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The one who stayed in shadows.
16.10.1016 - 12:00
Rabenrast
Veith Alvarsson Eydís Vigdal

Winterland
Veith Alvarsson
Winterland
Alter 31
Beruf Krieger
Wohnort Wintergard
Stand Ledig
User Risa
#1
Der Name des Dorfes war Rabenrast. Frischer Schnee bedeckte die schmalen Gassen und die schiefen Dächer der kleinen Fachwerkhäuser, während die Mittagssonne ihr blasses Licht über die Szenerie warf und die Eiskristalle zum Glitzern brachte. Veith Alvarsson fand sich vor einem kleinen Häuschen wieder. Neben ihm stützte er eine hochschwangere junge Frau, die kaum noch wusste, wie sie auf den wackeligen Beinen bestehen sollte und kläglich vor sich hinkeuchte. Das Mädchen, das er nicht weit von der Siedlung entdeckt hatten, war nun hier, und niemand schien sich für sie zu interessieren. Keiner, der hier hauste, wollte sie auch nur näher kennen.
Die Tatsache, dass das Mädchen bereits starke Wehen hatte, als Veith sie auf dem Weg Richtung Wolfsmark fand, zwang den Krieger dazu, die Verantwortung für die Dunkelhaarige zu übernehmen. So standen sie nun da, vor dem Haus der Hebamme am Dorfplatz - das Mädchen erschöpft und atemlos, Veith mit gerunzelter Stirn, nicht sicher, ob man ihnen hier helfen würde.

Eine weitere Wehe durchzuckte die junge Frau und zwang die Schwangere zu einem schmerzhaften Aufschrei. Veith, oft wegen seiner schonungslosen Ehrlichkeit und seines vermeintlich fehlenden diplomatischen Geschicks kritisiert, erregte häufig den Unmut seiner Mitmenschen. Doch er gehörte auch zu denjenigen, die mit ihrer Hilfsbereitschaft nicht zögerten. „Wie lautet dein Name, Mädchen?“ fragte er die Schwangere die offenbar keinerlei Scheu davor hatte, die gesamte Ortschaft mit ihren Schreien in Aufruhr zu versetzen. Es dauerte einen Moment, bis die junge Frau in der Lage war, auf seine Frage zu antworten. Ihr Atem ging schnell und das Sprechen fiel ihr zunehmend schwerer. "Hilda... mein Name ist Hilda", hauchte sie mühsam. Hilda war jung, vielleicht 17 oder 18 Jahre alt und allem Anschein nach war sie ganz allein mit ihrem Kind. Andeutungen seitens der Dorfbewohner ließen darauf schließen, dass sie von außerhalb stammte und keinen Ehemann hatte und somit niemand hier war, der ihr beistehen würde. Ihre Familie schien sie wegen der Tatsache, dass sie unverheiratet ein Kind erwartete, verstoßen zu haben. Es war wohl ein glücklicher Zufall gewesen, dass der Krieger gerade an diesem Morgen in der Nähe der Siedlung Rast machte und Hilda entdeckte.

In dem Moment, als Veith seinen Blick zurück zum Haus der Hebamme schweifen ließ, spürten er einen Schwall Wasser, der sich über den Boden ergoss und dabei auch einen Teil seiner Stiefel benetzte. Ein vorbeigehender Dorfbewohner warf ihnen einen angewiderten Blick zu, der keinen Zweifel daran ließ, was er von der Szene hielt. Veith presste die Zähne aufeinander, unterdrückte einen Fluch. Nicht wegen der nassen Stiefel, sondern weil er immer noch nicht begreifen konnte, wie ausgerechnet er in diese Lage geraten war.
Der großgewachsene Krieger trat an die Tür des Häuschens heran und klopfte. Als zunächst keine Reaktion erfolgte und Hilda erneut von einer Wehe gepackt wurde, klopfte er fester, diesmal mit Nachdruck. „Wir brauchen Hilfe!“ rief er, die Stimme schärfer, als beabsichtigt. So sehr er sich bemühte, der jungen Frau beizustehen, so sehr sehnte er den Moment herbei, in dem er sie in die Obhut der Hebamme übergeben und sich wieder entfernen konnte. Dieser Zwischenfall hielt ihn auf und Veith wusste, dass sein Onkel bereits auf ihn wartete.
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Eydís Vigdal
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#2
Die Schüssel mit der kräftigen Brühe stand bereits dampfend auf dem Tisch, als das Klopfen kam – hart, fordernd, so, wie man nicht klopfte, wenn es nur um einen harmlosen Besuch ging. Der Schöpflöffel in Eydís Hand hielt inne und wurde dann sorgsam zurück in den Topf gehängt. Ihre Töchter waren im nahen Wäldchen hinter dem Haus, da sich Runa einen Beerenkuchen gewünscht hatte, Njall half einem Viehzüchter am westlichen Dorfrand und sie wusste, dass er  mit einem Bärenhunger zum Essen kommen würde und mit Sicherheit nicht klopfen würde. Ihr Ehemann war am gestrigen Abend nicht aus der Schenke heimgekehrt und nüchterte vermutlich zwischen fremden Schenkeln aus. Sie war allein und, für einen seltenen Augenblick, genoss sie die friedliche Stille. 

Das zweite Klopfen ließ keinen Zweifel, wenn man bedachte, dass die massive Holztür sich beinahe unter der Wucht des Schlages bog und von einer alarmierten, dröhnenden Stimme begleitet wurde: Es war ganz eindeutig dringend. Sie stellte die Schüssel beiseite, strich sich das Haar aus der Stirn und öffnete. Eine scharfe Böe drang herein – und mit ihm ein Mann, so groß, dass er den Türrahmen nahezu ausfüllte, neben sich eine junge Frau, kaum mehr ein Mädchen, mit bleichem Gesicht und tränenschwerem Blick.

Eydís brauchte nur den Bruchteil eines Atemzugs, um die Lage zu begreifen: die ungleichmäßige Atmung, die verkrampften, schützenden Finger um die zarte Wölbung ihres Bauches, die triefende ihrer Röcke, das fahle Grau ihrer Haut. Ihr Blick glitt kurz zu dem Mann – Pelz, Stahl, breite Schultern, eine Haltung, die ihr sagte, dass er gewohnt war zu befehlen. Und doch hielt er das Mädchen, als wäre sie aus Glas. Er musste der Vater sein.

Es war niemand aus dem Dorf, auch nicht aus den angrenzenden Siedlungen. Aufgrund ihrer zierlichen Statur schätzte sie das Mädchen auf allerhöchstens sechszehn. Beinahe ein Kind. Sie wirkte unterernährt und war ganz eindeutig schwanger.  Aufgrund der Statur der werdenden Mutter ließ sich nicht auf den ersten Blick feststellen, ob hier lediglich ein reifes Kind zur Welt kommen wollte, oder ob es womöglich zu früh war. Viel zu früh, vielleicht sogar.

„Rein mit ihr“, sagte Eydís knapp, wich zur Seite und schloss gleich hinter ihnen die Tür, damit die Kälte nicht die wohlige Wärme aus der Stube stahl. „Legt sie dorthin“, wies sie den Krieger an und nickte zu einer niedrigen, improvisiert wirkenden Schlafstatt in der Ecke. „Dann geht zum Tisch – Tücher liegen im Korb darunter. Wasser ist im Kessel am Herd. Alles herbringen.“ Keine Bitte, nur klare Sätze. Zeit war jetzt kostbarer als Höflichkeit.

Ohne sich zu versichern, ob er ihren Anweisungen Folge leistete, kniete Eydís bereits bei der Fremden nieder. „Ich bin Eydís, die Hebamme von Rabenrast. Wie heißt du, mein Kind?“, fragte sie sanft, ihre Stimme eine Brücke über den Schmerz hinweg, ihre Augen ungewöhnlich warm, beinahe mütterlich. Sie strich der jungen Frau eine schweißnasse Strähne aus der Stirn, glitt mit einer Hand über ihre Körpermitte, prüfte mit einem geübten, beinahe zärtlichen Griff die Spannung des Bauches. Viel zu früh, aber nicht hoffnungslos.

Das Mädchen keuchte, krallte sich an Eydís’ Ärmel. „Hilda. Es… es tut so weh.“ Hildas Worte verklangen in einem panischen Schluchzen, das Eydís durch Mark und Bein ging. Die Verzweiflung einer Frau, die ahnte, dass etwas nicht stimmte. „Ich weiß. Atme, wie ich es dir zeige. Du bist nicht allein.““ Ihre Worte waren ruhig, getragen von jener Ruhe, die sie Dutzende Male zuvor gezeigt hatte – selbst, wenn sie innerlich schon rechnete, welche Risiken hier lauerten. Sie atmete auffällig laut und zeigte Hilda, wie sie in den Brustkorb ein- und in den Bauch ausatmete. „Du musst mitarbeiten, Hilda. Wir zwei gegen den Schmerz.“

Das dumpfe Klirren von Metall und das Scharren schwerer Stiefel auf Holz kündigte an, dass der Krieger die Tücher und das Wasser brachte. Eydís nahm beides wortlos entgegen, nur ein kurzes Nicken als Anerkennung. „Wie weit ist sie?“, fragte sie ohne aufzusehen, möglicherweise einen Deut zu scharf, jedoch noch ohne Wertung. „Wagt es nicht, Euch in die Schenke zu flüchten. Ich brauche Euch, um sie zu halten, wenn die Wehen stärker werden. Und wenn ich etwas sage, tut Ihr es sofort. Verstanden?“ Nun, vielleicht hatte sie es doch nicht lange ausgehalten, ihm zu sagen, was sie von jemandem hielt, der ein Mädchen an der Schwelle zur Frau erst schwängerte und es dann bei der erstbesten Unannehmlichkeit in einem fremden Dorf abliefern wollte. Zu dumm, dass ihm die Wehen dazwischen kamen. Vermutlich hatte bisher niemand nach ihr gesehen.

Dann war der Mann vergessen, ihre ganze Aufmerksamkeit gehörte Hilda. Eydís legte warme Tücher an, prüfte den Herzschlag des Kindes mit geschlossenen Augen, sprach leise auf die junge Frau ein, während draußen der Schnee fiel und das Feuer in der Kochstelle prasselte. Das war jetzt ihre Welt – und sie würde nun da sein, hoffentlich, bis neues Leben den ersten Schrei tat. 
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