwas Schönes versuchte sie sich selbst zu beruhigen. In der aktuellen Situation allerdings fiel der Prinzessin es nicht leicht, noch etwas Schönes zu sehen. Noch während sie es versuchte, trat die Verwalterin die Stufen hoch und auf die Prinzessin zu. Elithea atmete tief durch, richtete sich auf, versuchte wieder an Haltung zu gewinnen. “Ein Abgesandter des hohen Königs von Castandor ist eingetroffen“ Das konnte doch nur ein Scherz sein, oder? DAS war ein Abgesandter des Königs? Elithea wusste nicht recht, ob sie die Augen vor Verwunderung aufreissen oder zusammen runzeln sollte. So sollte sich kein Abgesandter verhalten. Eifrig zupfte die Verwalterin an ihr herum, richtete das Kleid und die leicht zerzausten Haare. Und warum sollte gerade sie diesem Wüstling gegenüber treten? Ihre Mutter war die Witwe des alten Fürsten und weit gewandter in politischen Gesprächen. Selbst ihr Bruder, als nun de facto Fürst von Eastergold Meadow wäre geeigneter für diese Konfrontation. Herrje selbst ihre hochnäsige Schwester hätte mehr Schneid und Schlagfertigkeit diese Situation zu meistern! Warum sie? Aber sie konnte nichts anders als nicken. Was blieb ihr denn übrig? . [color=# FF857A] “Iulia.“[/color] befahl sie ihre Dienerin an ihre Seite, die immer noch schluchzend am Fenster stand, sich aber nun ebenfalls zusammenriss und zu ihr huschte. Tief durchatmen. Schultern straffen. Und bloß nicht die Treppen runterfallen. Bevor sie ums Ecke auf die oberste Stufe trat, zwickte sich Elithea noch kräftig in die Wange, damit sie etwas rosiger wurden, als ihr gerade zumute war.
Möglichst ihrem Stand als Prinzessin von Eastergold Meadow entsprechend versuchte sie erhaben und elegant die Treppen hinabzugleiten, die Hände anmutig vor dem Bauch verschränkt, so wie sie es schon sooft bei ihrer Mutter beobachtet hatte. In der Halle angekommen hielt sie in gebührlichem Abstand inne, das Kinn so gut es ging erhoben. Er sollte nicht merken, dass sie innerlich weit weniger selbstbewusst war, als sie nach Außen den Anschein geben wollte. Selbst seinem Blick stand zu halten kostete ihr einiges an Überwindung, aber die Augen zu senken würde nur Schwäche bedeuten. “Mit wurde mittgeteilt, dass der Abgesandte des hohen Königs eine Nachricht an den Fürsten von Eastergold Meadow zu überbringen hat.“ gut, das war ihr Bruder ja eigentlich. “Ich bin seine Schwester, Elithea Trakas, Prinzessin von Eastergold Meadow. Wenn man hier schon eine derartige Aufruhr veranstaltet, die Dienerschaft verängstigt und mich rufen lässt wie einen räudigen Hund, verlange ich den Namen des Abgesandten zu erfahren und einen Nachweis seiner Beauftragung durch den hohen König.“ sie hatte es geschafft ihre Stimme zumindest für die Dauer dieser paar Sätze so sicher und stark wie möglich klingen zu lassen.
