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A small misunderstanding can show you how a person really feels about you.
12.08.1016 - 19:00
Königliche Gemächer
Trigger: Krieg, Verlustangst
Lester Stafford Charles Stafford

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Lester Stafford
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#3
Viel zu lang war er weg gewesen, an einem Ort, an dem keine Frau und kein Kind den wichtigsten Mann in ihrem Leben wissen wollte, um nicht krank vor Bange zu werden. Dieses Mal hatte das Schlachtfeld ihm seinen Papa nicht genommen und doch war die Sorge, dass der Krieg dennoch einen großen Tribut forderte nicht gewichen und lag schwer wie ein Stein auf dem Brustkorb des so schon zart besaiteten Kindes. Ein Stein, der plötzlich vor tiefster Enttäuschung zu einem scharfen Felsen angewachsen war und nun ein schmerzendes Loch in sein selbst bohrte, da der Abend, den er über die letzte Woche unzählige Male durchgegangen und mit seiner Mama sogar geprobt hatte, nun scheinbar einfach unkommentiert entfiel. Es war auch Trauer darüber, dass sein Papa sich die versprochene Zeit einfach nicht nahm, ihn allein zurückgelassen hatte und er für diesen wohl egal geworden war. Trauer, die nun hemmungslos in jenes Loch eingedrungen, es so zum Bersten gebracht hatte und anschließend vollsten Zorn in dem eigentlich in sich gekehrten Kind so entbrennen ließ, dass er sich seinen Papa vor Wut schreiend und krampfend hinfort gewünscht hatte.

Jetzt, nachdem sich ebendieses Konglomerat aus Emotionen in geballter Form über seinen Papa entladen hatte, war es nur noch Scham, der nun rigoros seine Bilanz mit ihm zog und ihn sich in dieser großen Welt nur noch kleiner, noch hilfloser und noch schwächer vorkommen ließ. Kein ihm bekanntes Wort besaß genug Ausdruck, um zu beschreiben, wie sehr er sein Verhalten, nein, sich selbst, gerade verurteilte. Und er empfand es nur als richtig, dass er sich um seine Würde beraubt fühlte, die er sich selbst genommen hatte. Und er sah es genauso als gerechtfertigt an, dass er eine lange Zeit in der Ecke stehen würde, wobei er wohl nun sogar zum ersten Mal in seinem Leben geschlagen werden würde, wenn nicht ein Prügelknabe für ihn leiden müsste. Es würde weh tun, aber den Schmerz hatte er, im Gegensatz zu dem armen Jungen an seiner statt, verdient und dass er nun vor Zittern keinen Muskel mehr richtig zu spüren vermochte erst recht.

Da erklangen die Schritte des Mannes, dessen Sohn zu sein er nicht mehr verdient hatte, und fegten rasant über den Gang. Mit dem höhnisch Knarzen des Parketts löste sich auch die Hand seines Kindermädchens, die bis eben noch liebevoll auf seinem Rücken geruht und ihn sanft zumindest einen Teil von sich selbst hatte fühlen lassen. Es war ein einziges, kurzes Wimmern voller Angst, das er ausstieß, als sein Richter an ihn heran trat und ein Zucken durchfuhr den schmächtigen Jungen, als er dann die Wärme der großen Hand auf seinem Rücken spürte, obwohl es gar nicht wehtat. Das donnern des ihn maßregelnden väterlichen Echos erwartend kniff er die Augen zusammen und klagte noch einmal, als seine unter dieser Anspannung besonders empfindsamen Ohren wahrnahmen, wie der erste Luftstrom über die Lippen des Mannes kam, der ihn nun zum ersten Mal in seinem Leben anschreien würde.

Was folgte, das war aber kein Schrei, kein Donnern und auch kein Maßregeln, sondern ein langgezogener Laut, der sein Nervensystem augenblicklich entspannen und damit seine Angst verblassen ließ. Auch die Worte darauf wirkten auf den empfindsamen Jungen nichts anderes als aufrichtig und so wurde er nur ruhiger, als er die Nähe zu bekommen schien, nach der er sich bitter gesehnt hatte, aber die gerade noch befürchtet auf ewig verloren zu haben. Vorsichtig drehte der Zehnjährige sein Haupt zu dem Mann, dessen Lippen ihn gerade auf so vertraute Art berührt hatten und den er anscheinend auch noch in Zukunft „Papa“ nennen durfte und gab so den Blick auf sein rotes, von tränen besetztes Gesicht frei, dessen große, betroffenen Augen Charles nun gemeinsam mit einem unsteten Ausatmen in dessen eigenes trafen.

Die folgenden, direkten Worte gaben ihm die Sicherheit nicht all seine Würde verloren zu haben, ließen ihn sich akzeptiert fühlen und auch wenn noch nicht der Zeitpunkt gekommen war, an dem er sich selbst vergeben konnte, hatte sein Papa es getan, scheinbar ohne darüber nachdenken zu müssen. Er erinnerte sich wieder, dass er zumindest vor seinen Eltern sein durfte, wie er war und auch wenn es ihm schon immer schwer fiel diese auszudrücken, er seine Gefühle nicht unterdrücken oder mit Strafen rechnen musste, solange er sich vor Untergebenen wie ein Prinz verhielt. Lester nahm das folgende Angebot an, sich in den Armen geborgen fühlen zu dürfen, deren wärme er so lange vermissen musste. Er versuchte noch nach seiner Kuscheldecke zu greifen, die ihn oft beruhigte aber noch in seinem Nest und damit für seinen kurzen Ärmchen außer Reichweite lag, zog sich in Armen und Schoß seines Papas ganz eng zusammen und brachte noch keine Antwort auf dessen Frage heraus. Viel mehr ließ nun ein so furchtbar intensives Schluchzen erkennen, welch eine riesige, schmerzliche Last auf ihm gelegen hatte, die nun plötzlich herabfiel. Währenddessen fuhr Lesters linke Hand nicht nur einmal unterbewusst und ausgelöst durch den Stress in Richtung seines rechten Armes, um dort den ewigen Kampf zwischen Fingernägeln und seiner Haut weiter austragen zu wollen.

Eine ganze Weile wechselten sich Weinen, Schluchzen, Klammern, Strampeln und auch mal fast Brüllen immer mal wieder mit Stille ab, fast so als würde er Stück für Stück jede einzelne der Lasten, die sich in den letzten beiden Monaten in ihm aufgestaut hatten, von sich stoßen und sich zwischendrin stets Pausen nehmen, in denen die Tränen geräuschlos ihre Heilsamkeit entfalten konnten. Auch das Zittern war zurückgekehrt, aber diesmal fror er einfach, denn sein Körper brauchte die ganze Energie gerade für etwas anderes.

Freda war immer da gewesen und doch hatte sie ihn nur zu etwas, das seine Gedanken verdrängte motivieren oder seine Gefühle begleiten können. Aber ihm den Schmerz nehmen, das konnte nur Charles selbst und so war es absehbar gewesen, dass dieser Moment kommen würde, da hatte dieser in seiner Unachtsamkeit nur noch Öl auf die Glut geschüttet und sich zum Leidwesen seines Sohnes selbst daran verbrannt.
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RE: A small misunderstanding can show you how a person really feels about you. - von Lester Stafford - 16-04-2024, 12:52

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