01-06-2025, 20:47 - Wörter:
Reinka beobachtete schweigend, wie sich Erik das Hemd über den Kopf zog. Der Stoff glitt langsam über die breiten Schultern, enthüllte Stück für Stück seinen Oberkörper – kraftvoll, sonnengegerbt, durchzogen von Narben, die Geschichten erzählten, die sie beinahe alle kannte. Wie selbstverständlich verharrte ihr Blick auf ihm, einen Herzschlag zu lang, als wäre sie unfähig, ihn nicht anzusehen. Ihr Atem wurde flacher. Verfluchte Hormone.
Ihr Ehemann war schön. Nein – er war überwältigend. Nicht im Sinne zarter Poesie, sondern in dieser rohen, unbeugsamen Weise, wie nur Männer wie Erik es sein konnten. Reinka spürte, wie etwas in ihr zu pochen begann – tief in ihrem Leib, sehr vertraut. Eine Welle leiser Begierde, der sie instinktiv Einhalt gebot. Sie waren frisch verheiratet, ja – aber es war mehr als das. Es war ein Hunger, der sich mit jedem einzelnen Tag seiner Abwesenheit vertausendfachte. Ihre Finger schlossen sich um den Saum ihres Nachtgewands, als könnte sie ihn damit bannen. Denn sie sah alles: Die Schwere in seinen Schultern. Das angespannte Spiel seiner Kiefermuskeln. Er trug etwas mit sich, das nichts mit Müdigkeit und der langen Jagd zu tun hatte. Als er sich ihr zuwandte, seine Hände an ihre Hüften legte, war sie sofort ganz bei ihm. Erwiderte den Kuss, ohne zu zögern. Sie ließ sich in seine Nähe fallen wie in eine längst vergessene Wärme, ließ ihre Stirn gegen seine sinken, ihre Augen geschlossen, ihren Atem in seiner Nähe ruhiger werdend. Als er ihr sagte, dass er sie vermisst hatte, flatterte ein leises Ziehen durch ihren Brustkorb. „Ich dich auch …“, flüsterte sie kaum hörbar zurück.
Es war nicht einfach, ihm dabei zuzusehen, wie er sich dann wieder abwandte. Sie sog seinen ureigenen Geruch tief ein, hielt ihn fest, als könne sie ihn in sich konservieren. Seine Worte über Thorin und seine Pläne, sie mitzunehmen, brachten ein glückliches Lächeln auf ihre Lippen, aber es verblasster rasch – ersetzt durch einen leisen Stich, als er von Leif sprach.
Sie schwieg daraufhin. Hörte nur zu. Nahm jedes seiner Worte in sich auf wie Tropfen auf ausgedörrtem Boden. Es tat ihr weh, ihn so zu sehen – nicht gebrochen, nein. Aber getroffen. Und das von jemandem, dem er mit ganzem Herzen vertraute. Vertraut hatte. Jemandem, von dem sie selbst geglaubt hatte, er würde Erik blind vertrauen, wie es nur ein Bruder tun würde. Als Erik sich die Haare löste, wallte ein bittersüßer Schmerz in ihr auf. Ihre Finger zuckten – sie liebte es, durch dieses helle, dichte Haar zu fahren, doch jetzt war kein Platz für Zärtlichkeit. Stattdessen war da diese Unruhe. Das Unausgesprochene.
Sie beobachtete, wie er begann, sich aus der Hose zu schälen, die Bewegungen fahrig, frustriert. Er war in Gedanken, seine Emotionen schlugen hohe Wellen, so wie sein Atem sie ahnen ließ. Und sie ließ ihn. Tat nichts, sagte nichts. Bis seine Hände an der ledernen Hose verharrten und er kurz innehielt. Reinka trat lautlos näher, ging vor ihm in die Knie. Ihre Finger lösten geschickt den letzten Haken an seiner Hüfte, dann half sie ihm, aus dem steifen Leder zu steigen. Ihre Bewegungen waren ruhig, wie eine sanfte Geste des Vertrauens – und vielleicht auch der Fürsorge. Kein Zeichen von Unterwürfigkeit, sondern das stille Angebot, da zu sein. Zu tragen, was er nicht in Worte fassen konnte.
Sie richtete sich erst wieder auf, als das Kleidungsstück auf dem Boden lag. Ihre Hände legten sich sacht an seine Oberschenkel, als sie sich wieder erhob. In ihrem Innersten pochte die Wahrheit, die Leif ihr anvertraut hatte – diese eine Information, die Erik vermutlich nicht erfahren hatte. Sie war sich nicht sicher, wie weit ihr Bruder gegangen war. Ob er sich überhaupt geöffnet hatte
„Wie seid ihr verblieben?“ Ihre Stimme war leise, tastend. Sie trat einen Schritt näher an den Zuber heran und ließ sich daneben auf die Knie sinken, wartend, dass Erik seinen Weg in das warme Wasser fand. Dann senkte sie den Blick auf ein paar muskelentspannende Kräutersalze, die sie dem Bad zusetzte und sagte fast tonlos, aber bestimmt: „Du weißt, dass du kein Verräter bist.“ Reinka kannte keinen loyaleren Menschen als ihren Ehemann. Ihre Brust hob sich schwer, als sie die nächste Stille aushielt. „Mein Bruder hatte kein Recht, dich so zu behandeln.“ Ihre Finger zupften unruhig an ihrem Umhang. Der Impuls, sich wutschnaubend auf die Suche nach Leif zu machen, der heute außerhalb von Wolfsmark weilte, um ihn zur Rede zu stellen – ihn zur Hölle zu wünschen –, saß ihr im Nacken wie ein Zucken zwischen den Schulterblättern. Sie kannte ihren Bruder. Wusste, wie er um sich geschlagen haben musste, um Erik so sehr zu verprellen. Und sie wusste, wem sie in diesem Moment zu glauben hatte.
Wut und Resignation verdunkelte für einen Augenblick ihre Züge, aber sie zwang sich, ihre Miene zu klären und Erik ein ermunterndes Lächeln zu schenken. Sie nahm seinen Schmerz in sich auf wie ihren eigenen, um es irgendwie besser zu machen. Sie ließ weiches Leinentuch ins angenehm warme Wasser gleiten, brach die Oberfläche in angenehme Wellen und sah Erik aufmunternd an. “Komm, lass mich dir helfen.“
Ihr Ehemann war schön. Nein – er war überwältigend. Nicht im Sinne zarter Poesie, sondern in dieser rohen, unbeugsamen Weise, wie nur Männer wie Erik es sein konnten. Reinka spürte, wie etwas in ihr zu pochen begann – tief in ihrem Leib, sehr vertraut. Eine Welle leiser Begierde, der sie instinktiv Einhalt gebot. Sie waren frisch verheiratet, ja – aber es war mehr als das. Es war ein Hunger, der sich mit jedem einzelnen Tag seiner Abwesenheit vertausendfachte. Ihre Finger schlossen sich um den Saum ihres Nachtgewands, als könnte sie ihn damit bannen. Denn sie sah alles: Die Schwere in seinen Schultern. Das angespannte Spiel seiner Kiefermuskeln. Er trug etwas mit sich, das nichts mit Müdigkeit und der langen Jagd zu tun hatte. Als er sich ihr zuwandte, seine Hände an ihre Hüften legte, war sie sofort ganz bei ihm. Erwiderte den Kuss, ohne zu zögern. Sie ließ sich in seine Nähe fallen wie in eine längst vergessene Wärme, ließ ihre Stirn gegen seine sinken, ihre Augen geschlossen, ihren Atem in seiner Nähe ruhiger werdend. Als er ihr sagte, dass er sie vermisst hatte, flatterte ein leises Ziehen durch ihren Brustkorb. „Ich dich auch …“, flüsterte sie kaum hörbar zurück.
Es war nicht einfach, ihm dabei zuzusehen, wie er sich dann wieder abwandte. Sie sog seinen ureigenen Geruch tief ein, hielt ihn fest, als könne sie ihn in sich konservieren. Seine Worte über Thorin und seine Pläne, sie mitzunehmen, brachten ein glückliches Lächeln auf ihre Lippen, aber es verblasster rasch – ersetzt durch einen leisen Stich, als er von Leif sprach.
Sie schwieg daraufhin. Hörte nur zu. Nahm jedes seiner Worte in sich auf wie Tropfen auf ausgedörrtem Boden. Es tat ihr weh, ihn so zu sehen – nicht gebrochen, nein. Aber getroffen. Und das von jemandem, dem er mit ganzem Herzen vertraute. Vertraut hatte. Jemandem, von dem sie selbst geglaubt hatte, er würde Erik blind vertrauen, wie es nur ein Bruder tun würde. Als Erik sich die Haare löste, wallte ein bittersüßer Schmerz in ihr auf. Ihre Finger zuckten – sie liebte es, durch dieses helle, dichte Haar zu fahren, doch jetzt war kein Platz für Zärtlichkeit. Stattdessen war da diese Unruhe. Das Unausgesprochene.
Sie beobachtete, wie er begann, sich aus der Hose zu schälen, die Bewegungen fahrig, frustriert. Er war in Gedanken, seine Emotionen schlugen hohe Wellen, so wie sein Atem sie ahnen ließ. Und sie ließ ihn. Tat nichts, sagte nichts. Bis seine Hände an der ledernen Hose verharrten und er kurz innehielt. Reinka trat lautlos näher, ging vor ihm in die Knie. Ihre Finger lösten geschickt den letzten Haken an seiner Hüfte, dann half sie ihm, aus dem steifen Leder zu steigen. Ihre Bewegungen waren ruhig, wie eine sanfte Geste des Vertrauens – und vielleicht auch der Fürsorge. Kein Zeichen von Unterwürfigkeit, sondern das stille Angebot, da zu sein. Zu tragen, was er nicht in Worte fassen konnte.
Sie richtete sich erst wieder auf, als das Kleidungsstück auf dem Boden lag. Ihre Hände legten sich sacht an seine Oberschenkel, als sie sich wieder erhob. In ihrem Innersten pochte die Wahrheit, die Leif ihr anvertraut hatte – diese eine Information, die Erik vermutlich nicht erfahren hatte. Sie war sich nicht sicher, wie weit ihr Bruder gegangen war. Ob er sich überhaupt geöffnet hatte
„Wie seid ihr verblieben?“ Ihre Stimme war leise, tastend. Sie trat einen Schritt näher an den Zuber heran und ließ sich daneben auf die Knie sinken, wartend, dass Erik seinen Weg in das warme Wasser fand. Dann senkte sie den Blick auf ein paar muskelentspannende Kräutersalze, die sie dem Bad zusetzte und sagte fast tonlos, aber bestimmt: „Du weißt, dass du kein Verräter bist.“ Reinka kannte keinen loyaleren Menschen als ihren Ehemann. Ihre Brust hob sich schwer, als sie die nächste Stille aushielt. „Mein Bruder hatte kein Recht, dich so zu behandeln.“ Ihre Finger zupften unruhig an ihrem Umhang. Der Impuls, sich wutschnaubend auf die Suche nach Leif zu machen, der heute außerhalb von Wolfsmark weilte, um ihn zur Rede zu stellen – ihn zur Hölle zu wünschen –, saß ihr im Nacken wie ein Zucken zwischen den Schulterblättern. Sie kannte ihren Bruder. Wusste, wie er um sich geschlagen haben musste, um Erik so sehr zu verprellen. Und sie wusste, wem sie in diesem Moment zu glauben hatte.
Wut und Resignation verdunkelte für einen Augenblick ihre Züge, aber sie zwang sich, ihre Miene zu klären und Erik ein ermunterndes Lächeln zu schenken. Sie nahm seinen Schmerz in sich auf wie ihren eigenen, um es irgendwie besser zu machen. Sie ließ weiches Leinentuch ins angenehm warme Wasser gleiten, brach die Oberfläche in angenehme Wellen und sah Erik aufmunternd an. “Komm, lass mich dir helfen.“
