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Curious Hearts
18.09.1016 - 15:00
Schloss der Castellanos | King's Portal
Naila ben Sahid Orpheus Castellanos

Nightingale in a Golden Cage
Naila Castellanos
Königsland - Admin
Alter 20
Beruf Prinzessin
Wohnort Castandor, King's Portal
Stand Verheiratet
User Letha
#1
Curious Hearts
Sometimes, the greatest love story begins with a stranger.

Es gab vieles, was Naila nicht verstand, aber selten rankte sich dieses Viel um eine Person; noch seltener um jemanden, um den sich Tag und Nacht ihre Gedanken drehten. Warum ging er ihr aus dem Weg. Hatte sie einen Schritt zu viel gewagt? Warum schickte er sich an, lieber Boten auszusenden, anstatt sie persönlich zu behelligen. War sie ihm nicht ansehnlich genug? Warum beschlich sie in seinem Beisein das Gefühl, als würde er gar nicht hier sein wollen. Wollte er diese Verbindung denn überhaupt? Von freien Stücken konnte auf beiden Seiten wohl kaum die Rede sein, aber zwischen Ich entscheide mich zum Wohl meines Volkes und Ich werde gezwungen lagen meilenweite Unterschiede und Naila wagte doch, zu behaupten, dass sie sich beide auf keinem der Extremen befanden. Was, also, was gab ihr an Orpheus so zu nagen?
Es schickte sich nicht für eine Prinzessin, sich auf die Lippe zu beißen und prompt wurde Naila daran erinnert, als sie ein schwaches Stupsen gegen ihre Seite spürte. Braune, hellwache Augen flatterten über ihre Schulter, wo Rajani stand und sie mit einem besorgten Blick bedachte. Ihr eigener Blick erweichte sich, ging nicht mehr so rigoros mit sich selbst ins Gericht, während sie sich besann, wo sie hier eigentlich stand. Egal, ob sie hier auf den Mann wartete, der ihr so ein Kopfzerbrechen bereitete, egal, wie sehr sie sich dafür schelten wollte, ihre Aufgabe nicht besser hinzubekommen, all diese Sorgen gehörten in ihre privaten Gemächer, nicht in das geschäftige Treiben eines Saales, der gefüllt war mit Menschen, die ihr fremd waren. Wieder richtete sich ihr Blick nach vorne auf die Stoffe, die man für sie ausgebreitet hatte, doch sie schwieg. Unauffällig rieb sie mit dem Daumen über die nackte Haut ihres Ringfingers und wartete.

Erst, als die Tür in ihrem Rücken aufschwang, drehte sie ihren Kopf in die Richtung der Ankommenden, dabei hätte sie auch ohne Hinschauen erraten können, wer sich ihr näherte. So wenig schlau sie aus Orpheus innerem Vorgehen wurde, so detailliert hatte sie sich doch das eingeprägt, was er ihr zu sehen erlaubte. Den leichtfüßigen, fast vorsichtigen Gang, der Körper immer ein wenig so ausgerichtet, als wolle er der Luft möglichst wenig Widerstand bieten. Seine Gesichtszüge wirkten verträumt, fast abwesend, aber seine Augen waren genauso wach wie die ihren. Naila wagte es für eine Sekunde, sich seinem Blick hinzugeben, dann senkte sie ihre Lider und neigte ihren Kopf in einer höflichen Begrüßung. „Mein Prinz.“ Obwohl um sie herum reges Treiben herrschte, wohnte ihrer Stimme eine sanfte Ruhe bei, die sie sich auch noch zu behalten gedachte, wenn um sie herum ein Sturm tobte. „Ich hoffe, wir reißen Euch nicht aus Eurer Geschäftigkeit. Es wurde nach mir verlangt, um über die Dekoration unserer Hochzeit zu entscheiden, aber ich dachte mir, Ihr möchtet vielleicht auch Teil der Entscheidung sein.“ War es dumm von ihr, ihn aus so einem banalen Grund herzubestellen? Hätte sie sich eine bessere Ausrede einfallen lassen sollen, um ihn überhaupt noch einmal zu Gesicht bekommen, bevor sie gemeinsam vor dem Altar standen? Naila war willig genug, die kleinste Gelegenheit beim Schopf zu packen und ihn in den Umgang mit ihr zu zwingen – auf die indirekte Art. Auf ihre Art.
Mit einem Nicken wandte sie sich den Stoffen zu, die vor ihnen ausgebreitet auf dem Tisch lagen. Der eine war in ein sattes Rot getaucht mit goldenen, geschwungenen Akzenten. Der zweite hielt sich an die blauen Akzente, die an das Meer an der Küste erinnerten, wie es gegen die Wellen brach. Die dritte Auswahl wechselte ab zwischen kräftigem Purpur und sanftem Flieder – Nailas persönlicher Favorit, den sie allerdings noch nicht preisgeben wollte. „Ich habe die Auswahl bereits auf drei Themen runterbrechen können, vermochte mich aber nicht weiter zu entscheiden. Ganz besonders in Hinsicht darauf, welche Blumen in Frage kommen könnten.“ Diese Entscheidung wartete nämlich schon am nächsten Tisch darauf, getroffen zu werden.
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Orpheus Castellanos
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#2
Selten hatte sich der Zweitgeborene von König Augusto so unwohl in seiner Haut gefühlt, wie in den letzten Tagen. Damals als er als knapp achtjähriger Knirps King’s Portal für die nächsten zehn Jahre verlassen musste, um in Bardon Pass bei Zephyr eine Ritterausbildung zu durchlaufen, hatte er sich nicht weniger verloren gefühlt. Wobei er dieses Mal nicht derjenige war, der seine Heimat hatte verlassen müssen, sondern seine zukünftige Braut, Prinzessin Naila ben Sahid. Und ihr schien es gar nichts auszumachen oder zumindest ließ sie es sich in keinster Weise anmerken. Sie fügte sich in den Haushalt der Königsfamilie Castellanos so nahtlos ein, wie ein fehlendes Puzzlestück. So als hätte sie schon immer dazu gehört und leitete die Hochzeitsvorbereitungen als hätte sie nie etwas anderes getan.

Orpheus fühlte sich mit der ganzen Situation völlig überfordert und je näher die Hochzeit rückte, umso mehr verkroch sich der junge Prinz in irgendwelchen Ecken, um möglichst nicht mit den Vorbereitungen konfrontiert zu werden oder seiner Zukünftigen über den Weg zu laufen. Der ganze Palast glich einem Bienenstock und überall wuselten geschäftige Menschen herum, die irgendetwas für die Hochzeit planten oder bereits anlieferten. Und dabei fühlte er sich völlig fehl am Platz. Lieber wäre er sofort in den Krieg gezogen, als sich hier mit den Planungen zu beschäftigen. Er hatte zwar noch nie in einer echten Schlacht gekämpft, doch war er es zumindest gewöhnt, im Sattel zu sitzen und sich mit anderen im Kampf zu messen. Aber er war es nicht gewohnt, eine Frau an seiner Seite zu haben, mit der er den Rest seines Lebens verbringen sollte.

Gab es etwas zu klären, schickte Orpheus einen Brief per Boten an Naila, anstatt mit ihr direkt zu kommunizieren. Dabei hätte er nicht einmal sagen können, was genau nun das Problem war, denn es lag bestimmt nicht daran, dass die Prinzessin hässlich oder besonders dumm gewesen wäre, dass er ihre Gegenwart mied. Vielleicht war es genau das, was ihn einschüchterte. Ihre scheinbar makellose Perfektion, ihr anmutiger Glanz, neben dem er völlig zu verblassen schien. War er in ihrer Nähe, kam Orpheus sich vor wie ein tumber Idiot, der keinen geraden Satz herausbrachte und nicht in der Lage war, eine Entscheidung zu treffen, geschweige denn überhaupt einen klaren Gedanken zu fassen. Und dann schämte er sich dafür, weil er davon ausging, dass Naila genau das von ihm dachte. Sie war einfach perfekt in allem und brauchte ihn nur anzusehen, sodass er sogleich das Gefühl hatte, er würde zu einem Nichts zusammenschrumpfen. Und er sich insgeheim fragte, ob er wirklich die richtige Wahl für die Prinzessin gewesen war und das Königshaus ben Sahid sich nicht irgendwie vertan hatte. Auch wenn Orpheus eigentlich wusste, dass es nicht so war, nahmen doch die Selbstzweifel wieder überhand, so oft er ihr begegnete.

An diesem Tag hatte er es erneut verstanden, allen Verpflichtungen, welche die Hochzeit betrafen, aus dem Weg zu gehen und traf seine Mutter und seine Schwestern beim Nachmittagstee im Garten. Es war eine Tradition, welche sie relativ regelmäßig pflegten, um wenigstens ein wenig Zeit mit der Familie zu verbringen. Wobei Leandros schon seit längerem bei ihren Treffen fehlte, genauso wie Augusto, was Kosma sehr betrübte. Um seiner Mutter nicht noch mehr Kummer zu bereiten, glänzte dafür Orpheus jedes Mal mit Anwesenheit, zumindest an den Tagen, an denen er im Palast weilte und sich nicht auf Reisen befand. Und es war eine willkommene Ausrede, um den Hochzeitsplanungen fernzubleiben.

So saß die Familie Castellanos, ohne König und Thronfolger, zusammen und genoss die Nachmittagssonne bei Tee und Gebäck. Orpheus plauderte mit seinen Schwestern und erzählte von den Orten, welche er in den letzten Monaten besucht hatte. Vor allem Euphemia, die Jüngste, hing regelrecht an seinen Lippen, denn sie hatte bisher noch nicht sehr viel außerhalb des Palastes gesehen. Während ihr Bruder noch Farynn in farbenfrohen Bildern beschrieb, näherte sich ein Bediensteter der Königsfamilie und überreichte Orpheus eine Nachricht. Er faltete das Papier auseinander, warf einen flüchtigen Blick darauf und legte es sofort wieder weg, als wäre es etwas Belangloses. Doch Kosma war das Verhalten ihres jüngsten Sohnes seiner Braut gegenüber nicht entgangen, sodass sie kurzerhand nach dem Papier griff und die Nachricht überflog. Dann blickte sie ihren Sohn über das Schreiben hinweg ernst an. „Deine Braut erbittet deine Anwesenheit, um einige dringende Planungen für die Hochzeit zu besprechen.“ Doch bevor Orpheus sich da herauswinden und seine Anwesenheit irgendwie aufschieben konnte, belehrte ihn seine Mutter über sein Verhalten indirekt: „Also, ich als Braut würde mir auch die Zustimmung meines zukünftigen Ehemanns holen, bevor ich eine Entscheidung treffe. Überlege dir gut, mein Sohn, ob du ihr diese Bitte wirklich verwehren willst.“ Ein mütterlicher Stups in die richtige Richtung war wohl notwendig, damit der Sohnemann endlich mal in die Gänge kam. Und ihr Blick ließ keinen Spielraum, da woanders hin auszuweichen.

So begab sich der zweitgeborene Castellanos-Spross endlich doch zu seiner Zukünftigen, um sich mit dem Unvermeidlichen auseinanderzusetzen. Er fand sie inmitten von ihren Begleiterinnen an einem der Tische, welcher sich vor Stoffballen bog. Und auch, wenn sich in dem Saal viele Menschen tummelten, fiel Orpheus Blick sofort auf Prinzessin Naila. Wie ein Juwel funkelte sie aus der Menge heraus, fast magisch zog sie seinen Blick an und als hätte sie es gespürt, drehte sie sich um und blickte ihm entgegen. Für einen Moment wurde sein Gang unsicher, dann fing er sich wieder und schritt weiterhin auf sie zu, wobei seine Miene eher abwesend wirkte, so als wäre der Prinz mit den Gedanken ganz woanders.

Dass er das nicht war, zeigte sich sogleich, als sich ihre Blicke trafen und Orpheus das Gefühl hatte, Naila könnte ihm bis in die Seele hineinsehen. Sofort senkte er ebenfalls den Kopf, sodass ihm seine dunklen Locken ins Gesicht fielen und er somit seine Verlegenheit ein wenig überspielen konnte. Ihren Gruß erwiderte er mit einem Nicken, während er versuchte, seine scheinbare Gleichmütigkeit zumindest äußerlich aufrechtzuerhalten, während in seinem Inneren ein Sturm tobte. Der betörende Jasmingeruch, welcher von Naila ausging und ihn einhüllte, machte das Ganze nicht besser.

Sie hoffte, ihn nicht aus einer Geschäftigkeit herausgerissen zu haben und am liebsten hätte Orpheus ihr jetzt gesagt, dass es wirklich wichtige Dinge gab, die auf Erledigung warteten und er eigentlich überhaupt keine Zeit hatte, sich mit so banalen Dingen wie die Dekoration der Hochzeit oder dergleichen zu beschäftigen. Stattdessen hatte er sich wie ein Feigling verkrochen, und warum auch immer, kam es dem Prinzen vor, als wüsste Naila darüber Bescheid und würde eine Lüge sofort durchschauen.  So schüttelte er nur den Kopf und wandte sich dann ebenfalls den Stoffbahnen zu, die auf dem Tisch lagen. Die Farben waren wirklich prächtig und während Orpheus mit den Fingern vorsichtig über den feinen Stoff strich, musste er neidlos anerkennen, dass Naila eine wirklich hervorragende Auswahl getroffen hatte. Wieder einmal stellte sie ihre Perfektion unter Beweis, während er sich fragte, was er hier eigentlich noch mitreden sollte.

Nichtsdestotrotz hatte die Prinzessin ihn hergebeten, damit er eine Entscheidung traf, sodass er davon ausging, dass sie seine Meinung durchaus hören wollte. Ob sie dann letzten Endes die Entscheidung in die Tat umsetzte oder sich anders entschied, lag dann wohl bei ihr. Orpheus räusperte sich leise und deutete dann auf den Purpur-Fliederfarbenen Stoff, wobei sein Blick allerdings zu Nailas Seidenrock wanderte. „Nun, ich denke, das wäre der perfekte Stoff. Und was die Blumen angeht …“ seine Augen wanderten nun nach oben zu ihrer kunstvoll hochgesteckten Frisur. „… würde ich Jasmin vorschlagen.“ Flüchtig traf sein Blick ihren, bevor er hinüber zu dem Tisch wanderte, auf dem eine Auswahl an Blumengestecken lagen und noch darauf warteten, ausgewählt zu werden. 

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Naila Castellanos
Königsland - Admin
Alter 20
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Stand Verheiratet
User Letha
#3
Nur weil ein Mensch wusste, wie er sich zu verhalten und in der Öffentlichkeit aufzutreten hatte, machte ihn das noch lange nicht perfekt. Naila zum Beispiel fühlte sich im Angesicht der Situation alles andere als perfekt. Orpheus Schweigen irritierte sie, obwohl sie in anderen Situationen wusste, wie man sich um ruhige Brunnen schlängelte und sie zum Sprudeln brachte. Sein Blick machte sie nervös, denn es fühlte sich so an, als würde er direkt durch ihre Fassaden hindurch in ihre Seele starren. Diese ruhige Aufmerksamkeit beindruckte und verunsicherte sie zugleich, und wieder ärgerte sie sich darüber, dass sie ihre Zeit hier am Hof nicht besser genutzt hatte. Sie hatten so viele Möglichkeiten gehabt, sich kennen zu lernen, und doch standen sie hier nebeneinander wie Fremde, die nur durch den Bund eines Versprechens zusammengehalten wurden. Immer und immer wieder hatte sie geduldig auf Orpheus Antworten gewartet und ihn mit Ausreden davonkommen lassen, während sie sich in ihren Gemächern den Kopf darüber zerbrach, was sie eigentlich falsch machte. War sie zu aufdringlich? Zu wenig aufdringlich? Ließ sie ihm zu wenig Spielraum? Zu viel Spielraum? Sollte sie sich damit zufriedengeben, dass er kein Interesse an ihr als Person zu hegen schien, wenn sie ihm schon den Rest ihres gemeinsamen Lebens eine Verpflichtung aufbinden würde, nach der er nicht gefragt hatte? Es war einfacher, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, als über all die Probleme ihrer Heimat nachzudenken und die ungewisse Zukunft ihrer Familie. Und hier standen sie, sich dem wohl Banalsten aller Probleme widmend, und doch gedachte Orpheus, ihr gerade zu dieser Lösung beizustehen.
Nailas Blick glitt über den Tisch und blieb an dem purpurfarbenen Stoff hängen, kaum dass ihr Verlobter seine Meinung kundgetan hatte. Ohne sich ihm zuzuwenden, war sie sich doch seinem Blick bewusst und beugte sich der Aufmerksamkeit, während ihre Finger sich unscheinbar ineinander verknoteten. Ihre Lippen einen Spalt breit geöffnet, wirkte sie überrascht, als er die Jasminblumen erwähnte, und fast augenblicklich floh ihr Blick hinüber zu den fünf Blumengestecken, die man als Vorschlag für sie angefertigt hatte. „Jasmin.“ Halb eine Frage, halb eine Feststellung, riss sie sich von ihrer festgesetzten Position los und glitt an Orpheus vorbei. „Nun, wisst Ihr, ich habe mich zu den ansässig blühenden Blumen beraten lassen. In der Tat ist die Jasminblüte eine gern gesehene Erscheinung in den Gärten meiner Heimat und wird in diversen wohltuenden Düften verarbeitet.“ Naila umrundete die Ecke des Tisches, wobei ihre Finger sanft die Kante streiften. „Hingegen blühen die Drillingsblumen besonders kräftig in Castandor und erfüllen Eure Gärten mit einem ganz einzigartigen, bunten Leben. Ich dachte mir, vielleicht können wir Eurer Familie eine Freude bereiten, wenn wir den Saal damit schmücken.“ Erst hinter den Blumengestecken kam die Prinzessin zum Stehen, nun fast gegenüber von Orpheus und ihm vollends, geradeheraus zugewandt. „Oder…“ Ihre Hände suchten, fanden und umschlossen den roten Strauch, der mit seiner satten Farbe aus der Menge herausstach. In Rot war das Wappen ihrer Familie bekleidet, aber es gab noch einen anderen Grund, warum Naila diese Blumen hatte auswählen lassen. „… vielleicht würde es Euch eine Freude bereiten, wenn sich ein Stück Herbstland an den Tischen finden würde? Ich habe gehört, die Fuchsie und der Klee wachsen besonders üppig auf den Hügeln bei Kenmara.“ Nailas Blick hob sich und kreuzte den von Orpheus mit einer gewissen Erwartung, aber keinesfalls aufdringlich. Eher neugierig. „Wegen Euren Reisen. Ihr habt doch ein paar Monate dort verweilt, oder nicht?“ Ihre Worte ließen Raum für eine Ausführung, die sie sich insgeheim auch wünschte. Lange genug hatte Naila stumm zugesehen, wie Bote um Bote sie mit Entschuldigungen abgekleidet hatte, seit Orpheus wieder in der Stadt war. Es hatte keinen Moment gegeben, in dem sie ihn nach seinen Reisen oder seinem Befinden hatte fragen können. Ohne zu viel zu verlangen, erhoffte sie sich doch, dass er es in seinem Geiste finden konnte, ihr einen kleinen Einblick von dem zu geben, an das sie sich in naher Zukunft binden würde. Noch so viele Boten konnten ihr von seinen Reisen erzählen, aber sie wollte es aus seinem Munde hören. Vielleicht tat er ihr ja diesen Gefallen in dieser halben Privatsphäre, die sie in dem großen Saal versuchte zu schaffen. In einem Friedensangebot hielt sie ihm das Blumengesteck hin, auf dass er es vielleicht annehmen mochte.
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Orpheus Castellanos
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#4
Wenn Orpheus gewusst hätte, wie sehr sein Verhalten die Prinzessin verunsicherte, er wäre einerseits wohl überrascht gewesen, andererseits hätte es ihm wohl ein wenig Selbstsicherheit zurückgegeben. Denn das zeigte, dass die scheinbare Perfektion, die Naila in seiner Gegenwart nach außen hin zeigte, tatsächlich auch nur eine einstudierte Maske war, um die innerlichen Unsicherheiten zu überspielen. Doch da er das eben nicht wusste, strahlte sie in makellosem Glanz über ihm und ließ ihn zu einem Nichts zusammenschrumpfen.

Allerdings konnte Orpheus sich nicht ewig vor dem Unvermeidlichen verstecken und so stand sich das zukünftige Ehepaar schließlich doch gegenüber und unterhielt sich über so unschuldige Dinge wie Stoffe und Blumengestecke. Und zum ersten Mal hatte er das Gefühl, dass sie überrascht war über seine Antwort. In den wenigen Augenblicken, die sie miteinander verbracht hatten, schien sie jederzeit die absolute Kontrolle über alles zu behalten. Nun wirkte sie zumindest für einige Minuten so, als hätte sie mit dieser Antwort nicht unbedingt gerechnet. Ob das jetzt gut oder schlecht war, konnte Orpheus allerdings aus ihrer Reaktion nicht unbedingt herauslesen.

Nur kurz währte die Überraschung, dann schien die Prinzessin wieder Herrin der Lage zu sein, plauderte über die diversen Blumen und umrundete dabei den Tisch mit den Gestecken, um ihm gegenüber zum Stehen zu kommen. Aus ihren Worten wurde Orpheus nicht so richtig schlau, hatte er doch gedacht, sie hätte ihn rufen lassen, damit er eine Entscheidung traf. Doch Jasmin schien nicht die richtige Antwort gewesen zu sein. Er wollte eben einen weiteren Vorschlag machen, und zwar, dass man die Drillingsblumen seiner Heimat und den Jasmin aus Nailas Heimat zusammen in ein Gesteck fassen könnte, um beiden Familien gerecht zu werden, als die Prinzessin ein weiteres Gesteck in die Hände nahm.

Die Überraschung war nun auf seiner Seite, als Naila seine Reisen ins Herbstland ansprach. Geschickt erwähnte sie die farbenprächtige Flora auf den Hügeln von Kenmara, so als wäre sie selbst dabei gewesen. Und die Prinzessin schaffte es tatsächlich damit, den zurückhaltenden Orpheus aus seiner Reserve zu locken. Die grün-braunen Augen des jungen Prinzen begannen zu leuchten, als Naila ihm das Blumengesteck hinhielt. Versonnen fuhr er mit den Fingerspitzen leicht über die zarten Blüten.

„Oh ja, die Gegend ist wirklich außergewöhnlich. Die Farbenpracht dieser Hügel und Täler haben mein Herz auf eine ungewohnte Art und Weise berührt. Wie gerne hätte ich sie eingefangen und mit nach Hause genommen. Die Wiesen sind von einem so faszinierenden Grün, als hätte die Natur selbst mit einem Pinsel nachgeholfen. Und die Blumen leuchten in den warmen Herbstfarben wie flackernde Kerzen in der Dämmerung." 

Fast hatte Orpheus vergessen, wo er sich befand und wer ihm zuhörte, so sehr verlor er sich in seinen Erinnerungen an die faszinierenden Landschaften des Herbstlandes. Hier sprach der Künstler aus ihm, der Dichter, der Feingeist, welcher einen Blick für die Schönheit der Welt hatte, und der lieber eine Staffelei auspackte, um grüne Hügel auf einem Gemälde oder in blumigen Zeilen auf einem Stück Papier einzufangen, als seine Zeit mit Wein und Weib zu vertreiben. Verträumt hatte er die Fuchsien angesehen, als wäre er tatsächlich wieder in Kenmara. „Es ist, als würde die Natur selbst eine Symphonie aus Farben und Düften komponieren, die die Sinne belebt und das Herz zum Singen bringt."

Der junge Prinz räusperte sich verlegen, als ihm gewahr wurde, dass er immer noch in einem überfüllten Saal stand, im Angesicht seiner zukünftigen Braut und ihren Begleiterinnen, die ihre Ohren zu spitzen schienen, kaum dass Orpheus angefangen hatte zu sprechen. Er spürte ihren Blick auf sich, ihn neugierig musternd, und er wusste nicht, ob er sich zum Narren machte oder nicht. Wahrscheinlich tuschelten sie hinter seinem Rücken über ihn, wie seltsam er doch war.

„Verzeiht, Prinzessin. Ich wollte euch nicht langweilen.“
Dunkle Locken fielen ihm ins Gesicht und verdeckten seine Augen, als Orpheus sich wieder den Gestecken widmete. Dann deutete er auf die von Naila angesprochenen Drillingsblumen und das Gesteck mit dem Jasmin. „Ihr habt natürlich vollkommen recht, es ist angemessen, unsere Familien zu ehren, indem wir den Saal mit den Blumen aus unseren beiden Heimaten schmücken. Somit würde ich eine Kombination aus Drillingsblumen und Jasmin vorschlagen, welche die Verbindung unserer Familien symbolisiert.“ Ohne Naila direkt anzusehen, wartete er auf ihre Erwiderung.

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Nightingale in a Golden Cage
Naila Castellanos
Königsland - Admin
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Beruf Prinzessin
Wohnort Castandor, King's Portal
Stand Verheiratet
User Letha
#5
Manchmal steckte sogar in den kleinsten Gesten eine Absicht, und hinter den harmlosesten Worten verbarg sich ein ganzer Berg aus Emotionen. Naila verstand es hervorragend, in dieses Spiel der Rhetorik und Gestik einzusteigen und um die eigentlichen Absichten herumzutanzen, als wären ihr Schritte und Rhythmus bereits in die Wiege gelegt worden. Es war nicht unschicklich, dass sie ihm die Blumen überreichte. Niemand sah die kleine Berührung unter den Blüten, als ihre Finger die seinen streiften, flüchtig und unscheinbar in der zeitlichen Länge, unsagbar bedeutsam in ihrer Wichtigkeit. Auch, als Orpheus die Blumen zu sich zog und Naila ihre Hände vor ihrer Mitte miteinander verschränkte, rieb ihr Daumen über die Stelle, wo sie den Geist einer Berührung spürte.
Doch es waren seine Worte, die sie fingen. Hatte ihre Aufmerksamkeit sich ohnehin schon auf Orpheus zugespitzt, um die wenigen Minuten auszukosten und zu nutzen, die er ihr schenkte, ließ sie sich schnell von der beschriebenen Farbenpracht mitziehen. Naila selbst hatte Farynn einmal aus diplomatischen Zwecken bereist vor Jahren, als ihr Vater die Palastmauern noch verlassen und ausländische Beziehungen gepflegt hatte. Als seine Begleitung hatte man sie freundlich in Bellport empfangen und sie durch die Gärten geführt, deren Wiesen aufgrund des hiesigen Regens mit einem satten Grün bespickt gewesen waren. Aber es war nie in ihrem Bereich des Möglichen gewesen, die Ländereien außerhalb der Stadt zu bewundern und sich mit den Farben zu umgeben, die Orpheus so lebendig beschrieb. Die Prinzessin hatte nicht das Gefühl, er bauschte die Erinnerungen für sie auf, damit sie es einfacher hatte, sich in die Hügel Kenmaras hineinzudenken. Es kam von innen heraus, die Worte aus seinem Herzen gesprochen, fast als waren sie nur für seine Ohren bestimmt. Orpheus war ein Dichter. Er sprach das, was er fühlte, wenn man ihn ließ, verpackt in Worte, die Bilder schaffen konnten wie der Pinselstrich eines Künstlers auf einer unbefleckten Leinwand. Naila musste sich nicht einmal Mühe geben, ihm zuzuhören, sie tat es ganz automatisch und erwischte sich erst dabei, dass sie starrte, da war es auch schon vorbei.
Bei Heofader, sie hatte gestarrt. Beinahe synchron zu ihrem Gegenüber senkte sich rasch der Blick der Prinzessin, die Lippen fast einen Deut zu streng aufeinander gepresst, ehe sie sich selbst zu einem schmalen Lächeln überzeugte. Hier fasste wieder das Spiel mit all seinen Regeln, das sie zu spielen perfektioniert hatte. „Ich bitte Euch, die Langeweile liegt mir nicht ferner“, konterte sie gleich mit sanfter Bestimmtheit. Es war nicht einmal eine Floskel. So, wie Orpheus eben aus seinem Herzen gesprochen hatte, fiel es ihr leicht, in Wahrheit zu sprechen.
Nailas Blick folgte den Worten hin zu den Drillingsblumen und ihr Lächeln vertiefte sich. „Eine hervorragende Idee, Eure Majestät. Mir ist ein ähnliches Arrangement in den Sinn gekommen, zusammen mit den Stoffen für Tische und Vorhänge. Neben der Bedeutung für unsere Familien stimmen die Farben sich auch gut auf den Fliederstoff ab.“ Naila gestikulierte zurück zu ihrer Rechten, Orpheus Linken, wo die Stoffe aufgebahrt lagen. Sie war keine Künstlerin, so wie er, hatte sich aber beraten lassen und war zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Es war nur eine kleine Entscheidung, mit der sich ein Prinz sicher nicht unbedingt befassen wollte, aber es stimmte sie zufrieden, dass er sich dennoch auf ihre Ausführungen einließ und sich mit so weibischer Thematik auseinandersetzte. Es stimmte sie gütig. Sie würde ihn gehen lassen. „Ich danke Euch für Eure Meinung und für die Zeit, die ihr Euch genommen habt. Eure Beschreibung von Kenmara war so lebhaft, ich wäre gerne einmal dort gewesen, um diese Schönheit mit eigenen Augen zu sehen“, antwortete sie ehrlich und warm. Verdrängt, aber nicht vergessen war das Kribbeln in ihren Fingern, das darauf pochte, dem Prinzen die Locken aus der Stirn zu streichen. „Wenn Ihr ein wenig Zeit erübrigen könntet, würde ich mich sehr darüber freuen, mehr von Euren Geschichten zu hören. So kann ich mir meine eigenen Pinselstriche zu Kenmara erdenken.“ Oder zumindest einen Bruchteil von dem verstehen, was Orpheus ausmachte. Titel und Rang waren nicht alles, was den Prinzen stellte, und Naila hatte das schon gewusst, bevor sie um seine Anwesenheit gebeten hatte. Es war hingegen der Drang, in ihm nicht mehr nur den Prinzen zu sehen, den sie heiraten würde, der sie vorantrieb und mit solchen Angeboten gleichzeitig auch eine Bitte stellte. Irgendwie musste sie die Mauer zwischen ihnen brechen, wenn sie denn wollte, dass ihre Verbindung Früchte trug – nicht nur zu Gunsten ihrer beider Zukunft, sondern auch für ihre Familie.
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Orpheus Castellanos
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#6
Der junge Prinz war so in seine eigenen Gedanken und Gefühle vertieft, dass er kaum bemerkte, als seine Hand die der Prinzessin berührte, während Naila ihm das Blumengesteck reichte. Selbst wenn er es bemerkt hätte, hätte er wahrscheinlich nicht erkannt, dass diese zufällige Berührung von ihrer Seite beabsichtigt war. Die Kunst der Verführung war ihm ebenso fremd wie der Umgang mit Frauen im Allgemeinen. Nailas Anwesenheit machte ihn unsicher und verlegen, und Orpheus hatte alle Mühe, sich zurechtzufinden und nicht in Verlegenheit zu geraten.

Er verlor sich in seinen farbenfrohen Erzählungen über sein Lieblingsreiseland Farynn, denn Naila fand genau die richtigen Worte, um den zurückhaltenden jungen Mann ein wenig aus der Reserve zu locken. Und entgegen seiner Annahme, dass seine Beschreibungen von Kenmara die Prinzessin langweilen oder sie ihn für seltsam halten würde, spürte Orpheus, wie seine Worte Interesse in den Augen der Prinzessin weckte. Vielleicht war es Einbildung, aber dann bestätigte Naila ihm, dass sie nicht gelangweilt war.

Orpheus nickte, denn er glaubte ihr, und ein schüchternes Lächeln umspielte seine Mundwinkel, welches sich etwas intensivierte, als Naila seinen Vorschlag für die Blumen des Gesteckes so positiv aufnahm. Ihr Lob fühlte sich an wie Sonnenstrahlen auf seiner Haut, wärmend und ermutigend.  Und tatsächlich fühlte er sich ein wenig sicherer, vor allem, da sie ihm bestätigte, dass sie einen ähnlichen Gedanken verfolgt hatte, was die Dekoration anging. Vielleicht war es doch nicht so schwer, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Sein Blick streifte kurz die Stoffe, die Naila erwähnte, und er nickte zustimmend. "Die Farben würden sich wunderbar ergänzen.", stimmte er zu, bevor er seinen Blick wieder auf Naila richtete.

Als Naila ihm für die Beschreibung von Kenmara dankte und sich wünschte, selber einmal dort gewesen zu sein, durchzuckte Orpheus ein angenehmes Kribbeln. Vielleicht war Naila nicht nur die zukünftige Prinzessin an seiner Seite, sondern auch jemand, mit dem er sich wirklich verbunden fühlen konnte. Als sie ihm anbot, mehr von seinen Geschichten zu hören, konnte er kaum glauben, dass sie wirklich interessiert war. Aber die Wärme in ihren Augen und die Zartheit ihrer Worte ließen keinen Zweifel daran, dass sie es ernst meinte.

Er war so überrascht, dass er gar nicht anders konnte, als ihren Blick zu erwidern, und für einen Moment schien die Welt um sie herum stillzustehen. Es war, als ob sie beide in diesem Moment ganz allein waren, abseits von Protokoll und Erwartungen, verbunden durch ihre gemeinsame Begeisterung für die Schönheit der Welt.

Und ein neuer Gedanke formte sich in Orpheus Kopf, über den er selbst erstaunt war, dass er ihn bisher noch so überhaupt nicht in Betracht gezogen hatte. Würde sie ihn auf seinen Reisen begleiten? Er hatte nicht angenommen, dass sich eine Prinzessin überhaupt für die Dinge interessieren könnte, welche ihn begeisterten. Doch die junge Frau aus Matariyya hatte es innerhalb kürzester Zeit geschafft, Orpheus´Interesse zu wecken. „Es wäre mir eine Ehre, Euch die Schönheit von Farynn zu zeigen, Prinzessin Naila, wenn Ihr möchtet. Wir könnten gleich nach der Hochzeit dorthin reisen. In den Bergen gibt es auch heiße Quellen, die Euch sicherlich gefallen werden. Allerdings regnet es sehr häufig in diesem Land, das ist weniger angenehm.“

Seine Wangen hatten sich gerötet vor Begeisterung, denn während Orpheus sprach, befand er sich bereits gedanklich wieder an den Orten, welche ihn faszinierten und die er Naila, nun da sie Interesse gezeigt hatte, unbedingt zeigen wollte. Am liebsten wäre er sofort dorthin abgereist, und hätte die ganze Hochzeit und alles, was dazu gehörte, einfach übersprungen.

Und was er völlig verdrängt hatte, war die Tatsache, dass sich sein Land im Krieg befand. Daher war sowieso unklar, wann Orpheus überhaupt wieder reisen konnte. Doch es war angenehmer, sich vorzustellen, bald wieder unterwegs zu sein, als sich mit den Schrecken des Krieges auseinanderzusetzen. Das würde unweigerlich kommen, doch nicht jetzt, nicht heute. Lieber wollte Orpheus dem Rat seines Freundes Zephyr folgen und ein wenig mehr über seine zukünftige Frau erfahren, jetzt da zwischen ihnen ein kleiner Funken Verbundenheit entstanden war. Doch hier zwischen all den Menschen, welche unaufhörlich herumliefen, war es ihm zu unruhig - zu viele neugierige Blicke und Ohren. Er sehnte sich nach einer ungezwungeneren Umgebung, in der er sich nicht ständig beobachtet fühlte.

Der Prinz räusperte sich verlegen und zupfte an dem Blumengesteck herum, welches vor ihm auf dem Tisch lag. Es fiel ihm nicht leicht, sich Naila zu öffnen und auf sie zuzugehen, aber Zephyr hatte ihm geraten, es zu versuchen, also fasste er sich ein Herz. „Vielleicht möchtet Ihr ein wenig in den Palastgärten spazieren gehen, Prinzessin. Dann könnte ich Euch noch mehr von Kenmara erzählen oder was Euch sonst noch interessiert.“
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Naila Castellanos
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#7
Wenn man Naila fragte, dann war es nicht sie, die man mit dieser Ehe glücklich machen musste. Alle Gesten, alles Gesagte, alle Versuche gipfelten darin, dass sie es war, die Orpheus glücklich machen wollte, wenn er sie denn ließ. Wenn er nicht jeden ihrer Versuche, sich ihm anzunähern, abblockte und sich ihr gegenüber verschloss; dabei lag alles, was sie brauchte, vor ihr auf dem Tisch. Ein Bote, eine Bitte, ein paar Blumen und Stoffe mit genug Wirkung versehen, bestimmte Orpheus nun selbst den Weg und Naila – sie wusste gar nicht, wie sie damit umzugehen hatte. Das Höchste der Gefühle, was sie sich heute erhofft hatte, war ein Lächeln seinerseits, ein Minimum an Kompromiss und die kleinsten Anzeichen, durch die sie seinen Charakter hätte erschließen können. In keiner Welt und zu keiner Stunde hatte sie damit gerechnet, dass er ihr anbot, gemeinsam auf Reisen zu gehen. Ihre Überraschung kaum verbergend, fasste ihr Braun nur am Rande die geröteten Wangen, während sie kaum in der Lage war, sich von diesem begeisterten, leidenschaftlichen Blick zu lösen, der auf sie übersprang und sie gleichermaßen breiter, unkontrollierter lächeln ließ. Nur minimal baute sie Distanz von dem Tisch auf und von Orpheus, als würde er auf einmal mehr Präsenz einnehmen als sie, und für diesen einen Moment schien hinter dem Lächeln ihre Unsicherheit durch. Wollte sie überhaupt die Welt sehen? Konnte sie sich vorstellen, direkt nach der Hochzeit den Sorgen und Pflichten in ein anderes, fremdes Land zu entfliehen? Es erschien ihr so weit weg und doch redete Orpheus davon, als würde er wirklich einen konkreten Plan fassen, nach Farynn zurückzukehren; mit ihr dorthin zurückzukehren. Ob er sich denn überhaupt bewusst war, dass dort draußen Krieg herrschte?
Und dennoch konnte Naila nicht umhin, sich von seiner Begeisterung anstecken zu lassen. Sie hatte nur Krumen gelegt, die Orpheus nun aufgriff und sie fast drohte, mitzureißen in seiner Leidenschaft. Auch wenn sie sich sicher war, dass es nicht ihre eigene Leidenschaft war, die sie spürte, erzählten die Funken in ihrem Blick doch eine andere Geschichte, bevor sie amüsiert durch ihre Nase schnaufte und den Blick senkte. „Ich kann mich kaum daran erinnern, wann ich das letzte Mal kalten Regen auf meiner Haut gespürt habe. Außerdem hat eine verregnete Landschaft sicher ihren ganz eigenen Charme.“ Die Natur brauchte Regen, um gedeihen zu können und Naila wusste aus der Handvoll ihrer eigenen Reisen, dass die Landschaften dort immer grüner waren, wo man mit regelmäßigem Niederschlag rechnen konnte. Wie mussten erst Hügel aussehen, die mehr Regen als Sonne sahen? Wenn Naila einmal all die Gedanken an ihre Familie und ihr Volk hintenanstellte, dann konnte sie es eigentlich kaum erwarten, so eine Schönheit mit eigenen Augen sehen zu dürfen. Sie wollte den Augen Glauben schenken, die ihr von heißen Quellen und roten Blumenmeeren berichteten und in denen sie sich erlaubte, für einen Herzschlag zu versinken. „Die Ehre wäre ganz meinerseits, Eure Majestät.“

Warum war sie es nun, die verlegen auf die Blumengestecke schaute und vergeblich versuchte, einen Gesprächsfaden zu finden? Es schien ihr, als erwartete man von ihr, das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken oder den Prinzen zu entlassen, jetzt, wo sie seine Antworten zum Arrangement der Hochzeitsdekoration bekommen hatte. Etwas in ihr wehrte sich aber, ihn gehen zu lassen. Man sah es ihr an ihren Fingern an, die sich in der Verschränkung vor ihrer Körpermitte verknoteten und versuchten, Zeit zu schinden, die ihr gleichermaßen durch die Finger rann. Anstatt Nailas Stelle hingegen räusperte sich nun Orpheus und erwartend hob sich ihr Blick. Eine angenehme Wärme baute sich in ihrer Brust auf, schnürte sie aber auch gleichzeitig ein wenig enger. Ihr Atem stockte und ihre Lippen öffneten sich, schlossen sich aber gleich wieder.
Orpheus bot ihr all das an, was sie zu hoffen gewagt hatte.
Und jetzt war es ihr zu viel. Sie hatte nicht erwartet, dass er nach tagelanger Distanzsuche auf sie zukommen würde mit der Bitte, Zeit zu verbringen; wenn überhaupt, dann hatte sie damit gerechnet, dass er sich gleich wieder in sein Arbeitszimmer verkriechen wollte, sobald er ihrer Bitte entgegengekommen war. Zum ersten Mal in diesem Gespräch war sie nicht Herr über ihre Sprache und starrte ihn nur an, als eröffne er ihr gerade, Heofader höchstpersönlich besuchen zu gehen. Dabei war es doch genau das, was sie gewollt hatte und das größte Geschenk, das man ihr machen konnte. Wie töricht von ihr, auch nur daran zu denken, sich wie er am liebsten in ihre Gemächer zurückzuziehen und ihre Pflichten auszublenden.
Ein Blick an Orpheus vorbei bestätigte der Prinzessin, dass ihre zwei Gesellschafterinnen noch immer im Hintergrund standen und Aanyas sanftes Nicken stupste sie an, sich wieder ihrem Gesprächspartner zuzuwenden. Das Lächeln, was sie ihm schenkte, war weder Lüge noch Wahrheit, doch galt es ganz ihm. „Was für eine wunderbare Idee. Und bitte lasst dies auf Gegenseitigkeit beruhen. Ich bin mir sicher, Ihr möchtet mich genauso kennenlernen, wie ich neugierig über Eure Reisen und Erfahrungen bin.“ Es war ein Anfang und öffnete ihnen Tore, über die Naila erleichtert sein müsste. Bewusst verdrängte sie den kleinen Stein im Magen, während sie sich an die Dienerschaft richtete, sie bat, den Fliederstoff, die Lilien und die Drillingsblumen für die Hochzeitsdekoration zur Seite zu legen und anschließend den Tisch umrundete. Ein Blick durch ihre Wimpern ließ sie Mut fassen und den Arm ihres Verlobten annehmen. Sie konnte nur hoffen, dass er ihr Herz nicht klopfen hörte, während sie durch den Torbogen in Richtung der Palastgärten schritten.

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