11-04-2024, 18:23 - Wörter:
Wären es auch wenige, sie wollte sie alle hören. Ob Ilyas jemals bereit wäre sein Geschichten mit ihr zu teilen? Sie vor sie nacheinander auszubreiten, ins Detail zu gehen und sie daran teilhaben zu lassen, als wäre sie vor Ort und könnte sich die Szenarien bildhaft in ihrem Kopf ausmalen – wenn sie künstlerischer begabt wäre, gar auf einer Leinwand in die Ewigkeit übertragen? Sie wusste so wenig von ihm, von seinen Interessen, und zugleich hatte sie das Gefühl, es trug so unglaublich viel Wissen und Erfahrung in sich, das wie ein Schatz gehütet würde. Sie könnte wohl gar nicht an all die Möglichkeiten denken um Fragen zu stellen, also musste sie ihn irgendwann so weit haben, dass er bereitwillig von selbst sie an seinem Leben auf diese Weise teilhaben ließ.
Zu erfahren, dass er zumindest gelegentlicher Raucher war, war somit schon einmal ein Anfang. Ansonsten hätte er wohl kaum die Pfeife mit sich geführt, die handlich unauffällig in der Satteltasche gewesen war, so dass sie sich gleich fragte, was er noch darin versteckte. Warum war sie bis jetzt eigentlich noch gar nicht auf die Idee gekommen, dort einmal herum zu stöbern? Doch dann sah sie etwas, und es entlockte ihrer Kehle ein helles Lachen, als hätte sich ein gefallener Stern in Leuchtkraft zu ihnen gesellt. Er zauberte Ringe aus dem Dampf, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. „Wie-? Mach es nochmal.“ Und sie legte beim Vorbeugen ihren Unterarm an seinen Oberschenkel auf, als könne sie es alleine nur durch das Beobachten seiner Lippen lernen. Es war so simpel, aber es konnte sie begeistern. „Gibt es eine Geschichte zu den Ringen?“ Vielleicht war es nur ein lustiger Unterhaltungstrick, vielleicht steckte da auch mehr dahinter. Amira war neugierig einfach alles zu erfahren, was mit ihm zutun hatte. Aber sie lehnte sich wieder zurück um ihren Tee zu genießen und schließlich den leeren Becher beiseite zu stellen. Der Wind zog auf und der Sand war merklich schnell abgekühlt, dass das kleine Feuer an ihrer Seite kaum Kraft besaß dagegen anzukommen. Sie hatte nur davon gehört, dass die Nächte in der Wüste genauso unbarmherzig wie die Tage sein können, aber sie hatte sich wenig darunter vorstellen können. Zeit ihres Lebens hatte sie noch nie wirklich gefroren, denn die Temperaturen in den Städten erreichten diesen Grad so gut wie nie.
Wieder wurde ihr die Wasserpfeife gereicht und nun schon geschickter mit dem Ding, musste sie einerseits nicht mehr husten, und probierte andererseits selbst aus Ringe zu gestalten. Sie verzog ihren Mund in die verschiedensten Richtungen beim Ausatmen und blickte erwartungsvoll auf den Dampf, der aber kaum seine Form veränderte. Sie hatte wohl nicht gut genug aufgepasst. „Deine Mutter ist so fürsorglich, du kannst dich glücklich schätzen, sie zu haben. Sie ist sehr stolz auf dich.“ Als würde sie einen Gruß Haddyas an ihn übertragen, legte sie nur kurz ihre Hand an seine Schulter beim Aufstehen und zu tun, wie er geheißen hatte. Dieses Mal waren ihre Bewegungen deutlich fließender, weit weniger beeinträchtigt vom Schmerz, und gar mit einer Leichtigkeit, als würde sie wie auf Wolken gehen. Dummerweise lag Ilyas mit seiner Intuition richtig und auch, wenn sie es nicht sehen konnte, spürte sie den brennenden Schmerz und die aufgewetzte Haut bei Berührung. Wie sollte das morgen nur werden? Aber so schnell wie der sorgenvolle Gedanke gekommen war, war er auch schon wieder verschwunden. Genauso wie der Grund, warum sie überhaupt aufgestanden und ihre wunde Stelle untersucht hatte. Also sagte Amira nichts und das nicht, weil sie nicht wollte, sondern weil sie es schlichtweg vergessen hatte. Abgelenkt von einem ganz anderen Gedanken, nahm sie neben ihm Platz und rutschte ein Stück weit hinunter, dass sie ihren Kopf an seinem Oberschenkel ablegen konnte. Nicht ganz bequem, weswegen sie ihren Oberkörper auf den Rücken drehte, aber um ihn nun nicht womöglich zudringlich von unten aus anzusehen, blickte sie an ihm vorbei in die Sterne.
Ein tiefer Atemzug später und es fühlte sich an, als hätte das kurze Aufstehen und Gehen an ihren Kräften gezehrt, wie der gesamte Ritt des Tages. „Ich habe die Sterne noch nie so klar gesehen. Ich erinnere mich daran, dass ich einmal die Wüste durchquert habe, aber wir schliefen in einem Wagen und ich durfte nicht hinaus. ‚Nein, Kind. Das ist zu gefährlich. Die Skorpione werden kommen und dich stechen!‘“, machte sie die Stimme ihres alten Vertrauten nach und schmunzelte. „Es war mir vorgekommen, als wären wir endlos unterwegs gewesen, und die Langeweile hatte mich verzehrt. Ich erinnere mich an eine Karte über meinen Kopf“, und sie hob ihre Hand um auf den Sternenhimmel zu deuten, „so ähnlich wie hier. Aber die Sterne waren viel näher und – natürlich konnten sie nicht leuchten.“ Ihr Blick fiel auf ihre eigene erhobene Hand und sie sah das silberne Kettchen, sie sah den Ring an ihrem Finger. Amira betrachtete beides für eine Weile. „Warum hast du nie geheiratet?“ Mit der Frage hatte sich ihre Stimme verändert. Sie war nicht mehr heiter und erzählerisch, sondern sie war leiser geworden und ruhig, beinahe ernster. „Glaubst du, dass ich dich jemals glücklich machen werde?“
Zu erfahren, dass er zumindest gelegentlicher Raucher war, war somit schon einmal ein Anfang. Ansonsten hätte er wohl kaum die Pfeife mit sich geführt, die handlich unauffällig in der Satteltasche gewesen war, so dass sie sich gleich fragte, was er noch darin versteckte. Warum war sie bis jetzt eigentlich noch gar nicht auf die Idee gekommen, dort einmal herum zu stöbern? Doch dann sah sie etwas, und es entlockte ihrer Kehle ein helles Lachen, als hätte sich ein gefallener Stern in Leuchtkraft zu ihnen gesellt. Er zauberte Ringe aus dem Dampf, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. „Wie-? Mach es nochmal.“ Und sie legte beim Vorbeugen ihren Unterarm an seinen Oberschenkel auf, als könne sie es alleine nur durch das Beobachten seiner Lippen lernen. Es war so simpel, aber es konnte sie begeistern. „Gibt es eine Geschichte zu den Ringen?“ Vielleicht war es nur ein lustiger Unterhaltungstrick, vielleicht steckte da auch mehr dahinter. Amira war neugierig einfach alles zu erfahren, was mit ihm zutun hatte. Aber sie lehnte sich wieder zurück um ihren Tee zu genießen und schließlich den leeren Becher beiseite zu stellen. Der Wind zog auf und der Sand war merklich schnell abgekühlt, dass das kleine Feuer an ihrer Seite kaum Kraft besaß dagegen anzukommen. Sie hatte nur davon gehört, dass die Nächte in der Wüste genauso unbarmherzig wie die Tage sein können, aber sie hatte sich wenig darunter vorstellen können. Zeit ihres Lebens hatte sie noch nie wirklich gefroren, denn die Temperaturen in den Städten erreichten diesen Grad so gut wie nie.
Wieder wurde ihr die Wasserpfeife gereicht und nun schon geschickter mit dem Ding, musste sie einerseits nicht mehr husten, und probierte andererseits selbst aus Ringe zu gestalten. Sie verzog ihren Mund in die verschiedensten Richtungen beim Ausatmen und blickte erwartungsvoll auf den Dampf, der aber kaum seine Form veränderte. Sie hatte wohl nicht gut genug aufgepasst. „Deine Mutter ist so fürsorglich, du kannst dich glücklich schätzen, sie zu haben. Sie ist sehr stolz auf dich.“ Als würde sie einen Gruß Haddyas an ihn übertragen, legte sie nur kurz ihre Hand an seine Schulter beim Aufstehen und zu tun, wie er geheißen hatte. Dieses Mal waren ihre Bewegungen deutlich fließender, weit weniger beeinträchtigt vom Schmerz, und gar mit einer Leichtigkeit, als würde sie wie auf Wolken gehen. Dummerweise lag Ilyas mit seiner Intuition richtig und auch, wenn sie es nicht sehen konnte, spürte sie den brennenden Schmerz und die aufgewetzte Haut bei Berührung. Wie sollte das morgen nur werden? Aber so schnell wie der sorgenvolle Gedanke gekommen war, war er auch schon wieder verschwunden. Genauso wie der Grund, warum sie überhaupt aufgestanden und ihre wunde Stelle untersucht hatte. Also sagte Amira nichts und das nicht, weil sie nicht wollte, sondern weil sie es schlichtweg vergessen hatte. Abgelenkt von einem ganz anderen Gedanken, nahm sie neben ihm Platz und rutschte ein Stück weit hinunter, dass sie ihren Kopf an seinem Oberschenkel ablegen konnte. Nicht ganz bequem, weswegen sie ihren Oberkörper auf den Rücken drehte, aber um ihn nun nicht womöglich zudringlich von unten aus anzusehen, blickte sie an ihm vorbei in die Sterne.
Ein tiefer Atemzug später und es fühlte sich an, als hätte das kurze Aufstehen und Gehen an ihren Kräften gezehrt, wie der gesamte Ritt des Tages. „Ich habe die Sterne noch nie so klar gesehen. Ich erinnere mich daran, dass ich einmal die Wüste durchquert habe, aber wir schliefen in einem Wagen und ich durfte nicht hinaus. ‚Nein, Kind. Das ist zu gefährlich. Die Skorpione werden kommen und dich stechen!‘“, machte sie die Stimme ihres alten Vertrauten nach und schmunzelte. „Es war mir vorgekommen, als wären wir endlos unterwegs gewesen, und die Langeweile hatte mich verzehrt. Ich erinnere mich an eine Karte über meinen Kopf“, und sie hob ihre Hand um auf den Sternenhimmel zu deuten, „so ähnlich wie hier. Aber die Sterne waren viel näher und – natürlich konnten sie nicht leuchten.“ Ihr Blick fiel auf ihre eigene erhobene Hand und sie sah das silberne Kettchen, sie sah den Ring an ihrem Finger. Amira betrachtete beides für eine Weile. „Warum hast du nie geheiratet?“ Mit der Frage hatte sich ihre Stimme verändert. Sie war nicht mehr heiter und erzählerisch, sondern sie war leiser geworden und ruhig, beinahe ernster. „Glaubst du, dass ich dich jemals glücklich machen werde?“
