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Planta quae saepius transfertus non coalescit
17.08.1016 - 08:00
Das Schloss des Fürsten von Bardon Pass
Elithea Trakas Belisarius Caderitor

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Elithea Trakas
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#5
Das Aufatmen der Natur war fast schon physisch spürbar. Regen, so notwendig für das Grün und die Pflanzen, die während der heißen Augusttage unter dem unsäglichen Durst der Mittagssonne litten. Kaum trafen die ersten Tropfen die ausgedorrte Erde, jauchzten die Blumen und Gräser gleich einem himmlischen Lobgesang, den niemand zu hören bekam, außer die Insekten, Vögel und Würmer. Doch nicht nur Segen brachte das Nass aus den Wolken, nein, es wusch auch hinweg die Spuren von Gewalt, die durch die Fugen des Steinpflasters sickerten. Tausend kleine dünne Rinnsale nahmen das Blut der angeblichen Verbrecherin auf und brachten es fort, mischten sich immer heller, bis es kaum noch zu sehen war. Als wäre nichts geschehen, verwandelten sie sich zu schier banalen Bächlein, die sich durch das Tor hinunter in die Stadt schlängelten. Dort unten würde niemand auch nur den Hauch einer Ahnung haben, dass nicht nur tränkender Regen, sondern auch ausgehauchtes Lebensblut hier an einem vorbei rannen. Es war nur Wasser. Nichts weiter. Und im Burghof verschwanden jegliche Spuren, gleich einer Absolution. Immer noch zwang sich Elithea nicht hinzusehen, nicht einmal den Schatten der Dienerin wollte sie dort erahnen, wollte sich ihre bisher so unbedarfte Lebenswelt nicht durch entsetzt entseelte Augen besudeln. Doch dem Blick des königlichen Kuriers Stand zu halten, brachte sie an die Grenzen ihrer Konzentration. Vielleicht sollte sie doch hinaussehen, nur für einen kurzen Moment den Kopf wenden und das Geschehene damit vor allen Anwesenden zur Kenntnis nehmen. Wäre das die richtige Herangehensweise? Ach, wären die Schritte auf dem politischen Parkett nicht so schlüpfrig!

Nein, sie konzentrierte sich auf ihr Gegenüber, versuchte zu lesen in den Falten seiner Mimik, als würden sich darin Worte verstecken, die ihr Klarheit verschaffen könnten. In ihrer Seele regte sich der ihr so eigene Funke Mitgefühl, der all ihrem Handeln zu Grunde lag, erfasste ihr Herz und zog es für einen Augenblick zusammen. Flüchtig antwortete ihre eigene Miene voll Sanftmut und Güte, ehe sie kaum einen Atemzug später wieder versuchte die Maskerade weiterzuführen, die sich hier darbot. Des Fürsten Worte noch vor einigen Tagen hallten in ihren Gedanken wider, ein gebietendes Echo, Bitte, Wunsch und Aufforderung zugleich. Sie solle nicht die Nerven verlieren, Ruhe bewahren und die Moral hochhalten für ihren Bruder und ihre Familie. Eine hochgesetzte Aufgabe, die hier auf ihre Schultern abgeladen wurde, doch wer wäre sie, den Fürsten zu enttäuschen, der sich so väterlich um sie alle gekümmert hatte? Ihre eigenen Bedürfnisse, die konnten warten, bis sich alles geordnet und gesetzt hatte. Das hatte Zeit. Später, es gab nun wichtigeres als egoistisches Getue. Mit einer kleinen Bewegung ordnete sie Iulia an, ihr das Pergament zu bringen, auf dass sie es genauer lesen konnte. Oder zumindest so tun als ob. Es wirkte fast schon wie eine kleine komödiantische Einlage, als die Dienerin sich zögerlich nur so nah wie nötig an den gewappneten Mann vor ihnen heranwagte und mit weit ausgestreckter Hand hastig das Pergament ergriff. Die Zeilen waren schnell überflogen, kurz und bündig, informativ ohne viele höfische Verschnörkelungen. Ein passender Schrieb für den nüchternen, geradlinigen Charakter des Gesandten. Auf gleiche Weise wie vorhin wurde das Pergament wieder zurückgegeben und gleichwohl verstaut.

Sollte sie es als Affront ansehen, dass er es immer noch nicht der Rede wert gefunden hatte, sich angemessen vorzustellen? Das Anliegen zu erklären war löblich, sicherlich, doch eigentlich gebot es der Anstand, dass man seinen Namen nannte, wenn gleich er auch im Brief des Königs erwähnt wurde. Mit einem Schlag wurde Elithea bewusst, wie gleichgültig es eigentlich war. Worte waren geduldig, sowohl auf Pergament als aus dem Mund. Jeder könnte kommen und sagen, er wäre der Gesandte des Königs. Wie leicht wäre es, das Pergament zu stehlen und den Platz der dort genannten Person einzunehmen. Auch er könnte ein Verräter sein, oder? Die Hände wrangen sich fest zusammen, als sie aufmerksam seinen Worten folgte. “Gut, wir sind soweit bereit. Die Truhen sind gepackt und allesamt verladen. Wenn man nach meiner Familie schickt, können wir aufbrechen“ Seine Erläuterungen zu der angeblichen Verräterin ließen sie nur die Ohren noch weiter spitzen, als könnte sie so zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden. Noch nicht, aber irgendwann, das hatte sie sich geschworen, irgendwann würde sie es können. Sie würde es lernen, zuzuhören, auf Feinheiten zu achten und mitschwingende Hintergedanken zu erkennen. Irgendwann würde sie es können. Doch außer mit einer leicht gelüpften Augenbraue, quittierte sie seine Sicht nicht weiter. Nicht hier in aller Öffentlichkeit. Jetzt und hier war nicht die richtige Gelegenheit sich mit dem Gesandten des Königs anzulegen. So feinfühlig war sie zumindest.

Aber ihm musste doch selbst auffallen, wie nichtssagend seine Aussagen waren, oder? Lauter Konjunktive, vielleichts und möglicherweises. Nichts hatte er erreicht durch seine vorschnelle Handlung der armen Frau einfach so das Leben zu nehmen. War sie zu dumm, zu kindlich, um solche politischen Ränkespiele zu verstehen? Das machte doch keinen Sinn, oder? Den Fürsten fast willkürlich hinzurichten, aber seine Familie heimtückisch ermorden zu wollen? Was war daran gönnerhaft und wohltätig, was genau wollte er den Bewohnern von Eastergold Meadow damit vorspielen, die doch der Fürstenfamilie bisher nur gutwillig gegenübergestanden war? Allmählich konnte sie kaum noch verbergen, dass die Situation sie mehr und mehr überforderte, mehr noch, da sie die drohende Gefahr, die wie ein Damokles-Schwer über der Familie hing, wirklich nur allzu gern endlich abschütteln wollte. Der Beichtvater des Fürsts hatte ganz nebenbei mitschwingen lassen, dass das Geschehene vielleicht doch als göttliche Fügung zu nehmen wäre, eine Prüfung oder eine Strafe für ein unbekanntes Vergehen. Doch auch darauf konnte sich Elithea keinen Reim machen. Sie hatte sich doch so bemüht ein redliches Leben zu führen, warum sollte sie bestraft werden? Die Fassade bröckelte. Selbst die Dienerin begriff die Lage und stellte sich stützend und schützend näher an ihre Herrin. Womit hatte sie es verdient, in Gefahr zu sein?

Ein neuerlicher Windhauch durchzog die Halle. Wie eine tröstende Umarmung schmiegte er sich um den angespannten Körper der jungen Prinzessin, umhüllte ihn beruhigend mit dem zarten Duft von Eisenkraut und Lavendel aus dem nahen Garten. Wie gut, dass sich die Versammlung hier allmählich auflöste. Erst jetzt, als er die Soldaten mit Anweisungen versorgte, wagte Elithea einen Blick hinaus zum Brunnen. Mit eisenschwangeren Schritten entfernten sich erst die Soldaten und dann der leblos zusammen gesunkene Leib der Dienerin. Wie eine Puppe. Als hätte man einer Marionette die Fäden durchgeschnitten. War das wirklich einst ein Mensch gewesen? Eine Frau voller Hoffnungen, Träume und Sorgen, die lachte und weinte und schuftete. Und nun? Nur ein Klumpen blutleeres Fleisch. Ein leises Seufzen entfloh den Lippen der Prinzessin, die kaum noch Kraft besaß, diese Charade aufrecht zu halten. Den Kopf immer noch von ihm abgewandt, wischte sie sich kurz, so unauffällig wie möglich über die tränenglänzenden Augen. “Dieses Spiel möchte ich nicht mehr weiterführen.“ wisperte sie leise und drehte sich zu ihm um. Tief durchatmen, Haltung bewahren. “Darf ich euch etwas zu trinken anbieten. Ihr müsst doch schwitzen unter der Rüstung, Belisarius Caderitor.“ wies sie auf ein mit Intarsien verziertes Tischchen, auf dem ein Zinnkrug und mehrere Becher standen. Eigentlich für die Familie als Abschiedstrunk vor der Abfahrt gedacht, würde es wohl auch für ihn reichen. Sie konnte nur hoffen, dass er nicht merkte, wie sehr ihre Hand zitterte. Iulia war schon voraus geeilt und schenkte zwei Becher ein. Das gab Elithea Zeit und Gelegenheit ein paar private Worte an den Gesandten zu richten. "Sagt, war das wirklich notwendig? Welchen Nutzen habt ihr nun daraus gezogen, die Dienerin einfach so zu meucheln?" erinnerte das nicht sehr an die willkürliche Hinrichtung des Stafford Königs? Eine Tat, die es doch eigentlich zu verdammen galt? "Welche Information habt ihr dadurch gewonnen? Weder wisst ihr Genaueres darüber, wer die Hintermänner sind oder wer die Mitverschwörer sind, noch könnt ihr mit Sicherheit sagen, wie sie vorgehen wollten oder welche Pläne noch geschmiedet wurden." Ihr Herz schlug so schnell, dass sie kurz innehalten musste, bevor sie ihre Gedanken weiter in Worte fassen konnte. "Ihr könnt nicht einmal sicher sein, ob Larana wirklich getan hat oder tun wollte, was ihr vorgeworfen wurde oder was sie dazu getrieben hat." ihre Stimme klang zart und rauh zugleich, voll Mitleid und Wehmut. Hätte sie doch auch eine Rüstung so wie er, an der all dieses Leid und all diese Gefühle einfach abprallen würden. Eine Rüstung, mit der sie ihr Herz schützen könnte.
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Planta quae saepius transfertus non coalescit - von Elithea Trakas - 27-03-2024, 17:22
RE: Planta quae saepius transfertus non coalescit - von Belisarius Caderitor - 28-03-2024, 22:39
RE: Planta quae saepius transfertus non coalescit - von Elithea Trakas - 01-04-2024, 18:34
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RE: Planta quae saepius transfertus non coalescit - von Belisarius Caderitor - 02-05-2024, 20:47

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