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Way down we go
08.10.1016 - 10:45
Kenmara Festung und Stallungen
Cathal Fraser Moira Fraser

Herbstland
Cathal Fraser
Herbstland
Alter 25
Beruf Prinz von Kenmara
Wohnort Kenmara
Stand Verlobt
User Natsch
#1
In den vergangenen Wochen hatte sich Cathal einiges schön geredet – vieles, um sich selbst zu beruhigen. Das Verhalten seiner Stiefmutter, die Entscheidung ihn in der Thronreihenfolge zu übergehen. Nur die bevorstehende Ehe gehörte nicht dazu. Die Frau, die man für ihn ausgesucht hatte, kannte er kaum. Und ehrlich gesagt, hatte er sich nie wirklich für die Idee einer Ehe interessiert. Es war ein Bündnis, eine Pflicht, ein weiterer Schritt auf dem vorgezeichneten Weg – nicht mehr.
Aus politischer Sicht verstand er die Entscheidung seines Vaters kaum. Wahrscheinlicher hätte eine Verbindung zu einem ausländischen Haus mehr Gewicht gehabt – sie hätte den Horizont erweitert, neue Allianzen geschaffen und Türen geöffnet, die eine Ehe innerhalb der eigenen Landesgrenzen womöglich verschlossen halten würde. Doch zugleich barg sie das Risiko, in die Verstrickungen der großen, weiten Welt gezogen zu werden – ein Schicksal, dem sich die Herbstländer gerne entzogen.
So war die Wahl also auf diese Muírin gefallen, und Cathal konnte nur vermuten, welche Überlegungen seinen Vater dazu bewogen hatten. Vielleicht wollte er ihn auf eine Art herausfordern, die Cathal bisher nicht ganz verstand. Oder Cillian hatte sich einfach gar nichts dabei gedacht. Was es auch war, der 25-Jährige hatte sein Schicksal mit Wut im Bauch angenommen und die vergangenen Abende in seinem Gemach verbracht. Niamh war kaum zu ertragen; ihre Aufregung wegen der bevorstehenden Hochzeit und der Aussicht, bald vielleicht eine neue Freundin hier am Hof zu haben, ließ sie himmelhoch jauchzen. Und Moira? Die liebte er zu sehr, um sie seiner Wut auszusetzen.
Doch so sehr er sich auch abkapselte, wusste er tief im Inneren, dass er ihr nicht ewig aus dem Weg gehen konnte. Sonst würde er wohl tatsächlich daran wahnsinnig werden. Morgen würde seine zukünftige Gemahlin anreisen, und bevor dieser Moment kam, musste er noch einmal mit seiner Schwester sprechen.

Die Schritte, die seinen Weg durch das Gemäuer seiner Heimat führten, waren zielstrebig. Er kannte jeden Stein, jede leichte Erhebung im Boden und bewegte sich mit einer Selbstverständlichkeit, die kaum verriet, dass er nichts sehen konnte. Hier, in dieser vertrauten Umgebung, war es leicht, ein normales Leben zu führen. Doch draußen sah die Welt anders aus — und vielleicht war genau das der Grund für all die Entscheidungen, die über seinen Kopf hinweg für ihn getroffen worden waren. Dabei waren Herausforderungen ihm nie ein Grund gewesen, zurückzuweichen.

Cathal seufzte leise, dann verließ er die Mauern seines Hauses und ging mit festem Schritt zu den Stallungen. Er vermutete, dass Moira dort sein würde, und glaubte, sich selbst nun lang genug gestraft zu haben, indem er ihr aus dem Weg gegangen war.
Die schwache Sonne schimmerte durch graue Wolken, während vereinzelte Regentropfen sanft auf sein Gesicht fielen. Der vertraute Duft der Stallungen stieg ihm in die Nase, begleitet vom ruhigen Schnauben der Pferde und dem leisen Klopfen ihrer Hufe auf dem Boden. "Moira?" Seine Stimme hallte ruhig durch das Gebäude, und wieder spürte er diesen leisen Missmut in sich aufsteigen. Sie konnte keine vier Meter von ihm entfernt stehen, und doch bemerkte er sie nicht – nicht ohne ein Zeichen von ihr.
Sie hatte es nie ausgenutzt, war immer da gewesen. Doch manchmal, ganz tief in sich, bedauerte er, dass er als Kind nie die Möglichkeit gehabt hatte, sich heimlich an sie heranzuschleichen – so wie andere Geschwister es taten.
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Moira Fraser
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#2
Die Stallungen rochen nach Heu, Leder und Regen. Vertraut. Nach Zuflucht. Moiras Hände glitten über das seidig schimmernde Fell von Saille, das schiefergraue Licht, das durch das geöffnete Tor fiel, malte bleiche Streifen auf den Rücken der Stute. Sie war allein mit dem Tier, das Schnaufen beruhigend, der gleichmäßige Rhythmus ihrer Bewegungen beinahe meditativ. Sie hatte sie gestriegelt, bis ihre Arme schmerzten. Und doch kam sie nicht zur Ruhe.

Schon morgen würde sie ankommen – die Verlobte ihres Bruders. Ihre zukünftige Schwägerin. Die Frau, die von nun an seinen Alltag teilen würde. Seine Abende. Seine Gedanken. Seine Zukunft. Moira schluckte trocken. Muírin, so hieß sie. Ein schöner Name, das musste sie zugeben. Er klang weich. Klug. Aber auch unberechenbar. Und Moira mochte keine unberechenbaren Dinge. Diese neigten dazu, sie hinterrücks zu überfallen.

Moira hatte sie nie gesehen, wusste kaum mehr als ihren Namen, den Titel, das Herkunftshaus – vielleicht den ein oder anderen Tratsch – und doch spürte sie bereits, wie sich ein Schatten zwischen sie und ihren Bruder schob. Es wird Zeit, hatte ihr Vater gesagt. Dass er eine Frau brauchte. Einen Erben. Eine Verbindung, die Bestand hat. Und Moira ahnte: sie würde die Nächste sein, eher früher als später. Also gewöhnte sie sich besser schon mal an den Gedanken.

Aber wie gewöhnte man sich an den Gedanken, seinen Bruder zu verlieren? Nicht an Tod, nicht an Entfremdung. Aber an dieses langsame Auseinanderdriften, das unvermeidlich war, wenn andere Herzen, andere Wünsche, andere Bindungen Raum einnahmen. Moira drückte die Stirn sanft gegen die warme Flanke der Stute. Das Tier verstand nichts von alledem. Zum Glück. Das Pferd schnaubte, rührte sich nicht. Es war ein gutes Tier. Unkompliziert. Treu. Berechenbar.

Ganz anders als das Leben, das vor ihr lag.  Cathal hatte sie nicht einmal großartig eingeweiht in die Pläne ihres Vaters. Hatte sie nicht gebeten, Erkundigungen über seine künftige Gemahlin einzuholen. Hatte sie nicht gefragt, was sie von dem Ganzen hielt. Vielleicht, weil er die Antwort kannte. Vermutlich, weil er sich selbst nicht sicher war. Stattdessen war er einfach verschwunden. Hatte sie mit Niamhs überbordenden Geplapper, mit den neugierigen Blicken der Höflinge und dem Getuschel der Dienerschaft allein gelassen. Sie hatte geschwiegen. Natürlich hatte sie geschwiegen. Sie war gut im Schweigen, und würde Cathal niemals in den Rücken fallen.

Als sie seine Schritte vernahm, hielt sie kurz inne. Da war dieses kaum hörbare, fast schon ärgerliche Geräusch – wie jemand, der eine Entscheidung zu spät trifft und sich dessen bewusst ist. Und Moira war sich sicher: Ihr Bruder wusste, dass er zu lange gewartet hatte. Und sie wusste, dass diese Erkenntnis leider nichts mehr änderte.

’Moira?’

Seine Stimme war ruhig, sanft. Warm. Und sie spürte, wie es ihr kurz die Kehle zuschnürte. Er klang wie immer.  Nur dass ‘wie immer’ morgen vorbei sein würde.

„Hier.“ Mehr nicht. Sie wandte den Kopf nicht, sprach leise, beinahe beiläufig – gerade laut genug, damit er sie hören konnte. Es war kein Zorn in ihrer Stimme, aber auch kein Willkommen. Nur die Feststellung ihrer Anwesenheit. Sie wollte, dass er spürte, dass sie es gemerkt hatte – seine Abwesenheit. Seinen Rückzug. Seine Stille. Und dass sie ihn verstanden hatte. Weil sie ihn liebte. Und weil es ihr dennoch wehgetan hatte. Ihre Finger ruhten noch immer auf dem warmen Fell der Stute. Saile wirkte friedlich, und Moira wirkte es auch. Aber innerlich war da ein Riss. Ein leiser, feiner Riss, wie der erste Sprung in einer Fensterscheibe. Ob sie Muírin mochte, wusste sie nicht. Ob sie es überhaupt wollte, wusste sie noch weniger. Sie hoffte nur inständig, dass diese Frau ihrem geliebten Bruder  gut tun würde. Und gleichzeitig, dass sie es nicht tat, weil sie dann vielleicht doch noch gebraucht wurde.
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Herbstland
Cathal Fraser
Herbstland
Alter 25
Beruf Prinz von Kenmara
Wohnort Kenmara
Stand Verlobt
User Natsch
#3
Ihre Antwort war leise – doch die Nuance in ihrer Stimme sagte alles, ohne dass sie es weiter ausführen musste. Cathal verharrte einen Moment im Eingangstor des Stalls, beinahe unschlüssig, ob er ihn nun betreten sollte oder nicht. Er hatte sie vor den Kopf gestoßen, sie aus seinen Gedanken verbannt und sich in den trüben Sumpf seines eigenen Egoismus sinken lassen – im festen Glauben, dass seine Situation ohnehin niemand wirklich verstehen konnte. Und dabei hatte er ihr etwas genommen – etwas, das sie immer miteinander verbunden hatte. Ihre Nähe, ihre Vertrautheit, ihr stilles Einverständnis – das alles hätte stärker sein sollen als ein Heiratsversprechen von irgendeinem fremden Fürsten. Doch inmitten all seiner Wut und seinem Trotz hatte Cathal etwas Entscheidendes erkannt: Ihre Leben waren untrennbar miteinander verwoben. Sie waren – auf eine Weise, die kaum jemand verstand – voneinander abhängig. Und sollte einer von ihnen verschwinden, würden sie beide zerbrechen. Und er wusste, dass sie verschwinden würde – wenn ihr Vater erst auf die Idee kam, dass es auch für Moira an der Zeit war, zu heiraten. Dann wäre sie fort. Fort aus seinem Alltag, fort aus seinem Leben. Nicht gestorben, nein – aber auf eine Weise verloren, die sich schlimmer anfühlen konnte.

Cathal löste sich aus seiner Starre und setzte sich langsam wieder in Bewegung. Seine Finger glitten über das raue Holz der Boxenwände, ertasteten Risse und Kerben, alte Spuren aus Tagen, die längst vergangen waren. Der kalte Stahl der Eisenscharniere fühlte sich vertraut an, der Siegelring an seiner Hand kratzte mit einem leisen, metallischen Ton über das Holz – ein Geräusch, das seltsam laut wirkte in der dumpfen Stille. Das Stroh unter seinen Schritten raschelte trocken, fast spröde, und wirbelte feinen Staub auf, der im schrägen Licht tanzte. Die Luft war schwer – durchtränkt von dem leichten Geruch frischen Heus und Tier. Doch in all dem lag etwas Beruhigendes. Etwas, das nach Zuhause roch. Und nach Moira.

Vor der Boxentür von Saille hielt Cathal inne. Seine Finger umschlossen das raue Holz der niedrigen Wand, drückten sich leicht hinein, als könnte er sich über den Griff festhalten an dem, was ihn innerlich längst ins Wanken brachte. Er hob den Kopf, sein Gesicht suchte die Richtung, in der er Moira vermutete – als könne er ihre Anwesenheit spüren, selbst ohne sie zu sehen. Hinter der Wand schnaubte Saille leise, ein dumpfes, warmes Geräusch, das den Staub in der Luft erzittern ließ. Ein vertrautes Gewicht legte sich auf seine Brust.

Reue.

Sie kam oft, wenn er Moira von sich stieß, weil er sich wieder einmal in sich selbst verlor. Sie war sein Anker gewesen, so lange er denken konnte, doch je mehr er in den Strudel seiner eigenen Gedanken geriet, desto häufiger schnitt er auch das Tau durch, das sie verband. Und jedes Mal, wenn er aufblickte, war da die Angst, dass sie es irgendwann nicht mehr zusammenknotete. "Es tut mir leid." Seine Stimme war kaum mehr als ein Hauch, brüchig am Rand, als hätte sie den Mut auf halber Strecke verloren. Cathal streckte die Hand aus, hinein in das Halbdunkel des Stalls, ohne genau zu wissen, ob er sie ihr oder der Erinnerung reichte. "Ich war egoistisch…", fügte er leise hinzu, und spürte im nächsten Moment die weichen Nüstern von Saille an seinen Fingern – suchend, fordernd, ganz gegenwärtig. Ein kurzer Laut entkam ihm, etwas zwischen Lächeln und Seufzen. Natürlich war es das Pferd, das zuerst reagierte. ".. und das schon zu oft." Diese Seite von Cathal bekam sonst niemand zu sehen. Nicht sein Vater. Nicht einmal seine Mutter, solange sie noch gelebt hatte. Es war kein Teil von ihm, den er teilen wollte – geschweige denn konnte.
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Moira Fraser
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#4
Der Klang des Siegelrings, der bei jedem seiner Schritte über das Holz der Stallungen schabte, war leise, aber unüberhörbar. Ein vertrautes Geräusch, das Moira längst kannte, doch heute klang es anders. Härter und doch zögerlicher. Wie ein Mensch, der sich selbst nicht sicher war, ob er noch willkommen war. Ihre Finger ruhten noch immer auf dem Hals der Stute, während Cathal näherkam. Jeder seiner Schritte war sicher, geführt von der unerschütterlichen Gewissheit, die er hier auf Kenmara besaß. Er brauchte keine Augen, um seinen Weg zu finden. Nicht in diesen Mauern. Nicht zu ihr.

Saille hob langsam den Kopf, spitzte die Ohren und schnaubte leise. Moira beobachtete sie, wie sie sich dem Mann näherte, der ihr so vertraut war wie ihr selbst. Ihre weichen Nüstern streiften seine Handfläche, als hätte sie nur auf ihn gewartet. Sanft, ruhig, fast zärtlich. Der Moment war schlicht – und dennoch schien er größer zu sein als die Enge der Box.

Moira sah zu ihrem Bruder. Zu dem Mann, der ihre Welt mit einem Schritt verlassen konnte, ohne Mühe, ohne es zu wollen. Sie schwieg, als er sich entschuldigte. Ließ seine Worte zwischen ihnen hängen wie den Nebel, der so oft über ihren geliebten Klippen lag – schwer, feucht, unausweichlich. Er sagte nicht viel, doch sie hörte alles. Es war keine gewöhnliche Bitte um Verzeihung, es war ein Eingeständnis. Vielleicht sogar eine gewisse Angst. Und sie verstand sie.

Als Saille sich nach einer Weile wieder abwandte, ein letztes Mal mit dem Schweif schlug und sich der Heuraufe widmete, trat Moira einen Schritt vor. Leise, bedächtig. Ihre Finger griffen nach der ausgestreckten Hand ihres Bruders, legten sich in seine offene, warme Handfläche, und führten sie behutsam an ihre Wange. Ihre Augen schlossen sich kurz, ihr Atem ging langsam – als würde dieser kleine, schlichte Kontakt alles wieder zurechtrücken, was zwischen ihnen verrutscht war. Ein Hauch von Wärme lag in ihrer Miene, ein Lächeln, das kaum zu sehen, aber deutlich zu spüren war. Versöhnlich. Liebend. Bedingungslos.

„Ich weiß“, sagte sie leise. Es war genug. Genug, um ihm zu zeigen, dass sie ihm nicht zürnte. Dass sie verstand, und immer verstehen würde. Sie ließ seine Hand wieder sinken, löste sich aus der Box, ihre Schritte weich wie ihr Tonfall, als sie neben ihm zum Stehen kam. Ihr Blick glitt kurz zu ihm – zu dem stummen Profil, das wie ein Schattenriss im Halblicht stand. Cathal war nicht mehr der Junge, den sie einst zur warmen Quelle geführt hatte, weil er das leise Plätschern nicht finden konnte. Aber es war immer noch ihr Bruder.

Sie lehnte sich bewusst gelassen gegen die Kante des Holzverschlags, die Arme locker verschränkt, als wäre sie zufällig dort, doch ihre Nähe war ein stilles Zeichen. Eine Einladung. Ihre Stimme klang nun ruhiger, fester. „Sie wird morgen ankommen.“ Es war keine Frage. Es war ein Fakt, wie das Flüstern des Windes durch das Gebälk oder der Geruch nach Pferd und Heu. Doch in ihrer Stimme lag etwas, das mehr wollte. Etwas, das fragte, ohne zu fordern. Ohne zu bedrängen. „Ich frage mich nur, ist es auch das, was du willst. Oder ob du lediglich tust, was von dir erwartet wird.“ Ihre Worte waren weich. Sanft wie ein Windstoß über hohes Gras. Aber sie schnitten. Nicht, weil sie vorwurfsvoll waren – sondern weil sie ehrlich waren.

Sie ließ den Blick nicht von ihm. Er konnte nicht sehen, wie sie ihn musterte, aber er würde es spüren. Die Art, wie sie da war. Still. Wartend. Sie wollte wissen, ob er ihr noch vertraute, ob er ihr sagte, was in ihm vorging. Bevor andere es taten. Bevor sie ihn an jemanden verlor, der vielleicht gar nicht verstand, was für ein wertvoller Mensch ihr Bruder war.
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Cathal Fraser
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Alter 25
Beruf Prinz von Kenmara
Wohnort Kenmara
Stand Verlobt
User Natsch
#5
Seine Entschuldigung hing einen Augenblick in der Luft. Schwer, wie ein Gewicht, das sich auf die Atmosphäre legte und drohte, sich zwischen sie zu schieben. Doch Cathal wusste, dass er das nicht zulassen durfte. Noch nicht. Nicht, solange Moira bei ihm blieb. Vielleicht würde sich das ändern, wenn sie verheiratet wurde, wenn sie fortging. Und vielleicht wäre es dann am einfachsten, sie aus seinem Leben zu schneiden – als einzige Möglichkeit, den Verlust ertragen zu können.

Sie ergriff seine Hand und legte sie an ihre Wange. Für einen Moment verharrte sie dort – warm, weich, lebendig. Sein Daumen glitt langsam über ihren hohen Wangenknochen, tastete die vertraute Linie entlang, als müsste er sich vergewissern, dass sie wirklich hier war.
Er hatte ihr einmal gesagt, dass sie das schönste Gesicht auf der Welt habe. Und es war keine leere Geste gewesen.
Ein kaum wahrnehmbares Lächeln zuckte an seinen Lippen, als er das ihre spürte – hauchzart, wie der Beginn eines Versprechens, das keiner von ihnen laut aussprechen wollte. Oder konnte. Was nun in ihr Leben trat, würde alles verändern – tiefgreifend, unumkehrbar.

„Ich weiß“

Cathal nickte schwach, als sie seine Hand losließ – und er sie sinken ließ. Natürlich wusste Moira es. Und natürlich war sie zu gut, um ihm ernsthaft böse zu sein. Wäre es andersherum gewesen, hätte er sich vermutlich weniger gnädig gezeigt. Aber genau das machte ihre Beziehung aus. Sie war die Ruhe inmitten seines Sturms – und vermutlich war es sie, die ihn mehr hielt als umgekehrt. Auch wenn Cathal sich gerne einredete, dass er ihre Liebe mit gleicher Münze erwiderte.

Er hörte ihre Schritte, das leise Knirschen des Strohs, dann spürte er ihre Nähe, als sie sich neben ihn stellte. Ihre Frage lag in der Luft wie Nebel – schwer, unbeweglich, und doch voller Erwartung. Fast so schwer wie seine Entschuldigung zuvor. "Was ich will, hat in diesen Mauern nie eine Rolle gespielt.", Bitterkeit schwang darin mit, wie ein alter Schmerz, der nie ganz verheilt war – gedämpft nur von der stillen Resignation eines Mannes, der gelernt hatte, sich selbst hintenanzustellen. "Was mich jedoch am meisten ärgert, ist die Kurzsichtigkeit unseres Vaters." Ein Vorwurf, den er Cillian nicht zum ersten Mal gemacht hatte – und der längst kein Geheimnis mehr war. Cathal hatte dem Fürsten von Kenmara durchaus Vorschläge unterbreitet – kluge, durchdachte. Aber alle führten hinaus, fort aus dem Land, das sie begrenzte. Und das war etwas, das der Fürst nie hatte akzeptieren können. Vielleicht schämte er sich. Vielleicht fürchtete er, dass sein Fürstentum im Vergleich zu anderen zu klein, zu schwach, zu unbedeutend war. Oder dass sein Erbe bald keiner mehr sein würde, falls ihr König dem zustimmte.
Das Haus Henaghen war zwar bekannt, doch in Cathals Augen nicht von solcher Bedeutung, dass eine Heirat nötig gewesen wäre, um politische Bande zu knüpfen. Vielleicht war er auch einfach zu ehrgeizig. Oder seine Lehrer in Staatskunst hatten ihm zu gewissenhaft beigebracht, wie man Allianzen mit Bedacht und Weitblick schloss. "Was denkst du über diese Ehe?", fragte er daher wissend, dass Moira in Politik geschickter war als so manch ein junger Mann.
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Moira Fraser
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#6
Moiras Finger krallten sich unwillkürlich um die Kante des hölzernen Verschlags, als Cathals Worte sich wie Dornen in ihr festsetzten. 

‘Was ich will, hat in diesen Mauern nie eine Rolle gespielt.’

Es war nicht nur Bitterkeit, die darin mitschwang. Es war eine tiefe, stille Erschöpfung – ein Eingeständnis, das schwerer wog als jeder Vorwurf. Und dennoch hatte sie gewusst, dass er so dachte. Tief in ihrem Innersten hatte sie es immer geahnt. Und doch tat es weh, es aus seinem Mund zu hören. Denn sie hatte sich immer danach gerichtet, was er wollte. Seine Wünsche waren ihr Kompass gewesen – nicht aus Zwang, sondern aus Überzeugung. Weil sie nur dann das Gefühl gehabt hatte, wirklich gesehen zu werden. Gebraucht zu werden. Sein Vertrauen, seine Nähe, sein Rat – das war ihr Heim gewesen, mehr als jedes einzelne ihrer hübschen Gemächer in ihrem Flügel der Festung.

Aber Moira schluckte den Schmerz hinunter, so wie sie es immer getan hatte. Sie durfte sich nicht von Gefühlen leiten lassen, nicht jetzt. Nicht bei ihm, in diesem Moment. Stattdessen strich sie sich eine verirrte Haarsträhne hinter das Ohr und hob den Blick, wohl wissend, dass er ihn nicht erwidern konnte – doch vielleicht spürte er ihn trotzdem.

„Vater denkt nur in Linien“, sagte sie ruhig, wohlgesetzt. „Blutlinien, Allianzen, Grenzverläufe. Er sieht nicht, was zwischen den Worten liegt. Nicht, was Menschen bewegt – oder was sie zerstört.“ Sie atmete leise durch. Der Name Henaghen war ihr nicht fremd, im Gegenteil. Aber Aodhán Henaghen hatte so viel gemein mit diesem Teil seiner Familie wie die raue See unter den Klippen mit den sommerländischen Sandwüsten. „Ich verzeihe ihm diese Entscheidung nicht“, fuhr sie fort, leiser nun. „Nicht, weil ich nicht wusste, dass sie kommen würde. Sondern weil er sie dir genommen hat. So wie er dir so vieles genommen hat.“ Ein Zittern schlich sich in ihre Stimme, kaum hörbar, als sie an all die Dinge dachte, die man für ihren Bruder entschieden hatte, nur weil er nicht sehen konnte. Doch statt in dunklen Erinnerungen zu versinken, richtete sie sich auf, ließ den Rücken gerade werden, die Stimme klar.

„Eine Verbindung mit den Henaghens …“, begann sie und wog jedes Wort wie eine Waage, „ist strategisch betrachtet ein wenig durchdachter Schachzug. Sie sind stolz, ja, bilden aber keine geeinte Front im Land. Sie tragen ihre Fehden über Generationen hinweg und wenden sich selten aus Überzeugung neuen Allianzen zu – nur aus Notwendigkeit. Und ich bezweifle, dass Vater ihnen diese Notwendigkeit glaubhaft machen konnte.“ Sie ließ den Blick über die Stallgasse schweifen, obwohl dort nichts war, das ihre Aufmerksamkeit brauchte. Ihre Gedanken rasten weiter.

„Eine Verbindung mit Castandor hätte den Einfluss unseres Hauses in neue Bahnen lenken können. Ein Zeichen des Vertrauens, das auf lange Sicht mehr als nur Sicherheit gebracht hätte – es hätte Türen geöffnet. Und das Winterland…“ – sie hielt inne – „es hätte uns eine Position der Stärke gegeben. Keine Abhängigkeit. Keine Gunst. Sondern echte Partnerschaft.“ Dann verstummte sie kurz, schüttelte kaum merklich den Kopf. „Aber all das spielt keine Rolle mehr, nicht wahr?“ Ihr Ton war nicht resigniert – sondern nüchtern. Wie jemand, der das Spielbrett betrachtet, obwohl der letzte Zug längst getan war.

Ein leises Lächeln stahl sich in ihre Züge, traurig und doch warm, als sie wieder zu ihm sprach. „Vielleicht… vielleicht ist sie ja anders. Deine Braut. Vielleicht bringt sie etwas mit, das wir nicht sehen können – oder nicht sehen wollen.“ Dann wandte sie sich ihm ganz zu. „Hat Aodhán gesagt, wie sie sein soll?“, fragte sie leise, fast zärtlich, als ginge es um ein altes, kostbares Lied, dessen Melodie man nur flüchtig vernommen hat. „Ob sie lacht? Ob sie denkt? Ob sie träumt? Oder gehorcht sie nur?“ Sie ließ ihm Zeit, die Frage in sich wirken zu lassen, während in ihrem Inneren etwas wie ein Funke brannte – nicht aus Neid, nicht aus Missgunst. Sondern aus dem unbändigen Wunsch, dass er, der ihr Bruder war, mehr verdiente.

Dann trat sie einen halben Schritt näher, kaum wahrnehmbar, doch spürbar in der Luft zwischen ihnen. Ihre Stimme senkte sich. „Du fragst mich nach meiner Meinung.“ Ihre Lippen zuckten. „Du könntest mir keine größere Ehre erweisen, Bruder.“ Ein Funken von Stolz blitzte in ihren Augen auf – nicht für sich, sondern für ihn. Weil er sie fragte. „Ich werde dir immer sagen, was ich denke, Cathal. Und ich werde dir beistehen, komme was wolle.“ Dann schwieg sie. Ließ ihm Raum. Ließ ihm Stille. Doch sie wich nicht.
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Cathal Fraser
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#7
Moiras unausgesprochene Wut war immer Balsam für Cathals Seele gewesen. Ihre Entrüstung, ihr Unverständnis über die Entscheidungen, die über seinen Kopf hinweg getroffen wurden. Immer hatte sie sich danach zu ihm gesetzt, das Gesicht gerötet vor Zorn, und in flammenden Worten erklärt, wie lächerlich – wie dämlich – diese Erwachsenen doch waren. Heute war es nicht anders. Nur, dass sie jetzt selbst erwachsen waren. Und es nicht mehr um verbotene Ausritte oder zerkratzte Knie ging – sondern um Thronfolgen, Eide und ihre Leben, die nicht mehr rückgängig zu machen waren.

Er bemerkte das feine Zittern in ihrer Stimme – kaum hörbar, aber für ihn unüberhörbar. Ein schwaches Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Fast wirkte es amüsiert, doch wer ihn kannte, wusste: es war die Art Lächeln, das einer Erinnerung entsprang – nicht unbedingt einer heiteren. Doch mittlerweile brauchte er ihren Zorn nicht mehr, denn in sein Wesen hatte sich eine stumpfe Resignation ausgebreitet, ein Wesen das die Entscheidungen anderer hinnahm, weil es ohnehin keine andere Möglichkeit gab.
Interessiert lauschte er ihren Ausführungen. Cathal hatte es sich schon früh zur Aufgabe gemacht, den scharfen Verstand seiner Schwester nicht nur zu erkennen, sondern weiter zu schärfen – wie eine Klinge, die nicht stumpf in einem seidenen Nest liegen sollte. Nie würde sie ein stummes Täubchen sein, das auf die Gnade des Vaters hoffte. Sie war klüger – womöglich klüger als ihre Lehrer. Und mit einer Schärfe in der Zunge gesegnet, dass Cathal jetzt schon jeden bedauerte, der töricht genug sein würde, sie zur Frau zu nehmen. "Nein, es spielt keine Rolle mehr." Er nickte auf ihre Worte hin, während seine Finger noch einmal über das grobe Holz der Boxenwand glitten. "Aber ich wollte mich vergewissern, ob nur ich die Verbindung kurzsichtig gedacht finde – oder auch du." Ein leiser Schalk stahl sich in seine goldenen Iriden, die ins Dunkel gerichtet waren, als blickte er in etwas, das nur er erkennen konnte. Als sei es sein Werk – und er mehr als zufrieden damit.

Ehrlich gesagt war es Cathal gleichgültig, wie seine Frau sein würde. Nicht aus Gleichgültigkeit der Person gegenüber – sondern weil es schlicht keine Rolle spielte. Er verstand die Emotion, mit der Moira an das Thema heranging. Vielleicht war es eine der wenigen Schwächen, die er in ihr sah – diese Hoffnung auf Bedeutung, auf Verbindung. Er glaubte, dass Frauen allgemein mit mehr Gefühl an das Thema Ehe herangingen – eine Sichtweise, die aus Erfahrung geboren war, nicht aus Herablassung. Für ihn war Ehe immer eine unausweichliche Tatsache gewesen, ein vertragliches Bündnis – kein romantisches Schicksal. Etwas, das sich aus strategischem Kalkül ergab, nicht aus dem Herzen.
Die Liebe, die seine Eltern ihren Kindern vorgelebt hatten, war echt gewesen – aber austauschbar. Ein flüchtiges Geschenk, das sich als Illusion entpuppte, sobald es um eine weitere Ehe ging. Cathal glaubte nicht an die Liebe. Aber er glaubte an gebärfreudige Becken. Und an das, was man mit ihnen sichern konnte. "Ich wollte Aodhán nicht in Verlegenheit bringen – ob nun schlecht oder überbordend gut über seine Cousine zu sprechen." Er zuckte leicht mit den Schultern, als sei die Angelegenheit kaum der Rede wert. "Ich hoffe aber sehr, dass sie des Denkens fähig ist. Sonst wird das eine ausgesprochen langatmige Ehe." Ein spöttisches Schnauben begleitete seine Worte. "Und das", fuhr er mit einem Hauch gespielter Empörung fort, "würde ich Vater noch übler nehmen als das beharrliche Ablehnen all meiner Vorschläge." Der theatralische Unterton in seiner Stimme ließ fast vergessen, wie tief die Enttäuschung über die Entscheidung seines Vaters in ihm verwurzelt war.

Cathal spürte, wie sie näher trat. Er wandte den Kopf in ihre Richtung, als würde er sie mit den Augen suchen – ein Trugschluss, der längst zu einer Geste geworden war. Seine Hand hob sich, fand wie von selbst ihren Weg zu ihrer Wange, strich sacht darüber, als müsste er sich vergewissern, dass sie wirklich da war. Ein schwaches, beinahe scheues Lächeln zuckte über seine Lippen. Sein Kunstwerk. "Du bist der klügste Mensch, den ich kenne, Moira." Seine Stimme war leise, aber fest, durchdrungen von ehrlicher Überzeugung, während sein Daumen zärtlich über ihre Haut glitt. "Ich wäre töricht, deine Meinung nicht einzuholen." Er wandte sich ihr nun ganz zu, legte beide Hände an ihr Gesicht – ein stilles, inniges Innehalten – und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn. "Ich weiß …", raunte er an ihre Haut, seine Stirn für einen Herzschlag gegen ihre gelehnt, ehe er sie in seine Arme zog. Der Tag würde kommen, da er sie wirklich brauchen würde. Doch bis dahin würde sie gefährlicher werden müssen.
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Moira Fraser
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#8
Moira spürte, wie seine Aufmerksamkeit sich auf sie legte wie der weiche Schatten eines schützenden Baumes. Vollständig. Schwer. Wärmend. Es war kein flüchtiger Blick, keine erzwungene Geste aus Pflichtgefühl – es war sein Lauschen, dieses schweigende, aufrichtige Lauschen, das sie stärker traf als jedes Lob es je könnte. Es war, als würde ihre Stimme, ihr Gedanke, ihre Haltung in seinen Augen Gewicht gewinnen. Er war blind – und doch hatte sie sich selten so gesehen gefühlt wie in diesem Moment.

Ein kaum merkliches Zittern durchlief ihre Fingerspitzen. Es war nicht Schwäche – es war Ergriffenheit. Denn in dieser Stille, in der er sie ganz und gar hören wollte, formte sich ein stolzer, ruhiger Schmerz in ihrer Brust. Er war es, der sie ernst nahm. Er war es, der ihre Worte als mehr empfand als unbedacht geformte Meinungen einer naiven Frau. Sie fühlte sich ihm in diesem Augenblick ebenbürtig, nicht bloß als Schwester, nicht bloß als ein Mädchen im Schatten des Patriarchats. Und als er ihren Vater kurzsichtig nannte – so nüchtern, so beiläufig –, traf es sie wie ein Pfeil, den sie selbst geschossen hatte. Ein leises Auflachen wollte sich aus ihrer Kehle lösen, wurde aber zur Andeutung, kaum hörbar, doch von einem Stolz getragen, der sie innerlich aufrichtete. Besser hätte sie es selbst nicht sagen können.

Sein feines Scherzen über den potenziellen Verstand seiner Zukünftigen war wie ein Seil, das sie abrupt zurückholte. Unsicherheit stach durch den warmen Schleier seiner Zuneigung wie eine kalte Nadel. Ihre Zähne gruben sich sacht in die weiche Haut ihrer Unterlippe, ganz unwillkürlich, als könnte sie damit die Erinnerung an das letzte Treffen mit Aodhán verdrängen – wie sehr sie ihren Freund womöglich in Verlegenheit gebracht hatte, weil sie eben genau diese Frage ohne großartig nachzudenken gestellt hatte. Doch noch war es nicht an der Zeit, Cathal von seiner Antwort zu erzählen. Noch nicht.

Aber seine Geste – diese leichte Berührung an ihrer Wange, so zärtlich und selbstverständlich –, ließ all das in den Hintergrund treten. Moira schloss für einen Moment die Augen, schmiegte sich sacht in seine Handfläche, als wäre sie sein Heim, nicht das aus Stein und Eisen, das die Festung Kenmaras darstellte. Wie oft hatte sie sich gewünscht, dass es genau so bliebe zwischen ihnen – fest, sicher, unerschütterlich. Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, aber sie drang durch sie hindurch wie ein warmer Strom.

Klug. Nie hatte jemand anderes sie so bezeichnet. Nie mit solch unerschütterlicher Klarheit. Nie ohne spöttisches Lächeln, ohne ironische Bemerkung. Seine Worte waren keine Schmeichelei. Sie waren Wahrheit. Und sie trafen auf etwas in ihr, das zu oft im Dunkeln verharrte. Sie wuchs. Aufrecht. Stolz. Nicht in der Haltung, sondern in der Seele.

Seine Hände umfassten ihr Gesicht, hielten sie wie etwas Kostbares – und als seine Lippen ihre Stirn berührten, war es, als hätte jemand eine Krone auf ihr Haupt gesetzt. Keine aus Gold, keine, die die Edlen des Landes anerkennen würden. Aber eine, die sie trug, solange er sie so ansah. Moira blinzelte rasch, unterdrückte die Tränen, die sich dennoch unnachgiebig ihren Weg zu suchen versuchten. Es war kein Weinen aus Traurigkeit. Es war der Moment, den sie sich in ihr Herz meißeln wollte, denn zu viele davon würden sie beiden nicht mehr teilen.

Als er sie in die Arme zog, schloss sie ihre eigenen fest um ihn, versank in dieser Umarmung, die nach Leder, nach Stärke, und nach Heimat roch. Sie sog seinen Duft ein, tief, speicherte ihn wie ein altes Lied, das sie nie vergessen wollte. So wie er sie vergessen würde, sobald ihn seine neuen Pflichten und seine Ehe vereinnahmten. Der Gedanke brannte hinter ihren Lidern. Und obwohl sie ihn nicht aussprach, ließ sie ihn ihn spüren – im Atem, der kurz stockte, im Griff, der sich einen Hauch fester um seine Taille legte. „Manche Dinge“, murmelte sie schließlich, kaum hörbar an seiner Schulter, „kann man nur schweigend sagen.“ Und obwohl sie nicht losließ, bot sie ihm Raum. Raum, zu fragen. Raum, sich abzuwenden. Doch tief in sich wusste sie, dass er verstanden hatte. Denn ihre Stille war für ihn lauter als jedes Wort.
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Herbstland
Cathal Fraser
Herbstland
Alter 25
Beruf Prinz von Kenmara
Wohnort Kenmara
Stand Verlobt
User Natsch
#9
Cathal spürte, wie sich die Arme seiner Schwester um seine Körpermitte schlossen – fest, vertraut, ohne Zögern. Es war keine Umarmung, die um Erlaubnis bat, sondern eine, die sich nahm, was immer schon da gewesen war: ein Band, gewoben aus Kindheit, geteiltem Schweigen, Streit und Versöhnung. Er legte seine Hand auf ihren Rücken, schwer und still. Kein Wort wurde gesprochen, doch in der Art, wie sie sich an ihn lehnte, lag alles: Trost, Erleichterung, ein stummes "Du bist da" nach einer zu langen Abwesenheit – ob körperlich oder nur in Gedanken.
Für einen Moment schien es, als hielte die Zeit kurz inne. Draußen war es kalt, drinnen roch es nach Stroh und Tier, aber zwischen ihnen war es warm. Wie früher. Als noch alles einfacher war. Er schloss die Augen und atmete tief durch. "Ich hab dich vermisst, Moira", sagte er leise, rau, ohne Pathos. Es war kein Geständnis, nur eine Tatsache.
Sein Gesicht verbarg sich für wenige Herzschläge in ihrem Haar. Der vertraute Geruch stieg ihm in die Nase – warm, ein wenig nach Tinte, ein Hauch von Pergament, wie ein gelebter Tag zwischen Büchern und Gedanken. Es war der Duft von Moira, wie er ihn kannte, seit sie als Kinder im Arbeitszimmer ihres Vaters gesessen und heimlich in den Chroniken geblättert hatten, obwohl sie es nicht durften. Er verharrte so, ließ den Moment einen Atemzug länger bestehen, als es notwendig gewesen wäre. Vielleicht, weil es so selten geworden war. Vielleicht, weil er spürte, dass Worte hier zu wenig und zu viel zugleich gewesen wären.

Als er sich schließlich ein Stück zurückzog, blieben seine Hände an ihren Oberarmen, als wolle er sie einfach nahe bei sich halten. "Du riechst noch immer wie früher", murmelte er, ein leiser Anflug eines Lächelns in seiner Stimme. Dann schüttelte er kaum merklich den Kopf, als wolle er etwas abschütteln, das ihn kurz zu nah an die Vergangenheit geführt hatte.

"Und?" Cathals Stimme war ruhig, doch es klang ein unterschwelliger Spott darin mit. "Hast du dir schon überlegt, wie du es meiner zukünftigen Frau schwer machst? Vielleicht sogar schwerer als nötig?" Er zog eine Braue hoch, als wolle er ihr damit zu verstehen geben, dass er durchaus damit rechnete. Und vielleicht tat er das auch. Es war nicht unbedingt Misstrauen, das ihn zu der Frage trieb – eher eine nüchterne Einschätzung. Moira war nie jemand gewesen, der sich mit halben Wahrheiten oder höflicher Zurückhaltung zufriedengab. Schon gar nicht, wenn es um Menschen ging, die dauerhaft in das Gefüge ihrer Welt eindrangen. Er konnte nicht vorhersagen, wie sie reagieren würde. Ob sie sich feindselig gab, misstrauisch – oder ob sie, ganz im Gegenteil, überraschend offen war, neugierig sogar. Beides war denkbar. Und beides hätte seine eigene Form von Herausforderung bedeutet.

Niamh hingegen... Sein Blick veränderte sich leicht, wurde matter. Niamh war leichter zu durchschauen. Glatt. Nett. Harmlos. Berechenbar bis zur Blässe. Man wusste, woran man bei ihr war – und genau das machte sie für Cathal so farblos. Es fehlte an Tiefe. An Widerstand. An allem, was eine Seele zum Klingen brachte. Er atmete langsam aus.
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Moira Fraser
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#10
Moira spürte, wie sich sein Atem an ihrem Haar verlor, warm und schwer. Wie oft hatte sie sich in den letzten Tagen nach genau diesem Moment gesehnt – nach einer Nähe, die nicht durch höfliche Distanz oder speichelleckendes Pflichtgefühl vergiftet war. Jetzt war er endlich wieder da, bei ihr. Und sie wagte kaum, sich zu rühren, als könnte jede Bewegung diesen zerbrechlichen Frieden vertreiben.

Seine Worte – dass sie noch immer wie früher roch – trafen sie wie ein unerwartetes Echo. Auch für sie hatte er sich nie verändert. Nicht wirklich. Trotz seines Rückzugs, in all dem Schweigen, in all der emotionalen Entfernung war es immer er gewesen, der in ihren Gedanken Heimat war. Ihre Fingern hielten ihn fest, als wollten sie ihn vor der Welt bewahren, vor der Zeit selbst. Und doch wusste sie, dass genau diese Zeit ihnen nun gnadenlos im Nacken saß. Dass sie ihnen schon viel zu viel geraubt hatte.

Ein leiser Stich fuhr ihr durchs Herz. Sie hatte geglaubt, ihn schützen zu müssen, indem sie ihn nicht mit ihren Ängsten, ihren Kämpfen, ihren Zweifeln belastete. Doch in Wirklichkeit hatte sie sich vielleicht selbst um seinen Trost gebracht. Um seine Gegenwart, indem sie ihm nicht das Gefühl gab, mit seinen Gedanken zu ihr kommen zu können. Um genau das zu erhalten, was sie jetzt in sich aufsog wie ausgedörrte Erde den ersten Frühlingsregen.

In seiner Nähe zu sein, war wie aufzutanken. Jede Geste, jede Silbe, jeder Hauch seiner Zuneigung füllte sie auf, wie ein Becher, der zu lange leer gewesen war. Es war, als könne sie endlich wieder atmen, als würde seine bloße Existenz sie daran erinnern, dass sie nicht allein durch den Sturm ging, der vor ihnen lag. Und tief in sich wusste sie, dass er genau das meinte – auch wenn er es nicht aussprach. Als er schließlich sprach, sie neckte, ein leises Schmunzeln in seiner Stimme – da zuckte es auch um ihre Mundwinkel. Natürlich. Natürlich wusste er, was in ihr vorging. Natürlich kannte er sie so gut wie kein anderer. Sein Spott war kein Angriff, es war ein Angebot. Ein kleiner Tritt gegen ihr Gewissen. Und sie nahm ihn an, aber nicht kampflos.

Langsam, sehr langsam löste sie sich aus seiner Umarmung, ohne die Wärme seines Körpers gänzlich zu verlassen. Eine Hand blieb an seiner Taille, ihre Stirn nur einen Atemzug entfernt von seiner Brust. Ihre Stimme war sanft, beinahe zärtlich, als sie endlich sprach. „Ich will nicht, dass sie scheitert, Cathal.“ Ihre Worte waren leise, klar – und sie spürte, wie sie sich selbst daran festhielt, um nicht von den widersprüchlichen Empfindungen hinweggerissen zu werden, die in ihr tobten. „Aber ich werde ihr nicht den Weg ebnen, nur weil sie nun dein Leben mit dir teilen soll.“

Ein kurzer Blick in sein Gesicht – so gut sie es eben von ihrer Position aus sehen konnte – suchte nach dem leisesten Zucken, dem kleinsten Zeichen von Unmut oder Belustigung. Nichts in ihr wollte eine Grenze überschreiten, aber nichts in ihr konnte sich verbiegen.

„Ich muss wissen, ob sie dich verdient. Nicht als Fürstensohn, oder als den, den alle in dir sehen. Sondern dich.“ Ihre Stimme stockte. Dann schloss sie für einen Moment die Augen, als sie an Cathal den geborenen Anführer dachte, der mit jeder Pore Macht verströmte, an Cathal als Mensch, als Bruder, der sie mit einem Satz wieder aufrichten konnte, wenn sie längst vergessen hatte, wie es war, sich gerade zu halten. „Ich werde ihr höflich begegnen. Offenen Herzens, wie es sich für eine Schwester ziemt.“ Ein kaum merkliches Lächeln schlich sich auf ihre Lippen – eines, das nicht versprach, aber auch nicht drohte. „Aber sie wird verstehen müssen, dass meine Prüfung nicht aus Fragen besteht. Ich bin gespannt, was sie daraus machen wird.“

Ihre Hand glitt schließlich von seiner Schulter, als sie schwieg. Sie kannte ihn. Er würde wissen, was sie meinte. Und er würde spüren, dass all ihr Widerstand, all ihr leiser Trotz nicht aus Misstrauen wuchs, sondern aus Liebe. Immer war es Liebe gewesen. Nur eben eine, die nicht mit Samthandschuhen kam, sondern mit aufrechter Haltung, geschärftem Blick – und einem Herzen, das nicht willig war, ihn an jemanden zu verlieren, der ihn nicht wirklich sah.

Cathal war kein Mann, den man beschützen musste. Aber in ihr regte sich jener unausrottbare Instinkt, es trotzdem zu wollen. Und daran würde auch keine zukünftige Fürstin etwas ändern.
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