09-04-2024, 15:11 - Wörter:

Hier zum Beispiel. Wie ein streunender Köter bellte sie und sofort lag Ivars Blick nicht mehr auf ihrer wohlgeformten Oberweite, sondern auf ihrem Gesicht; dann erst auf den Münzen, die sie vom Tisch gefegt hatte. „Dich besaufen, Geld wegschmeißen, Kunden finden“, zuckte er die breiten, leider nicht eingeölten Schultern. „Eins davon kannst du ja schon.“ Der Anflug eines Grinsens zupfte an seinem rechten Mundwinkel, ehe er seinen Eingriff in die Privatsphäre seiner Lieblingshure fortsetzte und sich im Zelt bewegte, als würde es ihm selbst gehören. Vom Hund zur Katze, jetzt zankte sie ihn auch noch an, doch immerhin war es der Inhalt ihrer Worte, der ihn mit der Zunge schnalzen ließ. „Verkauf dich nicht für mehr, als du wert bist. Was hat dir deine Mutter eigentlich beigebracht?“ Sicher nicht, wie man klug mit einem Söldner redete, oder generell, wie man klug handelte – aber von diesem Meilenstein waren sie beide wohl noch ein paar Jahre entfernt.
Mit einem Knarzen gab die alte Truhe zu verstehen, dass sie eigentlich nicht als Sitzmöglichkeit brauchbar war, aber wie so viele Warnungen im Leben blendete der Söldner diese Eingebung aus und stützte sich hinten auf seine Handballen ab, der Beutel mit Geld dabei halb über der Kante hängend. Der Vergleich einer Katze passte besser zu Zara, fing sie doch schon an, Ivar ins Ohr zu schnurren, da hatte er es sich noch nicht einmal richtig bequem machen können. So gefiel sie ihm ja schon viel besser. Willig, ruhig, wenig von dieser nervtötenden, hohen Stimme, die sie komischerweise immer dann fand, wenn Ivar in der Nähe war. Zwar hatte sie schon lange keine Wirkung mehr auf ihn, aber er würde lügen, wenn sein Körper nicht der eines Mannes war, der sich nach der Nähe einer Frau sehnte. Außerdem hatte er eh nichts Besseres zu tun, als mitzuspielen – oder sich von ihr spielen zu lassen. „Kommt drauf an. Lohnt es sich, für dich herzukommen?“ Das Grinsen zog sich rüber bis zum zweiten Mundwinkel, während er automatisch mehr Halt für seine Füße fand, um dem Gewicht auf seinem Schoß mehr Gegengewicht zu geben. Bis auf eine Hand, die sich auf den freigelegten Oberschenkel verirrte, machte er allerdings keine Anstalten, ihr näher zu kommen – aber auch keine Anstalten, sie von sich wegzustoßen. Unter ihm knarzte die Truhe. „Was bekomm ich dafür, wenn ich dir sage, wo er ist?“ Einen Kuss. So nahe ihre Gesichter einander waren, konnte er sich auch einfach das nehmen, was er wollte. Aber wollte er denn überhaupt? Sein Blick verließ ihre Augen und wanderte auf ihre vollen, schön geschwungenen Lippen, die er-
Mit einem Krachen gab die Truhe unter ihm nach und der Aufprall vibrierte nicht nur durch sein Steißbein, sondern vor allem durch die Hand, die sich eben noch an dem Holz abgestützt hatte. „VERDAMMTE SCHEIßE!“ Mit einer einzigen, ruckigen Bewegung schob er das einstig willkommene Gewicht von Zaras Schenkeln von sich, nur damit er sich selbst aus den Splittern befreien konnte. Jeder war sich halt selbst der nächste.
