11-04-2024, 13:47 - Wörter:
Es war geklärt aber noch nicht abgeschlossen. Posten versprachen nur Gelegenheit aber keine Sicherheiten. Es war eine Illusion der Narren, die glaubten, dass eine Position sicher war und einem Sicherheit geben konnte. Im eigenen Willen und der eigenen Handlungsmacht lag die wahre Gewissheit. Belisarius war unabhängig, wenn auch gebunden, und wusste, dass so etwas, wie Sicherheit nie gab. Nichts war gewiss, außer vielleicht der Tod. In dieser Hinsicht war der Tod der wahre Meister aller Dinge und die Menschen versuchten oft vergeblich ihren Leben Sinn zu geben. Doch ein Versuch der Kontrolle war stets möglich. Man konnte gewisse Abläufe beeinflussen, seine Gelegenheiten verbessern und auch im Gegensatz zur Erkenntnis handlungsmächtig bleiben. "Vielen Dank," bedankte sich der Kriegsherr fast förmlich, da ihm diese Sache in der Tat sogar eine Höflichkeit wert war. Als Heermeister würden seine weiteren Pläne an Ausführbarkeit gewinnen. Sein alter Traum lebte noch immer, auch wenn niemand genau wusste, was dieser Teufel eigentlich erträumte. Doch auch dunkle Gesellen, wie Belisarius, hatten Träume. Belisarius verbarg seine Träume nur gut, gab sich oft unnahbar, funktional und kaltherzig, obwohl auch er nur ein menschliches Herz besaß. Er hatte es mit finsterer Absicht in eine dämonische Gestalt gehüllt, um das zu schützen, was im Verlust an Gnade gewonnen hatte. Jeder Mensch hatte etwas Magie geerbt, selten bewusst, und doch war sie immer dort. Menschen konnten diese Welt formen, Dinge erschaffen und sich einander Hölle oder Himmel bieten; sie waren frei geboren und all die Wunder der Welten standen ihnen zur Wahl und doch wählten sie immer wieder die Unfähigkeit, den Verdruss und das Ungemach. Belisarius sah die Menschen an, bewunderte ihre Unfähigkeit und Ungemach, glaubte anders zu sein, doch war sein Leben längst Verdruss, Gefangenschaft und eine Abfolge von kalter Handlungsmacht. Wo andere diese Magie deutlich bewahrten, verschlang sie Belisarius in seinem Fluch und seiner eigenen Verdammnis, stets unfähig, ein guter Mensch zu sein, so war er oft nur Mensch als Versuch. Doch dieser Versuch war gut genug, um als Mensch zu wirken und anderen falsche Dienstbarkeit anzubieten. Wo Zephyr sicherlich glaubte, einen guten Handlanger gefunden zu haben, einen Verbündeten, einen Mann, der seine Politik unterstützte, war Belisarius weniger als das. Er erfüllte seine Aufgaben gleichgültig, folgte den Gelegenheiten willfährig und manchmal mit Absicht. Ambition gebar oft Nützlichkeit und Belisarius war nützlich.
Er war immer nützlich gewesen. Doch was verbarg dieser Nutzen? Zephyr konnte es nicht sehen, denn auch Belisarius zeigte es nicht, kaschierte es und gab sich als getreuen Handlanger, der nach Geschäft und Aufstieg suchte. "Ich werde meine Aufgaben erfüllen," versicherte er vielsagend aber seine Augen fanden diese teuflische Kälte, die der Hand des Königs klar machte, dass dieser Mann nicht spaßte, sich keinerlei Schwäche leisten würde und mit aller Sicherheit alles tun würde, was befohlen wurde. So hatte nicht nur seine persönliche Vergangenheit grausame Gewissheit gegeben, sondern auch seine Handlungen in naher Vergangenheit zeigten ein klares Bild, was manchen Menschen schockieren und ängstigen würde. Belisarius tat das, was notwendig war, um der Macht zu dienen. Außerordentliche und bedingungsvolle Dienstbarkeit war der Verlust des feinen Mitgefühls. "Ihr werdet euer Heer erhalten. Ihr werdet eure Truppen bekommen und ihr werdet siegen," verdammte er sich selbst und vielleicht auch Castandor mit diesen Worten. Ein Sieg kostete immer alles. Wer wahrlich siegen wollte, musste stets bezahlen. Egal, welcher Preis gesetzt wurde, man musste bezahlen. Alle Menschen taten das, wie sie auch sterben mussten, als letzte und ultimative Bezahlung. Was Belisarius verstand war, dass er sich niemals ganz dieser Sache verschreiben würde. Er machte Politik, doch niemals gab er sich der Illusion hin, einer gerechten Sache zu dienen. Seine Dienstbarkeit voller Bedingungen war seltsam leer und war unter diesen Umständen ehrlicher zu sich selbst. Es gab keine gute Seite. Es gab nur Entscheidungen. Entweder man siegte oder ging unter. Politik in dieser Welt war einfach, wenn man jede Verklärung bei Seite schob. Man tat, was notwendig war, wog ab und suchte den besten Weg, die eigene Position zu erhalten oder zu verbessern. Der Mensch beutete den Menschen aus. Auch dies hatte er gelernt. Alle Verklärungen, Begründungen und auch Erzählungen waren nur Fassaden. Die Menschen unterschieden sich nur danach, inwieweit sie ihren Preis bezahlten, sich ausbeuten ließen oder ausbeuten wollten; insofern auch, inwiefern sie Begründungen und Verklärungen erlaubten. Nicht jedem Mensch war dieses Ungemach zumutbar, zu wissen, welche Rolle man selbst wirklich spielte und die eigene willfährige Bedeutungslosigkeit im Ganzen zu akzeptieren. Belisarius spielte sein Spiel, zog seine Fassaden und Bühnen auf, weil er sie nie ernst meinte. Die Fassade war nie er selbst, doch wer war er eigentlich? Er hatte nie eine gute Antwort darauf gefunden, wer er wirklich sein wollte. - Und so war er eben viele, wie ein Schauspieler auf einer Bühne. Man tat das, was gerade passte. Wieder dieses einsame Gefühl, als ihm bewusst wurde, was sich entfalten würde. Dieser Kontinent würde in einem unbarmherzigen Krieg versinken und viele vermeintlich Unschuldige würden leiden. Er leistete hierbei seinen Beitrag, nahm es hin und versuchte sich selbst innerlich zu beruhigen, dass es wahre Unschuld garnicht gab, dies nur eine weitere Verklärung war. Doch sein Herz war eben nur menschlich, verkleidet als Dämonenherz.
Zephyr machte sich eigene Gedanken. Gut so. Sollte er auch sich handlungsmächtig wissen, glauben, wirklich Politik machen zu können. Dieser selbst geschaffene Glauben war die Bühne, die Belisarius bereitet wurde. Solange Zephyr glaubte, etwas tun zu können, brauchte er auch eine Person, die es tat. Dies war das grundlegende Einverständnis der beiden. Zephyr befahl etwas, Belisarius führte es aus - und genau diese Dualität machte diese Bühne brauchbar für den ständig planenden Belisarius, der so manchen Gedanken setzte und später erntete. "Wir müssen behutsam vorgehen aber zeitnah handeln. Es ist eine schwierige Lage. Die dortigen Bewohner dürfen nicht erahnen, was wir planen und ausführen. Ich werde jemanden entsenden, der entsprechende politische Wahrheiten verbreitet, um unsere Lage zu verbessern. Die Menschen dort müssen glauben, dass wir im besten Interesse handeln werden und so manche Erzählung und unsere Wahrheit kann dabei helfen," fasste er seine Pläne zusammen und ging damit auf die Gedanken der Hand ein, um sie in eine funktionale Bahn zu lenken, die er selbst umsetzen konnte. Grausamkeit konnte für sich stehen aber manchmal war es gut, sie zu verkleiden und zu rechtfertigen. Menschen wollten oft einfach nur etwas Glauben, was die eigene Lage erklärbar machte und etwas Abhilfe erschuf, auch wenn sich die Lage nie ändern würde. Den Begriff Wahrheit verwendete er bewusst falsch. Für Belisarius gab es eine politische Wahrheit nicht, denn letztlich waren es immer nur Positionen und keine akkurate Wissenschaft. Wahrheit konnte unter diesem Anbetracht sicherlich konstruiert werden, wenn sie auch aus gut gelagerten Lügen bestand. Belisarius kannte auch keinen guten Unterschied zwischen Lüge und Wahrheit. Er kannte Tatsachen, Fakten und benutzte diese aber eine politische Wahrheit kannte er nicht.
Er log ständig, immer angepasst an Nutzen und Wirkung. Wenn Belisarius von Wahrheit sprach, war es immer eine Lüge. Wieder dieses wissend Lächeln und die toten Augen, deren Angesicht entfremdet war. "Die Wirtschaft kann übernommen und gelenkt werden. Wenn entsprechende Grundlagen geschaffen wurden. Sobald die wehr- und arbeitsfähigen Männer in größerer Zahl fehlen, können wir diese durch loyale Bevölkerungsanteile aus Castandor auffüllen. Ich bereite eine entsprechende Politik vor. Noch dazu können wir die niedrigen Positionen mit den tumben Leuten aus Farynn auffüllen, die leicht zu beeinflussen sind. Eine gute Arbeit und ein guter Sold haben schon oft ausgereicht, einen Farynner zu bewegen, ihre Arbeitskraft zu geben. Ihr werdet erstaunt sein, was man bewegen kann, wenn man einem Menschen Hoffnung macht," erklärte er und ging bereits Ideen durch, wie man diese Propaganda konstruieren konnte. Teile und Herrsche - eine einfache Devise. Menschen zu bewegen, zu entwurzeln und zu entreißen, machte sie verfügbar. Verfügbare Menschen konnten benutzt werden. Castandor täte gut daran, Menschen mehr zu benutzen und Belisarius würde dabei helfen, dies zu erkennen. "Ich werde Almosen verteilen lassen und wir werden uns natürlich im besten Interesse um die Menschen kümmern," ergänzte er mit einem teuflisch-verständlichen Lächeln, wobei er sich leicht vorbeugte. Er hatte wirklich etwas Diabolisches an sich, da seine Gedanken und Aussagen immer irgendwie entrückt, wenn auch durchdacht waren, da ein seelisch gesunder Mensch niemals derartig kaltherzig über Menschen verfügen konnte. "In dieser Lage wäre eine weitere Katastrophe sicherlich passend, die Farynn an uns bindet und deren Menschen verfügbar macht," meinte er und machte eine rotierende Geste mit seiner linken Hand. Immerhin waren sie gerade dabei Pläne zu entwerfen. "Hunger treibt Menschen an und vertreibt sie in unsere Arme. Noch geht es Farynn leider zu gut, um deren Potenzial zu nutzen, um uns Matariyya zu bereiten," setzte er an und lehnte sich wieder wissend zurück. "Ich schlage vor, dass wir im Namen des Königs von Walleydor Felder anzünden und Ernten vernichten. Ohnehin wird Farynn diese Wahrheit gerne glauben, dass Walleydor ihnen Hunger bereitet hat. Diese Aktionen kann ich bei Nacht durchführen lassen, so dass immer unklar bleiben wird, wer es wirklich tat. Sobald eine entsprechende Katastrophe erreicht ist, wird Farynn zu uns fallen und wir können über die Menschen dort verfügen, um unsere Bemühungen zu unterstützen. Walleydor muss begreifen, dass es diesen Krieg verlieren wird, bevor wir überhaupt Truppen in Marsch gesetzt haben. Katastrophe wird unsere erste Waffe sein und unsere Truppen werden folgen. Erst wenn Walleydor isoliert ist, können wir freier agieren. Es darf keinerlei Vertrauen zu Walleydor geben," führte er seine Idee aus und nickte Zephyr zu. "Natürlich müssen wir die Katastrophe fein dosieren und dafür Sorge tragen, dass unsere Speicher gut gefüllt sind," ergänzte er und machte wieder eine rotierende Geste mit seiner Linken, bevor er nach dem Becher griff, um zu trinken. Ein guter Wein. Belisarius genoss kurz dessen Geschmack, um sich selbst zu vergessen, was er gerade in absoluter Berechnung vorgeschlagen hatte. Er würde letztlich so tun, als ob es Zephyrs Idee gewesen wäre, um sich selbst vor der Geschichte zu entschuldigen aber noch waren es nur seine Worte.
Er räusperte sich. "Mir wurde mitgeteilt, dass es eine Verräterin an eurem Hof in Bardon Pass gibt, die potenziell als Attentäterin fungieren wird. Ich werde sie bei Zeiten, sobald Klarheit besteht, aufsuchen und wir werden uns ihrer entledigen. Es handelt sich um eine Dienstmagd, welche wohl Aufträge unmittelbar aus Walleydor erhält. Sie nennt sich Larana. Wir konnten einen Boten festnehmen, der unter entsprechender Befragung, gestand. Weiterhin gestand der Bote, dass er weitere Nachrichten für weitere Spione in ganz Castandor hätte aber konnte keine Namen nennen, da diese über Kennzeichen und geheime Ablagen kommunizieren würden. Walleydor hat diesen Angriff lange vorbereitet und überall Netzwerke errichtet, um uns zu schwächen. Wir waren blind und träge," sagte er und gab damit seine Informationen preis, die zum Teil auch nur gewissenhafte Vermutung waren und selten Erkenntnis. "Keine Sorge. Ich gehe dem nach aber seid vorsichtig, da diesem Unhold aus Walleydor alles zu zutrauen ist," verbreitete er seine gewohnte Sorge und auch Angst. Angst machte angreifbar und manipulierbar, genau das, was Belisarius immer brauchte. Belisarius hielt sich gerne vage genug, um die Leerstellen anderen zu überlassen. Leerstellen wurden oft mit Sorge, den eigenen Erfahrungen und somit Angst aufgefüllt. Sein Gewerbe konnte damit gut leben. Immerhin bezahlte genau jene Angst seine Dienste. Ohne diese Angst gäbe es sein Gewerbe nicht. Zu seinem Glück war diese Angst aber oft begründet. "Achtet auf eure Familie und euch selbst," sagte er mit einem bedrohlich-fürsorglichen Unterton. Da war es wieder: dunkles Theater. Man tat, was notwendig war; sagte das, was gesagt werden musste.
"Wir dienen nur und glauben fest an unsere gerechte Position in dieser Lage," log er aber so gut, dass man ihm wahrlich abnehmen konnte, dass er wirklich an Positionen und Ideale glaubte. Dabei tat er es nie. Zumindest nicht in diesem Zusammenhang. Alles war vage, unnahbar und wandlungsfähig. Belisarius war ein Nutznießer, kein Gefolgsmann aber Zephyr tat gut daran, zu glauben, dass Belisarius ein guter Gefolgsmann war. Seine Taten sprachen auch genau diese Sprache und so war die Dienstbarkeit wohl die beste Halbwahrheit, die Belisarius je erschaffen hatte. Auch vor sich selbst. "Gerade die aktuelle Zeit macht viele delikate Aufgaben notwendig. Wir beide wissen, dass uns diese Zeit prüfen wird und uns vieles abverlangen wird," sprach er einen Gedanken aus, der keine Lüge war. In der Tat war diese Zeit schwierig und Belisarius war sich sicher, dass vieles verlangt werden würde. Vielleicht zu vieles. Auch sie würden etwas verlieren und in Gefahr geraten, doch er zweifelte nicht daran, dass sie besser im Spiel waren. Denn sie Zephyr und Belisarius waren beide weitgehend skrupellos und verstanden sehr gut, welches Spiel sie spielen mussten. "Meine Pläne werdet ihr dann erhalten. Gerne persönlich, da ich Boten misstraue," sagte er und stellte den Becher wieder ab.
Belisarius rieb sich kurz die Hände, knotete seine Finger und legte seine Arme dann ruhig auf die Lehne. "Der Plan um die Seuche wird zeitnah von mir verfolgt. Vielen Dank für die Unterstützung. Wir werden sehr wohl davon profitieren. Die Zeit arbeitet in dieser Sache für uns. Selbst wenn wir befallen werden sollten, wird Walleydor sie nach uns erhalten und in diesem Zusammenhang können wir unsere weiteren Pläne umsetzen, da Zeitverzug uns zum Wohl gereichen wird. Ich werde im Anschluss ein Netzwerk etablieren können und plane ebenso die Brunnen von Eastergold Meadow zu vergiften, da entsprechende Vergiftungen sicherlich mit der Seuche in Verbindung gebracht werden würden. Sobald es Tote gibt, die Lage in der Stadt unsicher wird, wird unser Gewaltherrscher von Walleydor zu Maßnahmen gezwungen. Wir müssen seine neue Herrschaft über Eastergold Meadow weiter verunsichern und die Bevölkerung in ihrem Willen bestärken, uns zu unterstützen und sich gegebenen falls zu erheben. Wir brauchen Tote, um ihn angreifbar zu machen, bis wir genügend Truppen ausheben konnten," durchdachte er seine weiteren Pläne laut, um die Seuche und deren Verwendung noch besser zu gestalten. "Brunnen vergiften ist keine große Sache. Ich habe entsprechende Gifte vorrätig und ihr werdet erstaunt sein, wie wenig Phiolen man wirklich braucht," gab er zu, dass er diesen Plan bereits lange vorbereitet hatte. Gifte waren ihm ohnehin sehr lieb, da sie ohne große körperliche Gewalt ihren Zweck erfüllten und selten nachweisbar waren. Er hatte Dank seiner Heilerin Rabia einen großen Instrumentarienschrank an Giften zur Verfügung. Nachdem ihm Zephyr nachgeschenkt hatte, nahm er den Becher wieder auf und trank genüsslich einen Schluck. Den Becher behielt er nun in der Hand, fast so, als ob er sich daran festhalten wollte.
Belisarius verlor das diabolische Angesicht wieder und verweilte einen winzigen Augenblick still, als sich erneut dem Nutzen und Wünschen seines Hauses zu wandten. "Wir sind sehr dankbar für diese Zugänge," meinte er und zog dabei die Schultern kaum merklich hoch. Es ging immer mehr. Vollständige Kontrolle war das Ziel und noch waren sie zu weit davon entfernt, die Kontrolle über sämtliche sozialen und politischen Strukturen erreicht zu haben. "Diese Geschäftsfelder sind lukrativ, ja aber ich denke, dass diese Übertragung auch euch dienen wird. Castandor profitiert von unserer Erfahrung und unserem Handwerk sehr wohl," erklärte er und machte damit klar, dass er sich in keiner Position der Schwäche sah, da auch Zephyr auf Belisarius angewiesen war. Beide brauchten sich, denn in dieser Welt brauchte man gutes politisches Handwerk mehr als bloßes Vertrauen. "Bietet gerne Heiratsverbindungen an. Ich werde diese prüfen," gab er vorerst auf, seine Heirat zu verhindern und gab sich in dieser Sicht normaler, verständlicher für Zephyr, der Macht auch über Heiratspolitik definierte. Es mochte normal für den Adel sein aber Belisarius definierte Macht und deren Nutzen gerne anders. Eine Heirat würde ihn zu sehr politisch binden, Loyalitäten schaffen, die er nicht gebrauchen konnte und leider war auch noch keine Frau in sein Leben getreten, der er zutraute, das Geschäft zu verstehen und auch entsprechend zu handeln. Im Gegensatz zu vielen anderen, sah er in einer Frau auch eine Geschäftspartnerin.
Er war immer nützlich gewesen. Doch was verbarg dieser Nutzen? Zephyr konnte es nicht sehen, denn auch Belisarius zeigte es nicht, kaschierte es und gab sich als getreuen Handlanger, der nach Geschäft und Aufstieg suchte. "Ich werde meine Aufgaben erfüllen," versicherte er vielsagend aber seine Augen fanden diese teuflische Kälte, die der Hand des Königs klar machte, dass dieser Mann nicht spaßte, sich keinerlei Schwäche leisten würde und mit aller Sicherheit alles tun würde, was befohlen wurde. So hatte nicht nur seine persönliche Vergangenheit grausame Gewissheit gegeben, sondern auch seine Handlungen in naher Vergangenheit zeigten ein klares Bild, was manchen Menschen schockieren und ängstigen würde. Belisarius tat das, was notwendig war, um der Macht zu dienen. Außerordentliche und bedingungsvolle Dienstbarkeit war der Verlust des feinen Mitgefühls. "Ihr werdet euer Heer erhalten. Ihr werdet eure Truppen bekommen und ihr werdet siegen," verdammte er sich selbst und vielleicht auch Castandor mit diesen Worten. Ein Sieg kostete immer alles. Wer wahrlich siegen wollte, musste stets bezahlen. Egal, welcher Preis gesetzt wurde, man musste bezahlen. Alle Menschen taten das, wie sie auch sterben mussten, als letzte und ultimative Bezahlung. Was Belisarius verstand war, dass er sich niemals ganz dieser Sache verschreiben würde. Er machte Politik, doch niemals gab er sich der Illusion hin, einer gerechten Sache zu dienen. Seine Dienstbarkeit voller Bedingungen war seltsam leer und war unter diesen Umständen ehrlicher zu sich selbst. Es gab keine gute Seite. Es gab nur Entscheidungen. Entweder man siegte oder ging unter. Politik in dieser Welt war einfach, wenn man jede Verklärung bei Seite schob. Man tat, was notwendig war, wog ab und suchte den besten Weg, die eigene Position zu erhalten oder zu verbessern. Der Mensch beutete den Menschen aus. Auch dies hatte er gelernt. Alle Verklärungen, Begründungen und auch Erzählungen waren nur Fassaden. Die Menschen unterschieden sich nur danach, inwieweit sie ihren Preis bezahlten, sich ausbeuten ließen oder ausbeuten wollten; insofern auch, inwiefern sie Begründungen und Verklärungen erlaubten. Nicht jedem Mensch war dieses Ungemach zumutbar, zu wissen, welche Rolle man selbst wirklich spielte und die eigene willfährige Bedeutungslosigkeit im Ganzen zu akzeptieren. Belisarius spielte sein Spiel, zog seine Fassaden und Bühnen auf, weil er sie nie ernst meinte. Die Fassade war nie er selbst, doch wer war er eigentlich? Er hatte nie eine gute Antwort darauf gefunden, wer er wirklich sein wollte. - Und so war er eben viele, wie ein Schauspieler auf einer Bühne. Man tat das, was gerade passte. Wieder dieses einsame Gefühl, als ihm bewusst wurde, was sich entfalten würde. Dieser Kontinent würde in einem unbarmherzigen Krieg versinken und viele vermeintlich Unschuldige würden leiden. Er leistete hierbei seinen Beitrag, nahm es hin und versuchte sich selbst innerlich zu beruhigen, dass es wahre Unschuld garnicht gab, dies nur eine weitere Verklärung war. Doch sein Herz war eben nur menschlich, verkleidet als Dämonenherz.
Zephyr machte sich eigene Gedanken. Gut so. Sollte er auch sich handlungsmächtig wissen, glauben, wirklich Politik machen zu können. Dieser selbst geschaffene Glauben war die Bühne, die Belisarius bereitet wurde. Solange Zephyr glaubte, etwas tun zu können, brauchte er auch eine Person, die es tat. Dies war das grundlegende Einverständnis der beiden. Zephyr befahl etwas, Belisarius führte es aus - und genau diese Dualität machte diese Bühne brauchbar für den ständig planenden Belisarius, der so manchen Gedanken setzte und später erntete. "Wir müssen behutsam vorgehen aber zeitnah handeln. Es ist eine schwierige Lage. Die dortigen Bewohner dürfen nicht erahnen, was wir planen und ausführen. Ich werde jemanden entsenden, der entsprechende politische Wahrheiten verbreitet, um unsere Lage zu verbessern. Die Menschen dort müssen glauben, dass wir im besten Interesse handeln werden und so manche Erzählung und unsere Wahrheit kann dabei helfen," fasste er seine Pläne zusammen und ging damit auf die Gedanken der Hand ein, um sie in eine funktionale Bahn zu lenken, die er selbst umsetzen konnte. Grausamkeit konnte für sich stehen aber manchmal war es gut, sie zu verkleiden und zu rechtfertigen. Menschen wollten oft einfach nur etwas Glauben, was die eigene Lage erklärbar machte und etwas Abhilfe erschuf, auch wenn sich die Lage nie ändern würde. Den Begriff Wahrheit verwendete er bewusst falsch. Für Belisarius gab es eine politische Wahrheit nicht, denn letztlich waren es immer nur Positionen und keine akkurate Wissenschaft. Wahrheit konnte unter diesem Anbetracht sicherlich konstruiert werden, wenn sie auch aus gut gelagerten Lügen bestand. Belisarius kannte auch keinen guten Unterschied zwischen Lüge und Wahrheit. Er kannte Tatsachen, Fakten und benutzte diese aber eine politische Wahrheit kannte er nicht.
Er log ständig, immer angepasst an Nutzen und Wirkung. Wenn Belisarius von Wahrheit sprach, war es immer eine Lüge. Wieder dieses wissend Lächeln und die toten Augen, deren Angesicht entfremdet war. "Die Wirtschaft kann übernommen und gelenkt werden. Wenn entsprechende Grundlagen geschaffen wurden. Sobald die wehr- und arbeitsfähigen Männer in größerer Zahl fehlen, können wir diese durch loyale Bevölkerungsanteile aus Castandor auffüllen. Ich bereite eine entsprechende Politik vor. Noch dazu können wir die niedrigen Positionen mit den tumben Leuten aus Farynn auffüllen, die leicht zu beeinflussen sind. Eine gute Arbeit und ein guter Sold haben schon oft ausgereicht, einen Farynner zu bewegen, ihre Arbeitskraft zu geben. Ihr werdet erstaunt sein, was man bewegen kann, wenn man einem Menschen Hoffnung macht," erklärte er und ging bereits Ideen durch, wie man diese Propaganda konstruieren konnte. Teile und Herrsche - eine einfache Devise. Menschen zu bewegen, zu entwurzeln und zu entreißen, machte sie verfügbar. Verfügbare Menschen konnten benutzt werden. Castandor täte gut daran, Menschen mehr zu benutzen und Belisarius würde dabei helfen, dies zu erkennen. "Ich werde Almosen verteilen lassen und wir werden uns natürlich im besten Interesse um die Menschen kümmern," ergänzte er mit einem teuflisch-verständlichen Lächeln, wobei er sich leicht vorbeugte. Er hatte wirklich etwas Diabolisches an sich, da seine Gedanken und Aussagen immer irgendwie entrückt, wenn auch durchdacht waren, da ein seelisch gesunder Mensch niemals derartig kaltherzig über Menschen verfügen konnte. "In dieser Lage wäre eine weitere Katastrophe sicherlich passend, die Farynn an uns bindet und deren Menschen verfügbar macht," meinte er und machte eine rotierende Geste mit seiner linken Hand. Immerhin waren sie gerade dabei Pläne zu entwerfen. "Hunger treibt Menschen an und vertreibt sie in unsere Arme. Noch geht es Farynn leider zu gut, um deren Potenzial zu nutzen, um uns Matariyya zu bereiten," setzte er an und lehnte sich wieder wissend zurück. "Ich schlage vor, dass wir im Namen des Königs von Walleydor Felder anzünden und Ernten vernichten. Ohnehin wird Farynn diese Wahrheit gerne glauben, dass Walleydor ihnen Hunger bereitet hat. Diese Aktionen kann ich bei Nacht durchführen lassen, so dass immer unklar bleiben wird, wer es wirklich tat. Sobald eine entsprechende Katastrophe erreicht ist, wird Farynn zu uns fallen und wir können über die Menschen dort verfügen, um unsere Bemühungen zu unterstützen. Walleydor muss begreifen, dass es diesen Krieg verlieren wird, bevor wir überhaupt Truppen in Marsch gesetzt haben. Katastrophe wird unsere erste Waffe sein und unsere Truppen werden folgen. Erst wenn Walleydor isoliert ist, können wir freier agieren. Es darf keinerlei Vertrauen zu Walleydor geben," führte er seine Idee aus und nickte Zephyr zu. "Natürlich müssen wir die Katastrophe fein dosieren und dafür Sorge tragen, dass unsere Speicher gut gefüllt sind," ergänzte er und machte wieder eine rotierende Geste mit seiner Linken, bevor er nach dem Becher griff, um zu trinken. Ein guter Wein. Belisarius genoss kurz dessen Geschmack, um sich selbst zu vergessen, was er gerade in absoluter Berechnung vorgeschlagen hatte. Er würde letztlich so tun, als ob es Zephyrs Idee gewesen wäre, um sich selbst vor der Geschichte zu entschuldigen aber noch waren es nur seine Worte.
Er räusperte sich. "Mir wurde mitgeteilt, dass es eine Verräterin an eurem Hof in Bardon Pass gibt, die potenziell als Attentäterin fungieren wird. Ich werde sie bei Zeiten, sobald Klarheit besteht, aufsuchen und wir werden uns ihrer entledigen. Es handelt sich um eine Dienstmagd, welche wohl Aufträge unmittelbar aus Walleydor erhält. Sie nennt sich Larana. Wir konnten einen Boten festnehmen, der unter entsprechender Befragung, gestand. Weiterhin gestand der Bote, dass er weitere Nachrichten für weitere Spione in ganz Castandor hätte aber konnte keine Namen nennen, da diese über Kennzeichen und geheime Ablagen kommunizieren würden. Walleydor hat diesen Angriff lange vorbereitet und überall Netzwerke errichtet, um uns zu schwächen. Wir waren blind und träge," sagte er und gab damit seine Informationen preis, die zum Teil auch nur gewissenhafte Vermutung waren und selten Erkenntnis. "Keine Sorge. Ich gehe dem nach aber seid vorsichtig, da diesem Unhold aus Walleydor alles zu zutrauen ist," verbreitete er seine gewohnte Sorge und auch Angst. Angst machte angreifbar und manipulierbar, genau das, was Belisarius immer brauchte. Belisarius hielt sich gerne vage genug, um die Leerstellen anderen zu überlassen. Leerstellen wurden oft mit Sorge, den eigenen Erfahrungen und somit Angst aufgefüllt. Sein Gewerbe konnte damit gut leben. Immerhin bezahlte genau jene Angst seine Dienste. Ohne diese Angst gäbe es sein Gewerbe nicht. Zu seinem Glück war diese Angst aber oft begründet. "Achtet auf eure Familie und euch selbst," sagte er mit einem bedrohlich-fürsorglichen Unterton. Da war es wieder: dunkles Theater. Man tat, was notwendig war; sagte das, was gesagt werden musste.
"Wir dienen nur und glauben fest an unsere gerechte Position in dieser Lage," log er aber so gut, dass man ihm wahrlich abnehmen konnte, dass er wirklich an Positionen und Ideale glaubte. Dabei tat er es nie. Zumindest nicht in diesem Zusammenhang. Alles war vage, unnahbar und wandlungsfähig. Belisarius war ein Nutznießer, kein Gefolgsmann aber Zephyr tat gut daran, zu glauben, dass Belisarius ein guter Gefolgsmann war. Seine Taten sprachen auch genau diese Sprache und so war die Dienstbarkeit wohl die beste Halbwahrheit, die Belisarius je erschaffen hatte. Auch vor sich selbst. "Gerade die aktuelle Zeit macht viele delikate Aufgaben notwendig. Wir beide wissen, dass uns diese Zeit prüfen wird und uns vieles abverlangen wird," sprach er einen Gedanken aus, der keine Lüge war. In der Tat war diese Zeit schwierig und Belisarius war sich sicher, dass vieles verlangt werden würde. Vielleicht zu vieles. Auch sie würden etwas verlieren und in Gefahr geraten, doch er zweifelte nicht daran, dass sie besser im Spiel waren. Denn sie Zephyr und Belisarius waren beide weitgehend skrupellos und verstanden sehr gut, welches Spiel sie spielen mussten. "Meine Pläne werdet ihr dann erhalten. Gerne persönlich, da ich Boten misstraue," sagte er und stellte den Becher wieder ab.
Belisarius rieb sich kurz die Hände, knotete seine Finger und legte seine Arme dann ruhig auf die Lehne. "Der Plan um die Seuche wird zeitnah von mir verfolgt. Vielen Dank für die Unterstützung. Wir werden sehr wohl davon profitieren. Die Zeit arbeitet in dieser Sache für uns. Selbst wenn wir befallen werden sollten, wird Walleydor sie nach uns erhalten und in diesem Zusammenhang können wir unsere weiteren Pläne umsetzen, da Zeitverzug uns zum Wohl gereichen wird. Ich werde im Anschluss ein Netzwerk etablieren können und plane ebenso die Brunnen von Eastergold Meadow zu vergiften, da entsprechende Vergiftungen sicherlich mit der Seuche in Verbindung gebracht werden würden. Sobald es Tote gibt, die Lage in der Stadt unsicher wird, wird unser Gewaltherrscher von Walleydor zu Maßnahmen gezwungen. Wir müssen seine neue Herrschaft über Eastergold Meadow weiter verunsichern und die Bevölkerung in ihrem Willen bestärken, uns zu unterstützen und sich gegebenen falls zu erheben. Wir brauchen Tote, um ihn angreifbar zu machen, bis wir genügend Truppen ausheben konnten," durchdachte er seine weiteren Pläne laut, um die Seuche und deren Verwendung noch besser zu gestalten. "Brunnen vergiften ist keine große Sache. Ich habe entsprechende Gifte vorrätig und ihr werdet erstaunt sein, wie wenig Phiolen man wirklich braucht," gab er zu, dass er diesen Plan bereits lange vorbereitet hatte. Gifte waren ihm ohnehin sehr lieb, da sie ohne große körperliche Gewalt ihren Zweck erfüllten und selten nachweisbar waren. Er hatte Dank seiner Heilerin Rabia einen großen Instrumentarienschrank an Giften zur Verfügung. Nachdem ihm Zephyr nachgeschenkt hatte, nahm er den Becher wieder auf und trank genüsslich einen Schluck. Den Becher behielt er nun in der Hand, fast so, als ob er sich daran festhalten wollte.
Belisarius verlor das diabolische Angesicht wieder und verweilte einen winzigen Augenblick still, als sich erneut dem Nutzen und Wünschen seines Hauses zu wandten. "Wir sind sehr dankbar für diese Zugänge," meinte er und zog dabei die Schultern kaum merklich hoch. Es ging immer mehr. Vollständige Kontrolle war das Ziel und noch waren sie zu weit davon entfernt, die Kontrolle über sämtliche sozialen und politischen Strukturen erreicht zu haben. "Diese Geschäftsfelder sind lukrativ, ja aber ich denke, dass diese Übertragung auch euch dienen wird. Castandor profitiert von unserer Erfahrung und unserem Handwerk sehr wohl," erklärte er und machte damit klar, dass er sich in keiner Position der Schwäche sah, da auch Zephyr auf Belisarius angewiesen war. Beide brauchten sich, denn in dieser Welt brauchte man gutes politisches Handwerk mehr als bloßes Vertrauen. "Bietet gerne Heiratsverbindungen an. Ich werde diese prüfen," gab er vorerst auf, seine Heirat zu verhindern und gab sich in dieser Sicht normaler, verständlicher für Zephyr, der Macht auch über Heiratspolitik definierte. Es mochte normal für den Adel sein aber Belisarius definierte Macht und deren Nutzen gerne anders. Eine Heirat würde ihn zu sehr politisch binden, Loyalitäten schaffen, die er nicht gebrauchen konnte und leider war auch noch keine Frau in sein Leben getreten, der er zutraute, das Geschäft zu verstehen und auch entsprechend zu handeln. Im Gegensatz zu vielen anderen, sah er in einer Frau auch eine Geschäftspartnerin.
