12-04-2025, 15:14 - Wörter:
Der Morgen kam nicht mit Licht, sondern mit einem leisen Knacken im gefrorenen Holz der Baracken und dem silbrigen Knirschen von Schnee unter schweren Stiefeln. In Norsteading herrschte der Winter wie ein sturer, alter König und er regierte das ganze Jahr. Der Himmel war bleigrau, kein Sonnenstrahl war zu sehen und der Atem hing den Männern wie Nebelschleier vor dem Gesicht. Veith Alvarsson betrat durch das knarzende Tor den Burghof, wo der Schnee in flachen Böen über den gestampften Boden trieb. Die Luft roch nach kaltem Eisen, feuchtem Leder und dem harzigen Rauch der Schmiede, aus der man die fernen Hammerschläge hörte. Der Krieger trat an den Wachen vorbei, die träge in ihren mit Pelz gehüllten Umhängen dastanden und dem Ende ihres Diensts entgegenfieberten und blieb inmitten des Hofs stehen.
Vor ihm lagen die neuen Waffen, sorgfältig ausgelegt auf einem groben Tuch, das schon dunkle Spuren von altem Blut und frischem Öl trug. Schwerter, Äxte, Speere, jede Klinge war noch jung, ohne Kerben und ohne Geschichten. Veith kniete sich hin, der Schnee knirschte protestierend unter seinem Gewicht. Mit einer Ruhe, die mehr über ihn sagte als Worte es konnten, nahm er ein Langschwert in die Hand. Der Stahl war gut. Nicht glänzend, aber ehrlich. Der Schwerpunkt lag genau dort, wo er ihn spüren wollte. Der Schmied hatte sich nicht mit Prunk oder Firlefanz aufgehalten, aber das war in Ordnung. Heute ging es mehr darum, die Arbeit des Schmieds im Hinblick auf eine größere Lieferung zu bewerten und herauszufinden, ob die Waffen sich im Kampf bewähren konnten. Die Schmiede Norsteadings waren zwar keine Künstler, wenn es darum ging, sich auf aufwendige Verzierungen und kunstvolle Details zu konzentrieren, doch sie produzierten gute, solide Waffen, die im Kampf gegen andere Krieger oft überlegen waren und darauf kam es letzten Endes auch an.
Er legte das Schwert zurück und prüfte das nächste. Langsam arbeitete er sich durch die Reihe, nahm jede Klinge in die Hand, prüfte sie im Gewicht, in der Führung, im Klang. Hinter ihm öffnete sich abermals das Tor und Veiths Stimmung hob sich ein wenig. Er hatte Halger schon früher erwartet, doch wusste er nur zu gut, dass der stämmige, rothaarige Nordmann eine ausgesprochene Schwäche für ausgedehnte Saufgelage hatte und da diese in den Tavernen von Wintergard beinahe so regelmäßig stattfanden wie der Schneefall, wunderte sich Veith längst nicht mehr über eine verspätete Ankunft seines Freundes. Veith sprach, ohne aufzusehen. „Ich habe dich früher erwartet“, sagte er, während sein Blick bereits zum nächsten Schwert wanderte. Er hob es an, drehte es prüfend in der Hand, spürte abermals den Schwerpunkt und warf dem Neuankömmling dann einen kurzen Seitenblick zu. „Ist es gestern wieder spät geworden?“
Vor ihm lagen die neuen Waffen, sorgfältig ausgelegt auf einem groben Tuch, das schon dunkle Spuren von altem Blut und frischem Öl trug. Schwerter, Äxte, Speere, jede Klinge war noch jung, ohne Kerben und ohne Geschichten. Veith kniete sich hin, der Schnee knirschte protestierend unter seinem Gewicht. Mit einer Ruhe, die mehr über ihn sagte als Worte es konnten, nahm er ein Langschwert in die Hand. Der Stahl war gut. Nicht glänzend, aber ehrlich. Der Schwerpunkt lag genau dort, wo er ihn spüren wollte. Der Schmied hatte sich nicht mit Prunk oder Firlefanz aufgehalten, aber das war in Ordnung. Heute ging es mehr darum, die Arbeit des Schmieds im Hinblick auf eine größere Lieferung zu bewerten und herauszufinden, ob die Waffen sich im Kampf bewähren konnten. Die Schmiede Norsteadings waren zwar keine Künstler, wenn es darum ging, sich auf aufwendige Verzierungen und kunstvolle Details zu konzentrieren, doch sie produzierten gute, solide Waffen, die im Kampf gegen andere Krieger oft überlegen waren und darauf kam es letzten Endes auch an.
Er legte das Schwert zurück und prüfte das nächste. Langsam arbeitete er sich durch die Reihe, nahm jede Klinge in die Hand, prüfte sie im Gewicht, in der Führung, im Klang. Hinter ihm öffnete sich abermals das Tor und Veiths Stimmung hob sich ein wenig. Er hatte Halger schon früher erwartet, doch wusste er nur zu gut, dass der stämmige, rothaarige Nordmann eine ausgesprochene Schwäche für ausgedehnte Saufgelage hatte und da diese in den Tavernen von Wintergard beinahe so regelmäßig stattfanden wie der Schneefall, wunderte sich Veith längst nicht mehr über eine verspätete Ankunft seines Freundes. Veith sprach, ohne aufzusehen. „Ich habe dich früher erwartet“, sagte er, während sein Blick bereits zum nächsten Schwert wanderte. Er hob es an, drehte es prüfend in der Hand, spürte abermals den Schwerpunkt und warf dem Neuankömmling dann einen kurzen Seitenblick zu. „Ist es gestern wieder spät geworden?“
