29-05-2025, 21:32 - Wörter:
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 10-06-2025, 20:03 von Erik Norrholm.)
Der typische, schneidend kalte Wind Norsteadings peitschte Erik ins Gesicht. In der Ferne heulte ein Wolf, begleitet vom heiseren Ruf eines Kauzes, der wohl nach seiner nächsten Mahlzeit Ausschau hielt. Die Nacht roch nach Eis, nach Holz und dem toten Wildschwein auf Thorins Rücken. Drei Tage war der Streit mit Leif nun her. Drei Tage, seit sie sich vor den Toren der Wolfsburg getrennt hatten – ohne ein weiteres Wort. Erik hatte seitdem reichlich Zeit zum Nachdenken gehabt, doch er hatte sich dabei redlich bemüht, keine Kopfschmerzen zu bekommen. Es war ihm nur mäßig gelungen. Was geblieben war, war ein Gefühl aus Enttäuschung – und Wut. Und mit jeder Stunde, die verstrich, schien sich beides tiefer in ihm zu verankern.
Als Erik die schweren Tore der Burg seines Vaters durchschritt, kam ihm einer der Stallburschen entgegen. Mit einem höflichen Gruß nahm er ihm das Pferd ab. „Bring die Sau in die Küche, damit man sie verwerten kann“, sagte er ruhig, klopfte dem Tier ein letztes Mal sanft auf die Flanke und machte sich dann schnellen Schrittes auf den Weg in die Burg.
Die alten Mauern, die stets seine Heimat gewesen waren, wirkten jetzt kalt und abweisend – seit dem Streit lastete eine ungewohnte Schwere auf ihnen, die sich tief in seinem Herzen widerspiegelte. Und allein dafür war er mindestens ebenso wütend auf Leif wie auf sich selbst. Die flackernden Feuerschalen warfen ein schwaches Licht auf die gewaltigen Flure der Burg. Es war fast lächerlich, daran zu denken, dass er eines Tages all das verwalten sollte. Es passte genauso wenig zu ihm wie der Titel, mit dem er geboren worden war. Doch anstatt sich den Zweifeln hinzugeben, wie er es so oft schon im Stillen getan hatte, befahl Erik einem der Bediensteten, ihm ein Bad einzulassen. Die vergangenen drei Tage im Wald – allein mit seinem Pferd und einem toten Wildschwein – waren auch an einem Erik Norrholm nicht spurlos vorübergezogen.
Mit raschen Schritten erklomm er die breiten Stufen, die zu den Gemächern führten, die seiner Frau und ihm gehörten. Neben Wut und Enttäuschung hatte sich ein anderes Gefühl tief in seiner Brust eingenistet – eines, das all das zu überdecken vermochte: Sehnsucht. Er hatte sie vermisst. Mit jeder Faser seines Körpers. Hatte sich nach ihrem Leib, ihrem Duft, doch vor allem nach ihrem unverwechselbaren Wesen gesehnt. Sicher hätte sie seine Wut im Keim ersticken können – oder sie zumindest zu gleichen Teilen mit ihm geteilt. Reinka war für ihn zu einer unverzichtbaren Konstanten geworden, deren Wert ihm früher kaum bewusst gewesen war. Er wusste kaum, wie er ohne sie zuvor hatte bestehen können. So lächerlich es auch war, genau wie der Titel, mit dem er geboren worden war. Früher brauchte er nur sich selbst – vielleicht noch Met und gelegentlich Leif. Heute jedoch richtete sich sein ganzer Fokus auf sie: auf ihr Wohlbefinden und das Leben, das in ihr heranwuchs.
Vor der Tür zögerte er einen Moment. Er stank, war verschwitzt und fror, doch er wollte sie wenigstens kurz sehen, bevor er ins Bad ging. Leise öffnete er die Tür und blickte in den dunklen Raum. Irgendwo aus der Richtung des Bettes hörte er ihren vertrauten, ruhigen Atem – sie schlief.
Erik hielt kurz inne, zog langsam die groben, schmutzigen Kleider aus und warf sie achtlos vor dem Gemach auf den Boden. Dann trat er in den Raum, in der leisen Hoffnung, dass die unterste Kleidungsschicht nicht so stark nach Wildnis roch wie die äußere, die den ganzen Tag an seinem Körper gehangen hatte.
Seine Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit, während er leise zu ihrer Seite des Bettes trat. Aus einer Tasche zog er die Wildschweinhauer hervor und legte sie behutsam auf das kleine Beistelltischchen neben ihrem Kopfkissen. Für einen Moment verharrte er, kniete sich dann langsam hin, strich ihr eine dunkle Haarsträhne sanft aus dem Gesicht und hauchte ihr einen zärtlichen Kuss auf die weichen Lippen. Sie regte sich leicht, öffnete halb die Augen. "Ich bin wieder da", flüsterte er leise, "komme gleich ins Bett. Ich brauche erst ein Bad..." Noch einmal glitt seine Hand durch ihr Haar, ehe er sich vorsichtig aufrichtete
Als Erik die schweren Tore der Burg seines Vaters durchschritt, kam ihm einer der Stallburschen entgegen. Mit einem höflichen Gruß nahm er ihm das Pferd ab. „Bring die Sau in die Küche, damit man sie verwerten kann“, sagte er ruhig, klopfte dem Tier ein letztes Mal sanft auf die Flanke und machte sich dann schnellen Schrittes auf den Weg in die Burg.
Die alten Mauern, die stets seine Heimat gewesen waren, wirkten jetzt kalt und abweisend – seit dem Streit lastete eine ungewohnte Schwere auf ihnen, die sich tief in seinem Herzen widerspiegelte. Und allein dafür war er mindestens ebenso wütend auf Leif wie auf sich selbst. Die flackernden Feuerschalen warfen ein schwaches Licht auf die gewaltigen Flure der Burg. Es war fast lächerlich, daran zu denken, dass er eines Tages all das verwalten sollte. Es passte genauso wenig zu ihm wie der Titel, mit dem er geboren worden war. Doch anstatt sich den Zweifeln hinzugeben, wie er es so oft schon im Stillen getan hatte, befahl Erik einem der Bediensteten, ihm ein Bad einzulassen. Die vergangenen drei Tage im Wald – allein mit seinem Pferd und einem toten Wildschwein – waren auch an einem Erik Norrholm nicht spurlos vorübergezogen.
Mit raschen Schritten erklomm er die breiten Stufen, die zu den Gemächern führten, die seiner Frau und ihm gehörten. Neben Wut und Enttäuschung hatte sich ein anderes Gefühl tief in seiner Brust eingenistet – eines, das all das zu überdecken vermochte: Sehnsucht. Er hatte sie vermisst. Mit jeder Faser seines Körpers. Hatte sich nach ihrem Leib, ihrem Duft, doch vor allem nach ihrem unverwechselbaren Wesen gesehnt. Sicher hätte sie seine Wut im Keim ersticken können – oder sie zumindest zu gleichen Teilen mit ihm geteilt. Reinka war für ihn zu einer unverzichtbaren Konstanten geworden, deren Wert ihm früher kaum bewusst gewesen war. Er wusste kaum, wie er ohne sie zuvor hatte bestehen können. So lächerlich es auch war, genau wie der Titel, mit dem er geboren worden war. Früher brauchte er nur sich selbst – vielleicht noch Met und gelegentlich Leif. Heute jedoch richtete sich sein ganzer Fokus auf sie: auf ihr Wohlbefinden und das Leben, das in ihr heranwuchs.
Vor der Tür zögerte er einen Moment. Er stank, war verschwitzt und fror, doch er wollte sie wenigstens kurz sehen, bevor er ins Bad ging. Leise öffnete er die Tür und blickte in den dunklen Raum. Irgendwo aus der Richtung des Bettes hörte er ihren vertrauten, ruhigen Atem – sie schlief.
Erik hielt kurz inne, zog langsam die groben, schmutzigen Kleider aus und warf sie achtlos vor dem Gemach auf den Boden. Dann trat er in den Raum, in der leisen Hoffnung, dass die unterste Kleidungsschicht nicht so stark nach Wildnis roch wie die äußere, die den ganzen Tag an seinem Körper gehangen hatte.
Seine Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit, während er leise zu ihrer Seite des Bettes trat. Aus einer Tasche zog er die Wildschweinhauer hervor und legte sie behutsam auf das kleine Beistelltischchen neben ihrem Kopfkissen. Für einen Moment verharrte er, kniete sich dann langsam hin, strich ihr eine dunkle Haarsträhne sanft aus dem Gesicht und hauchte ihr einen zärtlichen Kuss auf die weichen Lippen. Sie regte sich leicht, öffnete halb die Augen. "Ich bin wieder da", flüsterte er leise, "komme gleich ins Bett. Ich brauche erst ein Bad..." Noch einmal glitt seine Hand durch ihr Haar, ehe er sich vorsichtig aufrichtete
