| Amra Aswad |
| Devan Naharis |
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| Alter |
31 |
| Beruf |
Assassine |
| Wohnort |
Dharan al-Bahr, Matariyya |
| Stand |
Ledig |
| User |
Letha |
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06-04-2024, 05:12 - Wörter:
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 01-09-2025, 15:47 von Naila Castellanos.)
Staub zersetzte die Lunge dort, wo er sich festsetzen konnte, die Sonne nur ein unbarmherziger Zuschausteller von der Zerstörung, die noch immer in der Hauptstadt wütete. Brocken von Häuserwänden lagen auf den Straßen verteilt, schmutzige Stoffe lagen darunter begraben, die Stöcke von Baldachinen wurden dafür verwendet, um in dem Schutt nach etwas Essbarem zu stochern. Es gab keine Menschen mehr, die sich auf den Straßen tummelten und Marktangebote schrien, zu trocken waren ihre Kehlen von dem rationierten Wasser, was gerade so reichte, um Kind und Frau überleben zu lassen. Statt Augen blickten einem Höhlen aus zu großen Köpfen entgegen, Knochen bildeten sich unter der Haut ab, keiner hatte mehr Ressourcen, um Tränen fließen zu lassen. Und weit und breit kein Mann zu sehen. Dharan al-Bahr war nichts weiter als der inhaftierte Bruder dessen, was es einmal gewesen war.
Selbst wenn die Häuser wieder als Häuser identifizierbar waren, dort, wo man die Straßen leergeräumt und die Stoffe wieder aufgehängt hatte, wo Wäsche aus den Fenstern hing und man sogar wieder angefangen hatte, die Gärten zu pflegen – selbst dort trug das Viertel nur eine Maske, um die innere Zerstörung zu verbergen. Es gab keine Marktschreier auf dem sonnigen, kahlen Platz um den Brunnen herum, hatte man in der Not doch alle Mühen darauf fokussiert, mehr Wasser zutage zu fördern. Männer in ihren Tunika blickten hier verstohlen, als würde ihnen doch jemand die Sicherheit des Reichtums nehmen und sie genauso auf ein Schiff in ein fremdes Land zwingen. Selten gab es hier einen Grund, das Haus zu verlassen, wenn doch an jeder Ecke ein verzweifelter Dieb lauern konnte, der alles dafür in Kauf nehmen würde, auch nur einen Laib trockenes Brot unter sich und den Straßenkindern aufzuteilen. Die Kunst darin war, sich das Leid mit ihnen zu teilen. In seinem Blick Verständnis auszudrücken und Wissen zu vermitteln, so wie sie wussten, dass man einer von ihnen war. Jemand, der genau wie sie auf der Straße gesessen und gehungert hatte. Jemand, der überlebt hatte. Jemand, der nun einen Namen trug, der nur von Schatten gesprochen werden konnte. Ein Amra zu sein bedeutete, die Sprache des Volkes zu sprechen, selbst, wenn man teure Gewänder trug.
Es bedeutete auch, seinen Blick vom Leid auf den Straßen abzuwenden und sich auf den Weg zu fokussieren, der vor einem lag. Devan beschritt seinen Weg mit dem breiten, sicheren Gang eines Reichen, seine Tunika in einem schlichten, aber edlen Rot gehalten, sein Bart gepflegt, die obere Hälfte der Haare glatt zurückgebunden, während die andere Hälfte auf seine Schulter fiel. Von der schwangeren Frau, die mit ihrem Kind an der Hand die Straße überquerte, erntete er keinen zweiten Blick, so mühelos schien er sich in das Bild dieses Viertels einzufügen. Das war gut so. Er wollte nicht auffallen. Sein Vorhaben sollte nicht auffallen. Es sollte normal sein, einen alten Bekannten zu besuchen und mit ihm bei Tee und Brot den frühen Abend zu verbringen. Es war auch normal, dass Devan an der Tür klopfte und lächelte, wie man einen Freund anlächelte, sobald man ihm aufmachte. „Hallo, Ilyas. Schön, dich unter den Lebenden zu sehen.“
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| Unregistered |
| Ilyas El Mansouri |
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| User |
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07-04-2024, 17:36 - Wörter:
Wer höher und näher am Palast gelegen war, der war glimpflich davon gekommen. Wer höher und näher am Palast lebte, der kümmerte sich für gewöhnlich weniger um das Leid in den Strassen, die weiter unten und entfernter ihre Arme links und rechts abknicken ließen und die Stadt in ein Geflecht von notwendigem Schatten verwandelte. Ilyas Haus war glimpflich davon gekommen und auch wenn der Adjutant seiner Majestät darüber heilfroh war, galt sein größtes Interesse in erster Linie gar nicht den schutzgebenden Mauern, den Teppichen, Wertgegenständen, Schmuck, den wertvollen Möbeln aus dunklem Holz mit edlen Bezügen…sondern vielmehr dem Keller, der sein ganzes Leben beinhaltete. Ilyas würde das Dach über seinen Kopf selbst einreissen wenn es die Bedingung war seine Habseligkeiten aus allein diesem Raum und damit das Wissen von Jahrhunderten zu schützen. So viele Experimente, Aufzeichnungen, Rezepte und wirklich seltene, teure Instrumente und andere Utensilien… bei Gott, er würde vermutlich sogar seine Seele verkaufen wenn es nötig war um die Wissenschaft und Künste der Alchemie davor zu bewahren zerstört zu werden.
Der El Mansouri Mann hätte sich gerne davon frei gesprochen in diesem Anflug puren Egoismus an nichts anderes als seinen Keller gedacht zu haben, sondern stattdessen Gebete für die Menschen in den Strassen zu Gott geschickt und ihn um sein Erbarmen gebeten zu haben. Hatte er …nach all den Szenarien, die er sich für das Hab und Gut in den vielen Kisten und Truhen, Regalen und Schränkchen ausgemalt hatte. Erst danach. Er bekannte sich schuldig!
Und er hatte, daheim in der gebeutelten Stadt des Elends, auch zunächst alles sichern müssen, was es zu sichern gab. Hatte umgelagert und das Unmögliche versucht als er wichtige Schriften und noch wichtigere voneinander selektieren musste, nur um die, die er für unersetzlich hielt, was beinahe alle waren, unter den höchsten Punkt des Hauses brachte…nur um dort andere Dinge zu befürchten, die seinem Heiligtum - dem Wissen - etwas anhaben konnten.
Dann erst war der Amra in seine zweitwichtigste Form eingetaucht und hatte geholfen, wie es ihm zu helfen möglich war. Mit Mitteln, die andere für ihn besorgten und austeilten, weil er sich selbst dort nicht in den kleinen Ästen der Gassen blicken lassen konnte.
Es schmerzte der Kopf, nun wo das Herz im Zeichen der Wissenschaft wieder beruhigt schlug….das Wichtigste war getan, jetzt gab es nur noch Dinge von niederem Rang..heiraten zum Beispiel.
Die alte Mutter öffnete dem Assasinen die Tür. Sie hatte schon lange aufgehört Fragen zu stellen wenn jemand ein und aus ging, ihr Sohn war viele Jahre der Herr im Haus und ihr stand es nicht zu genaueres darüber wissen zu müssen. Der Berater des Königs trat zur Tür, wischte just die Hände vom Staub einer Zutat an einem Tuch ab, das er sich in den Gürtel gewickelt hatte und er lächelte, wie man es tat, wenn man einen Freund begrüßte. „Naharis, mein Freund… komm rein, mein Haus steht dir offen wie immer“, verkündete er und wies doch mit der offenen Hand gen der Treppe, die hinab zum Keller führte. Erst dort, hinter der hölzernen Tür mit schwerem Beschlag und Schloss, führte er das Gespräch weiter fort. „Du kommst spät..ich hatte schon seit Tagen mit dir gerechnet..“ Zwei Becher fanden auf den Tisch und wo andere selbst das sandige Schmutzwasser noch als Mordgrund vertreten konnte, entkorkte Ilyas eine bauchige dunkelgrüne Weinflasche.
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| Amra Aswad |
| Devan Naharis |
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| Alter |
31 |
| Beruf |
Assassine |
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Dharan al-Bahr, Matariyya |
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Ledig |
| User |
Letha |
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20-04-2024, 04:21 - Wörter:
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 20-04-2024, 04:21 von Devan Naharis.)
 In einem Lächeln verpartnert meinten sie es beide nur gut miteinander und doch würde der, der suchte, genau das finden, was sie mit diesem Lächeln zu verstecken gedachten. Sie waren keine langjährigen Freunde. Eigentlich hatten sie kaum gemeinsame Geschichte, mit deren Anekdoten sich ein Abend füllen ließe. Devan kannte den Namen von Ilyas Mutter nicht, er wusste nicht, ob er sich als Kind seine Zähne ausgeschlagen hatte oder mit welchem Gemüse man ihn hatte jagen können. Was Freundschaft bedeutete, war für ihn unerklärlich, wenn es doch bedeutete, dass er verstehen musste, was zwei Menschen zusammentrieb und zusammenhielt. Für ihn reichte das Gefühl, jemandem so vertrauen zu können, dass er nicht mit jeder Faser seines Körpers für den Sprung bereit war. Es bedeutete für ihn, bei einer Person anzukommen, wo er seinen Körper und Geist ruhen lassen konnte, sobald die Tür ins Schloss fiel und die Ungewissheit der Straßen aussperrte. Mit seinem Lächeln, das bis zu den breiten Mundwinkeln dem von Ilyas glich, nahm er ganz natürlich die warme Atmosphäre auf und speicherte die Information ab, in welchem Winkel die nächste Vase zu ihm stand, ohne hinsehen zu müssen. „Danke für die Einladung“, reflektierte er mit seinem warmen Bass und nickte freundlich, aber mit einer gewissen Höflichkeit der Mutter zu, ehe er der Gebärde seines Gesprächspartners folgte und die Treppe nach unten stieg.
Auch dort nahm die warme Atmosphäre nicht ab, wenn auch die Präsenz der Mutter fehlte und systematisch geordnete Forschungsutensilien die allgemeine Kunst von Teppichplatzierung und Inneneinrichtung verdrängte. Es brauchte immer einige Sekunden, bis Devan sich an diesen Raum gewöhnte, so sehr er auch mit ihm vertraut war, und sein Blick glitt über all die modernen Geräte und Phiolen, für die er selbst niemals das Gold aufbringen würde. Erst mit dem Klicken des Schlosses drehte er sich um, in angewöhnter Absicht genau in der Mitte des Raumes zum Stehen kommend, wo ihm keine Ecke zum Verhängnis werden konnte. Oder auch, um sich den Absichten des Älteren besser anpassen zu können und mit verschränkten Händen hinter dem Rücken dessen Gang zu zwei Bechern zu verfolgen. „Du brichst in zwei Tagen auf und deine Hochzeit ist morgen“, zählte er nüchtern die Ereignisse auf, an die er sich gehalten hatte und die für ihn zwar keinen Mehrwehrt hatten, Ilyas aber zu beschäftigen schienen. Statt ihn zu fragen, wie er sich dabei fühlte, nahm der Assassine diese Daten einfach als Gegebenheiten an und richtete seinen Besuch danach aus. Es kam ihm gar nicht in den Sinn, dass Ilyas sich vielleicht noch auf den morgigen Tag vorbereiten musste. „Hätte ich früher kommen sollen?“ Besser heute, als wenn seine Braut am nächsten Tag hinterfragte, mit wem sich ihr frischer Gemahl im Keller traf. Manchmal gab es fragen, auf die man besser keine Antwort wusste.
Devans Blick folgte dem Öffnen der Weinkaraffe und noch ehe Ilyas ihm einschenken konnte, nickte er in Richtung des danebenstehenden Krugs mit sehr viel klarerer Flüssigkeit. „Wasser, bitte.“ Es klang in keiner Weise tadelnd, sondern eigentlich kaum einer Rede wert. Noch nie hatte er gerne dem Alkohol gefrönt und der Gleichgesinnte war ihm vertraut genug, dass er ihn darauf hinweisen konnte. Auch hier unterdrückte er den Drang nicht, an der Flüssigkeit zu riechen, als man ihm den Becher gab, ehe er seine Lippen damit benetzte. Ein anerkennendes, knappes Nicken folgte; heutzutage war es fast unmöglich, klares, sauberes Wasser aufzutreiben. Die Schwelen an Devans Händen erzählten ganz eigene Geschichten davon, mit welcher körperlicher Arbeit er sich in den letzten Tagen und Wochen beschäftigt hatte. „Wer ist deine Braut?“, fragte er schließlich, den Blick auf den anderen gerichtet. Nicht, dass er etwas mit Namen anfangen konnte, aber sein stetiger Ein- und Ausgang in jeglichen Gesellschaftsschichten hatte die ein oder andere Person in seinem Gedächtnis festgesetzt. Wenn sie sich in den Palastmauern bewegte, dann kannte er sie vielleicht. Es war einfacher, seine Opfer dem großen Gleichgewicht beizufügen, wenn man sie besser kannte und verstand.
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| Unregistered |
| Ilyas El Mansouri |
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09-06-2024, 13:51 - Wörter:
Ilyas war generell jemand, der seine Privatsphäre wahrte. Gerne würde er sicher sagen wie die Staatsgeheimnisse aus dem Palast, aber Devan wäre nicht hier, wäre Ilyas nicht der, der er nunmal war und dessen Versprechen und Schwüre zur Loyalität gegenüber seines Monarchen schon lange nicht mehr galten.
Das war anders gewesen - vor Jahren. Vielen Jahren. Als Ilyas Hoffnung in den fast gleichaltrigen Ridvan setzte und sich viel davon versprach einen nahezu Verbündeten auf dem Thron zu wissen, den er sein Leben lang kannte und von dessen Bereitschaft sich von guten Beratern lenken zu lassen, er einst überzeugt war. Damals. Bevor Ridvan Gespenster sah und seine Ängste und Paranoia die Oberhand gewannen und den Herrscher von seinem Volk entfernten.
Er hatte nie einen so nahen Draht aufbauen können, wie der El Mansouri es sich erhoffte von einem jungen, vermeintlich lenkbaren und aufgeschlossenen Herrscher…nein, Ridvan wurde mit jedem Jahr mehr ein weiterer Sargnagel des Volkes und Ilyas hatte Angst um die Menschen in der hölzernen Kiste, denen langsam die Luft ausging.
Devan musste nicht mehr über Ilyas wissen als nötig. Es lag nicht unbedingt an ähnlicher Paranoia wie er sie Ridvan unterstellte. Der Amra war durchaus gewillt zu vertrauen, nur war Vertrauen etwas das wachsen musste und nicht von heute auf morgen geschah und schlichtweg auch nicht jedem gleichsam zuteil wurde. Devan vertraute er insofern schon, dass er ihn in sein Heim ließ. Das war ein Vorschuss an Vertrauen, das längst nicht jeder bekam.
Ilyas quittierte Dekans schonungslose Art das Gespräch direkt auf den Punkt zu bringen mit einem mageren, aber nicht verstimmten Schmunzeln, das der andere allerdings nicht sehen konnte, weil er ihnen just Wein und Wasser einschenkte. Er mochte es, wenn Menschen nicht lange um den heissen Brei redeten…wenn es allerdings um einen selbst ging, fühlte es sich gleich anders an. Nichtsdestotrotz traf es die Fakten. „Du kommst genau richtig.“, entgegnete er. Da gab es nichts vorzubereiten. Wäre er auf der Flucht, wäre diese ausnahmsweise und untypische für ihn sicher eher kopflos gewesen, aber Ilyas stellte sich dem Unausweichlichen in Form dieser Ehe. Was nicht bedeutete, dass er einen großen Tamtam darum machte. Im Gegenteil, er hatte sich darauf verlassen zu delegieren wie er es immer tat…Kleidung, Schmuck und alles weitere wurde von den Frauen und Zuständigen des Palastes oder seiner Mutter übernommen - war es nicht so, dass diese Ereignisse dem langweiligen Leben von Frauen Freude bereiteten?!
„Amira. Die Gesellschafterin der Königin“, man könnte es Freundin nennen, aber Ilyas war der Meinung, dass es keine wirkliche Freundschaft zwischen Monarchen und Gewöhnlichen gab, also blieb er bei der offiziellen Bezeichnung. Er verzichtete darauf zu bekunden, dass das Mädchen seine eigene Tochter sein könnte, das wusste der Amra-Bruder gewiss selbst.
Mit Wein und Wasser in sauberen Kelchen kehrte er an diesen heran zurück. Er prostete ihm zu, als wäre auch dessen Getränk von edlem Tropfen und gemessen an der Qualität des Wassers in den Brunnen draussen, mochte das auch der Fall sein. „Danke, dass du gekommen bist und auf die großen, sonderbaren…(nicht wunderbaren) Veränderungen“, sprach er sich aus und nahm einen Schluck des dunkelroten Weins. „Ich habe dich hergebeten, weil ich eine Bitte habe. Das….(Mädchen)…. Meine Frau wird mich nach Kings Portal begleiten, ich halte die Lage dort für sicher, zumindest für die nächsten Wochen. Sicherer als wenn sie sich hier in meinem Haus bewegt“, was nicht die Sicherheit seines eigenen Hauses betraf, sondern eher das was Ilyas selber verbarg. „Sollten sich die Umstände dort aber absehbar ändern, möchte ich jemanden, der sie sicher zurück nach Dharan-al-Bahr und in den Schutz des Palastes bringt. Ich möchte dich gerne mit dieser Aufgabe betrauen, Bruder“, er sah ihn aufmerksam an und legte ihm die Hand an den Oberarm. „Aber ich habe auch mehr Verwendung für dich in dem stinkenden Loch des Großkönigs, wenn du einwilligst…“
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| Amra Aswad |
| Devan Naharis |
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| Alter |
31 |
| Beruf |
Assassine |
| Wohnort |
Dharan al-Bahr, Matariyya |
| Stand |
Ledig |
| User |
Letha |
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17-06-2024, 12:01 - Wörter:
Mit Amira verband er nicht ihren Beruf, auch nicht ihre Stellung und die Macht, die durch ihre Hände floss und gewoben wurde als Gesellschafterin der Königin. Devan wusste, er sollte sich mehr mit der Politik und ihren abzweigenden Auswirkungen beschäftigen, als Spieler in diesem Machtgefilde, aber es fiel ihm immer noch schwer, Interesse an solch einem abstrakten Konzept aufzubringen; schon gar nicht, wenn sein Kopf sich mit Bildern von der Straße füllte und seine Hände immer noch den Abdruck von Stein und Schutt trugen. Interessant waren die Menschen hinter der Politik. Die Königin, erhaben und stolz, wie sie den Schatten regierte. Der König selbst mit seinen unruhigen, verwässerten Augen, wie er (zurecht) in jedem Schatten eine Gefahr vermutete, so zerfressen von der Angst, zu sterben. Oder auch Amira, deren Hände selbst so zart und feingliedrig waren, als hätte sie niemals Arbeit gesehen. Sie mit der Fähigkeit, sich wie Wasser im Palast zu bewegen und gerade genug aufzufallen wie die Sonnensprenkel auf der Meeresoberfläche. Sie, die reflektierte und imitierte, und die einem gewissen Gardisten stets freundlich zulächelte. Devan war nicht überrascht, weil er die Verbindung zwischen ihr und Ilyas nicht hatte kommen sehen (der Tag musste noch kommen, an dem er die Heiratspolitik verstand und verstehen wollte), sondern weil er mit dem Namen ein Gesicht verband und sie tatsächlich einordnen konnte. „Ich kenne sie“ , gab er zu, sein Blick wacher als zuvor und doch schien er sich einen Moment von dem Gespräch zu entfernen. „Sie kennt Vasim. Wir sollten uns was überlegen, wenn ich weiterhin an deine Tür klopfen soll.“ Zwar hatte Amira nie sein Gesicht gesehen, aber in solch privatem Umfeld wie dem Heim ihres zukünftigen Ehemannes war es fahrlässig, davon auszugehen, sie würde ihn nicht wieder erkennen. Man musste Menschen nur genug Zeit geben und sie würden Verbindungen ziehen, die gefährlich für sie waren. Besser, sie fanden eine Ausrede, warum Ilyas einen Gardisten des Königshauses in sein vertrautes Umfeld ließ, oder Devan würde Wege finden, der zukünftigen El Mansouri hier nie über den Weg zu laufen.
Das Wasser empfand er als kühle, angenehme Erfrischung, während er den Worten weniger Sinn beimessen konnte. War er nicht hier, weil sie ihr Wissen austauschen wollten? In diesem Raum allein steckte so viel ungeschliffenes Potential, so viel Arbeit von einem Mann, dass der Assassine ein ehrfürchtiges Kribbeln in seinem Nacken spürte. Hätte seine Arbeit auf den Straßen es erlaubt, er wäre früher gekommen, und vor allem öfter. Ilyas war des Lesens mächtig und einer der einzigen Menschen, der seine Faszination für die Pflanzenwelt in ihren Substanzen und Erzeugnissen verstand; einer, von dem er lernen und seinen Horizont erweitern konnte. Dass Devan nun seine Augenbrauen zusammenzog und sich diese eine markante, senkrechte Falte dazwischen vertiefte, verdeutlichte nur, dass er eigentlich einen anderen Gesprächsgrund erwartet hatte. Seine Verwunderung vertiefte sich nur und schlug fast schon in Skepsis um, während er den Adjutanten weitersprechen ließ. „Du willst, dass ich nach King´s Portal gehe?“ , fasste er die Bitte zusammen. In seiner Stimme steckte kein Tadel, keine Beleidigung, versuchte er doch lediglich, das Gesagte richtig zu deuten. Es kam nicht selten vor, dass Ilyas in einer Wechselseitigkeit aus Geben und Nehmen Dinge von Devan verlangte gegen das Wissen, das er mit ihm teilte. Das stieß auf Verständnis und Devan tat es immer freiwillig. Er ging sogar darüber hinaus und tat Gefälligkeiten ohne eine Gegenleistung nicht nur für den Adjutanten, sondern auch für die anderen sechs in ihren Kreisen. Aber er tat sie nicht kopflos. „Willst du, dass ich euch begleite, nachreise oder nur im Fall von Gefahr ins Königsland Reise?“ Die eine Hand immer noch hinter dem Rücken, erklärte er mit dem Becher in der anderen Hand den Weg von A nach B, den er auf sich nehmen würde, um besagte Bitte zu erfüllen. Devan musste sich die genauen Wege nicht errechnen, er hatte etwa im Gefühl, wie lange er nach Abu Khabir brauchte, während die Seereise unberechenbar und stark vom Wetter abhängig sein würde. Das unauffällige Besteigen eines Handelsschiffes zu diesen Zeiten war hier nicht das Problem; es fehlte ihm lediglich das Verständnis für den Grund, diese Reise auf sich zu nehmen. Devan schürzte abschätzig die Lippen, schüttelte dann aber den Kopf. „Mit den Plänen, die wir verfolgen, kann ich hier nicht weg. Sollte das Festland wirklich gefährlich werden, wird die Nachricht zu lange brauchen, um hier anzukommen“ , mutmaßte er. „Du brauchst jemanden, der Vorort ist und schnell handeln kann.“ Jederzeit konnte Ilyas ihm ins Wort fallen und seine eigenen Gedanken kundtun, war der Assassine doch niemand, der darauf beharrte, seine Gedanken zu Ende auszuführen. Auch, wenn es in diesem Fall vielleicht Früchte trug, wenn man es ihm erlaubte. Nachdenklich setzte sich sein Blick in einer der Raumecken fest, das innere Auge gefüllt mit Gesichtern, die er kategorisch durchging. „Ich kenne eine Person in King‘s Portal, die ich mit der Aufgabe betrauen kann. Oder ich kann dir einen Söldner meines Vertrauens empfehlen?“ Kurz dachte er an seine Schüler, verwarf aber schnell den Gedanken. Latifa brauchte er hier, wenn die Zeit reif war, zumal ihre Tarnung im Palast gefährdet werden könnte, sollte er sie auf eine mehrwöchige Mission schicken. Und Ilias… Es war noch zu früh, um ihn auf eine unabhängige Mission zu schicken. Selbst mit funktionsfähigen Beinen war er zu ungestüm, zu unberechenbar und nicht erfahren genug, dass er sich womöglich noch selbst in Gefahr bringen würde. A propos Gefahr, da war noch so eine Sache, die ihn stutzig machte. „Hältst du es für eine gute Idee, Amira zurück in den Palast zu bringen?“ Nicht, dass er an Ilyas Urteilsvermögen zweifelte, er würde wirklich gerne wissen, was in diesem intelligenten Kopf vorging.
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