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A small misunderstanding can show you how a person really feels about you.
12.08.1016 - 19:00
Königliche Gemächer
Trigger: Krieg, Verlustangst
Lester Stafford Charles Stafford

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Lester Stafford
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User
#1
A small misunderstanding can show you how a person really feels about you.
Seit gestern Nachmittag ist eigentlich alles wieder normal für den Zehnjährigen. Die Angst um seinen Papa kann der nachdenkliche Junge noch immer nicht ganz ablegen und ein Missverständnis führt dazu, dass Charles seinen Sohn gar nicht wiedererkennt.



Sein Papa hatte ihm gefehlt. Als König war dieser hin und wieder mal für einen Abend auswärts gewesen. Das war zwar für Lester jedes mal ungewohnt, aber er fand sich recht gut damit ab, konnte er doch seinen Papa spätestens am nächsten Abend wieder in seine Arme schließen. Beinahe einen ganzen Monat, das war aber etwas völlig anderes gewesen, zumal sein Papa nicht einfach nur einen Vasallen besucht hatte, um mit diesem Politik zu machen und gemeinsam zu essen, sondern in den Krieg gezogen war. Hatte man in dieser Zeit mit Lester zu tun, so würde man die letzten Wochen wohl, vorsichtig ausgedrückt, als turbulent beschreiben.

Die Briefe, die er während dieser Zeit von seinem Papa erhielt, nahmen ihm regelmäßig die Angst, dass diesem etwas zugestoßen war. Nach jedem dieser Briefe fand Lester oft bis zum Abend des nächsten Tages Ruhe und vermisste zwar seinen Papa, war aber nicht zu tief in Sorge versunken, als dass er… eben… turbulent war. Doch darauf kam sie stets zurück, mit jeder Stunde ohne neue Nachricht wurde sie schlimmer, die Furcht, seinen Papa nicht mehr wiederzusehen. Er wusste, dass Krieg eigentlich immer mit Verlusten einherging und dass Krieg dazu führte, dass Väter nicht mehr zu ihren Frauen und Kindern zurückkamen. Und was er auch wusste, war, dass es Väter gab, die zurückkamen, aber trotzdem nicht mehr dieselben waren. Jeder Brief versicherte ihm zwar, dass sein Papa zurückkommen würde, aber konnte nicht sagen, ob es auch noch sein Papa war, der bald zurückkommen würde.

Blickte man den gestrigen und den heutigen Abend aber in das gemeinsame Schlafzimmer der Staffords, erkannte man, dass die Normalität anscheinend wieder eingekehrt war. Charles war mit seinem Sohn in das Schlafzimmer gegangen und hatte schon alles vorbereitet, damit er Lester gleich zu Bett bringen konnte. Er hatte seinen Lieblingsschlafanzug, der besonders angenehm zu Lesters haut war, herausgelegt, mit ihm bereits das schwierigste Wimmelbuch, dass der Junge zwar seit Jahren auswendig kannte, aber dadurch, dass sein Papa aus den chaotischen Bildern die besten Geschichten zauberte, noch immer gernhatte, ausgesucht. Er hatte seinen kuscheligen Schlafsack, der ihn an ungewollten nächtlichen Exkursionen sowie am Kratzen hinderte und gleichzeitig warm hielt, schon in Lesters kleines Nest, das ihn im großen Familienbett allein nicht ganz so verloren fühlen lies, gelegt und sogar eine warme Milch, die Lester glücklich machte aber anscheinend auch der Grund dafür war, dass er regelmäßig vor dem Einschlafen doch nochmal auf Toilette musste, kommen lassen.

Darauf sollte Lester sich zumindest schon einmal alleine umziehen, da Charles doch noch etwas Dringendes zu erledigen hatte, aber auch nicht wollte, dass sein mittlerweile doch recht müder Sohn noch später ins Bett kam. Tatsächlich war dem Zehnjährigen das in diesem Moment ganz recht, denn sein Papa hatte zwar alles vorbereitet, was sie für das gemeinsame Abendritual brauchten, doch heute hatte Lester auch selbst noch etwas vorzubereiten. Nachdem er seinen Papa noch einen glücklichen, dankbaren Kuss gegeben hatte, wartetet der Junge, bis dieser am Ende des Ganges nicht mehr zu hören war, bis er mit seinen Vorbereitungen startete, denn sie waren streng geheim.

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Zunächst schlich sich Lester dann selbst über den Gang, dorthin, wo sein Zielobjekt seit gestern Mittag auf ihn wartetet. Eigentlich war die Umsetzung seines Planes schon für gestern Abend angedacht gewesen, doch erschien es dem Zehnjährigen als der falsche Zeitpunkt, da sein Papa ihn gestern recht zügig, aber nicht weniger liebevoll, ins Bett gebracht hatte, da dieser anschließend noch ein wichtiges Erwachsengespräch mit Leif und Aleena führen musste.
In der Abstellkammer angekommen, bemerkte Lester jedoch schnell, dass sein Plan einen Haken hatte.
„Söne Seiße“, fluchte er leise auf die Art, die er sich noch immer aus der kurzen Zeit beibehalten hatte, als ihm der Sch-Laut noch schwergefallen war. Dadurch erkannte man auch heute noch nicht nur an seiner klaren, hellen Stimme, dass es Lester war, wenn er sich ärgerte, sondern hörte eben auch an genau diesen zwei Wörtern, die er dazu schon immer für sich auserkoren hatte, dass es nur er sein konnte.

Diesen Gedanken hegte in diesem Moment wahrscheinlich auch Anne, sein Kindermädchen, das sein Papa noch schnell organisiert hatte, damit Lester nicht allein warten musste und vor allem schon wenigstens umgezogen, wenn nicht sogar schon fertig in seinem Schlafsack eingekuschelt war, wenn dieser zurückkam, so dass sie gleich Schmusen und dabei über den Tag hätten reden können. Jedenfalls hatte Anne so auch herausgefunden, wo Lester, der eben nicht im Schlafzimmer wartete, sondern in der Abstellkammer stand und sich gerade eigentlich hätte einen neuen Plan überlegen müssen, war.
„Lester, da bist du ja.“, begrüßte sie den grübelnden Jungen, der zunächst nicht antwortete, mit einem entzückten Lächeln, „Wenn du mir verrätst, worüber du dir gerade dein kronprinzliches Köpflein zerbrichst, kann ich dir vielleicht helfen.“
Lesters sah kurz zu ihr auf und deutetet dann auf ein Rollbrett und dessen, leider noch nicht auf diesem platzierter, Fracht. Sagen tat er nichts, nahm er doch an, dass dieses Bild keiner weiteren Erklärung bedurfte. Und tatsächlich, Anne nickte wissend. Gern hätte sie zunächst gewusst, was sich unter dem Laken befand, verkniff sich jedoch eine Frage zu stellen, auf die sie wohl eh keine Antwort erhalten würde. Und außerdem müsste sie ihm eigentlich mitteilen, dass er doch schon seinen Schlafanzug anhaben sollte. Stattdessen ging sie um das annähernd quaderförmige Objekt herum und stellte fest, dass auch sie allein kaum genug Kraft hatte, es anzuheben und wusste auch, dass sie den Jungen nicht eher in Richtung Bett bekommen würde, als der Plan, der anscheinend eine Überraschung war, umgesetzt wurde. Irgendwie hatte sie es dann gemeinsam mit Lester auch geschafft, davon zeugte zumindest das niedliche, kurze Ächzen, dass sich einen Weg über den Gang bahnte, den verdeckten Klotz in das Schlafzimmer der Staffords zu befördern.

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Diesen Punkt abgehakt, warf der Kronprinz seinem Kindermädchen ein dankbares Lächeln zu, setzte sich auf das große Familienbett und wartete, bis Anne wieder ging. Doch die junge Frau schien eine andere Agenda zu haben, ging zu Lester und setzte sich neben diesen und griff nach seinem Oberteil. „Papa?“, fragte der Junge irritiert und merkte, wie Angst in ihm aufkam, denn eigentlich sollte dieser bald wieder da sein. „Wir ziehen dich…“, begann Anne in ruhiger Stimme, als sie schon halb sein Oberteil ausgezogen hatte, wurde aber von einem deutlichen „Nein!“ seitens des Jungen prompt unterbrochen, war aber bereits in Lesters Irritation mit dem ersten Kleidungsstück erfolgreich gewesen. „Papa!“, forderte Lester nun. „Wir ziehen…“, versuchte Anne es erneut und wurde von einem nochmal deutlicheren „Nein!“ aber sofort wieder mundtot gemacht. Lester atmete unruhig und hatte Angst. Anne hatte dies natürlich erkannt und gab dem angespannten Kind eine Hand, „Dein Papa hat…“, versuchte sie etwas zu sagen, was ihn beruhigen sollte, aber Lesters Angst vervollständigte diesen Satz von ganz allein. „Nein!“, stieß er erneut aus und wollte nichts mehr von ihr hören. Sein Papa sollte schon längst wieder hier sein, das war er aber nicht und für den verkopften Jungen bedeutet dies in diesem Moment nur, dass seine Befürchtung wahr geworden war.

Lester sprang auf, verließ das Zimmer und schritt gut hörbar über den Gang. „Lester, bleib hier!“, versuchte es Anne mit strenge, doch der Junge war schon längst vor dem Raum angekommen, in dem sich noch sein Papa aufhielt. Stoßartig öffnete er die Tür, sah in den Raum hinein und blieb an diesem hängen. Charles traf nun ein Blick, den er so noch niemals von seinem Sohn gesehen hatte. Gemeinsam mit dem roten Gesicht, der unruhigen Atmung und der Art, wie Lesters Finger und Gesichtsmuskeln gerade krampften, erkannte man sofort, dass hier irgendetwas gewaltig im Argen lag. „Verzeiht, eure Majestät.“, entschuldigte Anne noch die Ruhestörung und gab sich die Schuld an dieser Situation, die sie deutlich überforderte.
„Wärst du nur dortgeblieben, mit deinen Narben!“, stieß der oberkörperfreie Zehnjährige in einer Art von Hass aus, die Charles so noch nie von seinem Sohn gehört hatte. Noch nie hatte Lester ihn angeschrien, noch nie hatte er den Körper seines Sohnes so vor Zorn geladen gesehen. Sein Sohn kannte eigentlich keine richtige Wut, denn wenn ihn etwas wütend machte, wurde er eigentlich ganz still oder weinte im schlimmsten Fall. Tränen hatte er zwar in diesem Moment auch im Gesicht, aber es war anders. Er war wie ausgetauscht, wie ein Kind, dass nicht seines war. Den Impuls entladen, hatte der Zehnjährige sich jedoch auch schon wieder umgedreht und war zurück in das Schlafzimmer gepoltert.

Einen Moment danach, stand dann Freda in der Tür, die natürlich auch mitbekommen hatte, was gerade passiert war. Sie konnte nur ahnen, was Charles dachte, wie geschockt er war und wie fremd er sich in diesem Moment fühlen musste. Freda näherte sich ihrem Gemahl, begab sich ihm Gegenüber und ergriff seine Hand. Noch kurz gab sie ihm Zeit, um zu realisieren, dass er sich das gerade nicht nur eingebildet hatte, bevor sie ruhig zu sprechen begann: „Auch wenn es so scheint. Das ist kein Zorn. Das ist Angst. Angst um das, was ihm am wichtigsten ist.“ Mehr sagte sie nicht und mehr gab es auch in diesem Moment nicht zu sagen. Was sie von Charles erwartetet, war jedoch klar. Sie hatte seit gestern nur angedeutet, dass Lester sich während seiner Abwesenheit einmal schon seltsam verhalten hatte, was seltsam bedeutete, dazu hatte sie aber nichts gesagt.

Und tatsächlich, im Schlafzimmer konnte Charles wieder den Sohn vorfinden, den er auch kannte. Bäuchlings lag er ganz still, aber ein wenig zitternd, auf dem Bett. Anne saß neben ihm, hatte ihm eine Decke eng unter den Körper gesteckt und ihm ihre Hand auf den Rücken gelegt. Sobald Charles nähergekommen wäre, hätte sie Vater und Sohn respektvoll allein gelassen.


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A small misunderstanding can show you how a person really feels about you. - von Lester Stafford - 03-04-2024, 17:32

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