20-04-2024, 04:21 - Wörter:
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 20-04-2024, 04:21 von Devan Naharis.)

Auch dort nahm die warme Atmosphäre nicht ab, wenn auch die Präsenz der Mutter fehlte und systematisch geordnete Forschungsutensilien die allgemeine Kunst von Teppichplatzierung und Inneneinrichtung verdrängte. Es brauchte immer einige Sekunden, bis Devan sich an diesen Raum gewöhnte, so sehr er auch mit ihm vertraut war, und sein Blick glitt über all die modernen Geräte und Phiolen, für die er selbst niemals das Gold aufbringen würde. Erst mit dem Klicken des Schlosses drehte er sich um, in angewöhnter Absicht genau in der Mitte des Raumes zum Stehen kommend, wo ihm keine Ecke zum Verhängnis werden konnte. Oder auch, um sich den Absichten des Älteren besser anpassen zu können und mit verschränkten Händen hinter dem Rücken dessen Gang zu zwei Bechern zu verfolgen. „Du brichst in zwei Tagen auf und deine Hochzeit ist morgen“, zählte er nüchtern die Ereignisse auf, an die er sich gehalten hatte und die für ihn zwar keinen Mehrwehrt hatten, Ilyas aber zu beschäftigen schienen. Statt ihn zu fragen, wie er sich dabei fühlte, nahm der Assassine diese Daten einfach als Gegebenheiten an und richtete seinen Besuch danach aus. Es kam ihm gar nicht in den Sinn, dass Ilyas sich vielleicht noch auf den morgigen Tag vorbereiten musste. „Hätte ich früher kommen sollen?“ Besser heute, als wenn seine Braut am nächsten Tag hinterfragte, mit wem sich ihr frischer Gemahl im Keller traf. Manchmal gab es fragen, auf die man besser keine Antwort wusste.
Devans Blick folgte dem Öffnen der Weinkaraffe und noch ehe Ilyas ihm einschenken konnte, nickte er in Richtung des danebenstehenden Krugs mit sehr viel klarerer Flüssigkeit. „Wasser, bitte.“ Es klang in keiner Weise tadelnd, sondern eigentlich kaum einer Rede wert. Noch nie hatte er gerne dem Alkohol gefrönt und der Gleichgesinnte war ihm vertraut genug, dass er ihn darauf hinweisen konnte. Auch hier unterdrückte er den Drang nicht, an der Flüssigkeit zu riechen, als man ihm den Becher gab, ehe er seine Lippen damit benetzte. Ein anerkennendes, knappes Nicken folgte; heutzutage war es fast unmöglich, klares, sauberes Wasser aufzutreiben. Die Schwelen an Devans Händen erzählten ganz eigene Geschichten davon, mit welcher körperlicher Arbeit er sich in den letzten Tagen und Wochen beschäftigt hatte. „Wer ist deine Braut?“, fragte er schließlich, den Blick auf den anderen gerichtet. Nicht, dass er etwas mit Namen anfangen konnte, aber sein stetiger Ein- und Ausgang in jeglichen Gesellschaftsschichten hatte die ein oder andere Person in seinem Gedächtnis festgesetzt. Wenn sie sich in den Palastmauern bewegte, dann kannte er sie vielleicht. Es war einfacher, seine Opfer dem großen Gleichgewicht beizufügen, wenn man sie besser kannte und verstand.
