Dieses Forum nutzt Cookies
Dieses Forum verwendet Cookies, um deine Login-Informationen zu speichern, wenn du registriert bist, und deinen letzten Besuch, wenn du es nicht bist. Cookies sind kleine Textdokumente, die auf deinem Computer gespeichert sind; Die von diesem Forum gesetzten Cookies düfen nur auf dieser Website verwendet werden und stellen kein Sicherheitsrisiko dar. Cookies auf diesem Forum speichern auch die spezifischen Themen, die du gelesen hast und wann du zum letzten Mal gelesen hast. Bitte bestätige, ob du diese Cookies akzeptierst oder ablehnst.

Ein Cookie wird in deinem Browser unabhängig von der Wahl gespeichert, um zu verhindern, dass dir diese Frage erneut gestellt wird. Du kannst deine Cookie-Einstellungen jederzeit über den Link in der Fußzeile ändern.


Blood makes you related, Loyalty makes you Family.
01.10.1016 - 03:00
Wolfsmark, vor der Wolfsburg

Commander of Wolves
Leif Stelhammer
Winterland - Admin
Alter 24
Beruf Kronprinz von Norsteading
Wohnort Wintergard, Norsteading
Stand Verheiratet
User Letha
#1
You're my
Brother
And I would die for you.

Wenn man sich so dermaßen mit Pflichten zudeckte, dass einem jede weitere Aufgabe aus den Körperöffnungen sickerte, dann hatte man auch keine Zeit mehr, sich Fragen zu stellen und Vorwürfe zu machen. Leif war groß, er hatte eine Menge Platz für Verantwortung, bevor er platzen würde, und seine Schultern waren stark genug, um die Zukunft zu schultern, die er sich und seinem Land selbst legte. Was noch auf ihn zukommen würde, die nächsten Wochen rigoroser Vorbereitungen abseits vom Luxus des Adels, Tage in der Wildnis mit einer Handvoll Wilder, die er selber auserwählt hatte, Entscheidungen, die er treffen würde, das waren alles Dinge, die er zu verarbeiten wusste. Und Dinge, die er nicht verarbeiten konnte… nun, denen wirkte er am besten entgegen mit dem gesunden Gewicht von Waffen in der Hand.
Kalte Luft schnitt durch jede Bewegung, die mit sorgfältiger Genauigkeit ausgeführt wurde. Ein Zusammenspiel aus jahrelang gestählten Muskeln unter heller Haut, freigelegt vor zur Seite geräumtem Schnee und den Schatten vom angrenzenden Wald. Zu dieser Stunde wäre Leif mit seinem Gaul zur Jagd aufgebrochen, immer die gleiche Route, immer den Mond im Nacken, wie er auch jetzt auf tanzende dunkle Locken hinab schien und sich in den kleinen Schweißperlen auf der Stirn spiegelte. Heute und alle folgenden Nächte hielt er sich hingegen lieber zu Seiten der Burg auf, wo Erik und er früher die brüchige Mauer hochgeklettert waren. Der Kampfplatz in der Burg selbst war größer, ebener und besser aufbereitet als das kleine Stück Land mit zertretenem Gras, zwei stehenden Holzpuppen und einem Baumstumpf, der vor den Zeiten von Leif und Erik mal ein ganzer Baum gewesen war. Aber er war auch mittig zu allen Wohneinrichtungen der Burg und damit genau das, was Leif gerade nicht ertragen konnte. Tagsüber hatte er schon die wissenden Blicke von Reinka gespürt und sie gekonnt weg ignoriert - mit anderen Pflichten, die ihn riefen und einer konstanten Aversion, sich mit ihr alleine in einem Raum aufzuhalten. Da konnten ihn andere neugierige Blicke in der Nacht wirklich gestohlen bleiben, nur weil er nicht schlafen konnte und gedachte, das Defizit mitten in der Nacht mit körperlicher Verausgabung auszugleichen. Sowieso hatte er sich in den letzten Wochen gefährlich davon ferngehalten, über etwas Persönliches zu sprechen, oder die Gespräche mit seiner Familie und seinem Waffenbruder - jetzt Schwager - in irgendeine Richtung laufen zu lassen, die hinter die Wand führte, die Leif sorgfältig hochgezogen hatte. Morgen würde Jorin ins nächste Dorf reisen. Leif und Erik würden die Besten unter den Kandidaten, die sie in zwei Tagen auslesen würden, auf Stärke und Disziplin prüfen. Innerhalb von einer Woche würde Leif sich mit so viel Arbeit aufladen, nur um das Unmögliche möglich zu machen und seinen eigenen Grenzen einen Streich zu spielen; denn wer, wenn nicht er war in der Lage, aus einem Haufen Barbaren eine geordnete Truppe zu machen, die bereit war, ihr Vaterland zu verteidigen und den castandorischen Weicheiern den Gar auszumachen. Und wer, wenn nicht Erik war genau der Richtige, um die Ausbildung hier im Barbarenhochtum selbst in die Hand zu nehmen und Leif einen Teil der Verantwortung von den Schultern zu nehmen. Auf wen konnte er sich verlassen, wenn nicht auf seinen Waffenbruder, der ihm seit Jahren den Rücken deckte.
Ein Bruder, der nichts von dem Geheimnis wusste, was Leif heute Nacht vor die Burgmauern getrieben hatte.
Mit einem lauten Krachen bohrte sich die Axtschneide in Leifs linker Hand in den Baumstumpf und hinterließ eine tiefe Kerbe, während er, getrieben von seinen eigenen bösen Geistern, auf dem besten Weg war, über seine körperlichen Grenzen zu treten, nur damit er dem inneren Druck und der ungewollten Sehnsucht Einhalt gebieten konnte. In der Hoffnung, dass sich sein Kopf bald mit Leere füllte und seine Lungen mit brennender Luft, durchschnitt er seine Sorgen mit einer bockigen Zielstrebigkeit, denn im Zweifelsfall war es doch immer Gewalt, die ihre Arbeit tat. Und wenn die Gewalt gegen seine eigenen Gefühle gerichtet war, dann sollte es eben so sein.
Neues Inplayzitat
Inplayzitat hinzufügen
Zitat
Folgendes Zitat wird als denkwürdiger Inplay-Moment eingetragen.
 
Winterland
Erik Norrholm
Winterland
Alter 24
Beruf Prinz von Wolfsmark
Wohnort Wolfsmark
Stand Verheiratet
User Natsch
#2
Seit seine Frau schwanger war und Erik... zugänglicher als zu den rauen Zeiten der Schlacht um Eastergold Meadow, schien es, als würde keine Nacht vergehen, in der sie sich nicht mit einer ungenierten Vertrautheit an seine Seite schmiegte und mit leiser Dringlichkeit nach mehr verlangte. Ihre Nähe, ihre Wärme, der sanfte Druck ihres Körpers gegen seinen – all das sprach eine Sprache, die keine Worte brauchte, und Erik war mehr als bereit, darauf einzugehen. Auch in dieser Nacht war es nicht anders. Ihr Flüstern, kaum mehr als ein Hauch, erreichte ihn, löste die letzten Fäden des Schlafes aus seinem Geist. „Ich will dich.“, hatte sie gesagt, ihre Stimme rau und von einer Sehnsucht getragen, die ihn durch und durch weckte. Erik brauchte keinen Moment der Überlegung – die Leidenschaft in ihren Worten war ein Ruf, dem er nur zu gerne folgte.
Ihre Berührung, das leise Ziehen ihrer Finger über seine Haut, ließ ihn jede Erschöpfung vergessen, die der Tag ihm abverlangt hatte. In diesem Moment war es nur sie, nur ihr Wunsch, der sein Herz schneller schlagen ließ, während er sich bereitwillig in die Hitze und Intimität ihrer gemeinsamen Nacht stürzte.

Es war ein nerviges Stakkato, ein wiederkehrendes Geräusch, das nur durch den günstig – oder, je nach Perspektive, ungünstig – stehenden Wind an die massiven Mauern der Wolfsburg getragen wurde. Erik lag im Halbdunkel, seine Frau fest in den Armen, während sie mit geschlossenen Augen langsam wieder in den Schlaf zu gleiten schien. Ihr Atem ging gleichmäßig, ein beruhigender Rhythmus gegen die störende Unruhe von draußen.
„Er ist wieder da draußen.“, hatte sie leise geflüstert, kaum mehr als ein Hauch, und doch konnte Erik das unmissverständliche Drängen in ihren Worten hören. Es war nicht direkt eine Bitte, eher ein unausgesprochener Befehl, der ihn aus der trügerischen Behaglichkeit ihres gemeinsamen Lagers riss. „Du weißt schon, dass es ziemlich unfair ist, dass ich jetzt raus muss, während du dich hier unter den Pelzen einrollen kannst, huh?“, er grinste schief, auch wenn er wusste, dass sie die Worte im Halbschlaf nur halb wahrnahm.

Mit wenigen Handgriffen hatte er sich angezogen und hatte den Raum verlassen. Mit großen Schritten durchquerte er die Flure, folgte einen altbekannten Pfad der ihn an den Ort führen würde, an dem er und Leif schon im Knabenalter herumgelungert und ihre Kräfte unter Beweis hatten stellen wollen. Er erinnerte sich gerne daran.
Es waren nicht nur Reinkas Worte, die ihn aus dem warmen Lager gelockt hatten, auch wenn sie den Anstoß gegeben hatten. Nein, es war die Sorge, die ihn antreiben ließ. Eine Sorge um Leif, die er nicht ignorieren konnte, auch wenn er es vielleicht gewollt hätte. Erik kannte Leif seit einer halben Ewigkeit. Er hatte die Höhen und Tiefen seines besten Freundes und Waffenbruders miterlebt, hatte ihn in allen Facetten seines Wesens gesehen – doch diese Unruhe, die er nun in Leif wahrnahm, war etwas Neues. Vielleicht bemerkte es niemand außer ihm, aber Erik sah sie, spürte sie in den unausgesprochenen Worten, in den rastlosen Bewegungen. Es war, als ob Leif gegen einen unsichtbaren Sturm ankämpfte, und Erik wusste, dass er ihm beistehen musste – so wie Leif es für ihn in zahllosen Momenten getan hatte. Denn wenn einer fiel, fielen sie beide.

Die Geräusche wurden deutlicher, bis Erik schließlich Leif erblickte. Die kalte Luft des nahenden Winters lag schwer über dem Gelände und schnitt mit frostigen Fingern durch die Nacht, doch der hochgewachsene Hüne vor ihm schien davon unbeeindruckt. Im silbrigen Licht des hochstehenden Mondes zeichnete sich Leifs breite Gestalt ab, sein Rücken gekrümmt von der wiederholten Bewegung des Axtschlags. Holzsplitter lagen wie dunkle Sterne auf dem Boden verstreut. Erik blieb kurz stehen, sein Blick wanderte über die Szene, und ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht. Die Anstrengung zeichnete sich in Leifs Bewegungen ab – der langsamer werdende Rhythmus, das tiefe Aufatmen nach jedem Schwung. Offensichtlich war sein Freund schon eine ganze Weile hier draußen, seine Kraft an dem alten Baumstumpf messend.

„Du hättest auch einfach schon das Holz für den Winter fertig hacken können.“, rief Erik schließlich mit einem Hauch Heiterkeit in der Stimme, während er gemächlich auf ihn zuging, „anstatt diesen armen Baumstumpf in Späne zu verwandeln.“, seine Worte schwebten für einen Moment in der kalten Nachtluft, bevor er eine Hand auf Leifs Schulter legte.

Die Hitze, die von Leifs Körper abstrahlte, traf Erik wie eine Welle und kondensierte in dampfenden Schwaden in der eisigen Kälte. „Aber ich nehme an, das hier ist weniger für den Winter und mehr für deinen Kopf, was?“, er sprach leise, fast einfühlsam, auch wenn das Schmunzeln auf seinen Lippen nicht ganz verschwand.
Neues Inplayzitat
Inplayzitat hinzufügen
Zitat
Folgendes Zitat wird als denkwürdiger Inplay-Moment eingetragen.
 
Commander of Wolves
Leif Stelhammer
Winterland - Admin
Alter 24
Beruf Kronprinz von Norsteading
Wohnort Wintergard, Norsteading
Stand Verheiratet
User Letha
#3
Von allen Menschen, die Leif zu so einer Stunde konfrontieren könnten, war Erik derjenige, mit dem er die wenigsten Probleme hatte. Kein Stelhammer- und Norrholm-Weibsbild wollte er jetzt sehen, geschweige denn sich mit der Frage auseinandersetzen, die sie ihm zwangsläufig stellen würden: Warum bist du hier draußen? So vertraulich sich die Bindung mit Aleena in den letzten Wochen anfühlte, so schuldig fühlte er sich dafür, dass er ihr nicht die Stütze sein konnte, die er gerne wäre, und ihr Gesicht erzählte genau die gleiche Geschichte. Sie wünschte sich den Zuspruch, den er ihr nicht geben konnte. Als hätte sie sich mehr erhofft, jetzt, wo sie seinen Erben erwartete und er sie auf Händen tragen müsste, lag das stille Leid in ihren Augen, während sie lächelnd seine Entschuldigung annahm, dass er sich auf den Krieg konzentrieren müsse. Wieder rauschte die Klinge der Axt durch die Luft und riss einen kleinen Span aus dem Baumstumpf. Einen Scheiß beanspruchten ihn die Kriegsvorbereitung so stark, dass er emotional nicht für sie da sein konnte. Es war alles nur eine Farce, die ihm ein Schlupfloch bot, sich nicht mit der Sorge auseinanderzusetzen, die ihn von innen heraus zerfraß, aber wem machte er sich was vor? Sich selbst doch wohl am meisten.
Reinka war das andere Weibsbild, das sich von seiner Scharade wenig beeindrucken ließ, weshalb er fast erleichtert ausatmete, als er Eriks Stimme hinter sich hörte. Für einen Moment hielt er inne und senkte die Äxte, während er sich endlich die Zeit nahm, seinen Atem zu regulieren und die kühle Luft auf seiner brennenden Haut wertzuschätzen. Ein heiseres, dunkles Lachen verließ seine trockene Kehle, kaum so laut, dass es gerade seinen Waffenbruder erreichte. “Und dir die Arbeit nehmen, damit du dir ne Wampe zulegen kannst?” Die Hand auf seiner Schulter sorgte nur dafür, dass er sich wieder in Bewegung setzte und zu seinem Bruder umdrehte. Und immer wieder führten sie ihre Wege an diese Mauer, hm?
Wie viel sie hier schon gelacht hatten. Wie oft die Burgdiener die Strohpuppen ersetzen mussten, weil die Resistenz von Stroh nicht mit der Stärke der Jungs wachsen konnte und sie sich bald Holz, Stein, Tier und andere Menschen zum Kräftemessen gesucht hatten. Blut und Schweiß hingen an dieser Mauer, die sie erklommen hatten, weil da dieser eine Vorsprung in zwei Meter Höhe war, den man nur mit Springen erreichen konnte. Leif war der Erste gewesen, der ihn erreicht hatte, mit einem fetten, triumphalen Grinsen im Gesicht; nur damit Erik zwei Wochen später der Erste war, der genug Stärke gesammelt hatte, um sich an dem Vorsprung hochzuziehen. Immer waren sie sich dicht auf den Fersen gewesen und waren aneinander gewachsen, in Größe, Können und Erfahrung. Jetzt, wo sie Frau und bald Kinder haben würden, und wo Leif seinem Bruder mit aufgeheiztem Atem ins Gesicht sah, waren sie sich ferner denn je.
Mit zusammengezogenen Augenbrauen schüttelte er den Kopf und drehte sich so, dass die Hand von seiner Schulter glitt. “Kriegsvorbereitungen”, antwortete er auf die Frage, die er von Erik ehrlich gesagt nicht erwartet hatte und ihn deswegen ziemlich unvorbereitet erwischte. Aber er wollte nicht darüber reden. Sie redeten nie über sowas. Ihre Beziehung war so rau wie der Winter und von vielen gemeinsamen Abenteuern geprägt; er musste mit Erik nicht über so unnötige, verwirrende Gefühle reden und das schätzte er an ihm. Es gab genug Komplikationen im Leben, aber sein Bruder war niemals eine Komplikation gewesen.
Etwas in Leifs Mimik verschloss sich vor Erik, genauso wie seine Haltung, während er den gemarterten Baumstumpf anstarrte. “Aber wenn du schonmal hier bist. Ich verpass lieber dir eine neue Frisur als dem Baumstumpf.” Damit drückte er Erik eine seiner Äxte in die Hand und positionierte sich parallel zur Mauer ihm gegenüber in der Erwartung, dass, wenn er schon hier runter gekommen war, ihm auch weiterhin Gesellschaft leisten würde; mit der Sprache, die sie beide wohl am besten verstanden.
Neues Inplayzitat
Inplayzitat hinzufügen
Zitat
Folgendes Zitat wird als denkwürdiger Inplay-Moment eingetragen.
 
Winterland
Erik Norrholm
Winterland
Alter 24
Beruf Prinz von Wolfsmark
Wohnort Wolfsmark
Stand Verheiratet
User Natsch
#4
Erik zuckte mit den Schultern, ein Ausdruck stiller Belustigung spielte um seine Lippen. „Tja, bin jetzt verheiratet und werde Vater.“, begann er mit einem Tonfall, der so nonchalant war, dass selbst die Götter hätten schmunzeln müssen. „Wofür den Körper noch stählern? Wird wohl Zeit, dass ich mich zur Ruhe setze, den ganzen Tag Bier trinke und mich den schönen Dingen des Lebens hingebe.“, in Wahrheit konnte Erik sich weder auf seinen Körper noch auf seine Gewohnheiten besonders viel einbilden. Aber er wusste genau, was es bedeutete, in Form zu bleiben. Nicht nur, um sich selbst vor dem Verfall zu bewahren, sondern auch, um für jene da zu sein, die ihn brauchten. Auch lag ihm der Gedanke fern, sich "zur Ruhe" zu setzen, wer sonst sollte Leif dann noch den Arsch retten, wenn er nicht mehr an seiner Seite kämpfte?

Eriks Hand rutschte von Leifs Schulter, als wäre sie ein toter Fisch. Ihre Freundschaft war nie auf tiefgründige Gespräche gebaut gewesen. Sie hatten sich immer auf das konzentriert, was einfach war: den Kampf, das Gelächter und das Jagen von Frauen, die meistens klüger waren als sie. Das machte die Sache leicht. Keine großen Erwartungen, keine komplizierten Gefühle. Nur die Kameradschaft zweier Männer, die sich aufeinander verlassen konnten, wenn es darauf ankam. Erik zuckte mit den Schultern, als hätte er soeben beschlossen, dass die Last der Welt ruhig jemand anderes erdrücken durfte. Leif hatte geantwortet, und das musste reichen. Wenn der Kerl weiter über Krieg oder irgendeinen anderen finsteren Quatsch nachgrübeln wollte, dann war das sein gutes Recht. Erik war schließlich kein Philosoph und auch kein Seelenklempner.
Er hatte es versucht – das war mehr, als man normalerweise von ihm erwarten konnte. Der Gedanke ließ ihn schmunzeln. Reinka würde zumindest seinen Versuch, ein Gespräch mit Leif zu führen, anerkennen. Vielleicht nicht mit Lobeshymnen, aber sicher mit gutmütiger Zufriedenheit. Und das war genug. Erik war schließlich ein Mann der Taten, kein Redner. Wenn die Welt Probleme hatte, dann löste man sie mit einem Schwert in der Hand und einem Krug Bier in der anderen – nicht mit langen Gesprächen über Gefühle. „Kriegsvorbereitungen lassen sich auch gut im Bett mit der Frau treffen… ich mein ja nur.“ Ein postkoitales, leicht dümmliches Grinsen zupfte an Eriks Mundwinkeln, während er nach der Axt griff und dem Gewicht in seiner Hand nachfühlte. „Würde deiner Ausdauer auch ganz gut tun – du weißt ja: Laufen ist gut, Kämpfen ist besser und Sex...“, Erik ließ den Satz mit einem breiten Grinsen unbeantwortet in der Luft hängen, während er mit der Axt eine lässige Drehung vollführte. "Wenn du aber lieber versuchen möchtest mich zu besiegen...", wieder zuckte Erik mit den Schultern, ehe er auf Leif losging. Dafür also verließ er das warme Bett. Das warme, einladende Bett. Mit seiner nackten, rolligen Frau drin. Super.
Neues Inplayzitat
Inplayzitat hinzufügen
Zitat
Folgendes Zitat wird als denkwürdiger Inplay-Moment eingetragen.
 
Commander of Wolves
Leif Stelhammer
Winterland - Admin
Alter 24
Beruf Kronprinz von Norsteading
Wohnort Wintergard, Norsteading
Stand Verheiratet
User Letha
#5
Andere hätten Erik widersprochen, wenn sie nicht einer Meinung mit ihm waren, und auch Leif konnte genug Beulen (auf beiden Seiten) ins Gedächtnis rufen, nur weil sie beide ständig unter Beweis stellen mussten, wer recht hatte. Und wenn sie ihre Köpfe gegeneinander stießen wie Bullen, dann war das so. Einen Konflikt löste man am besten direkt, bevor er sich festsetzte und eiterte; das war schon immer ihre Devise gewesen und es hatte nie eine Situation gegeben, wo Leif im Nachhinein bereut hatte, Erik die Stirn zu bieten. Oft ging er mit einem besseren Ergebnis und klareren Kopf zu Bett, denn - auch wenn er Eriks Dickschädel mit Abstand am öftesten in Frage stellte, so wie andersrum - schätzte er seine Meinung und ließ sich von ihr leiten. Aber es gab manche Dinge, die verstand sein Bruder nicht.
Deswegen schwieg Leif, obwohl er ihm genauso gut hätte erklären können, dass Aleena nicht die richtige Frau war, neben der er wichtige Entscheidungen treffen konnte. Sie verstand überhaupt nichts von Krieg, dass er sie ungern damit behelligte, und die Last, die er eigentlich auf dem Herzen trug… Sie war der Grund, warum er es heute nicht mehr länger neben seiner Frau ausgehalten hatte. Aber so, wie er Aleena von seinem Schatten fern hielt und sie mit Ausreden abspeiste, so wollte er auch seinen Waffenbruder nicht daran teilhaben lassen. Denn so wie er nicht verstand, dass das eigene Bett samt Frau nicht immer der Himmel auf Erden war, so würde er auch nicht verstehen, was Leif so rastlos aus dessen Wärme trieb.
Stattdessen versteinerte Leifs Miene, während er Eriks breites Grinsen mit einem unbeeindruckten Starren entgegnete. “...macht dich noch dümmer als du eh schon bist", beendete er den Satz des anderen. Idiot. “Hat meine Schwester dir so den Kopf verdreht, dass du nur noch mit deinem Schwanz denkst oder was.” Leider half der Schlagabtausch nicht wirklich dabei, die Bilder seiner Schwester zu verdrängen, wie sie in den Fellen auf Erik wartete. Schlau, Leif. Genervt rümpfte er die Nase und hob die Hand, bevor die grinsende Visage ihm gegenüber irgendwas erwidern konnte. “Wills gar nicht wissen.” Endlich wandte er sich ab und ging auf Abstand, um eine lockere Kampfhaltung einzunehmen; die Knie gebeugt, der Oberkörper leicht vorne, Axt- und Greifhand vor sich und den Blick - trotz Müdigkeit - fokussiert auf Erik gerichtet. Eine einzige Geste mit seiner Hand, das knappe ’Komm doch’, war der Anfang ihres Gesprächs, das nicht mehr mit Worten ausgetragen wurde.

Wenn einem Kampf jahrelange Erfahrung vorausging, fühlte es sich schon fast nicht mehr wie ein Kampf an. Leif hatte sich so an Eriks Haltung, seine Schläge und seine Bewegungen gewöhnt, dass er ihn kaum mehr als einzelner Gegner wahrnahm; mehr als die Verlängerung seines eigenen Geistes. Sein fleischgewordener Berg eines Schattens, der genau dann kraftvoll zuschlug, wenn er es auch getan hätte, genau dann auswich, wenn er es erwartete, und ihm genau dann ein angestrengtes Grunzen entlockte, wenn er die Anstrengung in Eriks Blick erkannte. Denn wenn sie kämpften, dann waren sie eins; ein Gedanke, ein Herz, ein führender Arm. Gegen Erik zu gewinnen, bedeutete, sich selbst auszutricksen, und zu verlieren bedeutete, von sich selbst ausgetrickst zu werden. Wäre heute doch nur ein anderer Tag, an dem sie genau darin die Herausforderung sahen.
Mit der Zeit verwischte Eriks Gestalt, die buschigen Augenbrauen wurden dunkler, die Schultern etwas schmaler, sein führender Arm sehniger. Zwei verschiedene Arten von Gewalten waren sie und doch erkannte Leif nur sich selbst wieder. Dass der Drang, immer stärker auf etwas einzuschlagen, langsam von seinen Muskeln Besitz ergriff und mehr Energie in seine Angriffe steckte, bemerkte er kaum. Gefühle waren schneller als Gedanken und fegten mit zerstörerischer Geschwindigkeit durch seinen Kopf, dass er selbst kaum registrierte, wie er Schlag um Schlag gegen seinen Bruder wandte und fast vollständig in die Offensive übergegangen war. Seine Rage explodierte, als sich beide Axtschneiden ineinander verkeilten und mit einer Wucht in den Baumstumpf donnerten, dass die Wurzeln unter ihnen fast vibrierten - oder es war Leifs Brüllen, das sich aus seiner Kehle freisetzte und gegen die Mauer prallte. Sofort riss er sich von dem Stiel los und glich den Schwung mit wenigen Schritten aus, während er Erik den Rücken kehrte. Seine Hände gruben sich in seine Haare, während der Schweiß kalt seinen Nacken hinunter lief. Tief atmete er die kalte Nachtluft ein, um seinen ausgelaugten Körper zu beruhigen, mehr, um dem Sturm in seinem Kopf Herr zu werden. Dabei wusste er selbst am besten, dass solche Stunden in der Nacht nicht dafür gemacht waren, die Kontrolle zu behalten.
Neues Inplayzitat
Inplayzitat hinzufügen
Zitat
Folgendes Zitat wird als denkwürdiger Inplay-Moment eingetragen.
 
Winterland
Erik Norrholm
Winterland
Alter 24
Beruf Prinz von Wolfsmark
Wohnort Wolfsmark
Stand Verheiratet
User Natsch
#6
Ein breites, feistes Grinsen legte sich auf die Lippen des Norrholm, als Leif das Gespräch um Eriks Liebesleben ungewollt vertiefte. Natürlich hätte er keinerlei Bedenken, seinen Waffenbruder daran teilhaben zu lassen—schließlich nahm er selbst das Leben mit einer unerschütterlichen Leichtigkeit. Leif schien, wie es aussah, kein eigenes Liebesleben mehr zu haben. Doch Erik konnte an der leicht gequälten Reaktion seines Bruders deutlich erkennen, dass dieser eigentlich kein Interesse daran hatte, Details über die Nächte seines Schwagers zu hören. Ein amüsiertes Glitzern trat in Eriks Augen, als er überlegte, ob es nicht besser wäre, alte Geschichten aufleben zu lassen—Geschichten, die vielleicht Leifs eigene Eskapaden in den Vordergrund rückten. Oder sollte Leif selbst diese alten Erinnerungen wieder hervorkramen? Erik schmunzelte leise. Vielleicht würde das die Stimmung etwas lockern und seinen Bruder aus der Reserve locken. Da hatte es doch Mal diesen einen Abend in der Taverne gegeben... also dieser eine von vielen. "Schon gut, schon gut. Vermutlich würde ich eh nur eins von meiner Frau drauf kriegen, wenn ich irgendetwas... ausplauder.", amüsierte sich der Norrholm und schüttelte den Kopf.

Was zunächst als harmloser Übungskampf begonnen hatte, verwandelte sich mit jedem Schlag, der folgte, in ein immer intensiveres Duell. Es war wohl Eriks Glück, dass er Leifs Kampfstil so gut kannte, dass der Brünette ihn nicht wirklich überraschen konnte. Doch je wilder und ungezügelter Leif wurde, desto mehr spürte Erik einen Anflug von Unbehagen. Die plötzliche Unberechenbarkeit seines Bruders brachte ihn aus dem Takt, und er merkte, wie eine unerwartete Irritation in ihm aufstieg. Es war nicht nur die Heftigkeit der Schläge, sondern auch die wilde Entschlossenheit, mit der Leif jetzt angriff, die ihn aus dem Gleichgewicht brachte.
Die Äxte schlugen mit einem gewaltigen Krachen in den Baumstumpf und blieben dort stehen, das Zittern der Klingen hallte durch die breiten Arme des Norrholm und ließ ihn für einen Moment innehalten. Schweiß perlte aus jeder Pore seines Körpers, das Gewicht des Kampfes und die Anstrengung des Augenblicks waren in jeder Faser seines Körpers spürbar. Eriks Griff blieb noch einen Moment fest um den Stiel seiner Axt, während Leif sich schon längst gelöst hatte. Die blauen Iriden des Prinzen verfolgten jede Bewegung seines Bruders, und eine Augenbraue zog sich leicht hoch. "Ich will ja nicht kleinlich... oder... überempfindlich, emotional oder was auch immer sein...", begann Erik, räusperte sich und streckte sich einmal um die angespannte Muskulatur zu lockern. "Aber... irgendetwas stimmt nicht Leif. Sicher, dass es an den Kriegsvorbereitungen liegt?", nie im Leben hätte der junge Prinz gedacht, das der Brünette so gestresst sein könnte von dem, was sie beide perfekt beherrschten.
Neues Inplayzitat
Inplayzitat hinzufügen
Zitat
Folgendes Zitat wird als denkwürdiger Inplay-Moment eingetragen.
 
Commander of Wolves
Leif Stelhammer
Winterland - Admin
Alter 24
Beruf Kronprinz von Norsteading
Wohnort Wintergard, Norsteading
Stand Verheiratet
User Letha
#7
Was für ein Armutszeugnis — Leif Stelhammer, der große Krieger und Stoff, aus dem Legenden gewebt wurden, verlor gegen sich selbst. Denn obwohl er Erik zum Kämpfen genötigt hatte, war nicht er es, gegen den er kämpfte; höchstens eine Farce, die das Trugbild eines gesunden Verstandes aufrecht hielt. Wofür war kämpfen überhaupt gut? Leif verlor doch sowieso. Scheiße, er versuchte alles, um sich abzulenken, alles, um der Rastlosigkeit Einhalt zu gebieten oder sie zumindest in eine Bahn zu lenken, alles, um sich nicht so verdammt hilflos und völlig überfordert zu fühlen. Doch hier stand er, genau das Gegenteil bewirkend. Sein Atem ging schnell, aber seine Gedanken rasten schneller — Bilder von der potentiellen Zukunft seiner Tochter, eins grausamer als das andere. Sein Blut kochte, aber die Wut kochte stärker — weil ihm, dem Kronprinzen des Landes, die Hände gebunden waren. Genauso gut konnte er Eriks Vorschlag nachkommen und Holz für den Winter hacken. Was machte er eigentlich hier?
Frustriert trat er gegen eine Wurzel und hob damit gleich ein wenig Gras aus, so viel unkontrollierte Kraft steckte dahinter. Helfen tat es trotzdem nicht, so wie die ganze Nacht schon nicht dabei geholfen hatte, seine mentale Gesundheit zu fördern. Dass Erik immer noch da war und den ganzen Ausbruch mitbekam, schürte nur die Glut in ihm, auch wenn sie nicht gegen seinen Waffenbruder gerichtet war. Jetzt versuchte er es auch noch mit Gefühlsduseleien; Leif hatte wirklich keinen einzigen Geduldsfaden mehr für solche Gespräche übrig. „Nein“, knurrte er daher, ein Grollen tief aus der Kehle, und wieder war es nicht an Erik direkt gerichtet. Aber er war nunmal der Einzige, der da war, und der Einzige, der Leifs Laune deswegen aushalten musste. „Es liegt nicht an den Kriegsvorbereitungen. Zufrieden??“ Wilde Augen fixierten den Krieger über die Schulter und schienen ihn regelrecht niederzustarren wie ein Tier, das sein Territorium markierte. Und wieder; was machte er eigentlich hier?
Sanna und Valda waren da draußen und kämpften vielleicht um ihr Überleben, und er hatte nichts Besseres zutun, als seinen Schwager oder den Baumstumpf zu Kleinholz zu verarbeiten. Zu Heofaders Arsch mit den Vorsätzen, er merke sich seine Sorge nicht an, die ihn seit Tagen schon von innen heraus auffraß. Die letzten Stunden hatte er versucht, dem Drang entgegen zu wirken, sich nach ihnen auf die Suche zu machen, auch wenn er wusste, dass er eventuell beobachtet wurde, dass die Idee mehr als dumm war, und wofür? Damit er hier langsam seinen Verstand verlieren konnte? Damit Erik Zeuge von seiner dunkelsten Seite wurde? Nicht mehr. Der Mond stand zu hoch, um Entscheidungen zu hinterfragen; Leif würde sich nicht länger vormachen, er könne sich selbst unter Kontrolle halten, wenn jeder einzige Gedanke sich um Valda drehte und warum er nicht Mann genug war, selbst nach ihr zu suchen.
„Geh ins Bett, Bruder“, waren die letzten Worte, die Leif an seinen Schwager richtete, ehe er nach dem Wams und seinem Umhang griff, um sie sich auf dem Weg zu den Stallungen überzuziehen. Die Axt ließ er stecken — vielleicht würde sie ihn morgen daran erinnern, was für Dummheiten er in der Nacht begangen hatte, als er nicht mehr hatte leugnen können, ein besorgter Vater zu sein.
Neues Inplayzitat
Inplayzitat hinzufügen
Zitat
Folgendes Zitat wird als denkwürdiger Inplay-Moment eingetragen.
 
Winterland
Erik Norrholm
Winterland
Alter 24
Beruf Prinz von Wolfsmark
Wohnort Wolfsmark
Stand Verheiratet
User Natsch
#8
Erik war geneigt, sich genauso abservieren zu lassen, wie Leif es in diesem Moment vorhatte. Sollte er doch. Solche Dramen, dieses kindische Waschweib-Getue – es lag ihm nicht. Es war anstrengend, führte zu nichts, und vor allem musste er sich nicht anzicken lassen, als wäre er dazu verdammt, die Launen seines Schwagers ebenso zu ertragen wie die seiner eigenen Frau.
In Momenten wie diesen sehnte er sich nach der Stille der Einöden, nach jener Zeit, in der es nur ums nackte Überleben ging. Kein Streit, keine Verpflichtungen, keine Familie, die an ihm zog, kein Krieg, der ihn vereinnahmte. Nur die Kälte, die Wildnis und das Wissen, dass jede Entscheidung einzig und allein auf ihm selbst lastete. So war es kein Wunder, dass er sich bei Zeiten auf sein altes Pferd schwang und in den Wald ritt – dorthin, wo die Welt noch einfach war. Wo er niemandem etwas schuldete. Wo der einzige Herzschlag, auf den er sich verlassen musste, sein eigener war.

Erik schnaubte abfällig, ein Ausdruck purer Ungeduld und latenter Gereiztheit. "Pass mal auf." Seine Stimme war ruhig – zu ruhig. Doch in dieser scheinbaren Gelassenheit lauerte etwas anderes, etwas Dunkleres. Eine Warnung. Eine unterschwellige Drohung, die sich wie ein Messer zwischen die Worte schob, scharf und unmissverständlich. Es war ihm in diesem Moment scheiß egal, dass Leif der Kronprinz war. Sein Blick ruhte auf Leif während jener seine Sachen zusammenkramte, kühl und nachdenklich, als würde er abwägen, ob es sich lohnte, diese Auseinandersetzung weiterzuführen – oder ob es besser wäre, das Gespräch hier und jetzt zu beenden.

"Du weißt, dass ich dir bis jetzt überallhin gefolgt bin." Seine Stimme war ruhig, doch in ihr lag eine Härte, die nicht zu überhören war. "Ich habe deine Entscheidungen nie hinterfragt. Nie an dir gezweifelt." Sein Blick verengte sich, als Leif sich abrupt abwandte, den Rücken zu ihm kehrte und sich zu den Stallungen aufmachte – ein stilles Zeichen, dass er sich diesem Gespräch entziehen wollte. Erik spürte, wie sich Wut und Enttäuschung in seiner Brust verhakten. "Aber offensichtlich vertraust du mir nicht." Kein Bedauern schwang in seiner Stimme mit, nur eine kühle Feststellung. "Oder nicht genug. Sonst würdest du mit mir sprechen." Erik zuckte mit den Schultern, als wäre es letztlich bedeutungslos. Vielleicht war es das auch. Leif war in manchen Dingen ein sturer Esel – nicht viel anders als Reinka. Beide hielten an ihrem Stolz fest, als wäre er manchmal das Einzige, was sie aufrecht hielt. Seine Augen ruhten noch einen Moment auf Leifs Rücken, dann ließ er den Blick abschweifen. "Verlange nicht von mir, dir zu vertrauen – weder auf dem Schlachtfeld noch sonst wo –, wenn du mir offensichtlich nicht vertraust." Seine Stimme blieb ruhig, doch in ihr lag eine Schärfe, die sich nicht überhören ließ. Es war keine Bitte, keine Frage. Es war eine Tatsache, so unverrückbar wie die Kälte ihrer Heimat. Erik hielt inne, ließ die Worte in der Luft hängen, beobachtete, ob sie ihr Ziel fanden.
Neues Inplayzitat
Inplayzitat hinzufügen
Zitat
Folgendes Zitat wird als denkwürdiger Inplay-Moment eingetragen.
 
Commander of Wolves
Leif Stelhammer
Winterland - Admin
Alter 24
Beruf Kronprinz von Norsteading
Wohnort Wintergard, Norsteading
Stand Verheiratet
User Letha
#9
Es gab nichts, was Erik jetzt noch hätte tun können, um seinen Freund zum Bleiben zu überreden; zumindest nichts, was keine Handgreiflichkeiten voraussetzte. Wenn sich Leif einmal etwas in den Kopf setzte — und das tat er mit seiner Entscheidung, Erik hier draußen stehen zu lassen —, dann zog er das auch durch. Auch wenn er die Enttäuschung aus der Stimme des anderen hörte. Auch wenn er genau wusste, dass er es dabei nicht belassen würde. Auch wenn er selbst genau das Gleiche getan oder noch penetranter gewesen wäre.
Dabei leugnete er nicht, dass die Worte einen bitteren Beigeschmack hinterließen. Was sie beide miteinander verband, waren nicht nur die vielen gemeinsamen Erinnerungen, das gemeinsame Training oder die Zeit in der Einöde. Es war das Produkt aus all dem und vielleicht war es auch schon immer da gewesen: Tiefe, unerschütterliche Loyalität, die keine Worte brauchte, um gehört, verstanden und erwidert zu werden. Nicht umsonst suchte Leif die Gesellschaft von Erik, wenn er das Gefühl hatte, seine Welt enge ihn ein. Immer wieder hatte er das Bedürfnis, mit Erik zu lachen, weil er wusste, er verurteilte ihn nicht. Seine Unbeschwertheit war ansteckend, wenn hin und wieder auch nervenaufreibend, und die Ehrlichkeit, die hinter seinen Worten steckte, musste manchmal einfach von den richtigen Ohren gehört werden. Leif hatte ihm die gleiche Loyalität immer bedingungslos zurückgegeben und auch wenn er schwieg, auch wenn er die Worte unbeantwortet ließ, stand das deutliche Versprechen zwischen ihnen, dass auch er nie an seinem Bruder zweifelte. Dass auch er ihm überall hin folgte, als bestimme die Einöde noch immer ihrer beider Leben.
Deswegen war der Stich auch so scharf, welcher Leif schließlich dazu bewegte, stehen zu bleiben. Dumpf drängte es ihn noch zu seinem Pferd, doch ebbte es ab zu einem dumpfen, stetigen Pochen in seinem Hinterkopf, während er das Gesagte verarbeitete. Es fühlte sich an wie ein Schlag ins Gesicht, dass Leifs Kieferknochen malmten. „Was glaubst du, warum ich dir nicht vertraue“, fragte er hypothetisch, ohne eine Antwort zu erwarten. Erik wollte Ehrlichkeit? Bitte, dann sollte er sie jetzt schlucken. „Wenn du dich so volllaufen lässt, dass du jedem Dahergelaufenen erzählst, mit welchem Mädchen ich im Heu geschlafen habe.“ Mittlerweile war es kein Geheimnis mehr, dass Leif seine Jungfräulichkeit an eine Kriegerin in ähnlichem Alter verloren hatte, auch, dass es nicht unbedingt zu seinen besten Erfahrungen zählte, und mittlerweile konnte er auch über die Geschichte lachen. Aber damals hatte er es Erik im Vertrauen erzählt, bevor er verstanden hatte, dass man Geheimnisse und Met besser nicht mit Erik verband. Auch jetzt lachte Leif nicht, als er sich umdrehte und endlich den Blick seines Waffenbruders erwiderte; fest und wild, mit einem Stich von Verletztheit. „Wenn du einen Fremden als Freund akzeptierst und aus jeder Fliege einen Bären machst, nur damit man dir für deine Geschichte an den Lippen hängt. Glaubst du, ich weiß das nicht??“ Im Vergleich zu Erik war Leifs Stimme ungehaltener, roher und durchdrängt von vielen Gefühlen, aber seit er stehen geblieben war, hatte sein Unterton eine andere Nuance angenommen.
Verletztheit.
Vielleicht mochte er es nicht zugeben, aber Leif traf diese Absprache von Loyalität. Es war ein grundlegendes Fundament ihrer Brüderlichkeit und er konnte diesen Bruch nicht auf sich sitzen lassen, musste dagegen argumentieren und Erik von seinem Standpunkt überzeugen — auch wenn er ihm dafür den Kopf einschlagen musste. „Wenn du deinen verdammten Mund einfach mal halten könntest, dann hätte ich dir schon längst davon erzählt. Aber ja, ich kann dir nicht vertrauen“ , streckte er seine Arme aus, fast provokativ in der Geste Das ist die Wahrheit, was willst du mehr von mir? Mein Leben vertraue ich dir jederzeit an und das habe ich schon immer getan. Aber ich kann nichts mit dir teilen, was das Leben anderer gefährdet. Überleg dir das mal. Lass es dir durch deinen hohlen Kopf gehen.“
Neues Inplayzitat
Inplayzitat hinzufügen
Zitat
Folgendes Zitat wird als denkwürdiger Inplay-Moment eingetragen.
 
Winterland
Erik Norrholm
Winterland
Alter 24
Beruf Prinz von Wolfsmark
Wohnort Wolfsmark
Stand Verheiratet
User Natsch
#10
Eriks Miene verhärtete sich, als die anfängliche Fassungslosigkeit einer kalten Entschlossenheit wich. Ein leises Schnauben entkam ihm, halb spöttisch, halb belustigt über die Absurdität der Situation. "Das ist es also?!, murmelte er, mehr zu sich selbst als zu Leif. Sein Blick wurde schärfer, dunkler. "Glaubst du wirklich, dass es irgendjemanden länger als drei Minuten kümmert, wer mit wem das Lager teilt und wie dumm er sich dabei angestellt hat?" Er lachte leise, ein raues, abgehacktes Geräusch. Dann machte er jedoch eine wegwerfende Handbewegung. Über ihn selbst kursierten genug Geschichten in den Tavernen, manche wahr, manche erlogen – aber er hatte nie viel Wert darauf gelegt. Vielleicht war er einfach nicht so empfindlich. "Wenn es dich so sehr gestört hat, hättest du es damals einfach sagen sollen, anstatt es jahrelang mit dir herumzuschleppen und mir jetzt, mitten in der Nacht, als billigen Vorwurf an den Kopf zu werfen. Ich war mir noch nie zu fein für eine Entschuldigung - und man lernt letztlich nur aus Fehlern, wenn man sie gesagt bekommt - ist wie mit Hunden.", fuhr Erik fort, selbstironisch zugleich jedoch auch mit einer kalten Präzision, die ihm selbst fast unangenehm war, doch er fühlte sich nicht im Unrecht. Es war eine seltsame, fast spürbare Genugtuung, dass er die Kontrolle bewahrte, während der Kronprinz, seine Stimme erheben musste um seinen Standpunkt klar zu machen. Es war das Muster, das sich immer wieder wiederholte – Leif und seine Ausbrüche, und Erik, der mit einer fast stoischen Ruhe konterte.
Er hatte längst akzeptiert, dass Leif eine Meinung über ihn hatte, ebenso wie viele andere auch. Doch er war es müde, sich darum zu kümmern. Erik hatte keine Ambitionen, diese Meinung zu ändern.

"Aber ja, ich kann dir nicht vertrauen"

Mehr musste Erik nicht wissen. Wortlos ging er zurück zu dem Baumstumpf, ergriff eine der verkeilten Äxte und zog sie mit einem leisen schnarrenden aus dem Holz. Das Geräusch schnitt scharf durch die Stille der Nacht. Mit einem kurzen Blick auf Leif drehte er die Waffe in seiner Hand, als wäre sie mehr ein Werkzeug als ein Mittel der Gewalt. "Und damit stehst du allein da, Leif", sagte Erik, seine Stimme ruhig und fest, als der Brünette ihm versicherte, dass er ihm sein Leben anvertrauen würde – nach wie vor. Erik schulterte die Axt, setzte einen Schritt nach dem anderen und ließ den Moment wie einen Schatten hinter sich zurück. "So kann ich dir mein Leben nicht mehr anvertrauen." Wieder zuckte Erik mit den Schultern, drehte sich dann abrupt, holte Schwung und schleuderte die Axt mit einem fließenden, kraftvollen Wurf in einen der umliegenden Bäume. Mit einem scharfen Zischen bohrte sich die Klinge tief ins Holz, und für einen Moment hallte das Geräusch der aufschlagenden Axt in der kühlen Nachtluft nach.

"Also geh, tu was du tun musst – oder tu es nicht. Mir egal." Eriks Blick ruhte für einen Moment auf der Axt, die nun im Baum steckte, dann glitt er zu Leif. In seinen Augen lag ein Ausdruck, der weniger Fragen stellte und mehr Klarheit vermittelte – die Sache war für ihn entschieden. Und damit löste er sich, schlug den Weg zurück zur Burg ein. Er hatte den Entschluss gefasst, keine langen Erklärungen abzugeben. Er würde einem Bediensteten sagen, dass er seiner Frau ausrichten sollte – falls sie morgen früh bereits wach war – dass er ein oder zwei Tage auf der Jagd sein würde. Nichts Ungewöhnliches, nichts, das Fragen aufwarf. Er hatte ihr schließlich ein Wildschwein versprochen und das würde er ihr jetzt besorgen.
Neues Inplayzitat
Inplayzitat hinzufügen
Zitat
Folgendes Zitat wird als denkwürdiger Inplay-Moment eingetragen.
 


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: